Ich gebe zu Protokoll

Als Fördermitglied von Greenpeace, erlaube ich mir auch – als Gegengewicht – den Newsletter des Antaios-Verlages zu beziehen. Von dort erreicht mich am 19.8. die Information, daß der renommierte Heyne-Verlag ein kürzlich erschienenes Buch des Autors Pedro Baños aus dem Repertoire genommen habe, und zwar nachdem Alan Posener in der „Welt“ das Buch als „antisemitisch“ bezeichnet hatte.

Sein Titel: „So beherrscht man die Welt – die geheimen Geostrategen der Weltpolitik“.

Der Name des Autoren, den der Verlag als „ehemaliger Chef für Spionageabwehr und Sicherheit der europäischen Streitkräfte“, also als für sein Thema hochkompetent vorstellt, war mir bislang ebenso wenig bekannt wie auch der Titel seines Buches. Da der Antaios-Verlag aber angab, noch einige Restexemplare zu besitzen und eine schnelle Recherche das Buch tatsächlich als nicht mehr erhältlich erwies, habe ich ausnahmsweise und gegen mein Naturell rasch gehandelt und ein Exemplar bestellt. Dabei interessiert mich das Thema gar nicht sonderlich, aber Bücher, die aus weltanschaulichen Gründen boykottiert werden, haben von vornherein mein allergrößtes Interesse.

Schaut man beim Heyne-Verlag nach, erhält man diese Botschaft:

Da steht also nicht nur, daß das Buch vergriffen sei oder nicht mehr aufgelegt werde, wie man es erwarten würde, nein, die gesamte Seite wurde komplett und – wie es scheint – in großer Eile vom Netz genommen.

Auch bei Amazon ist das Buch „derzeit nicht verfügbar“ und drückt man auf die Funktion „Blick ins Buch“ so wird man mit folgender Information beglückt:

Das ist mir noch nie passiert und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht bei Amazon mich schnell über dieses oder jenes Buch informiere.

Also geht die Suche weiter. Jetzt verrate ich einen kleinen Trick: es gibt eine Buchsuchmaschine, die alle anderen Buchsuchmaschinen bündelt: Eurobuch.com

Zu meiner Überraschung erscheinen dort gerade mal zwei Angebote. Zwei Angebote für ein Buch des Heyne-Verlages, ein Buch, das im April des Jahres neu erschien? Wie ist das möglich? Es müßten dutzende Anbieter sein, kommerziell und privat. Und folgt man diesen beiden Angeboten über Booklooker und Barnes and Noble aus den USA (!), so wird man ebenfalls bald frustriert feststellen: das Buch ist nicht zu haben.

Auf gut Deutsch: Dieses Buch existiert im deutschsprachigen Raum nicht mehr. Es ist komplett, wie von Geisterhand, verschwunden! Nicht nur nicht mehr lieferbar, sondern verschwunden. Was, in allen Herrgottsnamen, könnte in dem Buch gestanden haben, daß es plötzlich vollkommen von der Bildfläche verschwinden muß? Und wie sollte man sich solche Prozesse vorstellen, wie wird so etwas orchestriert, daß hunderte Anbieter von einem auf den anderen Moment verstummen?

Aber der Überraschungen gibt es noch mehr. Wer die Spur des Buches verfolgt, stößt auf eine Besprechung Herfried Münklers, ausgerechnet Herfried Münklers. Der widmete dem 460-Seiten-Werk in der FAZ eine Rezension. So zumindest wird man auf „Perlentaucher.de“ informiert und man kann auch eine Zusammenfassung des Beitrages vom 27.7.2019 lesen.

Der Beitrag selbst ist – mittlerweile nicht mehr verwunderlich – nicht auffindbar (evtl. nur in der Druckausgabe). Aber wenn Herfried Münkler das Buch in einem der größten Blätter bespricht, was soll daran dann so brisant sein, daß man seine Existenz nun gänzlich leugnet?

Gut, man kann bei Münkler gerade noch lesen, daß es eine verschwörungstheoretische Komponente habe und von Posener wissen wir ja schon, daß es „antisemitisch“ sei, aber ein Buch von heute auf morgen komplett verschwinden zu lassen, öffnet gerade allen möglichen Verschwörungstheorien und sicher auch antisemitischen Tür und Tor.

Und selbst wenn! Es gibt tausende verschwörungstheoretische Bücher auf dem Markt und das ist auch gut so – nicht, weil ich damit etwas anfangen könnte, ganz im Gegenteil, aber weil Meinungsfreiheit nun mal auch und vor allem bedeutet, selbst Unsinn, Falsches, Verkehrtes, Abstruses etc. äußern zu können. Und letztlich möchte ich gern selbst entscheiden, was ich lese, wem ich zuhöre und was meines Erachtens Verschwörungstheorie ist oder nicht.

