Leere Köpfe, tote Seelen

Es gibt Menschen, die sind jedwedem Höheren abhold. Nette Menschen, mitunter frohe, lustige Menschen, gute Menschen auch, mit denen man einträglich zusammen sein kann – solange man keine eminenten Themen anspricht.

Erst vor wenigen Tagen saßen wir mit so einem Menschen zusammen, am Frühstückstisch im Hotel und sprachen über die vergangene Nacht. Wir wurden halb sechs alle vom Muezzin geweckt und waren wenig erheitert darüber.

Ich nahm das zum Anlaß, ein paar Worte über die psycho-theologische Funktion islamischer Rituale und die Bedeutung des „Allahu Akbar“ zu verlieren, wahrlich kein Vortrag, nur ein paar Anregungen, das Erlebte zu verstehen und einzuordnen, aber schon nach dem zweiten Satz wurde das Gesicht des Gegenübers leer, die Bewegungen fahrig und während meine Frau versuchte, ein inklusives wirkliches Gespräch herbeizuführen, statt das dauernde Geplänkel und Gescherze, zückte dieser Mensch sein iPhone und fummelte darauf herum, uns somit signalisierend, daß mit  einer Gesprächsteilnahme von dieser Seite nicht zu rechnen sei.

Und so ging es mehrmals. Sobald ein brisantes Thema, eine etwas abstraktere Argumentation, ein Gedanke, der sich nicht unmittelbar mit dem Handfesten, dem vor uns Liegenden beschäftigte, der nicht das verbal ansprach, was vor aller Augen offen dalag – wie gut der Kaffee, wie hübsch die Moschee, wie beklemmend die Vollverschleierung etc. –, sobald ein wirkliches Problem erwähnt wurde, schaltete diese Person einfach ab.

Das war kein politisches Statement. Sie wollte uns damit nicht etwa signalisieren, daß sie zum anderen Meinungsspektrum gehörte, nein, sie hatte ganz einfach nichts zu sagen, wenn es um Geschichte, Theologie, Politik, Psychologie, Literatur oder gar Philosophie ging. Sie hatte keine Meinung und erst recht keine Überzeugung. Ihr Beruf: Lehrer.

Nun fragt man sich: wie viele solche Menschen mag es geben? Ich fürchte, es sind viele, sehr viele, fast alle! Es hat auch wenig mit Bildung zu tun. Die einzigen zwei Professoren, mit denen ich hin und wieder zu tun habe, gehören auch zu diesem Typus. Der eine Natur-, der andere Geisteswissenschaftler, aber beiden habe ich noch keinen signifikanten Gedanken entlocken können, selbst auf direkte Nachfrage nicht. Mehr als: „das hat Ernst Bloch schon gesagt“ oder „dazu kann man bei Jung einiges lesen“ kam noch nicht. Diese Menschen sind geistig essentiell leer. Das Tiefste, was ich je aus ihrem Mund gehört habe, war: „Die Welt verändert sich schon immer. Nun kommen wir halt in Europa ins muslimische Zeitalter. So ist das eben…“

Sie mähen ihren Rasen, sie zupfen Unkraut, sie blinzeln in die Sonne, sie genießen ihre Pensionen und gehen alle vier Jahre brav zur Wahl. Ob Professor oder Autoschlosser, das spielt keine Rolle. Sie sind die Mehrheit, es gibt sie in allen Bereichen – man kann die wenigen anderen in allen sozialen Schichten mit wohl gleich geringen Erfolgsaussichten suchen. Kein Gedanke, der nicht unmittelbar mit ihnen zu tun hat, kommt ihnen je in die Quere.

Wie viele mögen es sein? Ich würde auf circa neunzig Prozent tippen, mindestens aber siebzig.

Diese Menschen leben das Glück, das ihnen vorgegeben wird, und durchleben die Ängste, die man ihnen macht. Weder das eine noch das andere können oder wollen sie abstrahieren. Werden sie mit höheren Sorgen konfrontiert, werden ihre Gesichter blank, gerinnen ihre Worte zu Phrasen.

Wir, die wir hier und andernorts lesen und schreiben, verlieren schnell das Gefühl für diese traurige Lage, denn wir bewegen uns tagtäglich im Bereich des Geistigen, lernen, diskutieren, streiten, widersprechen, grübeln, lesen. Schnell bekommt man den Eindruck, daß alle unsere Mitmenschen derart wären. Aber wir sind in einer Blase, einer klitzekleinen Blase, das darf man nicht vergessen. Wir sind eine bedauernswerte Minderheit.

Wenn man sich etwa die maßgeblichen Foren anschaut, wie auf „Sezession“, „eigentümlich frei“ oder „Junge Freiheit“ – um nur die wohl drei weitreichendsten Gesprächsblasen im konfessionsfreien rechten Bereich zu erwähnen –, dann wird man trotz lebhafter Diskussionen schnell feststellen, daß es immer wieder die gleichen paar Dutzend Diskutanten sind, die sich am Thema abarbeiten. Man meint, an einer intensiven, allumfassenden Diskussion teilzunehmen, tatsächlich aber sind es ein paar hundert intelligente Leute, die mitsprechen, ein paar tausend, die mitlesen und danach beginnt die Wüste.

Erst wenn man eine Reise tut und sein Gegenüber verblassen sieht oder den Gesprächen am Nachbartisch ein wenig lauscht oder den Nachbarn einen Gedanken zu entlocken versucht …, erst dann wird man sich der Öde bewußt.

