Politische Kultur und nationale Identität

Die dänische Folketingswahl 2019 ist Geschichte. Und sie wird Geschichte machen. Unter Führung der Sozialdemokraten hat der linke Block wieder die Zügel übernommen. Er konnte das nur, weil die Sozialdemokratie unter Mette Frederiksen die straffe Einwanderungspolitik der „Dänischen Volkspartei“ in ihre eigene implementiert hat und weil einige ihrer potentiellen Koalitionspartner wie die „Radikale Venstre“ oder die „Sozialistisk Folkeparti“ für ihre Verhältnisse deutlich zulegen konnten.

Effektiv haben die Sozialdemokraten sogar ein paar tausend Stimmen verloren und ihr liberal-konservativer Hauptgegner, die „Venstre“ unter Lars Løkke Rasmussen, ein paar zehntausend Stimmen dazugewonnen, aber durch den Zugewinn auf der ultralinken und vor allem durch den massiven Verlust der „Dansk Folkeparti“ hat sich das Gefüge deutlich verschoben.

Mette Frederiksen hat nun die komplizierte Aufgabe, die bunte, wesentlich radikale Mosaiklinke hinter sich zu einen und mit ihr vor allem ihr sozialpolitisches Programm durchzusetzen. Aber ebenso schwer dürfte es sein, gegen ihre Koalitionspartner und vermutlich mit Hilfe der blauen Parteien den strengen Anti-Migrations- und Integrationskurs fortzusetzen. Ein schwer zu schaffender Spagat.

Doch will ich nun keine Wahlanalyse durchführen – davon gibt es bereits genug – sondern auf ein dänisches Unikum hinweisen, das man heute Nacht gegen halb Zwei live im Fernsehen miterleben durfte. Es führte exemplarisch vor, warum die Dänen ein so liebenswertes Völkchen sind.

Da waren die Stimmen alle ausgezählt, das Ergebnis offiziell. Es folgte traditionell die „Partilederrunde“, in der die vollkommen erschöpften Frontmänner und –frauen unmittelbar ihre Einschätzung abgaben. Was man dort sieht und hört, erwärmt das Herz.

Partilederrunden – Valgnat på DR TV

Schon vor der Runde darf man den 13 Persönlichkeiten zusehen, wie sie sich begrüßen, wie ihnen die Haare gemacht, die Gesichter geschminkt, die Mikrophone angelegt werden. (00:44 und 00:47ff.) Der dänische Zuschauer ist hautnah dabei, riecht förmlich Schweiß und Parfüm – keine abgehobene, unnahbare Politikerkaste. Es wird sich gegenseitig gratuliert, geherzt und umarmt, man lächelt sich an, umarmt sich, macht Witze. Bereits hier begreift man, daß nicht verbitterte Gegner und erbitterte Feinde, die sich verachten, gegenüberstehen, sondern Verbündete einer Sache – das Land Dänemark zu gestalten – mit gänzlich verschiedenen Methoden und Vorstellungen.

Auch die „extremen“ Kräfte werden vollkommen zwanglos in der Runde aufgenommen. Übrigens nicht nur von den Kollegen, sondern auch von den anwesenden Journalisten. Da stupst die Moderatorin vor laufender Kamera etwa Rasmus Paludan an, lächelt und fragt ihn nach der Uhrzeit (51:00). Der muß nun seine knappe und überraschende Niederlage eingestehen.

Anja Reschke scherzt herzlich mit Björn Höcke – das wäre die deutsche Variante dieser Situation © DR DK

Überhaupt haben die Rechtsaußen unerwartet schlecht abgeschnitten. Sowohl Paludans „Stram Kurs als auch Pernille Vermunds „Nye Borgerlige blieben weit hinter den Prognosen zurück. Vermund machte wenige Tage vor der Wahl vielleicht einen entscheidenden Fehler: sie weigerte sich, Løkke zu unterstützen, weil dieser in den letzten Stunden um die Sozialdemokraten zu buhlen begann. Das war hochgradig ehrlich und aufrichtig, politisch aber unklug.

