Höckes Rede und die Presse

Auf der Jubiläumsveranstaltung von Pegida hielt Björn Höcke gestern eine Rede. Darüber berichtet die „Zeit“ u.a. wie folgt:

„Eine halbe Stunde spricht Björn Höcke, man hört keine Grundsatzrede, in der er neue Töne anschlägt, sondern sein bekanntes Repertoire. Über die Gegendemonstranten sagt er: ‚Im Hintergrund sehen Sie die Opfer der deutschen Bildungskatastrophe.‘ Die seien auch in Vereinen engagiert, die man nicht mehr tolerieren werde. ‚Wir werden diese sogenannte Zivilgesellschaft dann leider trockenlegen müssen.‘”

Die Rede vom „trockenlegen der Zivilgesellschaft“ hat im Zeit-Forum verständlicherweise Aufsehen erregt und wird von den meisten Kommentatoren als Beweis seiner „faschistischen“, „nazistischen“, „nationalsozialistischen“, „extremistischen“, „verfassungsfeindlichen“ etc. Gesinnung gelesen. Und genauso wurde die Äußerung im Text auch plaziert.

Einer der Mitschreiber meint, Höcke habe das gar nicht so gesagt und verlinkt die inkriminierte Passage und tatsächlich, im Kontext der Gegendemonstrationen fallen diese Worte nicht. Hier hat die Zeit-Autorin Doreen Reinhard offensichtlich ein wenig manipuliert, wie es bekanntlich alle tun, die mit Vorsatz schreiben. Das mag man noch entschuldigen – ohne diese kleinen Tricksereien gibt es keine Presse, nirgends!

Es ist aber von Interesse, sich die skandalisierte Passage im tatsächlichen Zusammenhang anzuhören, die Höcke im Anschluß an die Erläuterung der Thüringer Wahl spricht – ich zitiere (ab: 1:36:42):

„Wir haben das, als nur unserem Gewissen verpflichtete Abgeordnete gewagt, in einer geheimen Wahl – die formal völlig korrekt, und niemand zweifelt daran, abgelaufen ist – haben wir dann einen FDP-Mann zum Ministerpräsidenten gemacht. Das polit-mediale Establishment unseres Landes nennt diese Wahl einen Skandal, es nennt diese Wahl einen Tabubruch, ja, es nennt diese Wahl einen Dammbruch.

Ist – und das frage ich jetzt mal rhetorisch –, ist die Wahl von Thüringen ein Tabubruch, gar ein Skandal? Diese eigentlich selbstverständlich mit einem kräftigen „Nein“ zu beantwortende rhetorische Frage ist in den letzten Tagen von keinem einzigen deutschen Qualitätsmedium gestellt worden. Aber – und das ist bezeichnend –, die größte und wichtigste Tageszeitung in einem unserer südlichen Nachbarländer – nämlich der Schweiz – hat diese Frage gestellt, es war die NZZ, die diese Frage gestellt hat und sie hat sofort die Antwort darauf gegeben: Nein, das ist kein Skandal, das ist Demokratie!

Als sich in Görlitz vor einem halben Jahr Sebastian Wippel, unser Mann, als Kandidat zur Oberbürgermeisterwahl stellte, da konnte nur eine Phalanx, die von der ehemaligen, von der Ex-SED, die ja nur ihren Namen verändert hat – die heißt heute „Die Linke“ – und ist rechtsidentisch mit der Ex-SED, bis zur Merkel-Söder-Union den Durchmarsch unseres AfD-Mannes verhindern. Wir erinnern uns alle noch gut daran.