Was sollen diese Menschen anderes denken, als das, was man ihnen eingeflößt hat? Da wird seit vier Wochen nach der abscheulichen Tat eines habituellen Kriminellen, der einen semiberühmten Politiker erschossen haben soll, aus allen Rohren auf den Popanz „Rechtsextremismus“ geschossen und eine existentielle Gefahr als großes Menetekel an die platonsche Höhlenwand projiziert. Zeitung lesen, Nachrichten schauen ist wie die Fahrt durch eine Geisterbahn: überall springen einem zu Fratzen verzerrte, blutriefende, uniformierte Nazis entgegen und rufen „Huh!, wir wollen den Rechtsstaat, die Demokratie abschaffen und euch euer kleines Glück in Krieg und KZ zerstören“.

Franco A. plante mit einer musealen Pistole eine „staatsgefährdende Straftat“, in Chemnitz wollten acht tätowierte Bierbäuche „bürgerkriegsähnliche Zustände“ auslösen und von Stephan E. darf man annehmen, daß er den Staat zu Fall bringen wollte.

Auf welch tönernen Füßen wähnt sich dieser Staat eigentlich, wenn ihn ein paar Wahnis und Chaoten so verunsichern?

Was bleibt diesen schlichten Gemütern, die noch nie in ihrem Leben dazu angehalten wurden – nicht durch die Schule, nicht durch die Medien, nicht durch Ermutigung zum Selberdenken – aus ihrem Leben und ihrer Lage herauszutreten und einmal von oben zu betrachten, was bleibt diesen einfachen Wesen, diesen toten Seelen, die der beste und gezielte Erfolg der ganzen Bildungsmaschine sind, anderes übrig, als Angst zu haben? Und zwar nicht Angst vor den wahren Gefahren, sondern vor jenen, die man ihnen vorsetzt.

Sie kennen aus der Propaganda ein paar Floskeln und Beschwörungsformeln wie „Gerechtigkeit“, „Demokratie“, „Freiheit“, „Toleranz“, aber wenn man sie fragte, diese Zauberformeln mit Inhalt zu füllen, dann kämen sie ins Stottern und dann beginnen sie in der Regel diese wie heilige Bannsprüche vor sich her zu murmeln.

Als man ihnen 2015 Bilder von endlosen Schlangen Fremder ins Haus lieferte, die durch öde Maisfelder wanderten oder auf Autobahnen, als jeden Tag zehntausende, vornehmlich junge Männer an den Schlagbäumen standen, da wurde vielen von ihnen für einen Moment mulmig, andere reagierten mit Teddywürfen und Willkommensliedern, aber die Gefahr für die Gesellschaft, die jedem sofort bewußt war, der für einen Augenblick aus seiner eigenen Haut ausstieg und die Vogelperspektive einnahm, die konnten oder wollten sie nicht sehen. Nun, nachdem Medien und Politik die Bilder und Narrative – die man nicht mit den eigentlichen Problemen verwechseln darf – wieder im Griff haben, sinken sie erleichtert zurück in ihre Grillstühle und blinzeln wieder in die Sonne.

Wenn man die Deutschen – um niemand anderen geht es hier – etwa fragte, wovor sie die größere Angst haben, dem Rechtsextremismus, dem Islamismus oder dem Linksextremismus, dann müßte man – eingedenk der allumfassenden Propaganda der letzten Wochen – ein klares Bekenntnis zur Angst vor Rechts erwarten, dann müßten sie – fragte man sie – in großer Mehrzahl ihre Furcht eingestehen, „daß Rechtsextremisten unseren Staat verändern könnten“, dann müßten sie auch, nachdem das Drama um die Kapitänin Rackete eineindeutig und flächendeckend medial behandelt wurde, in großer Überzahl „Straffreiheit für Flüchtlingshelfer“ auch dann fordern, wenn diese die Gesetze brechen oder anderer Leben gefährden, dann müßten sie auch durch die hysterische Klima-Panik in Überzahl zur Position getrieben worden sein, sofortige und radikale Maßnahmen ohne Rücksicht auf die sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Verwerfungen zu befürworten.

Und voilà: der ARD (sic!) Deutschlandtrend liefert das vorausgesagte Versuchsergebnis.

14 Gedanken zu “Leere Köpfe, tote Seelen

  1. One of you schreibt:

    2015 als ich von den weitreichenden Entscheidungen enrfuhr (Nachrichten via Medien) kam meine Ablehnung nicht aus einer vergeistigten Vogelperspektiv die ich einnahm, sondern aus tiefstem Instinkt heraus kam der Impuls das abzulehnen, sofort , umfänglich ,das kann nicht wahr sein, das darf nicht sein..
    Und doch ist es wahr.

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  2. Reinhard Retlaf schreibt:

    Der Grundirrtum der Moderne ist, daß alle Menschen qua Abstammung oder Menschen-Gesichtigkeit gleichermaßen und überhaupt teilhaben an einem Allgemeinmenschliches. Das ist, was wir auch die „Illusion der Religionsstifter“ nennen können, die wähnen, die anderen Menschen seien ihnen wesensgleich, nur etwas schwächer und sehen nicht, daß 99% gar nicht an Wahrheit interessiert sind. Das Fichtesche Ich haben die allermeisten gar nicht, sie können nur – wie Affen – lernen so zu tun als hätten sie dergleichen, wenn man ihnen oft genug vorsagt, was es ist und daß man es haben muß.
    Aber Attrappen (nur Menschengesichtige) kennen das wahre Menschsein höchstens von außen. Auch die schicksalhafte (romantische) Liebe kennen nur ganz wenige. Für die meisten ist die Ehe, was sie für Kant war. Sie haben weder wirkliche Individualität noch Schicksal noch Überzeugungen. Ihre „Weltanschauung“ ist, was sich für ihr Leben als nützlich erwiesen hat. Insofern gilt für sie die evolutionäre Erkenntnistheorie.
    Die Vorstellungen und sog. Überzeugungen der meisten Menschen sind Nützlichkeiten im Gewand von Wahrheiten. Gerade die, die heute allerlei „Werte“ vor sich hertragen, sind die größten Opportunisten.

