Viro-Logisches IV

Das Corona-Virus hält uns in Atem, die Menge der Informationen, die Geschwindigkeit ihrer Veränderungen überfordert uns alle; selbst sogenannte Experten verlieren den Überblick, es geistern Zahlen und Theorien im Netz umher. Nachfolgend ein paar lose, freie Gedanken, allein aus dem fehleranfälligen Denken geboren und ohne jegliche Expertise.

Das tatsächlich Beängstigende an der Epidemie ist, daß sie uns vor Augen führt, was für schwache Kämpfer unsere westlichen Demokratien sind. Sie wirkten von außen unantastbar, unschlagbar, ihr innerer Lebensstil ebenso wie die geistige Oberflächlichkeit zeugten von einer unvorstellbar arroganten Selbstgewißheit. Und nun hat man das Gefühl: es gab einen Schlag und der ganze Koloß wankt. Ein zweiter würde ihn vielleicht zu Fall bringen. Das tatsächlich Beängstigende der Epidemie ist also, daß wir einen zweiten Schlag, ein zweites Problem, eine weitere Krise – ob natürlich oder menschengemacht – nicht verkraften würden. Wir leben in einer Gesellschaft und wir sind selbst ohne Resilienz. Wer kann, sollte beten.

Wenn es denn Menschen geben sollte, die sich nichts sehnlicher wünschen als den Untergang der modernen Gesellschaft, dann ist jetzt ihr Zeitpunkt. Sie müßten nur über eines erhaben sein: die globale Ablehnung einer solchen Tat, auch dort vermutlich, wo man ihnen im Normalfall zugejubelt hätte.

Wir haben wohl eine Skylla-und Charybdis-Entscheidung vor uns. Entweder wir halten die restriktiven Maßnahmen sehr lange aufrecht und verschärfen sie sogar noch, mit dem Ziel die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen, letztlich das Leben von hunderttausenden Menschen zu verlängern, dabei aber – die andere Klippe – eine systemische Dysfunktionalität aller bisher eingeölten Mechanismen und Strukturen zu riskieren, mithin das Leben von sehr viel mehr Menschen, wenn nicht gar das Funktionieren der westlichen und demokratischen Gesellschaft als solche. Sofern nicht bald ein massentauglicher Impfstoff vom Himmel fällt, werden wir mit jedem Tag dringlicher auf dieses Dilemma verwiesen. Theoretisch bliebe freilich eine dritte Möglichkeit, nur widerspricht diese alle historischen Erfahrungen und der Kapitallogik, auf der unser Gefüge besteht: Man müßte aus der Not eine Tugend machen, das erzwungene Zurückfahren von Produktion und Konsumtion nutzen, um Gesellschaft neu zu denken und zu organisieren. In der Theorie könnte man sogar mit Synergieeffekten zum ökologischen Umbau rechnen. Allein, die Geschichte kennt kaum ein Beispiel eines geglückten derartigen visionengeleiteten Umbaus – alle diese Versuche endeten in einer Hölle ganz eigener Art.

Das Mindeste und Machbare wäre immerhin eine Nationalisierung der Schlüsselindustrien. Siehe: Heinrich Sickl: Corona: Gegen die Globalsierungsfalle: „In der Produktion von Computern, Mobiltelefonen, Elektronik, aber auch Kleidung und Medizinprodukten ist teilweise eine fast hundertprozentige Abhängigkeit entstanden, die es ebenfalls gilt aufzulösen. Das Know How ist in Europa vorhanden, die Produktion wurde ausgelagert und damit tausende Arbeitsplätze zerstört, Fabriken stillgelegt und Einkommen vernichtet. Ein Kontinent, der nichts mehr produziert, aber alles importiert.”

Unsere Lebensform – ganz gleich, wie man dazu steht und entgegen ihres Binnenmantras von der „Unabhängigkeit“ und „Freiheit“ – ist eine der zehntausenden Abhängigkeiten – national, international, global – also Unfreiheiten. Sie steckt voller sichtbarer und unsichtbarer Interdependenzen, deren komplexe Verwicklungen zu viel für ein Menschenhirn sind. Sie lebt von Differenzierung, Spezialisierung und Bewegung, vom Verkehr in allen seinen Formen. Das ist niemandes Schuld, das hat sich quasi-evolutionär im Zusammenspiel von Mensch, Natur und Technik so ergeben und eingespielt. Diese Lebensart ermöglichte dem westlichen Menschen unerahnte Freiheiten – auf Kosten von unvorstellbaren Zwängen. Wir waren bis vor wenigen Wochen frei, fast alles zu tun, aber wir haben diese Freiheit mit der Unfähigkeit des Selbsterhaltes erkauft, mit der Abhängigkeit von anderen, von Experten, von Techniken, von Mitteln, Beziehungen etc. Vermutlich haben wir wesentliche Fähigkeiten innerhalb dieses quasi-evolutionären Prozesses auch verlernt. Die Funktionalität dieser hyperkomplexen Lebensform hängt vom Ineinanderspiel der zehntausenden Abhängigkeiten ab. Wenn die Bewegungsfreiheit dramatisch eingeschränkt wird, wenn wesentliche Infrastrukturen zum Erliegen kommen, wenn Produktions-, Distributions- und Konsumtionsketten gekappt werden, spielen wir mit dem Kollaps. Ob Polizist, Militär, ob Müllfahrer oder IT-Experte, ob Arbeiter in Kraft- oder Wasserwerken, ob du oder ich: alle sind ein kleines Rädchen. Ihr individueller Ausfall spielt keine Rolle, aber es gibt einen Grenzbereich, ab wann das summarische Fehlen signifikant wird. Daher können die jetzigen Maßnahmen keine Dauer haben, sie werden bald gelockert, es wird bald umgedacht werden müssen – oder man riskiert das Gesamtsystem.

Hinzu kommt, daß die wahren Feinde dieser Gesellschaft sehr genau wissen, wo sie am anfälligsten ist. Ihre Phantasien gingen ihnen schon lange voraus. Vergiftungsphantasien auf islamistischer, Leitungskappphantasien auf linksextremistischer, Massakerphantasien auf rechtsextremistischer Seite. Vom Wahnsinn ganz zu schweigen.