Von all dem war in der anschließenden Runde dann nichts zu spüren. In Deutschland weigerten sich  Abgeordnete, den neuen AfD-Kollegen auch nur die Hand zu geben. In Dänemark – einer uralten Debattenkultur – wäre das undenkbar. Man muß diesen Menschen – den meisten zumindest – nur in die Augen schauen, um zu sehen, daß man sich über die Parteigrenzen hinweg achtet und in manchem Falle sogar mag. Und als Pernille Vermund etwa ein paar Worte an Mette Frederiksen richtet, da bricht ihr fast die Stimme (1h:20min)

Vergleicht man das mit den Bildern aus Deutschland, etwa den derzeitigen Intrigen in den sogenannten Volksparteien, den permanenten Anfeindungen der und von der AfD, dann wird ein eklatanter Unterschied in politischer Zivilisiertheit und Kultur deutlich.

Wie ist er zu erklären? Es gibt sicher eine ganze Reihe an vor allem historischen Gründen, dänischen Spezifika. Mir fallen ohne längere Überlegung zwei ein.

Es ist zum einen das Erbe Nicolai Frederik Severin Grundtvigs. Ein strenger und prinzipientreuer Reformator von Kirche, Schule und Politik mit dennoch grundliberaler Gesinnung. Der Grundtvigianismus ist neben Kierkegaards Existenzphilosophie noch immer eine bedeutende Inspirationsquelle aller möglichen politischen Parteien.

Mehr noch aber dürfte – und auch das ist ein Begriff Grundtvigs – die „Folkelighed“, die Volklichkeit eine Rolle spielen, ein für zentraleuropäische Verhältnisse ungewöhnliches Zusammengehörigkeitsgefühl, eine gemeinsame Identität. Diese wiederum kann überhaupt nur bis zu einer gewissen volklichen Größe entstehen, sofern sie kein temporärer Fanatismus ist. Aber Dänen fühlen noch immer ihre Apartheit, ihre „danskhed“, ihre „Dänischkeit“.

Auch in der Politik wird der Gegner oft nicht mit falsch-richtig-Dichotomien bekämpft, sondern mit dem Argument der „danskhed“.Det er udansk“ – das ist undänisch, dieses Argument hört man immer wieder und in alle Richtungen. Die Wertegrundlage ist also nicht ein gut oder schlecht, wie in der bipolaren deutschen Welt, sondern ein Bezug auf das nationale volkliche Wesen.

Und wenn wir uns die 13 Spitzenpolitiker ansehen, dann erkennen wir 13 prototypische  Dänen, das ethnische Dänemark in all seiner Vielfalt. Es gab  auch schon wichtige Politiker mit Migrationshintergrund in DK, wie etwas Naser Khader, ein in Syrien geborener liberal-konservativer Politiker, aber der war innerlich so überzeugter und bekennender Däne – und Muslim – daß nie jemand daran Anstoß genommen hat. Auch er verteidigte die Danskhed.

Diese wurde geformt in einem langen und bitteren Prozeß an Niederlagen – der Vergleich zu Ungarn bietet sich an -, der eine Kollektivseele formte. Und die letzte prägende Periode war just jene, die es den Deutschen später verunmöglichte, weiterhin stolz deutsch zu sein. Könnte man sich einen deutschen Politiker vorstellen, der einem Kontrahenten vorwirft „undeutsch“ gehandelt zu haben? Das käme einem politischen Suizid gleich.

Dort wo die Deutschen ihren Stolz auf ihr Deutschsein verloren haben, dort haben die Dänen den ihren gewonnen, als vom mächtigen Nachbarn besetzte und gedemütigte Nation.

Doch beginnt auch dieser Stolz zu verschwinden. Die „danskhed“, die ganz wesentlich religiös – Folkekirke und Innere Mission – vermittelt wurde, ist Menschen aus anderen kulturellen und religiösen Kreisen mit sehr starken Identitäten natürlich schwer zu vermitteln und auch die in Beliebigkeit, mit westlichen und universalistischen „Werten“ erzogene Jugend hat immer weniger Verständnis dafür. Die zunehmende politische Korrektheit erschwert zudem ihre Tradierung.

Nur wenn es der neuen Regierung gelingt, diese traditionellen Werte weiter zu bewahren, hat sie eine Chance, langfristig zu überleben. Gelingt es ihr nicht, dürfte die nächste Wahl in vier Jahren wieder einige Überraschungen parat haben.

Siehe auch: Entdeckung der Kollektivseele

Das tausendjährige Reich

Volk oder Völk? Grundtvigs Grundlegung

Die Schweinefleischfaschisten

7 Gedanken zu “Politische Kultur und nationale Identität

  1. Die uns auferlegte\ aufgezwungene Selbstgeißelung hat uns als Volk und Nation so vielschichtig geschadet. Ich bezweifle, das „wir“ uns jemals davon erholen können.

