Eintritt in die Matrix

Zum Kotzen! Die Presse läuft Amok gegen Martin Sellner. Der Focus schreibt: „Identitären-Chef lud Attentäter von Christchurch zum Kaffee ein“. In der „Presse“ wollte er „auf ein Bier gehen“. „Das beweisen Mails, die der ZiB2 jetzt vorliegen“ usw.

Der Begriff „Lügenpresse“, den ich bisher nie benutzt habe, ist nun angebracht.

Ich muß es ganz deutlich sagen: Alles was ich in der Presse über Sellner lese[1], widerspricht allem, was ich von ihm und über ihn weiß. Glauben Sie kein Wort!

Sellner lud nicht den Attentäter, sondern den Spender zu einem Kaffee ein und das mit einer Mail, die jeder Englischsprachige als vollkommen unverbindlich verstehen mußte. Und selbst wenn er sich mit ihm getroffen hätte – wo wäre das Problem? Ich selbst habe sogar schon unverständigen Lesern meiner Seite ein Treffen auf meine Kosten angeboten, einfach aus Interesse. Warum soll man sich nicht mit jemandem treffen können, der einem substantiell spendet, den man so oder so vielleicht interessant findet?

Die eigentliche Frage ist doch: Wie gelangen diese Informationen an die Presse? Wie gelangen ganze Spenderlisten an die Presse? Bekomme ich irgendwann auch einen Anruf, weil ich Martin Sellner eine Mail geschrieben habe? – wir hatten einen kurzen Austausch über Heidegger und Bahro.

Bankgeheimnis, Briefgeheimnis, Gewaltenteilung, freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit werden in einem Akt über Bord geworfen, um eine haltlose Unterstellung am Köcheln zu halten.

Sellner hat recht: das ist der Eintritt in die Matrix. Zum Kotzen!

Alle, die hier jubeln, weil Sellner ihr politischer Gegner ist, verstehen das Ausmaß nicht. Sie könnten selbst die nächsten sein.

Kann man sich nicht juristisch dagegen wehren? Aber ist es nicht das gleiche juristische System, das ihn gerade verfolgt? Bei seinen gesetzesbrechenden Verfolgern Recht durchsetzen wollen? Kafkaesk. Vor dem Gesetz.

Gerade hatte Caroline Sommerfeld auf Sezession die sehr wichtige Frage ins Spiel gebracht, wie sich „die Rechten“, sollten sie jemals die Macht übernehmen, „den Linken“ gegenüber verhalten würden? Wären sie ebenso repressiv oder noch repressiver, würden sie ihnen „ihre Meinung lassen, auch wenn diese die Grundfesten der Gesellschaft untergräbt?“ Wäre das überhaupt wünschenswert? Bei ihrem Ehemann spürt sie diese Angst, die ganz authentisch ist.

Die anschließende Diskussion konnte diese Frage nicht beantworten, niemand kann das. Auch ich würde dafür nicht garantieren. Was ich aber garantieren kann, ist, daß die Wahrscheinlichkeit eines geglückten demokratischen Meinungsaustausches im Falle einer rechten Hegemonie mit jeder linken Repression des Diskurses, mit jeder Lüge der Presse, mit jeder Verdrehung, mit der immer wieder gemachten Erfahrung der Ohnmacht, dem in-die-Ecke-getrieben-werden, dramatisch sinkt.

Ich selbst spüre diese Beengung, diese Verzweiflung immer öfter in mir, merke, wie sie mich vergiftet, und muß bewußt meine stoischen, buddhistischen, philosophischen Übungen dagegen einsetzen und ich ahne, daß sehr viele Menschen nicht über diese Mittel verfügen.

Wer den Druck aus dem Kessel Deutschland nehmen will, der muß endlich beginnen, die eigene Agenda zurückzustellen und sich der Wahrhaftigkeit, der Ehrlichkeit, der Offenheit, kurz der Realität stellen. Wer hingegen millionenfach ein Ohnmachtsgefühl erzeugt, der darf sich nicht wundern, daß die Welle beim Gezeitenwechsel gewaltsam über ihm zusammenschlägt. Das sind Naturgesetze, ob wir es mögen oder nicht.

Siehe auch: Die Angst vor dem Faschismus

[1] Die Banalitäten ausgenommen.

