Tragik eines angekündigten Todes

Man kann im verkündigten Rücktritt von den königlichen Pflichten des Prinzen Harry und seiner Aktrice alles Mögliche sehen – um das zu ergründen, genügt eine Presseschau.

Ich sehe darin ein bedenkliches Symptom unserer Epoche: der Sieg der Freiheit über die Verantwortung und die Tradition.

Nun mag es jedermann freigestellt sein, seinen individuellen Weg zu gehen, sein kleines Glück zu suchen[1] und dazu gehören auch Beendigungen von Beziehungen. Wer keine Lust mehr hat – das ist das Mantra unserer Zeit – kann gerne gehen. Alle anderen haben das zu „akzeptieren“ und zu „verstehen“.

Aber diese Freiheit kommt zu einem Preis: es gibt nichts umsonst. Sie zerstört die Institutionen, auf denen jede funktionierende Gesellschaft basiert und es gibt keine Garantie dafür, daß sie neue oder wenigstens gleichwertige Institutionen schaffen kann. So wurde etwa über den Weg unendlich zahlreicher zerrütteter Familien auch die Institution Familie zerstört.

Wer glaubt, das sei die wahre Dimension im Falle des Prinzen, der sieht das Eigentliche nicht. Es kommt nämlich darauf an, welche Dimension einer Institution man mit seinem Freiheitswunsch zerstört. Harrys Entscheidung ist eine gegen seine Position, in die er zwar geworfen wurde[2], die er also tatsächlich nicht selbst und frei wählen konnte, im Gegensatz zu den kleinen Dramen der Menschen, ist seine Rolle aber größer als er. Und eine solche Rolle kann man nicht einfach aufgeben, weil sie mehr als nur ein paar Privatmenschen tangiert: Sie zerstört die Institution Königshaus, sie schafft eine uralte Tradition ab, sie stürzt einen Staat in eine Krise.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob das britische Königshaus überhaupt noch zeitgemäß sei, ob es nicht abgeschafft gehört und selbstverständlich hat es bereits zahllose Könige und Royals gegeben, die aus äußeren oder inneren Zwängen die Krone abgaben. Doch das steht auf einem anderen Blatt. Sie taten es meist aus exakt jenem Grund, der dem jungen Paar nun mangelt: aus Pflichtbewußtsein, aus Verantwortung, vielleicht auch aus Not.

Es gibt nicht viele Menschen auf dieser Welt, die an ihrem Ort unentbehrlich sind. Wenn jemand seinen Job aufgibt oder seine Ehe oder einen Vertrag auflöst, dann kann er in der Regel ersetzt werden. Diesen Komfort kann sich ein Mensch in der Thronfolge an exponierter öffentlicher Stelle in einem zudem bereits korrosiven Zusammenhang nicht leisten. Er selbst ist der Pfeiler, nicht seine Position, oder anders gesagt: Person und Position sind eins. Das unterscheidet ihn vom Ottonormalbürger.

Daraus ergeben sich Pflichten, die schwer zu ertragen sein können, die aber ertragen werden müssen, zumindest dürfen sie nicht leichtfertig zugunsten eines kleinen Glücks aufgegeben werden. Die Art und Weise der Bekanntgabe via Instagram ohne Absprache mit der Queen läßt nahezu destruktiven Vorsatz vermuten. Harry entzaubert sich mit diesem Akt selbst und reiht sich in die Normalität einer ganzen jungen Generation ein, die glaubt, ihrem individuellen Glück alles opfern zu dürfen: Pflicht, Tradition, Verantwortung, Dienst. Ohne diese Werte ist eine funktionierende Gesellschaft aber nur schwer vorzustellen.

[1] Paradigmatisch „Zett“, das Jugend(!)-Magazin der „Zeit“: „Royal hin oder her – manchmal hilft nur die Kündigung beim Streben nach Glück und Zufriedenheit.“
[2] Geworfenheit macht er auch für seinen Sohn geltend: „This geographic balance will enable us to raise our son with an appreciation for the royal tradition into which he was born …“