Die Etablierten sprachen und sprechen zu solchen Anlässen dann gerne von einem breiten, bunten Bündnis, das sich gebildet habe. Also die, die auch jenseits der Absperrung heute wieder versammelt sind, nicht wenige von ihnen, wie wir wissen, und wie wir als Landtagsfraktion in den 16 Landesparlamenten durch kleine Anfragen aufgeklärt haben, und das Selbige hat unsere Bundestagsfraktion gemacht, die nicht selten von Millionen Euro Steuergeld genährt wird. Und auch das werden wir abstellen, wenn wir in Regierungsverantwortung sind. Wir wollen ein freies Land. Wir wollen, daß unsere Bürger sich frei und unmanipuliert eine Meinung machen können. Der Staat darf nicht als Ideologieproduzent auftreten und deswegen werden wir diese sogenannte Zivilgesellschaft, die aus Steuergeldmillionen finanziert wird und sich daraus nährt, dann auch leider trockenlegen müssen.

Nochmal: ich freue mich über gesellschaftliches Engagement, aber gesellschaftliches Engagement ist nur dann ehrlich und aufrichtig, wenn man es ohne Steuergeld praktiziert.“

Nun, die Differenz ist so offensichtlich, daß man in diesem Fall ein gewisses Verständnis für jene Pegidisten aufbringen kann, die das unschöne Wort „Lügenpresse“ aus anderer Erfahrung skandieren. Denn um Lüge – ich bevorzuge das Wort „Irreführung“ – handelt es sich hier.

Höcke will also nicht „die Zivilgesellschaft“ trocken legen, sondern jene Teile der Medien und der Protestkultur, die staatlich finanziert und ideologisch voreingenommen einseitig aktiv sind und sich als Zivilgesellschaft gerieren, und er betrachtet dieses „Trockenlegen“ – man könnte über diese Vokabel auch Kritisches sagen, aber das ist hier nicht das Thema – als Voraussetzung und Garant – soweit darf man das Interpretieren – eines wahrhaft demokratischen, freien Diskurses.

Doreen Reinhards sinnentstellende und verleumderische Kompilation aus Vortragsfetzen ist der beste Beweis für die Notwendigkeit einer solchen medialen Wende.

Auch andere Blätter schießen aus der Hüfte.

Siehe auch: Das System Relotius

Wer ist Höcke?

Björn Höckes Selbstentzerrung

14 Gedanken zu “Höckes Rede und die Presse

  1. Jochen Thurm schreibt:

    Ich habe doch ein wenig Mitleid mit Lynx.
    Wie bei uns allen(wenn auch sicher in unterschiedlichem Ausmaß) ist sein Hirn durch Emotionen gesteuert.Diese Gefühle sagen ihm AFD= IH BÄ BÄ.
    Dieses Raunen seines Produkts aus Genen und Erziehung muss nun nachträglich pseudorational
    überlackiert werden in etwa so:AFD= das Urböse=NAZI.
    Sein Nazi ist nun aus Gründen unbekannter Art in 1. Linie ein diabolischer,charismatischer
    Vergewaltiger.Auch der einfache AFDler bahnt sowas ja durch freundliche Gesprächsangebote
    im Aufzug oder Einladungen zu Kaffee oder Bier an.
    Hat also Methode.
    Natürlich ist Lynx sich sicher,nur seine zutiefst wahre „sozialdemokratische „,damit un-
    ideologische Moral und Ethik /Werte lassen ihn das teuflische an der AFD erkennen.

    Leider gibt es für diese Privatmoral keine Letztbegründung.
    Gilt auch umgedreht für die der AFD.

    Alles nur Meinung,nicht mehr.

    Sehr lesenswert gerade auch für Lynx

    http://homoduplex.de/ist-links-gut-und-rechts-boese/

    Seidwalk: Danke auch für den Link! Scheint ein wacher Geist zu sein, dem man sich intensiver widmen sollte.