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  2. lynx schreibt:

    Die Dänen als „liebenswertes Völkchen“ zu bezeichnen, klingt nach Poesiealbum (und so recht deutsch herablassend). Deshalb ein paar Beobachtungen meinerseits, um die Legendenbildung etwas zu relativieren:
    1. Die beschriebene Politfolklore wird nach meiner Beobachtung bei uns weitgehend aus der Inszenierung herausgehalten. Im Abspann von Talkshows kann man sie manchmal beobachten, insbesondere aber auf Live-Veranstaltungen, wo Politiker aller Couleur zusammensitzen. Das ist ein Herzen allerseits. Nur nicht mit der AfD o.ä., da haben Sie recht. Kann das Gründe haben?
    2. Gestern habe ich aus Anlass des D-Day-Jubiläums ein wenig herumgelesen, bin dabei auf „10 Merkpunkte“ für die Angehörigen der 91. Inf.Div. der Wehrmacht gestoßen (die in der Normandie stationiert war), eine „Handreichung“ des Divisonskommandanten an seine Soldaten, die diese ständig mitzuführen hatten. Darin heißt es in Punkt 1: „Die deutsche Wehrmacht und die Freiwilligenscharen der erwachenden Teile der übrigen europäischen Nationen […] haben die Kultur des Abendlandes hinüberzuretten in eine bessere Zeit. […] Sie sind die Wegbereiter der neuen Zeit und die modernen Ordensritter“ (sic!) – Also mir sind da nahezu wortgleiche Einlassungen aus AfD-Kreisen und ihrem Umfeld in Erinnerung. Wie sollte man, bei unserem geschichtlichen Hintergrund, solchen Leuten Respekt zollen, womöglich gar mit ihnen scherzen? Sie werden das jetzt wieder für Philistertum halten, aber es sind eben diese (vielen) Kleinigkeiten. Und der erkennbare Lern-Unwille. Das ist nicht lustig. Aber ich kann schon verstehen, dass man eine wenig neidisch wird auf unbeschwertere Nationen wie Dänemark (die jetzt Asylbewerber auf einsamen Inseln konzentriert).
    3. Der Vergleich einer Nation Dänemark mit einer Nation Deutschland hinkt von vornherein. Wollten Sie einen adäquaten Vergleich ziehen, dann müssten Sie die Nation mit der Nation Bayern beispielsweise vergleichen. Skandinavien hat sich im 19. Jh. für einen anderen Weg entschieden und ist bei einem Mehr-Nationen-Modus verblieben. In Deutschland gab es eine (erzwungene) Fusion von Teilstaaten (viele größer als Dänemark) zu einem Nationalstaat, aus rein machtpolitischen Erwägungen. Eine gewachsene „deutsche“ Identität, vergleichbar zur dänischen, gibt es nicht, eine bayerische, württembergische, hessische schon. Sie ist einerseits eine politische (und literarische) Erfindung, andererseits ein Missbrauch. Vieles fiele uns leichter, wenn wir sie als (hilfreiches) Zwischenstadium erkennen und abstreifen könnten.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      @1. Ja, das kann Gründe haben, Auf beiden Seiten.
      @2. Ich vermute doch stark, sie würden bei Lyautey oder den englischen Imperialisten ganz analoge Worte finden udn genau genommen sogar bei jeder imperialen Macht. Die Machtprotektion benötigt immer eine entsprechende Ideologie und fabriziert sie her; sie verwechseln da also Ursache und Wirkung. Ich würde sagen: Wieder mal Thukydides lesen!