Wenn der Virus fast ausschließlich Alten und Schwerkranken gefährlich werden kann, wäre es dann nicht konsequenter, für deren Schutz in Isolation, für deren Versorgung zu sorgen, auch mit exekutiver Gewalt? Man könnte alle 65+ ermahnen oder zwingen, sich selbst zu isolieren und dort, wo das nur schwer möglich ist, für eine zentrale und überwachte Isolation sorgen. Der Rest der Bevölkerung geht derweil seinem normalen Leben nach und durchlebt den Erreger. Ist das nicht die eigentlich logische Konsequenz aus allem Wissen über den Virus?

Dürfte man so simpel denken, wie unser Teammanager Löw, als er – wie die Presse beeindruckt feststellte – die nachdenklichen Worte von der Gegenwehr der Natur, der Erde  gegen den Menschen aussprach, dürfte man so denken, dann wäre das Virus nicht als natürliche Reaktion gegen die Spezies, sondern als Versuch einer natürlichen Korrektur der eklatanten demographischen Schieflage zu lesen. Der Virus wäre dann sogar als „Versuch der Natur“, die moderne Gesellschaft zu erhalten lesbar.  In Italien sind 25% der Menschen 65 Jahre und älter, in Afrika sind das gerade mal 3%. Das ist auch der Grund, weshalb der schwarze Kontinent trotz deutlich schlechterer medizinischer Versorgung vermutlich relativ ungeschoren davonkommen wird.

Immerhin bietet uns Löw eine bewährte Lösung an: Es ist von nun an besser und Pflicht, sich nur in die eigene Hose zu fassen.

Noch niemand hatte Merkels Rede gehört, da war sich die Presse bereits sicher, daß es sich um eine „große Ansprache“, um „eine historische Merkel-Rede“ handeln wird.

Tatsächlich war Merkels Einschwörung das komplett zu Erwartende. Sie hat gesagt und getan, was sie mit ihren bescheidenen Mitteln sagen und tun kann, sie hat ihr Programm abgespult, ihre inneren Möglichkeiten ausgereizt. Die Rede war weder gut noch schlecht, sie war so banal wie notwendig – wenn auch zu spät und: eine solche Rede hätte es in ihrer Kanzlerschaft schon früher geben müssen: 2008, 2011, 2015. Vermutlich war sie auch umsonst.

Daß die Rede nun auch im Nachgang vom Gros der meinungsmächtigen Presse – die bekanntlich links besetzt ist – in den Himmel gelobt wird, als stark, „emotional, empathisch und mit großer Kraft“, als eine „Meisterleistung der Krisenkommunikation“ bezeichnet wird, deutet auf ein tief verinnerlichtes – gerade bei der Linken – Bedürfnis nach Führung hin. In ihrer Angst gieren sie nach einer starken Gestalt, nach jemandem, der das Ruder übernimmt oder doch zumindest so tut, der behauptet, er/sie wisse, was zu tun und zu lassen sei, der ihnen – wie eine Mutter – versichert, es werde alles gut oder sich – wie Macron mit seiner Kriegsmetapher – als Feldherr, als Napoleon geriert. So hatten sie Merkel auch schon in den anderen existentiellen Krisen und Umbauten bejubelt. Am meisten aber suchen sie jemanden, der die Verantwortung auf sich nimmt und sie selbst entlastet. Tatsächlich aber wälzte Merkel alles Verantwortung von sich ab und machte den Erfolg der Maßnahmen von der Bevölkerung abhängig.

Aufschlußreich: Es war eine Ansprache vor Nationalflagge.

Es könnte interessant werden, die Entwicklung der Migrationsströme – ob Flüchtling oder Asylant – genau zu verfolgen. Daraus lassen sich Dringlichkeitsannahmen generieren.

Manch einer prognostizierte schon einen Geburtenboom ab Dezember. Es ist auch das exakte Gegenteil denkbar, denn die Angst vor dem Virus hält uns auf Distanz.

19 Gedanken zu “Viro-Logisches IV

  1. Überhaupt lag eine Krise seit fast 15 Jahren in der Luft, aber dass sie jetzt im Rahmen eines Pandemieszenarios abgespult wird, hat auch mich völlig überrascht.

    Wobei die Frage bleibt, ob es sich bei den aktuellen Geschehnissen nur um die Generalprobe handelt, oder schon um die Aufführung selbst.

    Sollte das alles einem Plan folgen und künstlich geschaffen oder zumindest als tolle Begründung missbraucht worden sein, dann sind die Strippen- und Drahtzieher wahre Genies ihres Fachs.

    Möglicherweise ist es sogar die einzige Möglichkeit, die Luft aus den Blasen abzulassen, ohne, dass alles in die Luft fliegt.

    Noch ist völlig offen, welche Dimension alles entwickelt. Es ist durchaus denkbar, dass es eine etwas vergrösserte Version von 2008 wird, die zu einer weiteren Fortsetzung der vorherigen Entwicklung um weitere 10-20 Jahre führen würde.

    Gefällt 2 Personen

  2. Stefanie schreibt:

    „Hinzu kommt, daß die wahren Feinde dieser Gesellschaft sehr genau wissen, wo sie am anfälligsten ist. Ihre Phantasien gingen ihnen schon lange voraus. Vergiftungsphantasien auf islamistischer, Leitungskappphantasien auf linksextremistischer, Massakerphantasien auf rechtsextremistischer Seite. Vom Wahnsinn ganz zu schweigen.“

    Das hier fügt sich dort wohl ein:
    https://www.mz-web.de/panorama/anschlag-auf-ice-strecke-verdaechtiger-von-spezialkraeften-bei-koeln-festgenommen-36448414

    Liken

  3. „Bislang sind von 60 Mio Italienern und 35000 nachweislich Infizierten 3248 am Virus gestorben.“

    Das stimmt aber nicht, denn:
    Angelo Borelli, Leiter des Italienischen Zivilschutzes:

    »Ich möchte aber nochmal darauf hinweisen, dass wir alle Verstorbenen zählen, dass wir nicht unterscheiden zwischen Corona-Infizierten, die gestorben sind, und denen, die wegen des Corona-Virus gestorben sind.«

    Nun, die Medien nehmen das weniger genau …

    Man weiß nicht einmal, ob überhaupt eine einzige Person „am Virus“ gestorben ist. Die hatten alle so viele Vorerkrankungen, dass sie wohl eher an diesen gestorben sind.

