Sezession mit Briefmarken

Hin und wieder bekomme ich Post von der „Sezession“. Und manchmal fragt mich jemand, was denn Sezession überhaupt bedeute. Man braucht nur den Briefumschlag hinhalten und sagen: „Siehst du, das ist Sezession.“

Und vielleicht sieht der Gesprächspartner das kleine Detail, das den Unterschied macht.

Es ist die Briefmarke. Nicht irgendeine Nullachtfuffzehn-Marke, sondern stets eine mit Bedacht ausgewählte. Heute kam ein Buch und auf dem Umschlag klebte „Deutsche Brotkultur“ – da geht mir das Herz auf!

Und auf der letzten Sezession klebte Goethe, von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein gemalt.

Und so geht es weiter. Es ist, als ob man in Schnellroda bewußt nach passenden Marken sucht und diese dann auf hunderte und tausende Briefe und Pakete klebt. Per Hand. Weil man – vermutlich – etwas gegen die kalten, nivellierenden, standardisierten elektronischen Briefmarken hat. Und zu Recht!

Die Briefmarke ist ein kleines, aber altes Kulturgut, das eine lange und faszinierende Geschichte hat. Sie ist eine Botschaft und sie ist in ihrer Filigranität ein Meister der Differenz, des Bunten und Vielfältigen, das es zu retten und zu erhalten gilt. Aber wie alles dieser Art, ist sie stark in der Existenz bedroht.

Wahre Konservative, liebevolle Konservative erkennt man vor allem an den kleinen alltäglichen Details und die Leute von Sezession – böse und menschenverachtend im Lichte der Medien – zeigen ihr Wesen auch dort, wo es kaum jemand wahrnimmt.

2 Gedanken zu “Sezession mit Briefmarken

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Mit Verlaub gesagt, werte streifende Wildkatze, wenn die Rezeption einer Sache nur dazu führt, dass man ein „Gefühl und Gespür“ für sie bekommt, und man dann allein aus diesen beiden seine Folgerungen zieht, so fehlt da ein für andere nicht unwesentlicher Punkt: die auf Sachbelege gestützten Gründe fürs eigene Urteil. Dass eine Sache etwas in einem auslöst, ist nämlich für andere noch kein zureichendes Argument, dass sie dies mit Grund tut, da ja schließlich auch ein subjektiver Faktor hineinspielt. Um es an einem Beispiel mit einem Bonmot von Lichtenberg zu sagen: Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, dann ist nicht immer das Buch daran schuld.

    In Schnellrodiana kenne ich mich überhaupt nicht aus. Die Usurpation von Ritterschaft habe ich bei meinen gelegentlichen Blicken in die Sezession jedenfalls noch nicht bemerkt. (Für den besseren Reichsadel kommt der Ritterstand übrigens ohnehin nur kurz vor dem des Abdeckers.) Aber schauen wir nur mal erst auf Ihre Begründung: „Jemand der kein Ritter ist und auf einem ‚Rittergut‘ wohnt, für den wäre es angemessen, von einem ‚ehemaligen Rittergut‘ zu sprechen.“ Ich übertrage das mal auf den Begriff Schloss im selben Umfeld: „Jemand, der immer redet wie ein Sparkassendirektor und in einem ‚Schloss Bellevue‘ residiert, für den wäre es angemessen, von einem ‚ehemaligen Schloss Bellevue‘ zu sprechen.“ Triftig oder nicht? Aber vermutlich darf und muss man ohnehin jeden Schluss ziehen, der einem erlaubt, wie auch immer Recht zu behalten. Siehe Schopenhauers Eristische Dialektik.

    Ich sinniere übrigens gerade darüber, wie man wohl durch ein und dieselbe Tat zugleich Zündeln und Brunnenvergiften kann. Phosphorhölzer? Griechisches Feuer? Oder doch nur eine Katachrese, wie sie oft glücklich beim Zorn des Gerechten nebenbei abfällt? Beim Thema des Frankierens mit Tischbeinmarken haben Sie übrigens den gravierendsten Kulturerbe-Missbrauch gar nicht bemerkt. Aber ich helfe Ihrer Empörung gerne auf: Vermutlich lecken (!) die Schnellrodaer Frankierer die Marken auch noch hinten. Wenn das nicht ein zugleich antigoethischer und antireichsritterschaftlicher Kulturfrevel ist … dann will ich wahrlich Hans Wurst heißen und die Ehre meines Schreibers so wild verteidigen wie sonst nur Schwejk die seines Kaisers!

    Aber jetzt gehe ich lieber ins Bett und „instrumentalisiere“ dort mein Kopfkissen für höhere Zwecke, nämlich für Gutenachtlektüre. Morgen dann mein Brotmesser fürs Frühstück, und genauso geht das den lieben langen Tag dann weiter.

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  2. lynx schreibt:

    „Die Deutschen sind wiederkäuende Tiere“ (Goethe zu Riemer 5.1.1814). Nationalismus war ihm zutiefst fremd, wir sollten uns da nicht von Schnellroda irreführen lassen.

