Uff, das war knapp!

War heute joggen im Park. Vor mir lief – drei-vierhundert Meter entfernt – eine junge Frau. Sie, 30 Jahre jünger, lief flüssig, geübt, mit federndem Schritt. Keine professionelle Sportlerin, aber eine, die vermutlich regelmäßig läuft.

Ich lief gemächlich, sie etwas motivierter. Und trotzdem hatte ich sie auf der Hälfte der Runde, nach zwei Kilometern vielleicht, überholt und als ich beim Abbiegen noch einmal zurückschaute, war sie schon nicht mehr zu sehen.

Da ich ihr zehn Minuten hinterherlief und mich langsam annäherte, hatte ich gute Gelegenheit darüber nachzudenken, warum Frauen im Durchschnitt langsamer laufen als Männer. Es war ziemlich offensichtlich: es hat etwas mit Anatomie und mit Schwerkraft zu tun. Jedes Mal, wenn sie einen Fuß aufsetzte, konnte man das unzweifelhaft sehen. Und jedes Mal, wenn der Fuß wieder abfederte, mußte diese Masse, die sich gesenkt hatte, neu angehoben werden. Ihr Körperschwerpunkt lag unterhalb der Gürtellinie, meiner liegt oberhalb.

Das erinnerte mich an ein Interview, daß ich heute Morgen in der allseits beliebten Zeitschrift „Bento“ las.

Man – ich meine natürlich Frau – interviewte Imke Wübbenhorst, die sich in jüngerer Zeit einen gewissen Namen als erster weiblicher Trainer einer Oberligamannschaft gemacht hatte. Dort steht gleich in der Überschrift: „Nein, diese Trainerin stellt NICHT ‚nach Schwanzlänge‘ auf“[1], wie das im Männerfußball bekanntermaßen überall der Fall ist.

Man – und Frau auch – weiß gleich, daß man es mit einer journalistischen Fußballexpertin zu tun hat[2].

Solche markigen Sprüche gefallen bei „Bento“ natürlich – diese Machokerle mal richtig an den Eiern packen! Tatsächlich behauptet sie, von der Mannschaft – ein Begriff übrigens, den man im Hannoveraner oder Augsburger Rathaus ausradieren will: der geniale PR-Coup der glorreichen „Die Mannschaft“ ist schon veraltet – „daß ich mir von ihnen wünsche, daß sie die Eier haben, auf dumme Fragen so zu antworten: ‚Ja, das ist eine Frau und die Frau ist richtig gut.’“. Gut gebrüllt, Löwin!

So wird das nichts! Hier die Lösung: Jogis Nachfolger wird eine Frau, die „Mannschaft“ eine „Schaft“! © Deutscher Fußballbund

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, daß das Gespräch um ein Haar entgleist wäre und sich die mutige Frau mächtige Gegner geschaffen hätte.

Man unterhält sich zuerst über Frauenfußball. Dort hatte Frau Wübbenhorst fast alles erreicht. Schließlich kommt sie auf meinen obigen Punkt: den Unterschied zwischen Männer- und Frauenfußball: „Und natürlich ist Männerfußball schneller, härter. Die körperlichen Voraussetzungen unterscheiden sich eben. Ich schau mir auch lieber Männerspiele im Fernsehen an, ist doch klar.“

Und jetzt kommt das Entscheidende! Die Journalistin stellt sofort die vergiftete Frage: „Du redest Frauenfußball schlecht?“

So geht deren Logik: Männer spielen schneller und härter – im Durchschnitt – weil „die Natur“ ihnen andere Voraussetzungen mitgegeben hat. Ganz objektiv. Folglich ist Männerfußball schneller, intensiver, härter, spannender … Das kann jeder und auch jede sehen. Aber es darf nicht sein, was ist. Das Offensichtliche, ja das Gesetzmäßige muß gebrochen werden, um Gleichstellung und Gerechtigkeit zu erzeugen.