    Liken

    • @ Fauxelle

      Diese Aussage ist sehr bedeutsam: Damit wäre endlich die Frage geklärt, ob die Leute wegen oder „nur“ mit dem Virus sterben. Leider wissen wir das Verhältnis nicht – man könnte es vermutlich aus den Abweichungen vom Mittel sich erschließen. Das würde vielleicht auch die italienischen Zahlen erklären – wie wird das in D oder anderswo gehandhabt?. Habe erst an einen Übersetzungsfehler geglaubt, aber der sagt das wirklich: (ab 1:00)

      Auf Sezession war im Forum diese Darstellung zu lesen (leider sind die Links nicht öffnen):

      Schauen wir uns Italien an, das Land mit den weltweit meisten Coronavirus-Sterbefällen:
      Bevölkerungsbilanz (Jahr 2018)
      Bevölkerung am 1. Januar – 60.483.973
      Geburten – 439.747, Sterbefälle – 633.133

      Sterblichkeitsrate:
      633.133 Tote : 365 Tage = durchschnittlich 1735 Tote/Tag.
      In 10 Tagen = 17.350, in 30 Tagen = 52.050.

      Am 31.1.2020 wurden in Italien erstmals 2 Infektionen mit COVID-19 diagnostiziert, am 20.3.2020 waren es 47021.

      Die ersten mit Coronavirus infizierten Toten (n=2) gab es in Italien am 22.2.2020, am 20.3.2020 waren insgesamt 4.032 verstorben.

      Überträgt man die durchschnittliche Sterblichkeitsrate von 1735 Tote/Tag auf den Zeitraum vom 22.2.2020 bis zum 20.3.2020 (= 28 Tage), so sind in diesem Zeitraum 1735 x 28 = 48.580 Todesfälle zu erwarten – im Vergleich zu den 4.032 Coronavirus infizierten Toten.

      In Deutschland betrug im Jahr 2018 die Bevölkerungszahl 82.79Millionen, Geburten 787.523, Sterbefälle 954874.

      Sterblichkeitsrate:
      954.874Tote : 365 Tage = durchschnittlich 2.616 Tote/Tag

      Die Zahl der in Deutschland diagnostizierten Infektionen mit COVID-19 ist hier dargestellt:

      Die ersten mit Coronavirus infizierten Toten (n=2) gab es in Deutschland am 9.3..2020, am 20.3.2020 waren insgesamt 32 verstorben.

      Überträgt man die durchschnittliche Sterblichkeitsrate in Deutschland auf den Zeitraum vom
      9.3..2020 bis zum 20.3.2020 (n= 12 Tage), so sind in diesem Zeitraum 2616 x 12 = 31392 Todesfälle zu erwarten im Vergleich zu den 32 mit Coronavirus infizierten Toten.

      Liken

  4. Tarik schreibt:

    Danke nochmal für die Verlinkung u.a. der „swiss propaganda research“. Ich stimme Ihren bisherigen Beiträgen inhaltlich zu, sowohl was die Skepsis zur Berichterstattung betrifft (siehe Wodarg, dessen Kritik ich nicht als „zerlegt“ betrachte, wie dies entsprechende Medien betitelten) als auch vor der wirklichen Gefahr dieser ganzen Angelegenheit, nämlich den ökonomischen und daraus resultierenden sozialen Folgen (Aggression durch „Lagerkoller“, Plünderungen etc., diese Szenarien sind keine bloße Scharzmalerei), die tiefgreifender und umfassender sein werden dürften, als den meisten heute noch bewusst ist.

    Gefällt 2 Personen

  5. Absalon von Lund schreibt:

    Das Grundgefühl der LINKEN ist nach meiner Einschätzung Todesangst und zwar deshalb, weil sie an der Urheberschaft und Verläßlichkeit das Vaters zweifeln. Mit jedem Schachzug ihrer neuen modernen selbstkonstruierten sozialistischen Welt wird ihre Lage hoffnungsloser (der Todestrieb im Sozialismus!) Plötzlich fällt der Apfel vom Boden zum Ast, ändert sich das Klima, regieren Kinder die Welt, betet man Macht,Geld und Besitz an statt Gott, der die Liebe ist. Und wie immer alle paar Jahrzehnte steht der menschengemachte Versuch, Gott zu soielen, vor dem Zusammenbruch.
    Aber es ist, wie es schon immer war, also in Ewigkeit: der Vater schuf die Welt und der Apfel fällt vom Ast zu Boden, nicht weit vom Stamm:

    Liken

  6. Diesen Satz verstehe ich nicht:
    „Wenn es denn Menschen geben sollte, die sich nichts sehnlicher wünschen als den Untergang der modernen Gesellschaft, dann ist jetzt ihr Zeitpunkt. Sie müßten nur über eines erhaben sein: die globale Ablehnung einer solchen Tat, auch dort vermutlich, wo man ihnen im Normalfall zugejubelt hätte.“

    Was für eine Tat? Also wessen? Nicht eher: „Ereignis“ oder „Vorgang“? Und wer lehnt was ab? Breite oder gesamtgesellschaftliche Ablehnung von Leuten, die das Ende der Moderne herbeisehnen, ist ja nicht neu (außer, man zählt klimadikatorische Phantasten hinzu, die gern Modell China statt Modell „moderne westliche Demokratie“ hätten). Und wer jubelt Leuten zu, die gern die Moderne überwänden? Ach bitte, Mißverständnissalat sortieren, dann kapier ich’s auch ….