    Seidwalk:
    1. Wir sind alle Goetheaner!
    2. Mehr noch als Nationalismus hätte Goethe Google abgelehnt.
    3. Wer die Verwendung von Briefmarken ablehnt, weil Schnellroda das so handhabt oder weil das „nationalistisch“ sei, den darf man ruhigen Gewissens einen Ideologen nennen.

    Lynx: Zu 1. Einverstanden u.U.
    Zu 2. Goethe hätte Google geliebt!
    Zu 3. Hätte ich präzisieren müssen: gar nichts spricht gegen Briefmarken. Aber ich vermute stark, dass er eine durch K+K ausgedrückte Zuneigung mit dem genauen Gegenteil beantwortet hätte. Leute, die Schlossherren simulieren: guter Witz. Von der dortigen Denkungsart gar nicht zu reden.

    Seidwalk:
    Lassen wir Goethes Zuneigungen beiseite. Fakt ist, daß Sie weder – wie Sie selber mehrfach eingestanden haben – über das, was in Schnellroda gedacht wird, einen blassen Schimmer haben, weil Sie bereits vor aller Erfahrung zu wissen meinen, was in den Büchern und Zeitschriften – die Sie nicht lesen wollen – steht. Ihre überaus peinliche Unkenntnis zum Fall beweist einmal mehr die süffisante Redensart von der „Schloßherren-Simulation“. Ich könnte Ihnen Ihre Ignoranz milde verzeihen, wenn Sie sich auf die Qualitätspresse berufen würden – dort erfährt man nichts anderes. Daß Sie derartigen Unsinn aber auf meinem Blog verbreiten, kann man nicht vergeben, denn hier wurde mehrfach Einblick in Denken und Sein auf Schnellroda gegeben, ganz explizit

    hier: Die Grenzen der Toleranz

    und hier: Kubitschek & Kositza

    Das Gebäude, in dem die beiden wohnen heißt im übrigen seit Jahrhunderten „Rittergut“ und hat mit einem Schloß nichts zu tun. Gegenteiliges wurde auch nie behauptet.

    Lynx, bitte studieren Sie noch einmal die Bedingungen einer Diskussionsteilnahme auf diesem Forum. Dort steht: „Bitte senden Sie nur Kommentare, die die jeweilige Debatte inhaltlich voran bringen können – reine inhaltsarme Meinungsäußerungen (gefällt/gefällt nicht) werden nicht frei geschaltet oder gestapelt!“

    Ich werde in Zukunft von meinem Hausrecht stärker Gebrauch machen und Ihre Beiträge streng nach Relevanz sortieren. Argumente ins Töpfchen, Gestänkere ins Kröpfchen. Howgh!

    Lynx:
    Hausrecht ist ok, ich bin ja auch dafür, dass Facebook von seinem Gebrauch macht. Sie müssen das auch nicht freischalten. Aber ich halte es halt mit Vilém Flusser: Gespräche, die nur innerfamiliär stattfinden, neigen zur Redundanz. Ich versuche halt, etwas frische Luft in die Blase zu lassen. Oder zu zeigen, dass es noch andere gibt. Sie nennen das einen Troll – ob Sie es sich da nicht zu einfach machen? Aber gut: Hausrecht ist Hausrecht, keine Diskussion.

    Natürlich habe ich keinen blassen Schimmer von Schnellroda, hatte, im Gegensatz zu Ihnen, noch nicht das Vergnügen. Aber ich wäre ja blöd, würde ich nicht hin und wieder einen Blick in die Sezession werfen. Und glauben Sie mir: es ist nicht schwer und dauert nur eine kleine Weile, um ein Gefühl und Gespür dafür zu entwickeln, wie das funktioniert und um was es da geht. Und mit Verlaub: ihre „feinsinnige“ Unterscheidung zwischen Schloss und Rittergut empfinde ich als Bestätigung meines Eindrucks. Jemand der kein Ritter ist und auf einem „Rittergut“ wohnt, für den wäre es angemessen, von einem „ehemaligen Rittergut“ zu sprechen. Dieses Vorgaukeln von Adel und Tradition, diese selbstgestrickte ethnokulturelle Einswerdung mit dem Deutschtum von zwei Flüchtlingskindern: das ist was für Psychologen, aber nichts, das irgendeine historische Authentizität besitzt. Glauben Sie mir: ich kenne Schnellroda nicht, aber ich weiß, wie der alte Reichsadel lebt – und was man dort über selbsternannte „Ritter“ denkt.
    Ich hätte ja auch gar nichts dagegen, wenn K+K dieses Leben für sich und ihre Familie führen, sollen sie, sollen sie meinetwegen eine Sekte gründen. Aber, mit meinen bescheidenen Mitteln, wehre ich mich, gegen ihr Zündeln und Brunnenvergiften in der Gesellschaft. Wer Goethe/Tischbein-Briefmarken verschickt (und das als Botschaft versteht) und zugleich 1%-Populismus betreibt, instrumentalisiert unser deutsches Kulturerbe für ganz niedere Zwecke. Ähnlich sieht das ja auch der noch quicklebendige Springsteen bzgl. Trump. Die Freiheit, das so zu sehen, nehme ich mir, auch ganz unindianisch.

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