    Die Menschen unterscheiden sich nach Hans Blüher geradezu in zwei nichtbiologische Arten, diejenigen, die das Aufgegebene spüren und die es nicht spüren. Das hat wenig mit Intelligenz zu tun. Der sogenannte „Intellektuelle“ ist gerade der, der Aufgegebenheit und Normativität nicht spürt. Er ist mimetisch gegenüber der Gesellschaft und destiliert (bzw. verfestigt zu Pseudogegenständlichkeit) aus ihrem Verhalten Werte, statt daß er denkend in den Bereich vor der Trennung von Fakt und Wert vorzudringen vermöchte (worin man sich wie in Michael Endes Phantasien nur mittels einer eigenen Frage bewegen kann). Natürlich ist die Grundvoraussetzung. daß man Ideen von Begriffen unterscheiden kann. „Werte“ sind bloße Meinungen, Aufgegebenheiten sind Kräfte.
    Blüher meint, die beiden „anthropologischen Rassen“, wie er sie zur Unterscheidung von den ethnischen nennt, träten in jedem Menschen gemischt, wenn auch in sehr unterschiedlichem Mischungsverhältnis auf . Er nennt das das Gesetz der Allogenität. Damit ist es aber fraglich, von „Rasse“ zu sprechen. Es wäre ja schön, wenn es Rassen wären und das meint Blüher auch: „Durch ein Unglück im Weltablauf ist es nun der Natur nicht gelungen, diese beiden Formen rein getrennt zu halten, wodurch eben zwei Tierarten zustande gekommen wären“ (wie Pferd und Esel, Schwan und Gans). Aber manches spricht dafür, daß eben der Vollmensch oder Übermensch nicht Art sein kann, sondern Stand (Kaste) sein muß.

    Nun sind wir durchaus bereit, die Realität zu akzeptieren. Wir glauben weder an Züchtung noch Erziehbarkeit. Wir wollen lediglich wieder echte Stände. Transzendenzverlust geht stets mit Identitätsverlust einher, denn was uns ausmacht ist das Bezogensein. Identität gibt es nur im Durchflossensein.
    Die Minderwertigen vernichten überall den Ortscharakter, für sie ist das Leben nur eine Rennbahn, auf der sie vor ihrer eigenen Leerheit davon ins erhoffte Glück strampeln.
    Die Schäbigkeit von 99% der Menschengesichtigen ist wichtig als Gegengewicht zu einer Gefahr des Idealismus.
    Die Schuld kein echtes Schicksal sondern nur Zufälle zu haben ist Leiden zu vermeiden sich nicht einer Aufgabe zu unterstellen.
    Schicksal bildet sich dadurch, daß sich der Mensch einem Höheren unterstellt.
    Erst dadurch, daß er ein Prinzip wählt, bekommt sein Leben Linie und die Zufälle ordnen sich darauf hin. Es ist nichts, was man machen könnte, nicht aktiv sondern struktiv oder medial.
    Man unterstellt sich nicht einem Menschen das ist der Sklave sondern einer Seinsweise und damit einer möglichen Entwicklungslinie des Menschseins und der Menschheit. Wer das nicht kann muß sich einem Menschen unterstellen, Er ist das, was Aristoteles Sklaven von Natur aus“ nennt.

    Da am echten Denken (noein) zumindest heute 99% der Menschen nicht Anteil haben, sind ihre „Evidenzen“ auch irrelevant und werden sie auch mit dem Wahren nicht resonieren. Wer glaubt, das Eigentliche sei dem heutigen Subjekt zugänglich, verhält sich wie der berühmte Wesir, der unter der Laterne sucht, obwohl er weiß, daß er den Schlüssel dort nicht verloren hat, aber woanders, so sagt er, sind seine Chancen ihn zu finden noch geringer.

    Möglicherweise ist auch die Vernegerung und Veraffung der Menschheit eine Ausgleichsbewegung, mit der die Natur sich wieder Luft schafft. Die postchristlichen Menschen haben sich eine Herrscherrolle angemaßt, und genau die Ideologie die dazu nötig war -der Humanismus – schwächt sie nun und treibt sie der massenhaften Vernichtung durch eine durch immer denkunfähigere Menschen nicht mehr beherrschbaren Technik entgegen.

    Das Abendland ist nicht mehr zu retten. Sein Niedergang ist in mehrfacher Hinsicht verdient, einmal durch die Knechtherrschaftlichkeit, Anthropolatrie und Winseligkeit des Christentums, dann durch die dummdreiste Selbstüberschätzung im Kontakt mit anderen Kulturen und vor allem der Natur, und schließlich durch deren mitte-loses Umschlagen in den faulen Kompromiß beider, der Hochschätzung des anderen nicht um seiner Kultur willen sondern um seiner bloßen Menschenaffengestaltigkeit.

    Und es ist gut wenn der Untergang schneller kommt. In dem Text Naturschutz, Umweltschutz und Klimawahn (in: Burschenschaftliche Blätter 2/2018, 55-61) ist formuliert, daß sich jeder Denkende nur einen Zusammenbruch des herrschenden Systems so schnell und so total wie möglich wünschen kann. Mit denen, die das heutige System als auf dem richtigen Weg sehen, verbindet uns nichts, mit denen die es retten wollen, nur die Liebe zur Wahrheit den Untergang nicht als Fortschritt auszugeben. Es ist verlorene Liebesmüh, den Kollaps aufhalten zu wollen, wer dies versucht, widmet seine Kraft in Wirklichkeit der Erhaltung des bestehenden natur- und kulturzerstörenden Systems, das besser früher und möglichst vollständig zu Grunde geht. Wahre politische Philosophie heute gibt keine Ratschäge für die gegenwärtigen Probleme der untergehenden Kultur, sondern für die Nea-polis nach dem Kollaps. Die Moderne ist genug kritisiert worden es kommt darauf an sie zusammenbrechen zu lassen.