10 Gedanken zu “Tragik eines angekündigten Todes

  1. Stefanie schreibt:

    Ein Fairytale

    Es war einmal ein kleines Königreich am Rande der alten Welt. Wellen umspülten seine steinigen Küsten, von denen aus die Inselbewohner in kleinen Booten in die stürmischen, bekannten und unbekannten Meere aufbrachen. Dort fanden sie neue Länder, in die sie zum Ruhme ihrer Krone Flaggen spießten und sich damit untertan machten. Groß und mächtig wurde das kleine Königreich, bis eines Tages die Sonne in ihm nicht mehr unterging.
    Doch what goes up, must come down. Andere Länder stiegen auf oder versuchten es jedenfalls. Einige der Untertanen des alten Königreiches erkämpften ihre Unabhängigkeit. Kurz: die Welt drehte sich weiter und obwohl man noch zwei Kriege um die Dominanz der Handelswege gewann, so war man dabei doch auf die Kooperation mit den unabhängigen einstigen Untertanen aus der neuen Welt angewiesen, die hernach zu den neuen Herrschern der Meere (und der Lüfte) geworden waren. Auch die meisten anderen Untertanen scherten aus dem alten Königreich aus, hielten zwar formal noch der neuen jungen Königin die Treue, ließen sich aber in die Alltagsgeschäfte nicht mehr hineinreden.
    Die Zeiten änderten sich; mit ihnen die Regeln, die Sitten und Gebräuche, das Geschäftsgebaren und auch alles andere. Selbst in der Familie der Königin ging es drunter und drüber: die Ehen in ihrer Verwandtschaft zerbröselten, selbst ihrem Thronerben spannte ein Prinz aus dem Morgenland die Frau aus, lockte dieselbe in die Stadt der Liebe, wo sie nach ihrem Herzen dann auch noch ihr Leben verlor.
    Da das kleine Land nun glaubte, nicht mehr für sich allein in der Welt bestehen zu können, trat man der Verwaltungsgemeinschaft der Staaten der alten Welt bei, schluckte seinen Stolz hinunter und begann bei dem Gefeilsche um Beiträge und Fördermittel mitzuzanken. Eifrig unterstützte man auch die Aufnahme immer neuer Staaten im Osten der Union, hoffte mit ihnen auf Verbündete gegen die Platzhirsche und Gründungsväter der Gebietskörperschaft. Doch es kam wie es kommen mußte: immer größer wurden die Risse im Muttergestein des alten Kontinents: die gemeinsame Währung konnte nur mit immer neuen Taschenspielertricks -whatever it takes – dem staunenden Publikum als stabil und solide verkauft werden, es gänge ihnen gut wie nie, man mache Überschüsse, man könne vor Kraft kaum laufen, ja man gab sogar vor, allen Mühseligen und Beladenen der Welt neue Heimstatt samt all-inclusive Versorgung bieten zu können; man stritt sich um Windmühlen und die Höhe der Steuern, die auf die Luft erhoben werden sollten; Sekten traten auf offener Straße vor die Menge, die mit Veitstänzen gegen das Verfeuern von Kohle und das nahe Ende der Welt anzuhüpfen versuchten, ja blutige Opfer darbrachten; tektonische Verwerfungen kündigten sich an, man munkelte gar, der alte Kontinent könnte vollends zerbrechen.
    Da wurde es den Untertanen auf der Insel langsam zu bunt. „Get the hell out of here,“ riefen sie ihren Herren zu, mit denen wollen wir nichts mehr zu schaffen haben. Wir haben eine Insel, einen natürlichen Burggraben, über den es schon seit tausend Jahren keiner mehr geschafft hat. Mögen sich die continentals doch das Leben selbst zur Hölle machen, wir haben unsere splendid isolation. Und so sollte es, nach langen hin und her, nach zwei Jahren, nein drei, bis um Ende des Jahres, nein des Monats … also bald kommen.
    Mit Bangen sah die alte Königin auf das, was die Zukunft ihrem kleinen Reich wohl bringen mochte. Der Thronfolger, nun selbst schon ein Silverager, würde wohl kaum als Hoffnungsträger taugen, ihn kümmerten inzwischen das Wohl der Blumen, der Bienen und der Pandabären mehr, als die Staatsgeschäfte. Sein ältester Sohn war ein pflichtbewußter, junger Mann, hatte Frau und drei Kinder, führte ein solides Leben in weitgehender Abwesenheit von Skandalen und Weibergeschichten. Wie mochte dieser im Krisenfall reagieren, wo er doch so wenig Erfahrung damit hatte?
    Der Jüngere der beiden hatte nun mit allerlei Possen von sich Reden gemacht, war ein bekannter Heißsporn, ein Rotschopf, der gern über die Strenge schlug, mit heidnischen Sonnenrädern bekränzt, den Hohepriestern den Establishments entgegentrat, die Schläge dafür einsteckte und weitermachte als sei nichts gewesen. Da begegnete er einmal einer jungen Maid. Eine exotische Schöne aus einem Märchenreich im Westen der neuen Welt, in dessen geheimnisvollen Stechapfelwäldern die neuen Mythen der neuen Herren gestrickt wurden. Schnell hatte sie sein Herz gewonnen, ihn trotz des Murrens seiner Untertanen flugs zum Altar geschleppt und geehelicht, einem Sohn das Leben geschenkt und schickte sich an, ihren Kopf durchsetzen zu wollen gegen jahrhundertealte Konventionen, welche darauf begreiflicherweise etwas verschnupft reagierten und sich weigerten dem Willen der neuen Lady zu folgen. Da warfen beide, wie es üblich geworden war, das Handtuch, schlugen die Tür zu, sagten den Untertanen, sie könnten ihr Geld behalten und und begaben an sich in die neue Welt, in deren Wildnis sie sich niederzulassen gedachten. Und so kam es, daß der Sohn des Zweitgeborenen (immer noch Nr. 7 der Thronfolge) fern des kleinen, wellenumspülten Eilands seiner Vorfahren aufwuchs, wo sich Fuchs und Bär und Polarwolf und kleine Häschen gute Nacht sagen. Vielleicht hütet er ja dort die Schweine, bis eines Tages ….