      Was wären übrigens die dazu „wortgleiche[n] Einlassungen aus AfD-Kreisen und ihrem Umfeld“? Wenn Sie damit auf Gaulands (in der Regel böswillig fehlverstandene) „Vogelschiss“-Rede anspielen wolllen: Die ist doch nun gerade eher salopp formuliert und lässt jedenfalls das Pathos des Divisonskommandanten vermissen, das Ihnen anscheinend in der Nase jucktt.Übrigens gibt es auch europäisches Ever-closer-union-Pathos, aber das stößt Ihnen wohl weniger auf. Zu dem Thema lesenswert:

      https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ein-wahres-maerchen-lakritzland-11678253.html

      „Sie werden das jetzt wieder für Philistertum halten, aber es sind eben diese (vielen) Kleinigkeiten. Und der erkennbare Lern-Unwille.“ ― Andere Menschen haben andere Ansichten und sogar andere Wünsche. Die das nicht ertragen können und die anderen immer gleich erziehen wollen, nennt man Lehrmeister. Solche gibt es anscheinend zwischen Alpen und der Nordsee sehr zahlreich, und sie wollten gerne allen erklären, was sie tun und sogar was sie wollen sollen: Der größten Macht der Welt, was für einen Präsidenten sie wählen sollen; den südlichen Nachbarn, welche Zeitpräferenzen sie gefälligst haben müssen; den Schweizern und Osteuropäern, was für eine Grenzpolitik sie betreiben sollen; den Nahen, dass sie sich unbedingt der EU anschließen müssen, den Fernen, dass sie unbedingt aus ihren Großstaaten sezedieren müssen; und der ganzen Welt, dass das Atom böse, Kohle und Öl des Teufels sind, die Energie für den Antrieb von Autos aus Batterien kommen muss (unter uns gesagt: die primäre ist das dann nicht …) u. v. a .m. Ich würde es für angemessen halten, wenn beim ersten Blackout wegen Dunkelflaute hierzulande dann Polen eben keinen Lückenbüßer-Kohle udn Frankreich keinen Nuklearstrom mehr lieferte, sondern sie mit der Bemerkung „Ihr seid ja doch so gescheit!“ empföhlen, wir könnten doch die importierten Fachkräfte aufstellen und in die stillstehenden Windräder blasen lassen.

      @3. Ich ahne Ihren Wunsch: Großeuropa und darunter durch Zerschlagung der Nationalstaaten nur noch winzige, machtlose Regionen mit etwas Folklore. Auch der Moloch würde aber eigene und fremde Kinder fressen, und sogar noch bedenkenloser, da er ja keine Machtkontrolle mehr kennen würde.Schauen SIe sich das im deutschen System an; der Bundestag folgt natürlich der parlamentarischen Regierung der Mehrheit, die Schranken senkt der Bundesrat, also die Länder-Exekutiven.

      Lynx: Zu 2. Gauland liegt nahe, Ihre Verniedlichung macht betroffen. Aber ich dachte eher an Höcke, Sellner und solche Kameraden. Das ist genau deren Wortwahl, da werden Sie sicher fündig werden. Allein Sellners militaristische Sprache wäre einmal eine gesonderte Untersuchung wert. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass Sie den Vergleich zum Imperialismus ziehen.
      Zu 3 fällt mir nichts ein, denn das ist doch ein komplett ahistorisches Denken, das sich da offenbart.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        @@2. Was „verniedliche“ ich denn, wenn ich, wenn ich Gaulands Vergleich beitrete, 12 wirklich üble Jahre unter 1000 Jahren, das sei eben nur ein Vogelschiss? So ging nämlich der Vergleich. Einen Geschichtsoptimisten, der sich auf dem sicheren Pfad in das strahlende Morgen wähnt, beeindruckt wohl das jüngste Übel immer am meisten, weil ihm gerade der geschichtliche Vergleich fehlt, der ihn gelehrt haben würde, dass die Geschichte ein ewiges Auf und Ab ist wie das Meer. Und dass wer sich nur immer möglichst weit vom jüngsten, von ihm noch erinnerten Übel entfernt, das er als absolutes Repulsionszentrum nimmt – immer schön radial flüchten! – durch seine Blindheit durchaus auch in ein anderes Loch fallen kann. Gewöhnlich wird er dem Geschichtsskeptiker dann auch noch den bösartigen Willen unterstellen, durch den er allein die Gedanken an die anderen möglichen Übel erklären kann, die er selbst gar nicht sieht.
        Den Vergleich zum Imperialismus ziehe ich, weil dieser eben auch ewig ist. Nicht im eingeschränkten SInne, wie in die Neuzeithistoriker benutzen, sondern im allgemeineren. Schauen SIe sich nur die Abfolge der historischen Großreiche und sonstigen Expansionen an. Glauben Sie etwa, dieses Spiel würde je enden? Und alle, bei denen die Propaganda für ihre Machtprojektion irgend von Bedeutung ist, sind dabei stets von ihrer « mission civilisatrice » überzeugt!