    Der Untergang der heutigen Zivilisation und dessen, was sie als menschlich oder menschenwürdig bezeichnet ist nicht Gefahr sondern Heilmittel und wenn es der Untergang überhaupt alles menschlichen Lebens ist, dann nur, weil darunter keine Heilung mehr nötig war. Natürlich wäre dann auch dieses Buch vergebens. Und insofern ist es selbstverständlich, daß wir hoffen, daß die Heilung der Erdenkrätze unterhalb der Extermination der Erreger abgeht, weil sonst alles menschliche Tun in seinem Sinn dementiert wäre. Gerade deshalb aber müssen wir – unabhängig von der Betroffenheit des eigenen Lebens – einen raschen Zusammenbruch wünschen, denn je länger das Geschwür frißt, desto tiefer muß es (vom Strom der Natur) herausgeschnitten werden.

    Was man heute „Umweltprobleme“ nennt (gemeint sind damit ja im Neusprech nur Hindernisse der weiteten Ausbeutung). sondern sie geht zugrunde an der Auflösung der elementar menschlichen Sozialität. Das Bundesfamilienministerium bezahlt neben teuren Kampagnen zur Vernichtung menschlicher Orientierung an Natur (und ihrer Ersetzung durch „Transgender“ und ähnliche Perversionen) inzwischen bereits MitarbeiterInnnen für Kindergärten, die den Eltern beibringen sollen, daß man mit Kindern reden muß und dies nicht nur den professionellen Aufbewahrungsstätten überlassen soll, damit man selber seiner Arbeit und seiner Selbstdarstellung in virtuellen Welten nachgehen kann.

    Die Grünen sind, ironischerweise gerade indem sie den Naturschutz verraten haben, doch die wahre Ökopartei, sie minimieren die Stärke des Industriesystems durch Behinderung der Wirtschaft und zusätzlichen Ballast durch Kulturfremde und Schnorrer und bringen es dem Zusammenbruch näher.
    Hitler war auch ein Produkt der Demokratie (Syberberg)). Er war Agent des Zeitgeistes der Geborgenheitssehnsucht und moderne Entgrenzung, Gleichheitswahn und Superioritätsbewußtsein zusammenzuspannen vermochte. Ebenso sind heute die Grünen die Agenten des Zeitgeistes. Der Otto Normalverbraucher will weiter Billigfliegen und sich trotzdem ala nachhaltig zertifizieren lassen. Damit machen die Merkels und Habecks ihr Geschäft.

    Dennoch ist unsere Sympathie natürlich auf Seiten derer, die das Drohende noch verhindern wollen, denn sie geben wenigstens nicht den Niedergang als Fortschritt aus. Mit den an ihre eigenen Lügen Glaubenden ist kein Gespräch mehr möglich.

    Damit ist aber Politik für uns nicht mehr ein Instrument sondern ein Raum.

    Eine Tragik besteht darin, daß es für nichtgeniale aber gutwillige und einsichtige Menschen gar keine Betätigungsmöglichkeit gibt, weil sie nicht in die Sphäre desÜberhistorischen reichen. Ihnen nimmt man mit dem Unmöglichwerden von sinnvoller Politik den Lebenssinn. Und selbst für Denker ist es nicht nur schwer auszuhalten nichts zu tun sondern geradezu (bei Strafe der Selbstverachtung und des Erstickens in Wut) geboten, wenigstens dafür sich einzusetzen, daß die Wahrheit gesagt werden kann und auch wenn man Parteipolitik jeder Art und den Parteienstaat ablehnt, so bleibt doch, daß die AfD als derzeitig einzige Partei,. die wenigstens halbwegs (denn auch hier werden wirkliche Systemgegner oder solche, die man dafür hält, aus eigenen Karrierehoffnungen heraus ausgegrenzt) für Redefreiheit eintritt, unterstützenswert ist.

    Die politischen Bemühungen von AfD bis IfS sind ehrenwert aber verlorene Liebes-Mühe um einen lebenden Leichnam, Es kann nur noch darum gehen Samenverkapselungen oder Flaschenpost der faustischen Kultur für eine Menschheit nach dem Kollaps der heutigen Weltunordnung zu bilden. Ein deutsches Volk oder eine Kultur gibt es nicht mehr und mit dem einzigen zur Reichsbildung fähigen Volk (Sander) ist auch Europa nur noch ein Wort.

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  3. willanders schreibt:

    „Diese abscheuliche Klugheit, diese lächerliche Mattigkeit im Begreifen und Würdigen der Dinge dieses Lebens, welche dem phantastischen Tollkopfe gegenüber dann und wann Triumphe feiert, zerfällt, genau genommen, dem eigentlichen tieferen Geiste gegenüber, in den nur tierischen Instinkt zum Auffinden des gerade heute Nützlichen und Nötigen; da der tiefere Geist oft absichtlich – eben um sich im weiteren Blick nicht stören zu lassen, dies unmittelbar Nötige häufig übersieht, erscheint er jener praktischen Weltintelligenz sinnlos und absolut unverständlich. Das müssen wir uns nun gefallen lassen, daß die Welt,die wir sehr wohl begreifen, uns n i c h t begreift und unser unpraktisches Wesen zu bemitleiden sich erlaubt.“

    Richard Wagner in einem Brief an die Freundin Frau Wille

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  4. Till Schneider schreibt:

    Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bißchen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, daß sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden. O Bestimmung des Menschen! (Goethe, „Die Leiden des jungen Werther“)