    to be continued……

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  2. Niavis schreibt:

    Ich bin nicht der Meinung, dass man einer Institution auf Gedeih und Verderb festhalten sollte.
    Es ist in Ordnung, wenn man kein Botschafter für ein Land sein möchte und andere Optionen hat, als ein Leben lang in der zweiten Reihe von Prinz William und Kate zu stehen und doch hätte ich gedacht, dass er mehr an England hängen würde.
    Wichtig ist, dass man den richtigen Weg wählt, den Absprung zu schaffen, mit Feingefühl und nicht über einen Social-Media-Kanal. Die arme arme Queen, dabei beschenkte sie beide mit einem wunderschönen Landsitz. Nach Harrys Sturm und Drang Zeit hätte er sich mit seiner Frau – sie sind ja beide weit über Dreißig – ein behagliches Leben einrichten können. Warum sie das über Bord warfen?
    Ihren rührenden Versuch für ihren Unterhalt selber sorgen zu wollen, finde ich albern, auch wird es in Amerika mit der Presse nicht besser werden. Es sei denn, sie hätten vor, sich tief in einer Holzfällerhütte in den Bergen zu vergraben.
    Man sollte bei der Kritik nicht nicht außer Acht lassen, dass die englische Upper-Class-Gesellschaft gnadenlos sein kann, die nicht zu ihrem Stand gehören. Diese Clubkultur sagt nicht jedem zu.
    Wie auch immer, in der britischen Monarchie sehe ich eine Fülle an Möglichkeiten, kulturell aktiv zu sein. Prinz Charles hat es geschafft, sich innerhalb dieser Institution mit seiner ökologischen Landwirtschaft zu emanzipieren. Er ist bekannt für seinen Liebe und Förderung ästhetischer Architektur und Stadtplanung, weit über die Grenzen hinaus. Apropos Stadtplanung, heute erreichte mich die Nachricht vom Tod Roger Scruton. Ein schwerer Schlag für die Freunde schöner Architektur. Schade, dass es solche Stimmen nicht in Deutschland gibt oder nicht hörbar geben darf. Um diese Vielfalt habe ich die Engländer immer beneidet.

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  3. Der Trugschluß liegt vor allem darin, systematisch und organisiert erreichen zu wollen, was sich eigentlich am Besten in freier, organischer Entfaltung in einer natürlichen schullosen Umgebung entwickeln kann. Die Verschulung in der modernen Welt hat vermutlich in großer Zahl Menschen zu einem „verkopften“ Leben gezwungen, die aufgrund ihrer seelischen Veranlagung daraus wenig Nutzen gezogen oder gar Schaden genommen haben. Ich meine natürliche Praktiker, also Typen, die Handwerker, Bauern, Jäger, Krieger etc. geworden wären, weil sie für die abstrakt-intellektuelle Ebene schlicht keinen Kopf haben und für ihre natürliche Entwicklung auch gar nicht brauchen.
    Ich halte es zudem für einen Trugschluß, daß jeder Mensch lesen und schreiben können müßte, der insbesondere die Gleichsetzung des Analphabetismus mit Dummheit beinhaltet. Für viele ist dies lediglich ein Einfallstor für allen möglichen Unsinn, weil sie nicht zugleich zu denken lernen, wofür ihnen wegen andersartiger Verlanlagung auch die Eignung fehlt. Die Auswüchse dieser Entwicklung sehen wir überdeutlich, vor allem in der Beeinflußbarkeit der Masse der Menschen, welche die Flut der Informationen nicht zu sortieren und angemessen zu reflektieren in der Lage sind, daher also zum Glaubenmüssen gezwungen sind. Entsprechend befinden wir uns eigentlich in einer „postrationalen“ Epoche, die von Ideologien und verschiedensten religionsartigen Weltanschauungssystemen geprägt ist. Diese setzen sich jeweils aus einer Reihe weltentfremdeter Glaubensätze zusammen, die nicht durchschaut werden und von denen ausgehend man sich abstrakt und intuitionslos Vorstellungen der Welt bildet, welche aber die Realität der Menschen komplett darstellen (neuerdings spricht man von „Filterblasen“). Dies ist der Gegensatz zu einer intuitiven, auf Wahrnehmung und Ahnung fußenden Erschließung der Welt, die Kindern und, wie ich meine, auch urtümlichen Völkern zueigen ist.