    Liken

    • @ Fauxelle

      Hier war an sogenannte Extremisten gedacht worden, erstmal ganz allgemein. Irgendein Fanatismus steckt immer dahinter, z.B. religiös motiviert. Apokalyptische Glaubenssysteme lassen sich immer auch in diesem Sinne interpretieren: Wir, die Wissenden, die Glaubenden, die Auserwählten … haben uns durch diese Eigenschaften das ewige Leben gesichert, die anderen sind Sünder, Ungläubige o.ä. und also wert auch sofort in die Hölle geschickt zu werden. Man kann den Beginn dieses Gedankens gut bei den Zeugen studieren – dort ist die Konsequenz nur ausgeblendet. Man kann auch an gewisse Szenarien islamistischer Terroristen denken, das Trinkwasser zu vergiften – chemisch oder biologisch -, Anthrax-Anschläge etc. Es ist wohl anzunehmen, daß es in diesen Kreisen Individuen gibt, die, hätten sie die Mittel, dazu bereit wären. Daß es eine Grenze der Terrorzustimmung gibt, hat 9/11 gezeigt, das in seiner Dimension von der überwältigenden Mehrheit der Muslime, auch der Anhänger Al Qaidas, abgelehnt wurde.

      Was machen die Hacker in ihrer nun zusätzlichen Freizeit?

      Man kann aber auch an die psychiatrische Seite denken, an die nausée Sartres. Aus dem Absurden lassen sich alle möglichen Konsequenzen ziehen. Houellebecq spielt manchmal an diesem Rand.
      Einige school shootings oder das Las Vegas shooting oder auch Brejvik lassen vermuten, daß die Täter in ihrem Handeln nur unterbrochen worden. Auch der Typus des Germanwings-9525-Absturzes ist denkbar …

      Wenn also jemand derartige Pläne im Sinne hat, wenn ihm die Möglichkeiten zur Verfügung stehen, dann wäre die jetzige Lage insofern „optimal“, als sie kataklystische Wirkung haben könnte.

      PS: Sofern es Dichotomien gibt.

      Gefällt 1 Person

  7. Zwei Gedanken: a) ist das Virus selbstverständlich eine „natürliche Reaktion gegen die Spezies“, wobei „gegen“ in Bezug auf natürliche Prozesse immer schwierig ist. Ich hatte es schon einmal formuliert: dort wo viel Nahrung ist, z.B. wg. hoher Dichte, sammeln sich Konsumenten. Das Virus ist aus einer Laune der Natur heraus entstanden und hat sich wg. seiner raffinierten Reproduktion selektiv durchgesetzt. Der Mensch ist auch nur ein Wirt. Die Dichte ist der Brandbeschleuniger, die mögliche Verschiebung in der Demographie ist der Kollateralschaden, wenn man so will.
    b) Es gibt schon seit einiger Zeit Überlegungen und auch tatsächliche Entwicklungen der „Repatriierung“ von Produktion, vielleicht nicht unbedingt national, aber zumindest zurück nach Europa. Die Digitalisierung, Industrie 4.0 mit vollautomatischen Fabriken, macht’s möglich, billige Chinesen braucht dann niemand mehr. Diese Tendenz wird die Pandemie zunächst erfordern und dann beschleunigen. Ob das nur gut ist, sei dahingestellt. Vermutlich müssen wir uns dann erst recht einmauern und brauchen ganz viele junge Männer (und Frauen) als Grenztruppen auf lange Zeit. Die sind ja dann auch, wg. der vollautomatischen Fabriken, reichlich vorhanden. Schöne neue Welt.

    Gefällt 2 Personen

  8. Tommy schreibt:

    „Das tatsächlich Beängstigende der Epidemie ist also, daß wir einen zweiten Schlag, ein zweites Problem, eine weitere Krise – ob natürlich oder menschengemacht – nicht verkraften würden.“

    Fehlt nur noch, dass der seit Jahren befürchtete große Stromausfall infolge der Energiewende in Deutschland jetzt kommt.

    „Entweder wir halten die restriktiven Maßnahmen sehr lange aufrecht und verschärfen sie sogar noch, mit dem Ziel die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen, letztlich das Leben von hunderttausenden Menschen zu verlängern, dabei aber – die andere Klippe – eine systemische Dysfunktionalität aller bisher eingeölten Mechanismen und Strukturen zu riskieren, mithin das Leben von sehr viel mehr Menschen, wenn nicht gar das Funktionieren der westlichen und demokratischen Gesellschaft als solche.“

    Ich halte diese Alternative für falsch, der bereits deutlich bei vielen erkennbare Wunsch „Lasst uns doch ein paar hunderttausend Alte opfern, die eh nicht mehr lange leben, damit die Wirtschaft nicht kaputt geht“ ist m.E. nicht nur moralisch fragwürdig, er ist auch völlig naiv. Eine ungehemmte Verbreitung des Virus wird auf jeden Fall das Gesundheitssystem zum Zusammenbruch bringen. Das wird nicht nur viele Covid-19-Tote bedeuten, sondern auch zu vielen Todesfällen aus anderen Gründen führen. Ein Großteil des medizinischen Personals wird nicht nur fürchterlich traumatisiert werden (mit allen langfristigen Folgen von Berufsaufgabe bis Suizid), es wird, gerade angesichts des Mangels an Schutzkleidung, auch zu einer nicht unerheblichen Zahl von Covid-19-Todesfällen unter Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern kommen, wie das in Ansätzen bereits in China und noch deutlicher im Iran erkennbar war (und zwar auch bei Leuten unter 40, teils sogar unter 30). Schließlich ist es m.E. auch überhaupt nicht ausgemacht, dass bei einer Überlastung des Gesundheitssystems auch wirklich nur die ganz Alten und Kranken sterben werden. Aus Frankreich hört man nun, dass dort die Hälfte aller Covid-19-Patienten in Intensivbehandlung unter 60 Jahren sind. Wenn die Lage außer Kontrolle gerät, werden auch viele mittelalte und zumindest einige junge Personen sterben, die jetzt noch versorgt werden können, weil man ihnen Priorität vor den ganz Alten einräumt. Und die wirtschaftlichen Folgen eines Zusammenbruchs des Gesundheitssystems werden ebenfalls katastrophal sein, da unter solchen Bedingungen viele Menschen (gerade auch in sensiblen Bereichen mit Menschenkontakt, z.B. Supermarktpersonal) aus Gründen der Selbsterhaltung schlichtweg nicht mehr zur Arbeit erscheinen werden.
    Die Idee, dass man die Sache in ein paar Wochen oder Monaten durch ein radikales „Ende mit Schrecken“ durchstehen könnte, geht deshalb m.E. in die Irre und wird erst recht zur Katastrophe führen.