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  5. Tommy schreibt:

    Guter Text, deprimierend, aber meines Erachtens treffend. Deshalb glaube ich auch nicht mehr, dass sich in Deutschland ohne Katastrophe etwas ändert.
    Was mich in den letzten Jahren schon erschüttert hat, ist wie sehr die meisten Menschen anscheinend medial lenkbar sind, komplett unfähig außerhalb der ihnen von den Massenmedien vorgegebenen Narrative und Wertungen zu denken. Das war zugegebenermaßen auch schon bei anderen Ereignissen in diesem Jahrhundert der Fall (man denke zurück an die Unterstützung vieler US-Amerikaner für den Irak-Krieg 2003, obwohl das offizielle Bedrohungsszenario offenkundig unsinnig war), aber das Ausmaß der nicht enden wollenden deutschen Verblendung in den letzten Jahren ist schon bemerkenswert.
    Wenn die Leute schon so sind, obwohl es ja doch immer noch alternative Informationsmöglichkeiten gibt, wie werden sie erst sein, wenn eine autoritäre Regierung den Informationsfluß hart beschränkt? Ich fürchte, wir könnten das in den 2020ern herausfinden.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      @ Tommy
      Sie wollen es nicht sehen, weil es ihnen Angst machen würde, also sehen sie es eben nicht. Und für wie absurd man das auch halten mag, nicht zu sehen, was sie sehen, es gelingt ihnen perfekt. Als eingefleischter Atheist im Stile des 18. Jahrhunderts habe ich schon einige Diskussion mit Gläubigen gehabt, die am Ende nichts Rationales mehr gegen mich sagen konnten und dann darauf verfielen, selig lächelnd das Lebensgefühl zu preisen, das ihnen das Festhalten an ihrer Glaubensgewissheit verschaffe. Ich treffe auch regelmäßig auf Menschen, die zutiefst erschrecken, wenn ich bekunde, keinerlei Illusion unterliegen zu wollen. Aber so könne man doch nicht leben!

      Schafe auf der Weide, die dem Schäfer die verschwitzte Hand lecken, mit der er gleich zum Messer greifen wird. Ursache des Herdenverhaltens ist nicht die Verdummung und Verhetzung, sondern die gutmütige Bereitwilligkeit, sich das antun zu lassen. Weil es bequemer ist, wegen der vertrauten Stallgeruchs, weil die Hirtenschaft angestammt und deshalb legitim ist.

      Nun denn, rechnen wir aus, wann die ersten Schädel gegen die Mauer der Realität klatschen werden und freuen wir uns dereinst, wenn wir den Zeitpunkt gut kalkuliert haben sollten. Man soll die Feste feiern, wie sie fallen.

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  6. Matthias R. schreibt:

    Hallo Herr B.

    Freut mich das Sie Krishnamurti hier erwähnen. Wenn man sich mit seinen Schriften ernsthaft beschäftigt muss man glaube ich irgendwann zu der Einsicht gelangen, das beispielsweise Szenarien wie die von Seidwalk oben beschriebenen, keinerlei Probleme mehr darstellen sollten. Man kann die unerhörten Dinge die hier seit nun bald vier Jahren vor sich gehen auf eine Art ertragen die keine hässlichen Spuren in unserer Psyche hinterlassen. Wem ist damit geholfen wenn ich laufend Angst vor etwas habe ( allein das schon ein spannendes Thema bei Krishnamurti: wie Furcht entsteht). Ich finde sie macht mich und meine Umgebung hässlich und deshalb will ich mal für eine Weile Schluss damit machen.Das heisst nicht ignorant oder mit Scheuklappen durch die Gegend zu laufen sondern nur das Kämpfen einzustellen, denn mein Kampf schafft letztendlich nur neues Leid, mag das Motiv auch noch so edel sein. Man muss zwar den Feigheitsvorwurf links wie rechts aushalten, aber auch das sollte kein Problem sein. Zum Schluss noch ein paar Worte von Jiddu dem Guten als Ergänzung zu Herrn B.’s Text.

    In seiner Erklärung von 1929 fasste Krishnamurti den Kern seiner Lehre in den Satz: „Die Wahrheit ist ein pfadloses Land.“