        @@3. Wieviele Gesetze hat der Bundesrat ausgebremst und wieviele der Bundestag? Weil die Regierung die Abgeordneten der Mehrheitsfraktion dressiert, aber dies bei der von der Gegenpartei gestellten Landesregierung nicht schafft.
        Machtkontrolle gibt es immer nur durch Gegenmacht. Eine bloße Kodifizierung, dass wer die Muschel hält, frei und ungehindert sprechen darf und so die anderen überzeugen darf, ist schnell abgeräumt. Gegenmacht heißt in die Suppe spucken können. Wo sind in der EU die checks and balances, wenn zwei Drittel aller Gesetze durch braves Abnicken neuer europäischer Beschlüsse zustande kommen, die aus irgendwelchen intergouvernementalen Hinterzimmerverabredungen hervorgegenagen sind oder sogar nur Brüsseler Absegungen von Vereinbarungen sind, die irgendwelche Wirtschaftsverbände untereinander beschlossen haben? Das Wichtigste an der Demokratie ist, die alte Bagage bei Wunsch wieder loszuwerden. Wie wird man die Kommission wieder los? Wieso Steine für einen Völkerkerker liefern, aus dem man nicht wieder herauskann? Wer die Schiffe hinter sich verbrennt, ist ein armer Tropf, der in der Hoffnung lebt und ihr alles zu opfern bereit ist. Wenn dich die guten Buben locken, so folge ihnen nicht, denn die Toren bringt ihre Sorglosigkeit um.

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  3. Hat dies auf Bücher, Ideen, Kommentare rebloggt und kommentierte:
    Zur Wahl in Dänemark bin ich auf diesen ganz hervorragenden Hintergrundbericht hingewiesen worden.
    Ich bin von ihm deshalb so fasziniert, weil er aktuell und atmosphärisch das bestätigt, was Emmanuel Todd bereits 1990 über das dänische politische system geschrieben hat:
    „In Dänemark führt die antirationalistische und populäre religiöse Bewegung, deren Symbol der Theologe und Dichter Grundtvig war, zu einer Neuordnung der gesamten Kirche in einem anti-autoritären Sinne. Im Jahr 1855 erlangen die dänischen Bauern das Recht, ihre Pastoren zu wählen. Die traditionelle lutherische Mechanik löst sich auf“

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  4. Sehr schöner Einblick in das dänische politische Leben. Ich würde es für eine Idealisierung halten, wenn es nicht so hervorragend zu diesem Buchauszug von 1990 passen würde:

    „Das ideologische Schicksal dieser kleinen Nation wird also durch zwei fundamentale und widersprüchliche Faktoren entscheidend beeinflusst. Der dänische anthropologische Untergrund, die absolute Kernfamilie, führt zu rein liberalen Konzeptionen; der kulturelle Druck der beiden großen Nachbarn des Südens und Nordens, die zur selben lutherischen Sphäre gehören, aber von der Stammfamilie dominiert werden, hält den Ausdruck dieser liberalen Tendenzen im Zaum…

    In Dänemark führt die antirationalistische und populäre religiöse Bewegung, deren Symbol der Theologe und Dichter Grundtvig war, zu einer Neuordnung der gesamten Kirche in einem anti-autoritären Sinne. Im Jahr 1855 erlangen die dänischen Bauern das Recht, ihre Pastoren zu wählen. Die traditionelle lutherische Mechanik löst sich auf…

    Am Ende des 19. Jahrhunderts ist der Liberalismus in Dänemark nicht wie in Deutschland und Schweden eine bürgerliche Doktrin in der Minderheit, eine näherungsweise Imitation der triumphierenden Liberalismen von England und Frankreich. Der dänische Liberalismus schlägt Wurzeln und wird die politische Ideologie der ländlichen Welt

    Die schwedische Sozialdemokratie ist dominant. Der dänische Sozialismus ist dauerhaft unter liberaler Aufsicht. In dem Maße, wie die Venstre im Allgemeinen schwerer wiegt als die dänische konservative Partei, kann man es so sehen, dass der Liberalismus zwischen 1920 und 1964 im Herzen des dänischen politischen Systems bleibt. Er kontrolliert die Linke und dominiert die Rechte.“

    https://hintermbusch.wordpress.com/2016/04/12/erfindung-europas-danemark/

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