    Gefällt 2 Personen

    • Der hier vorgetragene Gedanke war ja nun gerade ein Versuch, das von Ihnen beschriebene Szenario zu verhindern, die Alten zu retten, eine ungehinderte Verbreitung gerade dort zu verhindern, wo sie gefährlich ist, und er beruft sich natürlich auf die mir bekannten empirischen Fakten – und die zeigen eine starke Korrelation zwischen (hohem) Alter und Mortalität. Sollte es andere Erkenntnisse geben, dann bitte eine Quelle anhängen – es ist nicht alles zu bewältigen, was gerade einstürmt.

      Die von mir angedeutete Alternative hat auch gar nichts mit Moral oder ähnlichem zu tun und schon gar nichts mit einem „Wunsch“. Sie ist entweder falsch oder richtig/wahrscheinlich. Ist sie falsch, dann muß man mir erklären, wie die hochgradig interdependente Welt langfristig fortbestehen kann, wenn man ihr immer mehr wesentliche Dependenzen entzieht udn unterbricht – staatlich verordnet oder krankheitsbedingt. Sie müßten also erklären, wie die wesentlichen gesellschaftlichen Bereiche über lange Zeit weiterfunktionieren sollen, wenn man ihnen Personal und Infrastruktur entzieht. Am Ende wird es soweit kommen, daß Infizierte sich wieder ins Kraftwerk, an die Provider, in die Kasernen, in die Krisenstäbe etc. schleppen, um das Ding am Laufen zu halten. Ist das Schwarzmalerei? Vielleicht – ich habe die Dynamik der Moderne schon vielmals unterschätzt.

      Den Satz „Die Idee, dass man die Sache in ein paar Wochen oder Monaten durch ein radikales „Ende mit Schrecken“ durchstehen könnte, geht deshalb m.E. in die Irre und wird erst recht zur Katastrophe führen.“ verstehe ich nicht und sehe ihn auch nicht in meinen Gedankenspielen repräsentiert.

      Liken

      • Tommy schreibt:

        „Den Satz „Die Idee, dass man die Sache in ein paar Wochen oder Monaten durch ein radikales „Ende mit Schrecken“ durchstehen könnte, geht deshalb m.E. in die Irre und wird erst recht zur Katastrophe führen.“ verstehe ich nicht und sehe ihn auch nicht in meinen Gedankenspielen repräsentiert.“

        Ich wollte Ihnen damit nichts unterstellen, nur hat mich Ihre Argumentation in einigen Punkten an die vieler anderer erinnert, bei denen m.E. wirklich die Idee vorherrscht, man könnte die Angelegenheit innerhalb weniger Monate durch einen radikalen Schnitt durchstehen (wobei diese Leute sich zum Teil auch gar keine Gedanken um den Schutz von Riskogruppen machen, sondern ganz offen sagen „Dann sterben die Alten eben, so what, das ist der Gang der Welt“).
        Bzgl. der Wirkung von Covid-19 auf jüngere Altersgruppen hier nur zwei Beispiele:
        https://edition.cnn.com/2020/03/19/health/coronavirus-age-victims/index.html?utm_medium=social&utm_content=2020-03-19T10%3A34%3A47&utm_term=link&utm_source=twCNN
        https://thehill.com/changing-america/well-being/prevention-cures/487888-more-than-half-of-french-icu-patients-with

        Wenn man in den Bereich von Hunderttausenden oder gar Millionen Infizierten und schwer Erkrankten kommt, wird das auch bei den jungen bis mittelalten Alterskohorten schwerwiegende Folgen haben. Hinzu kommt, dass die Langzeitwirkungen des Virus ja bisher weitgehend unbekannt sind, es gibt ja z.B. einige beunruhigende Hinweise auf bleibende schwere Schäden wie Lungenfibrosen auch bei „geheilten“ Patienten. Vor diesem Hintergrund erscheint es mir fahrlässig, auf das Erreichen von „Herdenimmunität“ als Strategie zu setzen (zumal nicht einmal völlig klar ist, inwiefern eine Covid-19-Infektion zu Immunität führt und wie lange diese anhält).

        Was m.E. deshalb zu tun wäre: Versuchen die bereits angelaufenen Epidemien mit extremen Maßnahmen wie weitgehenden lockdowns innerhalb mehrerer Monate niederzukämpfen, wie das in China ja anscheinend geglückt ist, ein System von Massentests aufbauen, das dann nach Lockerung der extremsten Maßnahmen einen ständigen Überblick über Neuinfektionen und die sofortige Einleitung von Gegenmaßnahmen ermöglicht, das Gesundheitssystem durch massive Investitionen auf einen neuen Ausbruch vorbereiten, an allen denkbaren Therapien intensivst forschen (Impfstoff, antivirale Medikamente, Immunserum etc.). Nötig sind natürlich auch strenge Beschränkungen des Reiseverkehrs und Quarantänemaßnahmen. Das würde natürlich alles große Einschnitte mit sich bringen, aber der bisherige fatalistische „Nun ist es zu spät, lassen wir die Sache einfach laufen“-Ansatz wird m.E. weit schlimmere Folgen haben.