3 Gedanken zu “Eintritt in die Matrix

  1. lynx schreibt:

    Dass ich keinerlei Mitleid für Sellner habe, versteht sich von selbst. Ich hatte auch keinerlei Mitleid für Baader. Narzissten verheddern sich für gewöhnlich in ihrem immer unübersichtlicher werdenden Netz von Geschichten und Legenden. Wie kann man so blöd sein und eine Spende annehmen von einem, der sich nicht scheut, sich über alle Maßen abscheulich zu bekleckern, nachlesbar? Blöd oder Nutte? – Heftiger wird es nicht mehr.
    Ich lese: „sich der Realität stellen“, „romantische Ideen“. Da kommen wir der Sache näher. Erinnern Sie sich, wie der Staat mit der RAF und ihrer Sympathisantenszene umgesprungen ist? Ich habe lebhafte Erinnerungen daran (obwohl ich nie Teil einer solchen Szene war). Dagegen ist das alles, dem die „rechte Szene“ bislang ausgesetzt ist: pipifax. Und schon wird rumgeheult. Was ist denn schon passiert? Sellner wird zurecht durchleuchtet. Und sonst können alle ihren „Geschäften“ nachgehen, selbst in einem Gebäude des Bundestages eine sog. Medienkonferenz abhalten. Da ist es noch sehr weit zu RAF-Zeiten. Und wegen solcher geringfügigen Unannehmlichkeiten, echten Bagatallen, frägt man sich jetzt schon, ob man eines (hoffentlich fernen) Tages, wenn man „die Macht ergreift“, noch die Kraft aufbringen wird, tolerant zu sein? Für was soll da vorgebaut werden? Man fängt an, sich nach der Kaltschnäuzigkeit von Helmut Schmidt zu sehnen.

    Seidwalk: Dieser Beitrag erfüllt die erforderten Standards des Anstandes, um auf diesem Blog mitdiskutieren zu dürfen, nicht!

    Ich schalte ihn trotzdem frei, weil er in seiner – ich suche das akkurate Wort – Torheit und Unaufrichtigkeit (Sie sind gut davongekommen!) eine Methode des politischen Gegners komplett blank, ohne jede Ironie, ohne jegliche Tiefgründigkeit, darstellt und zugleich vorführt.

    Die Namen Sellner und Baader, die IB und die RAF in einem Atemzug zu nennen, ist hochgradig perfide und vielleicht schon strafrechtlich relevant. (§ 185, 186, 187, 188 StGB)

    Der Satz: „Wie kann man so blöd sein und eine Spende annehmen von einem, der sich nicht scheut, sich über alle Maßen abscheulich zu bekleckern, nachlesbar?“ zeugt von einem derartig unbegreiflichen Abgrund an Nichtwissen und Desinformation oder aber von der Unfähigkeit banalste logische Zusammenhänge zu erkennen, daß man sich fast schon schämt dafür. In solchen Momenten darf, ja muß man sich umdrehen und – bis auf weiteres – gehen …

    Es wird zu dieser Meinung keine Diskussion geben. Wer meint, sich hierzu äußern zu müssen, wird automatisch gestapelt.

    Daß Sie die Zeichen eines (noch) sanften, unkörperlichen aber allerorten wahrnehmbaren Meinungstotalitarimus (im Falle Sellner geht es weit darüber hinaus) nicht sehen, charakterisiert Sie – als Exemplar eines bestimmten Typus -, liefert darüber hinaus aber keinerlei diskussionswürdiges Material. Hätten Sie sich auch nur aus den Augenwinkeln offen mit der Causa befaßt, dann wüßten Sie, daß niemand – am allerwenigsten Sellner selbst – etwas gegen eine Aufklärung oder auch „Durchleuchtung“ einzuwenden hat. Es geht allein um die beängstigende Unverhältnismäßigkeit der Mittel, die der Aufklärung längst nicht mehr dienen, die stattdessen repressiv und einschüchternd wirken sollen.

    Sollte Martin Sellner dies lesen, so enthält obiger Beitrag, wie ich finde, auch für ihn eine interessante Erkenntnis: Der ganze mediale Aufwand, sich durch öffentliches Bloßstellen immer wieder zu exkulpieren, ist für die Katz. Diejenigen, die Ihnen – Herr Sellner – glauben, tun das schon längst. Diejenigen, von denen Sie gehaßt werden, können Sie nicht erreichen. Sie sollten nach anderen Mitteln sinnen, die Hassenden in den relevanten Positionen in Medien, Politik und Justiz zu „überzeugen“.

    Ulrich Christoph: Sie tun m. E. gut daran, den Kommentar vom 17. Mai dennoch freizuschalten, als Zeitzeugnis.

    Jochen Schüler: Sie sind wahrlich ein Schüler der Stoa,lieber SEIDWALK.Eine andere Erklärung für ihren Langmut
    gegenüber einem unheilbar von linker Hypermoral befallenem Bessermenschen habe ich nicht.
    Argumente brauchts bei denen nie.Aber perfider Rufmord geht krankheitsbedingt immer.