Alan Posener gelingt es immerhin, in seiner Kritik – hinter Bezahlschranke –, ein paar Sequenzen zu zitieren, die den Anschein eines gewissen Antisemitismus erwecken, aber er zieht erstens aus 460 Seiten ein paar entkontextualisierte Passagen heraus, er überdramatisiert zudem in einigen Fällen enorm – das Bild des Kraken ist bei ihm per se auch antisemitisch, sogar das Abbilden einer Weltkugel steht unter diesem Verdacht – und Posener-Leser wissen sehr gut, daß der Mann immer und überall Antisemitismus wittert und zudem mit seinen jüdischen Wurzeln väterlicherseits kokettiert, posiert und hausieren geht (wenn er das läse, dann wäre ich mit dieser Aussage hundert Pro auch Antisemit).

Der englische Untertitel lautet: „The 22 Secret Strategies of Global Power“ – das deutet auf eine sehr komplexe und differenzierte Analyse hin, die mit zwei Zitaten zur Familie Rothschild kaum adäquat wiedergegeben sein dürfte. Kurz: der Privilegierte Altmaoist Posener – der immerhin das Buch noch lesen durfte – ist kein glaubhafter Anzeiger für Antisemitismus – seine Nadel ist extrem fein gestimmt, sobald der den Buchstaben A hört, rastet sie ein.

Und selbst wenn das Buch antisemitische Aussagen enthält – wer definiert, was das ist? –, so kann es dennoch ein wichtiges Buch sein, das valide Argumente vorbringt, das in die öffentliche Diskussion gehört. Aufgeschlossene und aufgeklärte, mündige Leser wollen es vermutlich aus diesem Grunde lesen und sich nicht an zweifelhaften Formulierungen aufgeilen.

Nun, jedenfalls hatte ich das Buch in einer Art Blitzintuition bei Antaios bestellt und auch die Bestellbestätigung erhalten. Ich wählte PayPal als Zahlmethode, das war schnell und machte zugleich alles fest und schien mir passend.

Da gab es noch eine Überraschung. Wenig später erhielt ich von PayPal folgende Meldung:

Auch das war ein Erstling, obwohl ich seit vielen Jahren dort Kunde bin und mein Konto auch keinen Rückstand aufweist.

Was sind „bestimmte Transaktionen“? Kriminelle Transaktionen, unsichere, gefährliche? Waffen, Drogen, Kinderpornographie …? Was soll das sein? Zählen politische– oder Weltanschauungen auch schon dazu? Welche sollen die „potenziellen Risiken“ (sic!) sein? Ist der Verlag ein Betrugsunternehmen? Wohl kaum, denn ich kenne wenige zuverlässigere und kundenfreundlichere Unternehmen.

Beginnen nun auch schon Finanzunternehmen zu evaluieren, was ihren zahlenden Kunden geistig zumutbar ist und was nicht? Gibt es dort bereits Filter, die bestimmte Schlagworte, Autoren, Verlage, Titel … erkennen und mit automatisierten Ermahnungen reagieren?

(Nebenbei: Wer angesichts solcher Mails die Gefahr der bargeldlosen Welt nicht sehen will, will es eben nicht.)

Es blieben – soweit ich sehe – zwei Erklärungen. Entweder stößt sich PayPal am Verlag „Antaios“ oder am bestellten Buch. Nach allem, was ich bis hierher ausgeführt habe, wird man auf das Buch tippen müssen, aber die andere Version wäre nun auch nicht mehr überraschend.

24 Stunden später ging die Zahlung dann doch durch – ich sehe also dem Buch mit Spannung entgegen und werde die Leserschaft so bald als möglich über seinen Inhalt, vor allem im Vergleich zu Posener und Münkler, informieren, sofern der Postbote keinen tödlichen Autounfall hat, die Sendung unauffindbar verloren geht oder ich nicht auf einer geheimen Abschußliste stehe und einem Auftragsmörder, der das Lesen des Buches verhindern soll, zum Opfer falle oder gar als Schizo in der Klinik lande. Sollte das Buch nicht zu erhalten sein, werde ich auf die englische Variante ausweichen – die auch nicht einfach zu haben ist und in der wesentliche Teile gekürzt wurden – oder mir mein dickes Wörterbuch nehmen, und das Werk auf Spanisch lesen.