        Gefällt 2 Personen

        • Es gibt in dieser Frage offensichtlich sehr unterschiedliche Positionen und Studienergebnisse: https://www.welt.de/wissenschaft/article206649557/Coronavirus-Das-weiss-Italien-ueber-die-Toten.html

          https://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin-ernaehrung/corona-krise-neue-zahlen-aus-wuhan-von-wissenschaftlern-16686751.html

          https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/coronavirus-deutschland-todesfaelle-risikogruppen-biopsie

          https://swprs.org/covid-19-hinweis-ii/#19m

          https://time.com/5805894/coronavirus-charts/

          Natürlich sollte man in seinem Handeln von den Möglichkeiten ausgehen.

          Es bleibt dennoch die Frage: Wie soll der systemische Crash verhindert werden, wenn man dem System dauerhaft die Adern abschnürt?

          Liken

          • Michael B. schreibt:

            > Es bleibt dennoch die Frage: Wie soll der systemische Crash verhindert werden, wenn man dem System dauerhaft die Adern abschnürt?

            In dem man nicht in den Dichotomien denkt, die Sie ja auch schon in die Fragestellung legen (‚dauerhaft‘, ‚das‘ System). Ihr Vorredner gebraucht ja nicht ohne Grund stattdessen Begriffspaare wie ‚lockdown vs. Lockerung‘. Das enthaelt ein ganzes Spektrum an Kombinationen, sowohl was die zeitliche Aufrechterhaltung, die Intensitaet und auch die gewaehlten raeumlichen und anderen Skalen betrifft. Der ganze Tanz in diesen Freiheitsgraden bietet doch eine ganz andere Menge an Moeglichkeiten das Optimum zu enthalten als die beiden simplen Grenzzustaende. Dass es hier natuerlich andere Optima verfuegungsstaerkster Gruppierungen gibt, die dem teilweise vollstaendig entgegenstehen und die sich ueber das Einhaemmern der Extrema als alternativlos besser durchsetzen lassen wuerden, das ist ja nicht nur mir klar. Schon deswegen muss man immer wieder dagegen vorgehen.

            Um im Bild zu bleiben: Adern muessen nicht ganz abgeschnuert werden und ebenfalls nicht fuer unbegrenzte Zeit, man kann ausserdem unwesentliche und wesentliche Versorgungsleitungen und Teilsysteme auch priorisieren und verschieden behandeln. Ein Schiff hat auch Schotten, weil es genau in dieser Hinsicht sinnvoll ist.
            Hier ist man uebrigens ganz schnell an dem Punkt, dass man auch einmal seine Augen nicht mehr vor hypertrophierten und anderweitig entarteten Teilen verschliesst, deren Notwendigkeit schon lange fragwuerdig ist. Dabei richtet sich das Augenmerk dankenswerterweise mit darauf, was hierbei systemisch fuer eigentlich wessen System ist und warum.

            Und was ‚den crash‘ betrifft – da gehoere ich sicher zu der Schule, die diesen sich nicht nur oekonomisch schon viel laengere Zeit ankuendigen laesst. Der kommt mit und ohne Corona. Auch, weil ich die toenernen Fuesse, die Sie am Anfang Ihres Artikels erwaehnen, schon sehr lange so wahrnehme.

            Liken

            • @ Michael B.

              „Der ganze Tanz in diesen Freiheitsgraden bietet doch eine ganz andere Menge an Moeglichkeiten“ – das ist eine gelungene Formulierung. Sie drückt auch ziemlich genau aus, was ich sage. Im Moment hören wir nur von Verschärfung und Verlängerung der restriktiven Maßnahmen. Diese Dichotomie wird nicht von mir aufgebaut, sondern von Politik und Medien und allen Argumentationen, die jetzt radikale und dauerhafte Lösungen verlangen. Fakt ist, daß diese Maßnahmen auf Dauer nicht durchzuhalten sind und daß man priorisieren müssen wird. Dazu zähle ich die Ausgangssperre und die Schließung aller sekundären Unternehmen.

              Daß der shutdown bisher wenig Erfolg zeitigte ist bekannt. Stattdessen scheint intensives und intelligentes Testen und gezieltes Isolieren eine sinnvolle Strategie zu sein:
              https://www.focus.de/gesundheit/news/weniger-als-100-neuinfektionen-am-tag-ohne-das-oeffentliche-leben-stillzulegen-so-bekam-suedkorea-corona-in-den-griff_id_11788161.html

              https://www.diepresse.com/5787589/wie-ein-italienisches-dorf-das-coronavirus-fast-besiegte

              Das andere Extrem, das immer wieder wie ein Menetekel an die Wand gemalt wird, ist der Kollaps „des Systems“ bei ungehinderter Verbreitung des Virus. Wenn man sich aber die meist verallgemeinernden Schreckanmeldungen im Detail anschaut, dann verlieren sie viel von ihrem Schrecken. Nehmen wir Bergamo. Dort hat das Militär die Särge aus der Stadt gefahren – apokalyptisches Bild. Tatsache: es handelte sich um 60 Särge, die das örtliche Krematorium nicht verarbeiten konnte. In Bergamo haben sie jetzt 10 Seiten Todesanzeigen – apokalyptisches Bild. Tatsache: Es sind, soweit zu sehen sind, ausschließlich sehr alte Menschen und, wenn man dem Bürgermeister glauben kann, handelt es sich innerhalb eines Monats um 400 Tote und 4000 Infizierte – die Stadt hat 120000 EW.

              Die Sache mit den Dichotomien hatte wir ja schon. Was ist die Mitte zwischen Leben und Tod?

              Liken

              • Tommy schreibt:

                „Daß der shutdown bisher wenig Erfolg zeitigte ist bekannt. “

                In China hatten die extremen Lockdown-Maßnahmen sehr wohl Erfolg…und werden deshalb ja auch mittlerweile ansatzweise wieder gelockert.
                „Ausgangssperren bringen nichts, dafür lieber Massentests“ ist auch wieder ein völlig falscher Gegensatz…man muss auf ALLE diese Maßnahmen zurückgreifen (auch China testet massiv), um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
                Südkorea ist natürlich ein positives Beispiel…nur: Die hatten auch schon von Anfang an eine gute Strategie und konnten deshalb, bisher zumindest, die Ausbreitung des Virus deutlich hemmen, ohne auf radikale Ausgangssperren zurückgreifen zu müssen. Den Zeitpunkt dafür hat man aber aufgrund schockierender Inkompetenz der politischen Eliten in Deutschland um Wochen oder sogar Monate verpasst, weil lange im Grunde gar nichts getan wurde. Nun ist die Krankheit im ganzen Land verteilt, die Fallzahlen verdoppeln sich jeweils innerhalb weniger Tage…das bekommt man, wenn überhaupt, nur noch durch radikale Gegenmaßnahmen in den Griff.