    Der Mensch kann weder durch irgendeine Organisation noch durch irgendeinen Glauben, irgendein Dogma,
    weder durch Priester oder Rituale noch durch philosophisches Wissen oder eine psychologische Methode zur Wahrheit gelangen.
    Er muss sie durch den Spiegel seiner Beziehungen entdecken, durch das Verstehen der Inhalte seines eigenen Geistes,
    durch Beobachtung und nicht durch intellektuelle Analyse oder ein Zergliedern seines Innenlebens.
    Der Mensch hat sich zu seiner Sicherheit einen Schutzwall aus religiösen, politischen und persönlichen Bildern errichtet.
    Diese manifestieren sich als Symbole, Ideen und Glaubensinhalte.
    Die Last dieser Bilder beherrscht das Denken, die Beziehungen und das tägliche Leben des Menschen.
    Sie sind die Ursachen unserer Probleme, denn sie trennen den Menschen vom Menschen.
    Seine Wahrnehmung des Lebens wird von den Vorstellungen geformt, die sich bereits in seinem Geist festgesetzt haben.
    Der Inhalt seines Bewusstseins ist sein ganzes Dasein.
    Dieser Inhalt ist der ganzen Menschheit gemeinsam.
    Die Individualität ist der Name, die Form und die oberflächliche Kultur, die ihm aus seiner Tradition und Umwelt vermittelt wurde.
    Die Einzigartigkeit des Menschen besteht jedoch nicht in Äußerlichkeiten, sondern in der vollkommenen Freiheit vom Inhalt jenes Bewusstseins, das allen Menschen gemeinsam ist.
    Somit ist er kein Individuum.
    Freiheit ist keine Reaktion; Freiheit ist nicht Wahl.
    Der Mensch bildet sich ein, frei zu sein, weil er eine Wahl hat.
    Freiheit ist reine Beobachtung ohne Richtung, ohne Angst vor Strafe oder Belohnung.
    Freiheit ist ohne Motiv.
    Freiheit steht nicht am Ende der Evolution des Menschen, sie liegt vielmehr im ersten Schritt seines Daseins.
    In der Beobachtung beginnt man das Fehlen der Freiheit zu entdecken.
    Freiheit finden wir im unvoreingenommenen Gewahrsein unseres täglichen Lebens und Handelns.
    Denken ist Zeit.
    Denken wird aus Erfahrung und Wissen geboren, die untrennbar von der Zeit und der Vergangenheit sind.
    Die Zeit ist der Feind der menschlichen Psyche.
    Unser Handeln gründet sich auf Wissen und somit auf Zeit, und so ist der Mensch immer ein Sklave der Vergangenheit.
    Das Denken ist immer begrenzt, daher leben wir in ständigem Konflikt und Kampf.
    In der Psyche gibt es keine Evolution.
    Wenn der Mensch sich seiner eigenen gedanklichen Vorgänge bewusst wird, dann wird er die Trennung zwischen dem Denker und dem Gedanken, dem Beobachter und dem Beobachteten, dem Erfahrenden und der Erfahrung erkennen.
    Er wird entdecken, dass diese Trennung eine Illusion ist.
    Erst dann kommt es zu der reinen Beobachtung, die Einsicht ist, ohne einen Schatten der Vergangenheit oder der Zeit.
    Diese zeitlose Einsicht bewirkt eine tiefe, radikale Transformation des Geistes.
    Totale Negation ist die Essenz des Positiven.
    Nur aus der Verneinung all der Dinge, die das Denken in der Psyche erzeugt hat, geht die Liebe hervor, die Mitgefühl und Intelligenz ist.

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  7. JJA schreibt:

    Der Eintrag bildet einen wunderbaren Kontrast zu den vorangegangenen zu „Elite und Gegenelite“: So gern man sich von Seiten der rechten Intelligenzija in der Rolle des Volkstribuns sieht, so schwierig und ernüchternd ist der tatsächliche Kontakt dann oft. Ich zitiere aus dem Artikel „K&K“:

    „…aber die geistige Ödnis, von der man oft umgeben ist, macht mir Land und Leute fremd.“

    Das geht mir oft nicht anders – und so perpetuiert sich die Segregation.

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  8. Michael B. schreibt:

    Das ist zu einfach. Der braesige, auch feige Typus – ja, kennt man natuerlich. Es gibt aber andere Zugaenge mit nur scheinbar dem gleichen Ergebnis.

    Im letzten Jahrhundert gab es unter den unzaehligen indischen Gurus eine besondere, auch untypische, Gestalt. Er hiess Jiddhu Krishnamurti und hatte im Prinzip nur eine wesentliche Lehre, die er mit bemerkenswerter Stringenz den groessten Teil seines langen Leben variierte. Auf eine Formel gebracht lautete sie:

    Die Wahrheit ist ein wegloses Land. Jeder muss sie selbst finden, es gibt keine Religion, keine Philosophie, keine Weltanschauung, auch keine Wissenschaft, die sie letztlich liefern kann. Es gibt auch keine anderen Leute, die das tun koennten. Versucht man in solchen Dingen die Wahrheit zu finden wird man kollidieren, da all diese Auffassungen Wissen aus zweiter Hand darstellen, die nie deckungsgleich mit dem Eigenen zu bringen sind. Man lebt dann sein gesamtes Leben in Konflikt.

    Formel wie gesagt, in meiner Darstellung leicht, und auch in voller Auspraegung aus verschiedener Sicht angreifbar. In der Historie der Gestalt Krishnamurti als durch Theosophen von Kindheit an aufgebautem religioesen Fuehrer (und seinem Bruch damit) als auch in konkreten Ausseinandersetzungen – gern z.B. mit nichttrivialen Vertretern oestlicher Religionen, oft des Buddhismus – wird sein Zugang besser verstaendlich. Im selben Zug zwingend uebrigens auch Ablehnung von allen weiteren uebergreifenden Begriffen wie Nation, selbst Familie, etc.. Was ihn allerdings in eine ganz andere Position stellte, als die hier ja ebenfalls oft diskutierten Aufbrechungen der Begriffe aktueller Art.

    Ich selbst habe aber speziell aus diesem ‚Wissen aus zweiter Hand‘ einiges an Honig gesogen. Wie jeder Geisteshungrige zieht man ja speziell in der Jugend und noch spezieller in den ‚weicheren‘ Gebieten jede Menge Dinge in sich hinein, die das unresiliente Gehirn auf Jahre ueberschwemmen. Haeufigster Fehler: Geistige Schluesse logischer oder anderer Art bauen ausschliesslich auf vorherigen solchen Dingen auf. Das nennt man dann ‚hoehere‘ Betrachtungsweise (hier beginnen Sie wahrscheinlich zu ahnen, wo es hingeht, seidwalk). Was man schmerzlich in diesem Alter – und mancher sein Leben lang – nicht tut, ist der kontinuierliche Rueckgriff und Test auf Realitaet, auch die des eigenen Ichs. Ich selbst fand mich erst ab einem Alter von ca. 30 Jahren in einer Situation, ab deren Auftreten ich massives ‚Unlernen‘ betrieben habe. Das setzt sich bis heute fort, die Menge und Verwurzelung an Vorurteilen (im Wortsinn) ist einfach nicht so leicht loszuwerden. Dazu nehme ich Verminderungen an Abstraktionen, Einschraenkungen des Beteiligens an Diskussionsthemen in denen ich frueher endlos und nach Meinung einiger Leute vorzeigbar argumentiert habe, intellektuellem ‚Niveau‘, Durchmesser des Gesichtskreises u.v.a.m. in Kauf.