Dennoch, ich lese die PayPal-Mitteilung als Warnschuß, als Abmahnung, nicht zu tief in geistige Bereiche vorzustoßen, die gerade nicht en vogue sind und ich sehe dahinter die Drohung, daß man den Geldhahn auch schnell schließen könne. Ich lese das als: We are watching you and your purchases. Natürlich nicht konzertiert intentional (will ich hoffen!), das wäre Verschwörung …, aber es hat auf mich den eben beschriebenen Effekt und daran kann man gut einen Wirkungstreffer erkennen.

Übrigens, wer das Buch nun noch beim Kleinverlag „Antaios“ bestellen möchte, hat auch schlechte Karten. Dort seien die 100 Restexemplare innerhalb einer Stunde vergriffen gewesen.

©  Text ist exklusiv für den Blog „Seidwalk“, alle Angaben Stand 23.8.2019

 

21 Gedanken zu “Ich gebe zu Protokoll

  1. Alan Posener schreibt:

    Sie scheuen sich, meinen Kommentar zu posten. Sie werden dafür Ihre Gründe haben, als da wären, Feigheit, schlechtes Gewissen, die Angst, sich vor ihren Claqueuren zu blamieren.Ich bestehe dennoch auf einer Entschuldigung. Öffentlich.

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    • Michael B. schreibt:

      Als dieser Kommentar versucht wurde war hier schon eine Woche lang ganz oben zu lesen, dass der Blogbetreiber fuer einen Monat diese Seiten nicht pflegen kann (er ist wohl wieder da und dieser Hinweis fehlt jetzt). Der Eiferer glaenzt durch Ignoranz und beleuchtet durch Art und Ton der Unterstellungen wohl nur deutlich seine ihm eigene Natur.

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  2. Alan Posener schreibt:

    „Posener-Leser wissen sehr gut, daß der Mann immer und überall Antisemitismus wittert und zudem mit seinen jüdischen Wurzeln väterlicherseits kokettiert, posiert und hausieren geht (wenn er das läse, dann wäre ich mit dieser Aussage hundert Pro auch Antisemit)“.
    Nö. Sie bedienen natürlich ein antisemitisches Vorurteil, aber das heißt nicht, dass Sie Antisemit sind. Ich würde Sie allerdings auffordern, jeweils auch nur EIN Beispiel dafür zu liefern, dass ich mit meinem jüdischen Vater „kokettiere“, „posiere“ und „hausieren gehe“.
    Natürlich könnten Sie jede Erwähnung meines Vaters in diversen autobiographischen Texten als „Koketterie“ und „Pose“ abtun, statt als Erklärung bestimmter Einstellungen und Haltungen. Doch „Hausieren“ – also ein Geschäft machen – geht jenen einen Schritt zu weit, nämlich von Interpretation zu übler Nachrede. Sie sollten das zurücknehmen, und zwar öffentlich.
    Dass ich aus den 460 Seiten des Banos-Buchs jene Stellen zitiere, die besonders meine These stützen, das Buch sei ein verschwörungstheoretisches und antisemitisches Machwerk, ist guter journalistischer Brauch. Ein verdorbener Apfel ist ein verdorbener Apfel, auch wenn einige Stellen noch essbar sein sollten. Sie zitieren ja meine Kritik auch nicht vollständig, ja eigentlich gar nicht; zum Teil unterstellen Sie mir Sachen, die ich nicht geschrieben habe, etwa dass der weltumschlingende Krake ein per se antisemitisches Bild sei. Aber egal.
    Nein, Sie sind nicht Antisemit. Selbst dazu fehlt Ihnen das Format.

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    • j.Thurm schreibt:

      Lieber Herr Posener,

      als ständiger Leser dieses Blogs hier bitte ich Sie um Nachsicht und Milde für unseren
      Gastgeber .
      Natürlich verstehe ich,dass Sie das Gefühl beschleicht hier versucht ein kleiner Geist
      einem grossen Geist ans Bein zu pinkeln(bitte um Nachsicht für meine einfache Metapher)

      Bei einem Intellektuellen ihres Formats wird der Mangel an solchem bei unserem
      Gastgeber natürlich schnell erkannt.
      Die noch unreifen Reflektionstechniken unseres Gastgebers wie z.B.(sokratischer)Zweifel, Selbst-Distanz/Zweifel/Ironie,
      eine gewisse Demut im Denken + eine fahrlässige Unentschlossenheit in
      weltanschaulichen Dingen,+ das Lesen abseitiger Bücher, müssen einem Denker wie Ihnen,der durch die harte
      Schule des Maoismus auf andere Höhen gelangt ist,sehr,sehr fremd sein.