    Insbesondere hat die Alphabetisierung die Religion ruiniert. Durch die Verbreitung der Bibel im Volk, von allen zu lesen, wurde das Christentum von einer Volksreligion zu einer abstrakten Sache gewandelt, die mit dem Verstand erfaßt werden muß. Bis dahin lebten die Menschen überwiegend noch in der (im Kern heidnischen) Glaubenswelt eines Naturvolkes mit einer natürlichen Frömmigkeit, die das Höhere intuitiv ahnt und die immateriellen Hintergründe bisweilen konkret wahrnimmt (etwa Naturgeister). Das Christentum bildete eher einen oberflächlichen Firnis und wurde, aus Erzählungen übernommen, in die eigene Glaubenswelt sinnvoll eingebaut.
    Indem das verstandesmäßige Bibelstudium, das zuvor einer dünnen Schicht seelisch und mental dafür geeigneter priesterlicher Typen vorbehalten war, breiteren Bevölkerungsteilen eröffnet wurde, verbreiteten sich zwei Extreme: ein Frömmlertum, das sich durch Entfremdung von der natürlichen (intuitiven und angeborenen) Religiosität und durch eine sterile, stupide, pharisäherhafte Schriftgläubigkeit auszeichenet, sowie eine vernichtende Bibelkritik, welche die ihrem Wesen nach mythologischen, aber als historisch behaupteten (!) Grundlagen des Christentums als irrational und unhistorisch, bisweilen sogar als von Menschenhand erfunden entlarvt (rational natürlich völlig nachvollziehbar und sachlich korrekt).
    Die natürliche (kindliche, aber nicht kindische) Religiosität, die keiner Beweise bedarf, sondern frei heraus die höhere Natur der Welt anerkennt und sich darnach ausrichtet, wurde durch ein verkopftes Religionssystem überdeckt, das anhand der Bibel belegt und durch dogmatische Theologiegebäude aufgebaut wird. Diese axiomatischen Glaubensgrundlagen halten wiederum einer textkritischen Betrachtung durch jene, welche das Religionssystem auch auf eine nachweisbare Grundlage zurückführen wollen, nicht stand. Dem Christentum wurde dadurch, durch Entwurzelung und Entfremdung, im Abendland weithin der Boden entzogen. Zurück bleibt eine Masse verkopfter Menschen, die ohne Orientierung sind und keinen natürlichen Zugang mehr zur Welt und zum Leben haben. Die Schule gehört zu diesem Zustand und ist durch Intensivierung oder Veränderung der hinter den Lehrplänen stehenden weltanschaulichen Systeme natürlich nicht in der Lage, ihn zu beheben.

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    • Um es mit Max Frischs Worten zu sagen: Am Ende der Aufklärung steht das Goldene Kalb.

      Offenbar haben Religionen bei Altersschwäche nur zwei Optionen: Alzheimer (die Amnesie-Option säkularer Eliten – Churchill begann gegen Ende seines Lebens die Bibel zu lesen. Sein Kommentar: „Dieses Buch ist sehr gut geschrieben. Wieso wurde ich nicht früher darauf aufmerksam gemacht?“) oder manisch-depressiv (wie bei den Salafisten).

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  4. Michael B. schreibt:

    > Alles leer.

    Wobei man wieder beim letzten Beitrag und dem Fall einer entkernten Kultur waere. Ich wollte schon etwas dazu schreiben, auch weil ich diesen Eindruck schon 1990 mit Eintritt in die westliche Gesellschaft hatte und er mich auch bei teilweise positiven Erfahrungen nie grundsaetzlich verlassen hat.