                „Wenn man sich aber die meist verallgemeinernden Schreckanmeldungen im Detail anschaut“

                Wohlgemerkt, es handelt sich hierbei um Zustände während eines weitreichenden Lockdowns. Bisher konnten wir nirgends im Detail beobachten, was passiert, wenn sich das Virus über lange Zeit völlig ungehindert verbreiten kann (außer vielleicht im Iran, wo die Lage sehr extrem zu sein scheint, wo man aber aufgrund der Informationslage nur begrenzt Einblick hat). Meines Erachtens gehen Sie zu leichtfertig davon aus, dass das, was man gegenwärtig in Italien sieht, bereits der worst case ist.
                Aber wir werden ja sehen, so wie ich dieses Land mittlerweile einschätze, glaube ich auch nicht mehr, dass entschieden gegengesteuert werden wird. In ein paar Wochen ist Deutschland vielleicht dann zumindest ein Lehrstück für den Rest der Welt, im negativen Sinne.

                Gefällt 1 Person

                • @ Tommy
                  So oder so – da haben Sie vermutlich recht, mit dem Lehrstück.

                  Ich bleibe dabei (aber wer bin ich schon?): ein shutdown ist nicht lange durchzuhalten, man wird ihn lockern müssen, um nicht das Gesamte gegen die Klippe zu fahren und muß es, sobald ein weiteres Problem hinzukommt. Klar: Skylla und Charybdis kann man nur durch Lavieren umfahren – wer das gesamte öffentliche Leben und Teile der Produktion/Distribution langfristig lahmlegt, ist nicht nur panikgetrieben, sondern baut exakt diese Dichotomie auf, laviert eben gerade nicht, setzt auf nur eine Lösung. Diese wird der Natur des Virus – nach allem, was wir wissen, nicht gerecht.Es ist nicht einzusehen, weshalb Menschen nicht ins Freie dürfen, sofern man sicher stellt, daß sie sich nicht kontaktieren. Mit „Ausgangssperren bringen nichts, dafür lieber Massentests“ – das war zu plump dahingesagt – meine ich radikale Ausgangssperren. Gerade hier wäre Flexibilität vonnöten. Singapur, Taiwan etc. – nicht immer vergleichbar – haben es vorgemacht, China übrigens auch: dort haben die Tests vermutlich eine größere Rolle gespielt und testen kann man am besten, wenn die Leute auf der Straße sind – immer wieder. Zum einen die Fiebertests auf der Straße, vor allem aber der Labortest, bei Verdachtsfälle – und dann strenge Isolation.

                  https://www.ft.com/content/60633b9a-621d-11ea-b3f3-fe4680ea68b5

                  https://www.bbc.com/news/world-asia-india-51922204

                  https://www.bbc.com/news/world-asia-51836898

                  Primär Isolation führt hingegen zu exakt den italienischen Zustände, besonders in überalterten Gesellschaften: die Alten legen sich zu Hause in „Quarantäne“, wie ihnen eingeredet wurde, und wagen erst den Schritt in die Klinik, wenn sie schon blau anlaufen. Es fehlt bei der Isolation das soziale Element, die Abgleichung mit anderen, die Aufmerksamkeit der anderen …

                  Mit den „Schreckensmeldungen“ sind nicht die tatsächlichen Tragödien gemeint – die sind schrecklich. Sie werden aber medial ins Überdimensionale aufgeblasen und erzeugen eine apokalyptische Stimmung, die der Realität nicht gerecht wird, die vor allem selbst zum geschichtsmächtigen Faktor wird. Was sich daraus ergibt, kann die Realfolgen des Virus weit übertreffen. Es werden Mikroereignisse als quasi-global verkauft. Das erinnert an irrationale Ängste, wie beim Hai oder dergleichen.
                  —————-
                  Zusatz. Soeben auf einem Forum gefunden – da Individualerfahrung nicht verallgemeinerbar, aber sehr wohl reale Folgeprobleme beschreibend:

                  „Hier ein Erfahrungsbericht aus der medizinischen Alltagsarbeit.

                  Ich bin niedergelassener Arzt (hausärztlich-internistisch) in einer Stadt und übersehe 1200 Patienten, ca. die Hälfte ist über 60
                  Jahre alt. Es sind auch etliche chronisch Kranke dabei.

                  Ich weiß von 4 Patienten, dass sie positiv auf CoViD-19 getestet wurden. Sie sind gesund, einer hat einen Schnupfen, einer hat einen grippalen Infekt, zwei merken nichts. Alle wurden gestetet, weil sie in einem Risikogebiet waren oder Kontakt zu einem nachgewiesenen Fall hatten.

                  In den letzten Wochen waren keine Auffälligkeiten oder Häufungen von Schupfen, grippalen Infekten oder Lungenentzündungen zu sehen. Nichts Besonderes.

                  Zusammenfassend kann ich also sagen, dass aufgrund des CoViD-19 in meiner Praxis bislang kein relevantes medizinisches Problem zu bemerken war.

                  Jedoch sehe ich folgendes:

                  – eine notwendige Aortenklappenersatzoperation wird auf unbestimmte Zeit verschoben, der Patient hat Luftnot bei mässiger Belastung

                  – eine Herzkatheteruntersuchungen bei Verdacht auf koronare Herzkrankheit wird auf unbestimmte Zeit verschoben

                  – Rehabilitationsbehandlung nach Hüftoperation wird abgebrochen, die Rehaklinik wird wegen eines nachgewiesenen CoViD-19 Falles geschlossen (der CoViD-19 Patient ist an sich gesund).