Hätte Frau Wübbenhorst Eier gehabt, dann hätte sie diese Tussi schön abblitzen lassen und sagen sollen: Ich schaue Männerfußball, weil der besser ist, weil ich dort mehr lernen kann, weil man dort das Spiel an seinen physischen Grenzen studieren kann.

Stattdessen zieht diese mutige Frau, die sich traut, eine semiprofessionelle Männermannschaft zu trainieren – alle Achtung! –, die ihren Mann vor Männern steht, den Schwanz ein, fürchtet die andere Frau und relativiert und laviert: „Nein, Frauenfußball hat ganz andere Stärken. Meiner Meinung nach geben die Frauen oft noch mehr als die Männer. Sie werfen alles in eine Waagschale und sind taktisch wahnsinnig gut. Aber ihr Spiel ist nun mal langsamer.” Das war knapp!

Sie spürte offensichtlich das Gift in der Frage, oder die Guillotine, die dahinter steht, die gnadenlos herunter rauscht, wenn sie hier die falsche Antwort gibt. Tragisch ist, daß Journalistinnen wie Katharina Hölter dank ihrer Position am längeren Hebel sitzen und Existenzen vernichten könnten, wenn es ihnen in den Kram paßt. Es genügt ein banaler verbaler Ausrutscher wie: „Ich schau mir auch lieber Männerspiele im Fernsehen an, ist doch klar.“

[1] Zugegeben, der kleine Witz erklärt etwas später.
[2] Oder sollten da heimliche Wünsche eine Rolle spielen – mal in so einer Dusche mit 15 verschwitzten Langschwänzen zu stehen?

4 Gedanken zu “Uff, das war knapp!

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Haben Sie wirklich das Trägheitsmoment

    https://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%A4gheitsmoment

    gemeint, eine Kenngröße starrer (!) Körper, die bei deren Rotations- (und nicht etwa Translations-!) Bewegung eine Rolle spielt? Das Trägheitsmoment ist übrigens desto größer, je mehr von dessen Masse fern der Rotationsachse liegt. Bei gleicher Köroermasse hat also ein pummeliger Körper zumindest bei Drehung um Horizontalachsen weniger Trägheitsmoment als einer mit mehr Massenanteil in den Extremitäten.

    Ein Freund, der Physiker ist, Fußball schaut und jüngst en passant über das Thema Frauenfußball sprach, meinte dabei, dass das übliche Spielfeld für Frauen zu groß sei, weil ihnen beim Sprinten über entsprechende Längen die Kraft ausgehe, wodurch das Spiel dann weniger dynamisch und langweiliger werde. Man solle ihnen ein kleineres Feld geben, dann würde ihr Spiel interessanter.

    ――――――――

    Aus Gründen des Selbstschutzes sollte man als Mann, wenn man nicht gerade sehr athletischer Konstitution ist, die Verkleinerung heute allerdings wohl tunlichst nicht mit dem Worte „Puppenstubenspielfeld“ anempfehlen und dabei nie auch nur ein Gran Belesenheit bei Schopenhauer verraten.

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/ein-galantes-abenteuer-4152/1

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    • Tatsache ist, daß der Hintern bei jedem Bodenkontakt nach unten sackte und beim Abheben wieder nachgezogen werden mußte. Das war hübsch anzusehen, aber es sah auch deutlich nach Erschwernis aus. Dieser Körper war zwar nicht starr im Sinne von Glas oder Metall, aber doch ein mehr oder weniger starres, zumindest störrisches Anhängsel.

      Wir haben früher im Physikunterricht über Körper gelernt, die ihr Bewegungsmoment beibehalten „wollen“ und wenn ich nicht irre, wurde das Trägheit genannt. Die Masse will also unten bleiben, wenn sie einmal unten ist, und oben, wenn sie oben ist. Und jeder Schritt stört diese Ruhe. Je größer die Masse, umso schwerer der Schritt.

