Spekulationen über Gewalt

Aus der Presse erfahren wir heute, daß die Zahl der Körperverletzungen unter Jugendlichen, die Gewalt im Allgemeinen, dramatisch zugenommen habe. Unter 14-jährige sollen demnach 16000 Körperverletzungen begangen haben – und zwar allein im letzten Jahr.

Überhaupt seien die Wachstumsraten seit 2015 deutlich gestiegen.

Und was ist die Ursache? Die sei noch nicht erforscht, liest man. Da müsse man schon mal schauen: „was hat sich im Kinder- und Jugendalltag verändert.“ Man müsse das „sehr ernst“ nehmen. Immerhin, so meint man im Kultusministerium Mecklenburg Vorpommern, liege das auch an einer erhöhten Sensibilisierung. Warum das Jungvolk jedoch seit 2015 – ein Jahr wie jedes andere – erhöht sensibilisiert sein sollte oder was diese Sensibilisierung überhaupt bedeutet, das bleibt im Vagen.

Während die Experten also zu forschen beginnen, mögen uns ein paar Spekulationen erlaubt sein – ins Blaue hinein.

Schmeckt die Schoki nicht mehr, sind die Videogames schwerer zu gewinnen, wo liegt der Frust?  Erfreut sich die Jugend nur körperlicher Ertüchtigung oder des Glanzes geschliffenen Metalls …?

Oder könnte es sein, daß der soziale Zusammenhalt schrumpft, vielleicht weil zu viele Menschen aus zu vielen Kulturen aufeinandertreffen und es Verstehensprobleme oder sogar Konkurrenzen gibt? Kann es ein, daß unsere Exekutive, Polizei und Armee insbesondere, keine Autorität mehr ausstrahlt, daß eine links-grün verordnete Verweichlichung, Entmännlichung, Vergenderung im Allgemeinen und eine Entwertung des gesamten Berufszweiges eine Rolle spielt? Oder sollten etwa Parallelgesellschaften und Gettos zu beachten sein? Hat das ominöse Datum 2015 vielleicht etwas mit gewissen politischen Entscheidungen zu tun, als man nicht nur Millionen Unbekannte ins Land ließ, sondern auch die Ohnmacht vor der vollendenden Tatsache demonstrierte und medial abfeierte? Sollte man sogar so verwegen sein und deutschlandfeindliche PolitikerInnen in Spitzenämtern und Regierungsparteien in die Rechnung einbeziehen? Immerhin sollte man das konstant sinkende Bildungsniveau an Schulen und Universitäten nicht unbedacht lassen und vielleicht ist es ja auch ein Problem, daß die Hälfte unserer jungen Menschen bald Studiosi sein werden und die andere Hälfte, ähm? Böse Menschen behaupten ja sogar, es könne mit gewissen religiösen Vorstellungen zusammenhängen …

Ach, man könnte noch ewig so weiterspintisieren.

Wenn die Wissenschaftler fertig sein werden – ich setze 50 Euro, nein 100! –, dann werden sie zu dem Schluß gekommen sein, daß es an neuen statistischen Methoden gelegen habe und diese Zahlen eigentlich nur Medienrummel waren.

2 Gedanken zu “Spekulationen über Gewalt

  1. Leonore schreibt:

    Es wäre wohl sachdienlicher, Necla Keleks „Die fremde Braut“ und „Die verlorenen Söhne“ zu lesen statt James Baldwin – sofern man Antworten auf die Frage nach den Ursachen für die gestiegene Gewaltneigung bekommen möchte. James Baldwins Bücher zu lesen, lohnt sich natürlich dennoch – nur halt nicht zu dem vorgenannten Zweck.

    Liken

  2. lynx schreibt:

    Sie wundern sich nicht, wer sich meldet – wunderbar. Und so werde ich, like Cato, wenn auch vice versa, wieder ein klein wenig einsprechen. Weil ich mich immer wieder frage, wie so viel Gelehrsamkeit mit so viel Simplizismus zusammengeht. Doch die Verlockungen, einfacher, geschlossener Weltbilder sind wahrscheinlich zu groß, da bin ich noch nicht auf den Geschmack gekomm en oder muss noch üben. (War das jetzt „ad hominem“ oder eher so Talk-Show-Jargon bevor das eigentliche Argument kommt?):

    Am Befund gibt es natürlich nichts zu deuteln und ich hoffe, mit Ihnen, dass Sie Ihre Wette nicht gewinnen. Als Facette kommt noch hinzu, dass die Bedeutung der Privatschulen immer weiter zunimmt, schön korelierend mit dem Geldbeutel der Eltern. (Besonders krass übrigens in Ostdeutschland – wusste gar nicht, dass es dort Geldbeutel gibt.) Insgesamt, wohl wahr, eine Indizienlage, die stark in Richtung Entsolidarisierung in der Gesellschaft weist. Und die Gründe dafür liegen nur an Zuwanderung, Import von Machokultur und autochthonem Matriarchat (Holzschnitt!)?

    Ich lese zur Zeit James Baldwin. Da kann man, aus allererster Hand, viel lernen über soziale Deklassierung, Alltagsrassismus und Gewalt und wie das alles zusammenhängt. Und die Frontarbeiter aus den kommenden Ghettos berichten mir von ruppigem Chauvinismus, der Alltagswelt des Gangsta-Raps, und davon, wie zerrüttet oder nicht existent die Familien sind. Denn wenn man den Jungs (und Mädels) näher kommt, auf den Zahn fühlt, dann stößt man eben auf die harte, auch gewalttätige Fassade, hinter der nicht irgendwelche religiösen oder sonstigen Überzeugungen im eigentlichen Wortsinne wohnen, sondern wo nur ein großes Loch ist, ein Abgrund aus Heimatlosigkeit, Verwahrlosung, unerwiderten Gefühlen, sozialer Kälte, gerade in den Familien. Ja, das Prekariat nimmt zu, greift um sich. Sie haben ja selbst schon oft genug den Neoliberalismus dafür angeklagt, wenn ich mich nicht irre. Jetzt aber herzugehen und zu sagen: die packe ich weg, die schmeiße ich raus, die will ich nicht haben – ist das die Lösung? Es wird ja Weihnachten: geht es nicht um Teilen und Teilhabe? Die Erfahrungen der Frontarbeiter, die sich in Empathie üben, deuten jedenfalls in diese Richtung. Dass das nicht bei allen zum Erfolg führt, hat ja Frau Baerbock aktuell konstatiert. So viel Realismus muss sein. Wir leben halt nicht im Pippi-Langstrumpf-Land, die Grünen nicht (die akzeptieren das allmählich) und die Rechten nicht (die sind noch weit davon entfernt, das zu akzeptieren oder können das ideologie-immanent wohl nie?).
    Ist das jetzt Idealismus, zu sagen, ich nehme die Arbeit an, ich reformiere, ich teile und strafe auch?
    Ist das jetzt Realismus, zu sagen, ich sehe große Hindernisse und will die künftig nicht mehr sehen, weg damit? Oder verhält es sich womöglich genau anders herum? https://lynxblox.wordpress.com/2018/11/23/bierdeckel-kompass/

    Liken

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