      Auch ich besitze dank meiner jüdischen Großmutter mütterlicherseits ein untrügliches
      Sensorium für Antisemitismus aller Art.
      Kraft dessen versichere ich Ihnen:Seidwalk ist kein Antisemit,nicht nur wegen des
      fehlenden Formats.
      Gene lügen nicht.

      Bedenken Sie bitte,nicht jeder kann Ihre Meisterschaft im Universal-Bescheidwissen
      erreichen.
      Guter Gott,wie ich erfahren konnte gehören Sie sogar zu den wenigen Leuten in diesem Land die Marx nicht nur gelesen haben,nein wohl zu den 3-4 die den sogar verstanden
      haben.

      Sein Sie bitte Großmütig.

      Seidwalk: Man sollte freilich die feine Distinktion zwischen Antisemit und antisemitischem Denken, die Posener hier andeutete und nun – vielleicht sogar durch dieses kleine Ärgernis angeregt? – auf dem Blog „Starke Meinungen“ theoretisch weiter ausführte, nicht unbeachtet lassen.

      Ich werde mich demnächst zu diesem Fall hier äußern. Es haben sich in den drei Wochen Abwesenheit und Abstinenz leider ein paar wichtige Aufgaben angestaut, die zuvor erledigt werden müssen.

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      • Michael B. schreibt:

        > Blog „Starke Meinungen“

        Den Artikel dort habe ich mir jetzt einmal angetan. Er bestaetigt meinen Eindruck zum Autor, Begrifflichkeiten unsauber zu verbiegen – und in diesem Fall eventuell auch nicht zu verstehen. Dawkins hat in seinem Buch (1976 uebrigens und nicht 1982, wie dort geschrieben) den Begriff Meme aus anderen Gruenden und unter wertfreier Definition eingefuehrt. Naemlich als Versuch eines Analogons zu einer der grundlegendsten Eigenschaften eines Genes, der (fast) perfekten Faehigkeit zur Replikation ohne besondere Ruecksicht auf den individuellen Traeger.

        Ein Meme ist insofern nicht gut oder schlecht. So ziemlich jedes kulturelle Artefakt kann mit diesem Label versehen werden, nicht nur die ausschliesslich negativen Beispiele, die auf dieser Blogseite damit ‚erklaert‘ werden sollen. Inwieweit der Begriff tatsaechlich Realitaet ueber seine Funktion als Analogon heraus abbilden kann, das unterliegt uebrigens bis heute starker Diskussion.

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        • Vermutlich wäre Dawkins über die Verwendung seines Begriffes und des bekannten Beispiels des Kleinen Leberegels alles andere als glücklich, warnte und mahnte er doch immer wieder davor, die Begrifflichkeit über den von ihm beschriebenen Rahmen hinaus anzuwenden. Vor allem, nachdem er heftige Kritik für das Mem-Mem einstecken mußte, die ihm verdeutlichte, welche pseudo- und unwissenschaftlichen Potenzen darin schlummern. Allein die Frage der Kopiergenauigkeit differiert im genetischen und kulturellen Bereich erheblich. Als abstraktes Modell kann es sicherlich erkenntniserweiternd sein, wendet man es auf Einzelfälle an, dann wird es schnell haarig bis gefährlich.

          Gänzlich Wissenschaftler, nahm er sich diese Kritik zu Herzen oder treffender: zu Kopfe.

          Ich möchte die Herren Kommentatoren übrigens warnen: Mit Ihren Äußerungen qualifizieren Sie sich vermutlich als Claqueure.

          Michael B. Kann Ihr kleines Theater uns ueberhaupt bezahlen? 😀

          Seidwalk: Da muß ich leider enttäuschen – es handelt sich um reines Liebhabertheater:

          Wiki: „Im Mittelpunkt steht kein Erwerbsinteresse, sondern das Vergnügen an der künstlerischen Betätigung.“

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      • J. Thurm schreibt:

        Ich würde von Herrn Posener nicht zu viel erwarten.Vor Jahren war er schon ein Freund der ultimativen Diskurswaffe,der Nazikeule.
        Ein Statement wie:“Der Liberalismus gewinnt. Wer das nicht glaubt… bei dem konstatiere ich eine Nähe zum Nazismus.“ ging ihm leicht aus der Feder, wurde wohl auch nie zurückgenommen.
        Er ist ganz auf der Höhe der Zeit:Über die „wichtigen“Dinge kann es nur eine Meinung geben,seine.
        Abweichungen vom gesetzten Meinungskorridor haben ihre Ursache in Unbildung,Dummheit,Ignoranz oder sind, wie bei Ihnen, ein persönlicher Angriff.
        Und belehrt wird immer von oben herab.