      Zum Frauenfußball (unter uns – einer Bento-Reporterin würde ich das nicht sagen): Natürlich ist die Physis nur ein Faktor. Soziale Anerkennung -also Menge und Auswahl – spielt auch eine Rolle. Und selbst die Frage der Koordination könnte bedeutsam sein. Es gibt zwar mittlerweile auch im Frauenfußball hervorragende Technikerinnen, aber die sind äußerst selten. Im Männerfußball findet man in jeder Dorfmannschaft einen, der dieses natürliche Ballempfinden hat. Man kennt das auch aus dem Schulunterricht. Neun von zehn Mädchen waren nicht in der Lage, eine Handgranate – damit haben wir geworfen, sowohl Stiel- als auch Eierhandgranate – ordentlich zu werfen, während es bei den Jungs umgekehrt war. Ob das biologisch zu erklären ist oder auch eine Erziehungsfrage, lasse ich offen.

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      • Michael B. schreibt:

        Nach meinem Wissen liegt der Schwerpunkt bei Maennern hoeher (bei Frauen tief im Becken). Ich bin kein Laufexperte, aber dabei geht es wohl v.a.D. um Schrittlaengen und deren oekonomische Verlaengerung. Bei einem guten Stil wird der Koerper mehr oder weniger gekippt und der Laeufer ‚faellt‘ fortlaufend in den naechsten Schritt. Diese Kippung bringt einen hoeheren Schwerpunkt bei gleichem Kippwinkel natuerlich weiter nach vorn als bei Niedrigerem und verlaengert damit die Schrittlaenge staerker. Darin liegt wohl einer der Vorteile.

        Disclaimer: Alles Laienwissen/-herleitung

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Maß an „Widerstand“ gegen Linearbeschleunigung = Masse
        Maß an „Widerstand“ gegen Rotationsbeschleunigung = Trägheitsmoment

        Dass es „unten blleiben wollende“ Masse gibt, zeigt gerade, dass der betreffende Körper gar nicht starr ist, sondern in sich beweglich. Der Widerstand in diesem Fall ist also die Masse des „unten blleiben wollenden“ Fettgewebes, von dem die Frauen nun einmal mehr haben und das wohl weniger starr mit dem Restkörper verbunden ist als etwa die beim Manne vergleichsweise größere Muskelmasse. Mit Trägheitsmoment hat das aber nichts zu tun, schon weil die Abstraktion Starrer Körper hier nicht taugt.

        Ein Freund hat mir aus diesen bekannten Tatsachen über weibliche Anatomie übrigens einmal eine gute Eselsbrücke für die allzu leicht verwechselbaren speleologischen Bezeichnungen Stalagmiten und Stalagtiten genannt: „-titen hängen.“

        Die beklagenswerten Wurfergebnisse bei Frauen rühren wohl daher, dass sie unangeleitet anscheinend reflexhaft mit dem Handteller nach oben aus der Hüfte und nicht mit ausgestrecktem Arm ausholend über den Kopf werfen. Woher das wiederum kommt? Weil man beim Wurf aus der Hüfte beide – schwächere – Arme nutzen kann? Vielleicht sollte Frau von der Leyen leichtere Frauenhandgranaten für die Bundeswehr anschaffen, so wie es ja einst auch zierlichere Damenpistolen für den Muff gab und vielleicht noch gibt.

        Andererseits ist auch dann zu besorgen, dass die Zahl weiblicher Freiwiliger für die Bundeswehr nicht relevant zunähme, da die militante Frau von heute, anders als noch die schwer umhüllte Nitroglyzerinbomben werfenden Damen der Narodnaja Wolja, lieber zur Waffe der müheloseren Twitter-Verleumdung greift.

        Völlig unabhängig von Schwerpunktüberlegungen sorgen schon die im Mittel höhere Körpergrüße des Mannes wie auch die auch noch in der Relation zu dieser größere Beinlänge für einen längeren Schritt.

        Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine mich zu erinnern, dass diese ostafrikanischen Langlaufkünstler eher kleine, untersetzte Typen sind. Vielleicht spielen also bei Ausdauersportarten noch andere Faktoren wesentlich mit hinein. Fußball ist dagegen ja eher Sprint mit Pausen, sozusagen für Geparden und nicht für Gazellen.

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