    De Punkt ist – vieles dieses Hoeheren ist nicht hoeher sondern in Wirklichkeit zu eng. Gefangen im Korsett der Begriffe, die eben nur das ohne ausreichend Erdung geblieben sind. Es gibt viele Leute, die das begreifen und auch sofort erkennen. Sie moegen ungebildet sein, aber sind schon aus diesem Grund allein nicht unintelligent. Diese Leute wissen auch, dass ihnen die Mittel zur Auseinandersetzung in solchen Begrifflichkeiten fehlen, aber in dem Fall ist das gesund! Sie streben es noch nicht einmal an, sondern setzen Prioritaeten im Leben selbst. Und das zu tun ist dann gar nicht simpel, es beinhaltet z.B. eine ganz unselbstverstaendliche Guete von Auge-Gehirn-Hand-Koordination. Diese Leute sind mir wesensverwandt und das voellig unabhaengig von ihrem Bildungsstand und intellektuellem Vermoegen. Ich sage es gern und immer einmal wieder: Intelligenz ungleich Intellektualitaet.

    Das in Diskussion auszugraben, bedarf Arbeiten an eigener Sprache, die immer nachvollziehbar rueckkoppelnd / an Realitaet gebunden sein muss (verwandt: Einstein: Mann auf der Strasse). Sie muss moeglichst eigen, ohne Rueckgriff auf viele, viele ’selbstverstaendliche‘ Begriffe u.a.m. sein. Die Verwendung unter diesen Aspekten bringt sowohl in der Wahrnehmung durch Andere als auch selbst einiges an Gewinn und gelegentlich Ueberraschungen.

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    • Tut mir leid, ich kann Ihnen nicht ganz folgen und sehe auch nicht, warum Krishnamurti ins Spiel gebracht wird.

      Möglicherweise war mein Eingangsbegriff des „Höheren“ irreführend, möglicherweise haben Sie ihn im spirituellen Sinne gelesen. Vielleicht hätte ich besser „Geistiges“ wählen sollen.

      Mir wurde anhand dieser Person lediglich bewußt, daß wir vornehmlich von Menschen umgeben sind, denen nie ein eigentlicher Gedanke begegnet, schlechthin nie bewußt wird und die sich mit einem sehr limitierten Begriffs- und Denkapparat durchs Leben schlagen und damit die Welt nach jeweiligem Willen und Vorstellung konstruieren – alles in Relation natürlich, denn es betrifft jeden mehr oder weniger. Andere haben vielleicht einfach keine Zeit nach Arbeit und Leben auch noch sich Gedanken zu machen. Jedenfalls dürfte „die Gesellschaft“ ein vitales Interesse daran haben, solche Menschen hervorzubringen. Denn diese Menschen – das ist die These – sind die idealen Opfer jeglicher Propaganda. Man muß sie von den Moralisten, die ebenfalls Opfer sind, unterscheiden und teilweise auch exkulpieren.

      Mitunter würden diese Menschen auch Krishnamurti folgen. Ich habe diesen Typus selbst bei strengen Theravada-Buddhisten kennen gelernt, die zum Teil schon sehr weit in der Lehre fortgeschritten waren, aber dennoch nicht genuin denken konnten. Gerade die 2015er Wende hat mich diesem Kreis entfremdet, weil man dort sich antrainiert hatte, alles einfach zu ignorieren und damit de facto die Katastrophe zu bejahen. Das mag ein Zeichen des Fortgeschrittenseins gewesen sein, für mich war es in dieser historischen Situation nicht akzeptabel. Möglicherweise bin ich zu limitiert.

      Auch Krishnamurtis Lehre ist nicht ohne Gefahr. Er war der erste moderne Dekonstruktivist, der seine Lehre mit der Gießkanne ausleerte und das ist bei absolutistischen Lehren immer sehr gefährlich. Man müßte hier wieder den Begriff der Elite einführen. Buddha hatte das wohl schon gesehen und strikt zwischen Mönchen und Laien unterschieden. Aber das ist ein anderer Film.

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      • Michael B. schreibt:

        > Vielleicht hätte ich besser „Geistiges“ wählen sollen.

        Das aendert nichts an meiner Aussage. Verwechseln Sie meine eigene Meinung bitte auch nicht mit den ausfuehrlicher dargelegten Positionen K.’s durch meinen Nachredner. Ich bin kein Juenger Krischnamurtis (wuerde dieser selbst auch nicht moegen, er war sich der Paradoxie seiner Funktion als Lehrer und der ja durch seine wesentlichste These postulierten Unvermittelbarkeit auch seiner eigenen Meinung sehr wohl bewusst). Ich halte bestimmte Aspekte seiner Auffassung fuer richtig und andere fuer rundweg falsch.
        Zu ersteren gehoert die prinzipielle Wichtung fremder oder ueberhaupt von Gedankengebaeuden und die Gefahr, diese fuer die Welt zu halten – speziell als ‚Kopfmensch‘.