        Im Austeilen ein Löwe,im Einstecken ein Schneeflöckchen. Auch da ganz modern.
        Meine jüdische Großmutter nannte solche Leute,glaube ich, einen Schmock

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        • willanders schreibt:

          ich habe den Posener damals als ich noch solche Produkte wie Springerpresse konsumierte, für verrückt gehalten oder zumindest für einen angestellten Provokateur. Egal wozu er seine Meinung absonderte, es war alles und immer „antisemitisch“. Vor allem wegen oder besser: dank solcher Gestalten habe ich schon vor einem Vierteljahrhundert die Systemmedien in die Tonne getreten. Und Worte „antisemitisch“ – und da kann nichts für – erzeugen ein langanhaltendes Gähnen, nur vergleichbar mit „Klima“ oder „Co2“.

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  3. Giuseppe Bottazzi schreibt:

    Um die Jahrtausendwende herum, fiel mir in der Kramkiste eines Basars ein Taschenbuch über das bei Ohrdruf/Gotha gelegene Jonastal in die Hände. Laut Angabe des Autors handelte es sich um eine fiktive, aus zu diesem Thema verfügbaren Informationen zusammencompilierte Geschichte.

    Die Lektüre dieses Büchleins empfand ich sowohl als inspirierend als auch zu weiteren Nachforschungen anregend. Um es zu verschenken, versuchte ich ein unbeschädigtes Neuexemplar zu bestellen.

    Auf zahlreichen Handelsplattformen bekam man das Büchlein nebst Abbildung der Titelseite und dem Klappentext angezeigt. Beim Versuch das Buch in den Warenkorb zu klicken, erschien unisono die Meldung „nicht lieferbar“ / „vorübergehend nicht lieferbar“.

    ~~~~~~~~~~~~

    Hab‘ soeben nochmals auf booklooker nachgeschaut: ein deutschsprachiges Exemplar von „So beherrscht man die Welt“ scheint dort momentan verfügbar zu sein – zum Preis von € 128,- [sic!]

    ~~~~~~~~~~~~

    Random House [Heyne], war das nicht der Verlag bei dem Akif Pirincci, bevor man ihn zum Paria erklärte, viele Jahre lang seine Katzenromane publizierte?

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    • Nastassja schreibt:

      Das Buch ist bei einer anderen Buchhandlung in Koblenz online noch bestellbar und erhältlich. Habe es vor 1 Woche erst erstanden. Suchen hilft!

      Ach ja, und zum Normalpreis, nicht überteuert.

      Seidwalk: Vielen Dank! Hier scheint man tatsächlich noch ehrlich Restbestände zu verkaufen – zugreifen, wer Interesse hat: https://www.reuffel.de/detail/ISBN-9783453207110/Ba%C3%B1os-Pedro/So-beherrscht-man-die-Welt

      Allerdings war das nun wirklich sehr schwer zu finden! Und ist im Übrigen im Moment (18 Uhr) auch dort nicht mehr zu haben! Heute morgen suchte ich es dort via ISBN und bekam sofort den Titel angezeigt – jetzt ist die Verbindung zwischen ISBN und Titel vollkommen verschwunden … und auch das ist absolut untypisch.

      Nastassja: Deshalb hatte ich die Buchhandlung auch nicht explizit benannt. Die stehen ja dann sozusagen im Visier… Ich schätze dennoch, dass da auch die vorhandenen Restbestände schnell verkauft waren, Nachschub kann ja leider nicht bestellt werden…

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  4. Flosafraca schreibt:

    Bei buchhaus.ch kann man das Buch noch online bestellen. Hab das Mal gemacht. Preis etwa 46 Euro. Wird sich zeigen, ob es sich lohnt.

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    • Giuseppe Bottazzi schreibt:

      Bei buchhaus.ch: „vergriffen, nicht mehr lieferbar“

      Anfrage erfolgte am 29.08.2019: 08:00 Uhr

      Die spanische Ausgabe von 2017 soll zum Preise von 44,90 CHF „in zwei bis drei Wochen“ erhältlich sein.