    Thomas Schubert: Hallo in die Runde, also ich habe von lynx hier schon Sachen gelesen, die wesentlich härter an der Grenze vermeintlicher Doofheit, Ironielosigkeit usw. kratzten. Daher emfinde ich die Andeutung, dass es sich um eine strafrechtsrelevanten Post handeln könnte auch übertrieben und eher verletzen Gefühlen als einer um Kühlung der Affekte bemüten (juristischen oder sonstigen) Überlegung geschuldet.
    Es ist halt wie beim Fussball, manchmal geht er rein und manchmal eben nicht, was im übrigen viel häufiger passiert und das bei jeder Mannschaft.

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  2. Thomas Schubert schreibt:

    Der Blick in die Geschichte und etwas politische Anthropologie klärt doch über das Hegemonialverhalten von Gruppen und den Opportunismus der Einzelnen auf. Egal ob sich der Mainstream nach links oder rechts orientiert, ob er sich an einen Gott oder an das Dasein hängt, er wird sich immer ungerechterweise absolut setzen. Und weil sich das schlechte philosophische Gewissen meldet, dass um diese Unmöglichkeit weiß, muss es zum Schweigen gebracht werden.
    Hier kommt spätestens die jeweils andere Seite ist Spiel, auf die stellvertretend für den logischen Widerspruch, der die eigene Macht legitimiert, drauf gehauen werden muss.
    Das ist alles völlig normal und stellt nur in relativen Friedenszeiten eine intellektuelle Zumutung für uns zartfühlende Intellektuelle dar. Ja in einer echten Diktatur lägen die Dinge anders, es gäbe einen echten Feind und nicht nur den Popanz eines solchen.
    Also bitte nicht ob der offensichtlichen Ungerechtigkeit die Nerven verlieren. Die gemeinsame Aufgabe bleibt, den Bürgerkrieg zu verhindern und ihn nicht, wie es Carl Schmitt passierte, aus welchen Gründen auch immer, noch mit anzufachen.
    Die Hoffnung auf eine verständige Mitte ist eine romantische Idee, die mir eher zu Bahro als zu Heidegger zu passen scheint. Aus dieser Hoffnung speist sich die demokratische Zuversicht. Aus ihrer notwendigen Enttäuschung, resultiert die Zumutung, die es auszuhalten gilt – gern mit Buddha, mit Jünger oder auch mit beiden.
    Noch einmal zusammengefasst: Ja es ist zum Kotzen. Nein, es wird nicht besser sondern nur anders zum Kotzen sein. Trotzdem vielen Dank für den Beitrag!

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  3. Tommy schreibt:

    „der darf sich nicht wundern, daß die Welle beim Gezeitenwechsel gewaltsam über ihm zusammenschlägt.“

    Ich kann Ihre Empfindungen verstehen, da ich ähnlich denke, beziehungsweise eigentlich sogar noch wesentlich radikaler bin…ehrlich gesagt, wenn es eine rechte Hegemonie gäbe, ich wäre gar nicht mehr für besondere Großzügigkeit gegenüber den Vertretern des derzeitigen Mainstreams, sondern würde mir durchaus eine ähnlich schikanöse und Ohnmacht erzeugende Behandlung ihrer Seite wünschen, wie sie heute Rechten widerfährt. Das Ekelhafte daran wären natürlich die ganzen Wendehälse, die einfach vom einen Diskurssystem ins andere wechseln würden, um weiterhin ihre auf Konformismus fußenden Machtgelüste ausleben zu können.
    Aber im Grunde sind das alles nur Fantasien.,,ich sehe schlichtweg keinerlei Anzeichen für einen „Gezeitenwechsel“. Die AfD scheint dauerhaft in einem 15%-Ghetto gefangen zu sein, im Westen eher noch deutlich darunter, und liefert auch in wesentlichen Teilen kein überzeugendes Bild ab. Deshalb liegt der immigrationistische Mainstream in Deutschland im Grunde auch ganz richtig, dass es für keinen Anlaß zur Mäßigung gibt. Über die fortgesetzte Masseneinwanderung werden zudem kontinuierlich kaum noch umkehrbare Fakten geschaffen. Als Rechter sollte man sich darauf einstellen, dass es vermutlich noch deutlich schlimmer kommen werden, z.B. unter einer Grün-schwarzen Regierung mit Habeck als Kanzler, was ich für die 2020er durchaus für möglich halte.

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