        „sie hatte ganz einfach nichts zu sagen, wenn es um Geschichte, Theologie, Politik, Psychologie, Literatur oder gar Philosophie ging. Sie hatte keine Meinung“

        … zu diesen Gebieten, sei ergaenzt. Das ist nicht zwingend schlimm und fuer sich allein kein Grund, diese Person gering zu schaetzen. Ihr lebenspraktischer Instinkt mag eine brauchbare Bewertung inklusive taetigen Schlusses komplett ohne Einbeziehung an diese Bereiche gebundener Begrifflichkeiten vollzogen haben. Unangekraenkelt durch die Blaesse des Geistes sozusagen. Nicht in Ihrem Beispiel, aber mein Punkt waren ja auch Andere an solchen Dingen nur marginal Interessierte. Und die werden bei Diskussionen zur Menge solcher Leute insgesamt halt auch interessant. Kann den eigenen Pessimismus auch einmal aufhellen.

        Um noch einmal die „Sezession“ (das Forum) herauszugreifen. Ich schreibe ja gelegentlich auch einmal etwas dort hinein. Und ich muss sagen, so etwas staubtrockenes, selbstverliebtes, enges, aber von eigener intellektueller Eitelkeit undiszipliniert Getriebenes ohne die eigenen angemassten Schuhe auch nur annaehernd als Person ausfuellen zu koennen – so etwas habe ich selten gesehen (Ausnahmen auch dort natuerlich vorhanden). Diese ‚Elite‘ kommt nirgendwo an, was auch mit grundsaetzlichen Schwaechen in den Grundhaltungen ihrer selbstgekuerten Meister zusammenhaengt. Deswegen ist ihre begrenzte Wirkung bei aller Beruecksichtigung der generell extrem feindlichen Atmosphaere u.a. auch einem starken nicht enthaltenen zukunftsfaehigen Aspekt zuzuschreiben. Der ist noch nicht gefunden.

        „und erst recht keine Überzeugung. Ihr Beruf: Lehrer.“

        Ueber diese Kombination allerdings muessen wir nicht diskutieren.

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        • Das versteht sich von selbst, daß man diese Lebensweisen nicht per se bewertet. Die uralte Frage, ob die „Einfalt“ nicht der bessere Entwurf sei, wurde hier bereits mehrfach aufgeworfen. Zuletzt anhand der Voltairschen „Geschichte eines guten Brahmanen„.

          Im konkretem Fall kenne ich die Person recht gut, wenn auch nur oberflächlich und wir hatten ein paar gute Tage zusammen, vor allem dann, wenn man nicht mit Problemen konfrontiert wurde und an der Oberfläche bleiben konnte. Das war wiederum gar nicht so einfach, denn der Ort ist außergewöhnlich geschichtsträchtig gewesen und zwang regelrecht zur Auseinandersetzung mit den großen Fragen.

          Nun gut. Sie haben das SiN-Forum angesprochen – das interessiert mich. Ich folge dort natürlich auch. Stimme Ihnen partiell zu, fand aber gerade die letzten Diskussionen – bei Lichtmesz insbesondere aber auch die Islamdebatte – wieder sehr anregend, nachdem die letzten Monate – wie einige Kommentatoren feststellten – doch eher dürre Zeiten waren. So etwas lebt mit den Teilnehmern und zuletzt sind dort einige neuere Stimmen überlaut geworden, die den Ton schnell und radikal veränderten. Sie sind ja selbst vor Kurzem erst wegen einer Lappalie angepöbelt worden.

          Das politische Spektrum ist sehr weit. Einige Positionen überschreiten meine persönliche Grenze des Akzeptablen, aber solange sie artikuliert und zivilisiert daherkommen, begrüße ich, daß sie sich dort zumindest äußern können. Diese unhaltbaren Positionen dürfen nur nicht zu dominant werden.

          Die „Sezession“ ist eine Projektionsfläche. Mir kommen auch oft die Zweifel, ob ich falsch liege oder Teile des Forums, was die Sez sei oder zu sein habe. Sie ist dennoch das zentrale intellektuelle Blatt der Jetztzeit, soweit ich sehe. Ich wüßte auch kein besseres Forum, aber zugegeben, sehr intensiv schaue ich mich nicht um.

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  9. Pérégrinateur schreibt:

    „Im allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingeteilt in Studenten,
    Professoren, Philister und Vieh, welche vier Stände doch nichts weniger
    als streng geschieden sind. Der Viehstand ist der bedeutendste.“

    Heinrich Heine, Die Harzreise

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  10. lynx schreibt:

    Ja, kenne ich: man sitzt in aller Herrgottsfrühe beim Frühstück, kann die Nacht, die vielleicht unruhigen Träume noch nicht ganz hinter sich lassen, wird schon wieder in einen heißen Tag geworfen. Und dann sitzen da Leute mit am Frühstückstisch, die sogleich, ohne den gehörigen Anlauf von ein paar Tassen Kaffee und ein paar Stunden Zeitungslektüre, einsteigen in die große Diskussion über Gott und die Welt. Eigentlich nicht in eine Diskussion, sondern tatsächlich suchen sie nur arme willfährige Opfer, denen sie ihre Sicht der Welt darlegen können, in den kleinsten Verästelungen. Zu jedem Thema haben sie etwas zu sagen, in aller Herrgottsfrüh. Die matte Abwehr mit Hinweisen auf Bloch oder Jung, in der Hoffnung sie damit zum Schweigen bringen zu können: vergebens. In Gedanken ist man da vielleicht bei Handke, mit dem man die Verzweiflung teilt über das ewige aufgepumpte Gerede von Leuten, die ganz offensichtlich gefangen sind in ihrem bescheidenen gedanklichen Universum. Viel mehr Wert darauf legen, selber zu reden als zuzuhören. Den Klängen der Welt da draußen, dem morgendlich auflebenden Lärm der Stadt, der zum Hintergrundsummen wird im Gegenwart ihrer Tiraden. Sie fühlen sich ja so belebt, so überquellend, diese Sprechautomaten. Schnell den Kaffee hinunterschlucken und ab in den Park.

    Seidwalk: 🤣

    Gefällt 1 Person

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