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      • Flosafraca schreibt:

        Heute das Buch erhalten. Ordnungsgemäß durch den Zoll, weil Schweiz ja weites Ausland ist. Die Dauer der Auslieferungszeit ist schweizerisch höflich angelegt um nicht in die Bedrouille zu geraten. Man kann von einer schnelleren Lieferung ausgehen, es sei denn der deutsche Zoll macht wegen eines Buches Ärger. ;-))

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  5. Test Bild schreibt:

    Etwas begriffsstutzig, aber hoffentlich lernfähig, bleibe ich am Ergebnis hängen: Sie haben das Buch, sie haben es via Paypal bezahlt, es ist in verschiedenen Sprachen erhältlich und Antaios hatte noch dutzende Exemplare. Es kursieren sogar Raubkopien im Netz. Die aktuelle Auflage wurde vom Verlag zurückgerufen, weswegen sie auf dem Markt nicht erhältlich sind. Das alles nach dem Verriss durch einen Journalisten. Auf die Begriffsstutzigkeit zurückzukommend, verstehe ich den großen Zusammenhang nicht. Posener hat so manches verrissen, ohne dass ein Hahn danach gekräht hätte. Verlage ziehen Bücher seit Menschengedenken zurück und mit Paypal gibt es hier und da Probleme. Besonders das Zurückziehen der Bücher, Filme oder (früher) Schallplatten, ist ein recht unsouveräner und ärgerlicher Vorgang, gewiss. Aber ist ihr beherztes Vorgehen, googeln und mit Mausklick bezahlen, nicht der Beweis, dass es sich um ein ärgerliches Nicht-Ereignis handelt? Zumal, nur Poseners Inhaltangabe folgenden, zwei, vielleicht drei, Kohlekraftwerke eingespart werden könnten, würde man die Rechenzentren, die Geschichten über die Krake Rothschild speichern, vom Netz nehmen. Haben Sie beim Heyne Verlag mal angefragt, warum das Buch nicht mehr geliefert wird? Die Antwort wäre spannend. Es steht jedem Unternehmen frei solche Entscheidungen zu treffen, weswegen eine Vielfalt der Verlage auch wichtig ist. Solange Herr Kubitschek seinen Verlag und sein Programm führen kann, wie er möchte, sollten wir das dem Heyne-Verlag doch auch gönnen.
    Manchmal ist eine Banane nur eine Banane.

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    • Ja, eine Banane ist eine Banane – bis man darauf ausrutscht … dann war es plötzlich mehr als eine Banane, dann war es ein Hindernis.

      Ob ich das Buch habe, wird sich noch herausstellen – wichtiger ist, ob Sie es haben könnten, wenn Sie es wollten. Und zwar auf Deutsch und nicht als Raubkopie.

      Und natürlich kann auch PayPal mal einen schlechten Tag haben! Es wäre weniger problematisch, wenn dies bei meiner vorletzten Bestellung geschehen wäre (Ernő Szép: Zerbrochene Welt. Drei Wochen 1944). Daß es aber hier geschah, nach allem Vorherigen, schien mir das Geschehen erzählenswert zu machen.

      Werden die von Posener verrissenen Bücher immer zurückgezogen? Wenn nicht, dann ist der Fall schon durch dieses Unikum beachtenswert, wenn doch, dann wäre er es ebenso.

      Es kann alles Zufall sein – ja, man kann, wie Sie offenbar, daran glauben -, aber eine Summierung von Zufällen, sollte stets Aufmerksamkeit erwecken und wer einmal mit Ockhams Rasiermesser balbiert wurde, der kann auch auf andere Gedanken kommen.

      Verlage ziehen Bücher zurück, wenn Sie Fehler enthalten, wenn man ihnen juristisch daran herumflickt etc. In der Welt, in der ich leben möchte und die es für ein paar glückliche Jahrzehnte halbwegs gab, sollten sie die Bücher aber nicht wegen einer Anzeige eines hypersensiblen Journalisten zurückziehen.

      Es geht im Übrigen weniger um den Verlag, sondern vielmehr um die Händler und um die Portale. Sie finden es nicht seltsam, daß ein Buch von heute auf morgen plötzlich überall verschwindet? Desweiteren werden im Text noch andere Ungewöhnlichkeiten angeführt, die jetzt nicht wiederholt werden müssen.

      Den großen Zusammenhang verstehe ich übrigens auch nicht – deswegen sende ich meine Fragen in die Welt. Und vielleicht, vielleicht ist es tatsächlich so, wie Sie schreiben, vielleicht halten Sie die Antwort bereit …

      Die Anregung mit dem Heyne-Verlag nehme ich gerne auf und werde hier über die Antwort berichten.