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  2. Skeptiker schreibt:

    Ich verstehe lynx nicht:
    Ob man Herrn Höcke mag oder nicht: als Medienbenutzer kann ich eine präzise Berichterstattung verlangen.
    Ich habe seidwalks Anmerkungen zu Höcke als eine Aufforderung an die sich selbst für seriöse haltende Presse verstanden, in korrekter Weise Reden zu referieren. Die aufgezeigte Differenz zwischen dem Höcke-Text und der journalistischen Exzerptleistung der ZEIT-Journalistin scheint mir einsichtig. Die Frage lautet doch mittlerweile (nicht nur in diesem Fall): kann sie es nicht oder will sie es nicht? Im ersten Fall wäre es nicht das erste Mal, dass sich hier schlichte Unfähigkeit im Verständnis und Referieren von Gesagtem zeigt. Dies könnte als Entschuldigung dienen, wenn man ihr nicht eine bewusste Desorientierung vorwerfen will. Im ersten Fall hat sie ihren Beruf verfehlt, im zweiten Fall sollte sie die Profession wechseln und Politikerin, evangelische Pastorin oder Dozentin für Gender werden.
    Die nachlassende Kompetenz jung-deutscher Medienschaffender ist leider ein täglich aufweisbarer Moment auf dem Weg in die vollmanipulierte Gesellschaft rotgrüner Prächtigkeit.

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    • Als Antwort auf Skeptiker.

      Dann nehme ich Höcke einmal beim Wort: Demnach dürften AfD-Funktionäre nicht bei Pegida-Veranstaltungen mitlaufen, denn diese Partei finanziert sich und ihr „gesellschaftliches Engagement“ wesentlich aus Steuergeldern. Dank generösem Erbe wird sich der Steueranteil demnächst gewaltig erhöhen. Aber er will uns halt ein X für ein U vormachen.

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  3. Michael B. schreibt:

    Es ist wie mit seinem ‚Denkmal der Schande‘, Sieferles ‚Mythos‘, Petry’s ‚Schiessbefehl‘, Voelkerhatz in Chemnitz und, und, und… . Man kann das alles muehelos wissen, der Kontext liegt in allen Beispielen direkt daneben. Keine muehsame geistige Arbeit ueber dem Niveau, einmal kurz in das Original hineinzusehen.

    Das ist nicht die Frage dabei, sondern die Festigkeit der Konditionierung dazu dies eben nicht nur nicht zu tun, sondern ein solches Ansinnen aktiv zu verweigern.

    Seidwalk: Das ist quasi der perfekte Kommentar zu Lynxens Elaborat weiter unten – das Sie noch gar nicht kennen konnten. Noch nicht mal die Sekundärtexte – in diesem Fall meiner – werden gelesen; es genügt ein Reizwort, da gehen die automatischen Schießanlagen schon los, der Satz wurde noch nicht mal beendet, schon ist der Sprecher tot.

    Lynx: N. B. Sehr genau habe ich gelesen, doch was soll das an der nüchternen Einschätzung ändern
    ?

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    • Michael B. schreibt:

      > Lynxens Elaborat

      Habe ich jetzt gelesen. Die Spiegelfunktion der Sprache in die dort verfallen wird holt mich immer wieder auf den Boden dessen zurueck, was und wer mit Diskussion erreichbar ist oder eben auch nicht.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Als Antwort auf Lynx:

      Ich habe selten so gelacht wie über Ihre Benennung „nüchterne Einschätzung“ für Ihre eigene emotional überschießende Reaktion. Das erinnert an einen Choleriker, der vor Wut seine Zigarre verschluckt und dazu schreit: „Ich rege mich nicht auf!“

      Meine Empathie lässt mich erahnen, dass Sie so etwas eben brauchen und deshalb schätzen. Nun denn, noch ein paar Anlässe für Ihren Zorn der Gerechten:

      • Konzentrationslager [in welche die Regierenden am liebsten ihre Kritiker stecken wollten]
      • Tausendjähriges Deutschland [Folgesatz über Otto den Großen]
      • Herrschaft des Unrechts [Wegen Verfassungsbruchs, der mit einem Plaidoyer an die Bäuche der Rechtserfühlerinnen gerechtfertigt wird]
      • Volk [Verfassungswidriger Begriff]
      • Erinnerungspolitische Wende um 180° [Wider den Nationalmasochismus, der die Politik selbstschädigende Entscheidung auf selbstschädigende Entscheidung häufen lässt]
      • „Bereicherung“ [Bitte nur die Anführungszeichen bemäkeln]
      • Dumme weiße Gör [Die Qual der Wahl …]
      • Hoc volo, sic jubeo, sit pro ratione voluntas [Von einem ganz alten weißen Mann über eine (?) Frau gesagt]
      • Angelächelt werden [Typisch faschistisch]
      • Zum Kaffee eingeladen werden [Typisch faschistisch]