    Aber das wird schon. Echte Widersprueche entwickeln sich jetzt auch innerhalb dieses Landes, und die koennen nicht mehr dauerhaft weggequatscht werden. Die haben allerdings auch einen echten Preis.

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  5. Pérégrinateur schreibt:

    Nach dem Amtsverzicht Ratzingers hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin, die übrigens genausowenig Christentum im Leib hat wie ich. Sie meinte, Ratzinger sei offenbar ein Schlappschwanz, sein Vorgänger dagegen aus anderem Holz geschnbitzt gewesen. Trotz seiner immer größeren Gebrechlichkeit habe dieser bis zum letzten Tage ausgeharrt und habe dabei der Welt auch noch ein leider zu selten gewordenes öffentliches Schauspiel gegeben, nämlich dass man stirbt und wie man stirbt.

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    • Ihre Freundin hat da etwas getroffen. So gesehen war Wojtyła das Gegenteil von Ratzinger. Der könnte heute noch Papst sein, was uns immerhin diesen Bergoglio und einen aufwendigen Golden-Globe-Gewinner (mit Hannibal Lecter und Bergoglio himself in der Hauptrolle) erspart hätte. Der Film ist das Signum des Niedergangs.

      Auch wenn ich, seitdem ich Ratzingers eiskalte Jesus-Biographie gelesen hatte, an seiner päpstlicchn Kompetenz zweifelte (die Regensburger Rede war immerhin mutig, der Rückzieher leider nicht), schien er mir doch eine historische Mission (Ordo) gehabt zu haben, die man umso besser begreift, wenn man das Wirken seines Nachfolgers sieht. Bergoglio ist der Sargnagel der KK – obwohl das ein falsches Bild ist, insofern ein Nagel ja etwas Spitzes und Hartes ist. So gesehen, von der Metapher getrieben, wäre das Ratzinger gewesen…

      Seitdem Päpste nicht mehr vergiftet werden dürfen, sich hinter kugelsicherem Glas verstecken – Johannes Paul II hatte die letzte Gelegenheit, einen würdigen Papst-Tod zu sterben, abgelehnt – und auch nicht mehr an Syphilis oder Herzverfettung zugrunde gehen, beinhaltete das Amt immer die Möglichkeit des öffentlichen Siechtums. Aber das wäre die Chance gewesen, den Begriff des Dienstes und der Passion noch jedem Analphabeten begreifbar zu machen. Ratzinger schuf einen fatalen Präzedenzfall – ausgerechnet der Mann der Disziplin, nahm sich diese liberty.

      Aber das zeigt auch, daß Papst-Sein in der Postmoderne eine unerfüllbare Aufgabe ist: man müßte die Unmöglichkeiten vereinen, ohne sie freilich zu schauspielern. An seinen mangelnden Schauspielkünsten ist Ratzinger letztlich gescheitert – dafür war er wohl zu intelligent und zu seelisch verschlossen. Ein Fenster-zu-Mensch im öffentlichen Licht.

      Bei Harry wird man wohl die Frau in die Rechnung einbeziehen müssen. Man vergesse nicht sein militärisches Engagement, den offensichtlichen Willen zum Dienen. Allerdings hatte er auch seit Kindeszeiten dieses rebellische, alternative Element in sich – genial damals sein Faschingskostüm! -, das William vollkommen abgeht. Man sieht das, glaube ich, schon am Haarwuchs. Schlappschwänzigkeit im eigentlichen Sinne kann man bei ihm vielleicht ausschließen. Es sei denn, man versteht darunter jegliche Leidensinresistenz, also auch die spiegelneurotische.

      Das alles zeigt vielleicht auch dies: es gibt in der modernen Welt nichts mehr, für das man sinnvollerweise leiden könnte, noch nicht mal Kirche oder Königshaus eignen sich mehr. Alles leer.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Man kann schon auch heute noch sinnvoll leiden. Vielleicht nicht für eine Religion, aber durchaus für den Laizismus.

        https://ripostelaique.com/

        Wie alle, die auf den Verrat der politischen Linken an Aufklärung und Religionskritik und der gesamten offiziellen Politik am Rechtsstaat hinweisen, hat man alle paar Monate ein presserechtliches Verfahren am Hals, betrieben von den üblichen Vereinen zur Verteidigung der Religion der messerschwingenden Mimosen.

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