      Gefällt 2 Personen

      • Zur Ergänzung:

        Der Postbote hat die Lieferung überlebt, das bei Antaios bestellte Buch liegt nun auf meinem Tisch. Ich werde mich schnell ins sichere Ausland begeben und das Buch lesen.

        Ein erster Einblick: gut strukturiert, kein offensichtlicher A und auch keine sichtbare V.

        Gestern schrieb ich an den Heyne-Verlag folgende Anfrage; da das Kontaktformular die Frage nicht abschickte, wandte ich mich direkt an den Kundenservice:

        „Sehr geehrte Damen und Herren,

        leider scheint Ihr Kontaktformular auf der Seite https://www.randomhouse.de/Kontakt.rhd
        nicht zu funktionieren, Ich wende mich daher an Sie und bitte das zu entschuldigen. Bitte leiten Sie die Anfrage an die entsprechende Stelle weiter. Vielen Dank!

        Meine Anfrage:

        Nach der Kritik Alan Poseners in der „Welt“ vom 13.8.2019 wollte ich mir das bei Ihrem Verlag veröffentlichte Buch „So beherrscht man die Welt – die geheimen Geostrategen der Weltpolitik“ kaufen, muß aber zu meiner Enttäuschung feststellen, daß das Buch weder bei Ihnen noch bei einem anderen Anbieter zu haben ist.

        Diese Tatsache finde ich sehr ungewöhnlich.

        Daher meine Fragen:

        Gibt es noch einen Weg, das Buch bei Ihnen käuflich zu erwerben?

        Wenn nicht, welche Gründe hat die komplette Zurücknahme des Buches?

        Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Herrn Poseners Kritik und der Zurücknahme des Buches?

        Wie ist es Ihrer Meinung nach zu erklären, daß das Buch auf sämtlichen in- und ausländischen Portalen verschwunden scheint?

        Vielen Dank!

        Mit freundlichen Grüßen usw“

        Die Antwort von heute morgen lautet:

        „Sehr geehrter Herr …,

        vielen Dank für Ihre Anfrage bzgl. des Buches von Pedro Banos „So beherrscht man die Welt“. Beim Verlag ist der Titel vergriffen, ein Nachdruck ist nicht geplant. Deshalb können wir Ihnen kein Exemplar mehr zur Verfügung stellen.

        Mit freundlichen Grüßen
        usw.
        Kundenservice Verlagsgruppe Random House Bertelsmann“

        Fazit: Ich bin einer Verschwörungstheorie aufgesessen. Ein ganz normaler Vorgang: ein Verlag hat seine Bücher verkauft und gibt sich damit zufrieden. Eine Lesart.

        Eine andere: Meine Fragen wurden nicht beantwortet – aber warum sollte das ein Kundendienstmitarbeiter auch tun?

        Die Information beißt sich etwas mit Posener, der schreibt: „Abschließend heißt es dennoch: „In kritischer Abwägung hat Heyne deshalb entschieden, keine weitere Auflage des Buches einzuplanen.“
        Nun ja. Nach Auskunft von Kommunikationschefin Limmer betrug die Erstauflage 2000 Exemplare,
        von denen nicht alle verkauft wurden.“

        Nun ist wiederum denkbar, daß Antaios just diesen Rest aufgekauft hatte.

        Weshalb die Einblicksfunktion bei Amazon jedoch nicht funktioniert – kennt jemand ein Vergleichsbeispiel? -, weshalb man überhaupt so ein Gewese um ein Buch macht, daß maximal 1998 Menschen (minus Münkler und Posener) unkontrolliert kaufen können (oder hatten sie Versandexemplare?), weshalb plötzlich alle Bücher scheinbar zugleich und bei allen deutschen Anbietern aus dem Repertoire verschwinden, warum PayPal zum ersten Mal bockt (dafür kann der Verlag natürlich nichts) u.a. bleibt weiterhin ein Rätsel.

        Man kann es übrigens auch anders sehen: ein Buch, das sich innerhalb von vier Monaten fast 2000 Mal verkauft und in FAZ und Welt besprochen wird, sollte eigentlich nicht als Mißerfolg verstanden werden. (Wir hatten selbst einst mit einer Übersetzung eine Mikrobesprechung, zehn Zeilen, in der FAZ – und die war auch noch sehr unwillig – und damit gleich dutzende Bücher an einem Tag verkauft – die Macht dieser Medien in Bezug auf das Kauf- und Leseverhalten ist sehr groß.)