      Außerdem würde ich Ihnen ein Seminar mit Anton Hofreiter empfehlen, dem HB-Männchen und biologischen Spezialisten für Genderkniegelenke, der kann diese besinnungslose Daueraufgeregtheit noch viel besser durchhalten als Sie. Von den Grünen lernen heißt siegen lernen!

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    • Michael B. schreibt:

      @lynx

      > Sehr genau habe ich gelesen

      Bis jetzt habe ich ja noch grundlegende Faehigkeiten vorausgesetzt. Dass man das eigene kognitive Durchschlagen des Bodens in Form mangelnder elementarer Texterfassung aber noch als Gegenteil statuieren moechte, das hat schon Chuzpe.

      Nehmen wir also einmal eines der Beispiele (die anderen funktionieren genauso)

      Kern (den Doktor braucht es uebrigens nicht, jedes normale Abitur meines Jahrgangs sollte locker genuegen): (12:22)

      Ich habe mir das Buch uebrigens selbst erst nach diesem Interview gekauft. Da auf Reisen, habe ich es jetzt nicht hier liegen und kann nicht zitieren, die Klarstellung Kubitscheks ergibt sich dort sofort aus dem unmittelbaren Umfeld der im Interview zitierten Aussage.

      Abschliessend: (10:14)

      @seidwalk

      Bitte die korrekten youtube links einfuegen, sonst ergibt mein posting keinen Sinn (sie haben Zeitstempel der Form „t=700“ am Ende)

      Seidwalk:
      Geht nicht – einfach korrekte Links noch mal senden oder Beitrag neu einsenden.

      WordPress scheint das nicht zu übernehmen – im Backend kann ich es allerdings sehen – habe daher die Zeitangaben eingefügt

      Michael B:
      > einfach korrekte Links noch mal senden

      Nicht so einfach, die Links sind korrekt, WP erwartet aber wohl etwas Selbstgeschnitztes (womit ich mich nicht extra herumschlagen will und weswegen ich diese Software u.a. nicht benutze). Mindert etwas die Wirkung, aber sei es drum.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Allgemein würde ich empfehlen, von Kubitschek lieber etwas zu einem Thema zu lesen als etwas dazu von ihm zu hören; er scheint im mündlichen Vortrag leider immer etwas fahring und ungenau zu sein, in schriftlicher Formulierung ist er dagegen dagegen präzise, Auf Anhieb habe ich zum Thema auf http://www.sezession.de dazu gefunden:

        https://sezession.de/57290/panikreaktionen-sieferle-auf-platz-1

        https://sezession.de/57295/der-skandal-sieferle-die-wichtigsten-faq

        https://sezession.de/57329/schnitzeljagd-nach-sieferle

        Vermutlich noch mehr mit der Suchmaschine (meiner und) ihrer Wahl und der URL der Sezessions-Website.

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        • Wie schrieb der göttliche GK gestern: „irgendwann kommt dann wieder Bewegung in die verhärteten Fronten – muß ja.“ Was für ein Prophet. Man sollte seine Eingebungen ernster nehmen.

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          • Pérégrinateur schreibt:

            Sie sollten Kubitscheks Sezessions-Kommentar zum Buchmessen-Coup des Antaios-Verlages suchen und lesen. Darin bestätigt er in nüchternstem Ernst alle geheimen und perfiden Machinationen, die von der Presse des Wahren, Schönen und einzig Guten (welche natürlich gegenüber jeder Verschwörungstheorie immer höchst skeptisch ist) anlässlich dessen über den Verlag verbreitet wurden. Wie man den und jenen an verborgenen Fäden ziehe, von denen er gar nichts ahne usw. usf. Es ist zum Schieflachen. Außer natürlich für jene, die daran glauben, weil sie in ihrem ideologischen System immer (mindestens) einen Teufel brauchen.