                  – einer meiner Patienten, schwer Lungenkrank wendet sich mit Luftnot und Husten an seinen Pneumologen. Dort wird er nicht in die Praxis eingelassen mit Verweis auf seinen Husten und potentielle CoViD-19 Besiedelung. Ihm wird eine Videosprechstunde 3 Tage später angeboten.

                  – und so weiter

                  Was ich bisher aus den Krankenhäusern höre: nichts Besonderes, Betrieb wie bisher auf den Intensivstationen. Allerdings Überfüllung in den Corona-Ambulanzen, sehr viele Besorgte möchten sich dort testen lassen.

                  Ich erlebe massive Ängste und Verunsicherungen bei vielen Patienten, Angst „vor Corona“ aber auch Angst, vor dem beruflichen Nichts zu stehen.“

                  Gefällt 1 Person

                • Gerade gelesen: Warum sterben in Italien so viele Menschen?

                  u.a. 99% der Verstorbenen mit Vorerkrankungen, die Hälfte davon multiple. Durchschnittsalter der am Virus Verstorbenen 79,5 Jahre, das sind drei Jahre weniger als die Lebenserwartung in der übrigen Bevölkerung und 2 Jahre weniger als bei Männern, die 70% der Verstorbenen ausmachen.

                  Bislang sind von 60 Mio Italienern und 35000 nachweislich Infizierten 3248 „am Virus“ gestorben.
                  ————————–
                  Außerdem ein instruktiver Beitrag zu einer früheren Diskussion über das moderne Eßverhalten der Chinesen. Wenn die Analyse korrekt ist, dann dürfen wir wohl sagen, daß der (chinesische) Kommunismus auch an dieser Krise sich schuldig gemacht hat.

                  ——————-
                  Noch dazu: die Meinung Stevanovic‘, geäußert auf Poseners Blog – ein (mir) neues Argument:


                  Stevanovic
                  18. März 2020 um 11:49 Antworten

                  Ja, ich glaube nicht Schwarzmalern, ich glaube auch nicht den Behörden, den gekauften Wissenschaftlern schon mal gar nicht und erst recht nicht den Profiteuren und am allerwenigsten denen, die nur mit gesundem Menschenverstand arbeiten und die deswegen etwas cleverer sind als die anderen. Wem ich aber bedingungslos glaube, ist der Kommunistischen Partei Chinas. Die würden, ohne zu zögern, tausende opfern, um ihren Nimbus zu wahren. Wenn die eine Millionenstadt absperren, vor aller Augen, dann haben die richtige Angst. Und wenn die vor einem Virus richtig Angst haben, dann ist da was. Wenn dann noch die größten Redereien ihre Containerschiffe im Hafen lassen, dann wissen wir, dass einen Monat später, hier Material und Zeug fehlen wird. Das sind Unternehmen, die ohne zu Zucken Crews für Minuten Zeitvorteil opfern würden. Kurz: Wenn die unbarmherzigen Taktgeber des Turbokapitalismus innehalten und Geld im Fantasiebereich aufgeben und die KPC ihre Macht riskiert, dann glaube ich denen mehr als den Gesundenmenschenverstandlern, die wir hier für den Export zu genüge hätten (leider fahren eben die Container nicht). Wenn unsere Wissenschaftler das gleiche sagen, wie die der KP, dann sollten wir uns daran halten. Ich glaube nicht, dass ein Lungenfacharzt aus dem Allgäu deswegen falsch liegen muss, aber gewichtet doch mal die Aussagen nach der Höhe der Einsätze: Geld und Macht gegen Besserwisserei. Mich überzeugt Geld und Macht. Deswegen macht es furchtbar Sinn, sein Umfeld vorzubereiten (Vorräte für zwei/drei Wochen sind kein Hamstern), Hände waschen und zu Hause bleiben. Auf dem Flachbildschirm sehen alle Theorien gleichberechtigt aus, aber am überzeugendsten sind die, auf die die Großen Geld&Macht wetten. Das wäre meine Lehre.“

                  Aber ist es schlüssig? Mir scheint, Stevanovic löst hier die Abstraktheit solcher Entitäten wie „Partei“, „Geld“ und „Macht“ einfach auf um zu übersehen/verschleiern, daß es sich in allen Fällen und immer um ganz konkrete Menschen handelt, die Beschlüsse fassen wahrscheinlich auch „Schwarzmaler“, welche „mit gesundem Menschenverstand“, „Profiteure“ etc. Und ob die Meinung eines großen Parteivorsitzenden sachlich wertvoller ist, als die eines Arztes aus dem Allgäu, steht offen. Schließlich könnte auch der Parteivorsitzender sein …
                  Nicht die Partei hat Angst, sondern ihre Funktionäre. Und nicht notwendigerweise vor der Seuche, sondern vor ihren vielfältigen Auswirkungen, ahnend, daß Wirtschaft und Medien in einer hyperkomplexen Welt schnell sensibel reagieren und dann ihre eigene „Macht“, ihr „Geld“ in die Waagschale werfen.

                  Oder hat sollte Louis Fürnberg recht behalten?
                  Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
                  Und, Genossen, es bleibe dabei;
                  Denn wer kämpft für das Recht,
                  Der hat immer recht.
                  Gegen Lüge und Ausbeuterei.
                  Wer das Leben beleidigt,
                  Ist dumm oder schlecht.
                  Wer die Menschheit verteidigt,
                  Hat immer recht.

                  Seidwalk: Der Link am Anfang funktioniert nicht; kein Wunder,

                  href=“http://várható élettartam“ (HTML-Quelltext)

                  enthält keine gültige URI (schon allein wegen des Leerzeichens und der akzentuierten Buchstaben).

                  Das Durchschnittsalter der Italiener liegt sicher nicht über 80 Jahren, vermutlich haben Sie da stattdessen die Lebenserwartung (kollektiv resp. nur für die Männer) gemeint.

                  Seidwalk: Selbstverständlich. Da war ich unserer Zeit ein wenig voraus.

                  Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.