        Antaios hat in einer Stunde 100 Exemplare verkauft! – was bestsellerverdächtig ist. Man sollte davon ausgehen, daß eine so engagierte Kritik, wie die Poseners, unmittelbar hunderte Exemplare verkaufen würde – der Gedanke des Ladenhüters klingt nicht schlüssig und die kolportierte Zahl auch nicht …. Der Amazon-Verkaufsrang deutet ebenfalls darauf hin, daß noch bis vor Kurzem auf diesem Portal gut verkauft wurde.

        Es lohnt sich auch, Poseners abschließenden Worten noch einmal nachzuschmecken: „Das Buch sei „kein Verkaufserfolg“, deshalb – und nicht in „kritischer Abwägung“, ob man ein Buch weiterhin vertreiben soll, das eine antisemitische „Lesart zulasse“ – sei keine Nachauflage geplant. Dass die deutschen Leser und Leserinnen ein besseres Gespür für Seriosität haben als so manche Verlagsleute, darf als der einzige positive Aspekt dieser traurigen Geschichte gelten.“

        Vielleicht noch eine ganz rationale Erklärung. Das Buch war evtl. bereits vergriffen, als Posener es besprach.

        Und: Es handelt sich bei den Anbietern um einen klassischen Fall des vorauseilenden Gehorsams. Sie haben Poseners Andeutung verstanden, vor allem waren sie vom existenzgefährdenden Antisemitismus-Vorwurf derart beeindruckt, daß sie sofort zurückzogen.

        Es ist ja mittlerweile Usus geworden, sich sofort zu entschuldigen: Niemand wagt mehr seinen Mann zu stehen oder auch nur mit einem Fehler souverän umzugehen. Ich empfehle dazu folgendes Buch – eine hellsichtige Analyse lange vor der Zeit eines der wichtigsten dt. Philosophen der Nachkriegszeit: „Ich entschuldige mich“ – auch hier funktioniert die Einsicht ins Buch …

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  6. Leonore schreibt:

    Vielen Dank für den Einblick in diese unheimlichen Abgründe der heutigen Realität, in der wir „gut und gerne leben“. Nicht nur „gut“, sondern „besser“ lebt man da offenbar, wenn man „gerne“ die Augen geschlossen hält, statt allzu neugierig zu sein.

    Danke auch für das Einstellen des FAZ-Artikels über Münklers Rezension. So kann man anhand des Originals (sonst hätte ich ja an einen Übertragungsfehler gedacht) staunen über Sätze wie, daß Münkler „erkennt“, daß es in Pedro Banos‘ Buch „… nur am Rande um Geopolitik“ gehe. „Viel wichtiger werden im Buch wirtschaftliche, taktische und politische Maßnahmen, erkennt Münkler“.

    Na, das ist doch aber mal interessant! Kann das denn sein, daß Münkler tatsächlich so dumm ist, da einen Gegensatz zu „erkennen“, oder stellt er sich nur so (man könnte sich – nach dem ganzen Löschtheater – fragen, ob aus Überlebensinstinkt) ?

    Wir leben in „interessanten Zeiten“. Hab ich mir nicht so gewünscht. Obwohl … tatsächlich wollte ich als kleines Mädchen gerne – wie Winnetou und Old Shatterhand – für das Gute kämpfen. Wer hätte gedacht, daß so ein romantisch-idealistischer Traum mal so in Erfüllung gehen würde? Daß man schon tapfer und mutig sein muß, um sich weiterhin auch nur z.B. durch den Kauf von Büchern zu INFORMIEREN (vom Engagement für die gute Sache ganz zu schweigen!) ?

    Also dann …gehen wir mal die Pferde satteln.

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  7. Pérégrinateur schreibt:

    Erstaunlich, dass Münklers feine Nase den Antisemitismus nicht verspürt und sein Mund ihn dann nicht über alle Dächer geschrien hat. Er erschnuppert denselben doch sogar schon in einer konjekturalideengeschichtlichen Skizze zu einem Problem des Fortschrittsdenkens.

    Ich harre jedenfalls Ihrer Rezension.

    Vielleicht sollte sich Random House in Arbitrary House umbenennen, damit man bei alphabetischer Suche früher erscheint.

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  8. Tommy schreibt:

    Die spanische Originalfassung („Así se domina el mundo“) kann man auf Library Genesis runterladen (hoffe dieser Verweis auf eine Buchpiraterie-Seite ist ok, aber m.E. ist das ja nicht unbedingt ein Buch, für das man ungesehen Geld ausgeben will). Sie soll wohl angeblich auch besonders fragwürdige Passagen enthalten, die in den Übersetzungen rausgestrichen wurden.
    Die völlige Entfernung des Buches vom deutschen Markt ist allerdings schon sehr erstaunlich.

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