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        • Michael B. schreibt:

          > lieber etwas zu einem Thema zu lesen als etwas als etwas dazu von ihm zu hören

          Als Einwurf dazu: Ich finde diese Einstellung oefter einmal vor und halte sie fuer unnoetig selbsteinschraenkend. Es ist wichtig, die Leute in anderer Form wahrzunehmen (in meinem Beispiel genuegt auch die Praezision durchaus fuer den engeren Zweck, aber das ist unabhaengig von dem was ich sagen will).

          Wer eben z.B. dieses Kubitschekinterview einmal unvoreingenommen von Anfang bis Ende ansieht, der wird schnell merken, dass er es eben ueberhaupt nicht mit einem Unmenschen und Naziteufel zu tun hat und im besten Fall einmal anfangen darueber nachzudenken, wer ihm warum den Mann dafuer verkaufen will. Er wird z.B. Charakterzuege wie Festigkeit und Verantwortungsgefuehl registrieren koennen, die schriftlich ueberhaupt nicht zum Ausdruck zu bringen sind. Es ist ein Irrtum zu denken, dass das eigene Anliegen nur durch abgeklopftes, x-mal quergelesenes, destilliertes und im Endeffekt formal richtiges Gedrucktes zur Wirkung kommen koennte. Im Gegenteil, bei Beschraenkung darauf bleibt die Wirkung auch in prinzipieller Form beschraenkt.
          Man wuchert dahingehend viel zu wenig mit seinen Pfunden, was natuerlich auch im grundlegenden Charakter eines solchen Naturells begruendet liegt. Aber das koennen ja andere machen, wie eben in diesem Fall RT.

          Dass das die Russen sein muessen ist schon schlimm genug. Die herrschende Clique hierzulande weiss ganz genau, wo die Musik spielt (naemlich nicht in ein paar Buechern oder schriftlichen Meinungsaeusserungen). Die Moeglichkeiten werden mit totalitaerer Zielstellung aktuell weiter beschnitten. Siehe folgende Verschaerfung

          https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kampf-gegen-Hass-Bundesregierung-stimmt-fuer-Pflicht-zur-Passwortherausgabe-4663947.html

          die kaum thematisiert wird. Stattdessen wird sie inhaltlich mit einem doch unverhofft wunderbar zeitlich passenden Ereignis wie der Schiesserei eines Verrueckten zur Deckung gebracht und auf allen Propagandakanaelen versucht ins Bewusstsein als notwendig einzupeitschen. Ohne jede Scham vor ‚unzulaessigen Verallgemeinerungen‘ und ‚Instrumentalisierung‘ uebrigens, die bei jedem mohammedanischen Messerhelden scheinheilig immer eingefordert werden.

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          • Pérégrinateur schreibt:

            Wenn ich nicht gerade rein spöttisch und satirisch schreibe, weil es mir zu bunt geworden ist, dann unterstelle ich beim Gegenüber Einsichtsfähigkeit, selbst wenn diese nicht in dem Maße vorhanden sein sollte, wie man es hoffen möchte; das ist meine „Diskursethik“, und die kann ich merkwürdigerweise besser durchhalten als manche Verkünder einer solchen die ihre. Dass man dabei auch Perlen vor die Säue wirft, ist unvermeidlich. Niemand wird jemanden in seinen Gewissheiten erschüttern, dessen Bild der Welt überall perfide Teufel zeigt wie bei Chagallschen Bildern der Himmel Engel.

            Mir geht es also ums Ad rem, nicht ums Ad personam. Dass etwa Kubitschek schon allein durch sein putziges Schwäbeln in die Augen jener, die menschlich und nicht sachlich urteilen, aus der Rolle des Großteufels fallen müsste, wollte ich sicher nicht bestreiten. Ich glaube nur nicht, dass die Emotionalisierten erreichbar sind, denn die werden sich so etwas schon gar nichtr ansehen bzw. wenn sie es doch tun, dann nur auf die Triggerworte lauschen und sie dann so verstehen, wie sie es verstehen wollen. Die moralische Herabsetzung durch die Leithammel hat da ihre Wirkung getan, und die Selbstbindung an ein einmal mit welcher Berechtigung auch immer getroffenes moralisches Urteil ist für gewöhnlich unerschütterlich. In solchen DIngen sein Weltbild zu ändern, würde das Selbstbild allzu sehr gefährden; man gestünde ja ein, ein Trottel oder ein moralisch Urteilsunfähiger gewesen zu sein. Eine sogenannten moralische Entscheidung ist nichts anderes als eine, über die man keine Diskussion mehr zulassen will.

            Der Kelch muss bis zur Neige des eigenen Schmerzes ausgetrunken werden; erst wenn das Stammhirn anders funkt, kann auch die Großhirrinde in anderen Bahnen denken. Selbst hieran kann man noch zweifeln. Denken Sie an dieses in Freiburg vergewaltigte und in der Dreisam ertrunkene Mädchen, auf dessen Beerdigung ein Bischof anscheinend predigte, sie würde vielleicht noch leben, wenn sie misstrauischer gewesen wäre, das wäre aber kein besseres Leben gewesen – ohne von den ideologiegefangenen Angehörigen hochkant aus der Veranstaltung geworfen zu werden. Das ist sehr weit weg vom Leviten und seiner Kebse im Buch Richter.

            Ich nutze häufig den öffentlichen Nahverkehr. Im Falle ich dabei durch gewisse „Verwerfungen“ im Zusammenhang mit einer Gruppe junger Männer zu Tode käme, hätte ich nichts dagegen, dass meine Überreste hundertgrammweise verteilt und zur Veranschaulichung an gewisse Repräsentanten in Berlin geschickt würden. Aber auch das würde bei den 600 Guten dort nichts ändern. Der Platz am Trog erzwingt den Konformismus.

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            • Michael B. schreibt:

              > Ich glaube nur nicht, dass die Emotionalisierten erreichbar sind, denn die werden

              Diese Art Emotionalisierter sind doch auch nicht das Ziel, wie geschrieben werde ich hier keinen lynx ueberzeugen wollen. Aber das vorgebliche Schisma im Volk werde ich den Teufel tun und wie von vielen Seiten statuiert, akzeptieren. Das zu tun, hilft nur denen, die sozialexperimentell zuendeln. Das heisst nicht, die Spaltung negieren zu wollen, aber sie ist eben nicht surjektiv. Ueberhaupt nicht, da gibt es im ’normalen‘ Menschen Resilienz. Dieses zu den Raendern druecken ist ja fuer sich selbst schon eines der perfidesten Werkzeuge.

              Jetzt mit den Jahren registriere ich schon gelegentlich Wandel bei Leuten die 2015/16 noch ueberhaupt nicht so aussahen. Durch kein einzelnes, aber eine Summe von Dingen bewirkt. Da gehoert auch einmal ein link zum Originalauftreten einer nur in einseitiger Art bekannten (was man eben so nennt) Person dazu, ohne das jetzt ueberzubewerten. Ja schon die Selbstentlarvung – einfach durch ihr Auftreten – von Bundestagsmitgliedern der Guten bei Beitraegen der AfD zeigt bei Anfaengern erstaunliche Wirkung, denn der einzige Hinderungsgrund ist der durch jahrelanges Abgestumpftsein nichtvorhandene Wille es auch nur in Erwaegung zu ziehen, sich so etwas anzusehen. Man muss halt nur mit der Nase drauf stossen, sich im Moment der Rezeption entfernen und die Sachen fuer sich arbeiten lassen. Abstumpfung ist am Ende auch nur eine spezifische Reaktion auf Schlaege. Die in Erinnerung zu rufen, triggert die innere Person.

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  4. Ich weiß nicht, ob Sie grenzenlos naiv sind oder sich als Büttel betätigen. Aber die Dinge so vage zu lassen, ist wahrscheinlich Teil des Spiels mit der Demokratie.
    Die Höcke-Interpretation der Thüringenwahl zu verteidigen, dazu fällt mir nur eine Parallele ein: mich erinnert das an eine vollzogene Vergewaltigung, was dort passiert ist. Technisch wurde der Akt „korrekt“ vollzogen (wie Höcke betont, der Macho), doch es war sozusagen ein arrangierter „Dreier“: während des Liebesspiels wandte Mann sich von der eigenen Partnerin ab und einer Fremden zu. Diese war quasi bewusstlos, benebelt, nicht ganz bei Sinnen und wurde heimlich überrumpelt. Mann entlud sich heimlich in ihr (in geheimer Wahl) – und dann lallte sie, besoffen wie sie war: „Danke“ (hätte sie wirklich nicht tun sollen). Als man der Missbrauchten (aus Berlin) einen Eimer Wasser über den Kopf kippte und sie sich wieder berappelte, fühlte sie sich zurecht missbraucht und beschmutzt, denn sie hatte sich ja eigentlich geschworen, sich nie mit diesem schmuddeligen Typen einzulassen. Was man ihr vorwerfen kann, ist ihr fahrlässiger Hang, sich einlullen zu lassen. Er dagegen ist einfach nur ein Vergewaltiger. Und wie jeder Vergewaltiger versucht er sich rauszureden und die „Willigkeit“ der Dame in den Vordergrund zu rücken. (Er geht sogar noch weiter und beansprucht für sich, ficken zu können, wen und wann er wolle und jede müsse dafür dankbar sein.)

    Insofern ist auch Frau Merkels Wortwahl vom „rückgängig machen“ tatsächlich nicht glücklich. Eine Vergewaltigung kann man nicht rückgängig machen. Aber es ist nachvollziehbarerweise geboten, alle ungewollten Folgen schnellstmöglich zu unterbinden und künftige Annäherungen des Täters auszuschließen. Das wird sich noch deutlicher darstellen in Zukunft. Denn Höcke ist nicht nur ein Nazi, sondern auch ein politischer Vergewaltiger, was seinen Nazismus nur belegt. Und gelebte Demokratie ist kultiviertes Handeln unter erwachsenen Menschen mit einigermaßen funktionierender Triebkontrolle.

    Deshalb muss Höcke auch wollen, dass mit privatem Geld nicht käufliche Medien nicht weiter existieren, denn der Vergewaltiger kann nur im mafiösen Geflecht überleben, gegenwärtige Beispiele dafür gibt es zuhauf. Ein Vergewaltiger, der von Freiheit redet, der redet nur von seiner Freiheit, andere missbrauchen zu dürfen. Zum Verteidiger eines solchen Menschen und einer solchen Haltung schwingen Sie sich auf? Wo bleibt da die „Hege“, die Bewahrung? Ich sehe da nur: Verwahrlosung, möglicherweise Wohlstandsverwahrlosung. Oder Mob, wie Hannah Arendt treffend sagen würde. Und Pegida bekennt sich ja sogar dazu. Wohlauf!

    Seidwalk: Lynx, Sie können noch nicht mal lesen. Hier wird nichts verteidigt, hier wird nur aufgezeigt. Wo, bitte schön, habe ich ein Wort zur Thüringen-Wahl gesagt? Tatsächlich habe ich mich bisher noch nicht dazu geäußert, weil mir die Materie noch zu undurchsichtig ist. Auch über Höcke wurde hier kein wertendes Wort verloren – selbst, wenn der ganze wirre Quark, den sie selbst entlarvend schreiben, stimmen würde, hat die Presse noch immer die Pflicht, bei der Wahrheit zu bleiben, Zusammenhänge wahrzunehmen und aufzuzeigen.

    Lynx: ??? Sie selbst zitieren (ab: 1:36:42) und genau zu diesem Originaltext von Höcke äußere ich mich. Mehr nicht. Wer seine eigenen Texte nicht kennt… Oder hat Per Leo doch recht, mit den Bocksprüngen, die Rechten immer vollführen?

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