Kreativ und selbständig ausführen

Es sind oft die kleinen Details, die uns über einen Menschenschlag aufklären.

Gerade komme ich aus dem Schwimmbad einer kleinen ungarischen Stadt. Es hat den Charme der DDR-Volksschwimmhallen, das Wasser ist zwei, drei Grad zu kalt und an den Rohren bildet sich Rost. Sonntagmittag ist es aber fast leer und man kann ungestört seine Bahnen ziehen.

Sechs Leute waren im Bad, fünf Männer und eine Frau – was der Volksmund so unter „meine“ versteht. Es gibt in vier voneinander getrennten Reihen circa 250 kleine Schließfächer, vor denen man sich umkleiden muß. Zum wiederholten Mal stehe ich – obwohl alles frei ist – mit vier nassen Männern eng auf eng. An der Rezeption gibt man mit großer Gewißheit nur die Nummern 44 bis 50 heraus. An eine andere Nummer kann ich mich nicht erinnern. So kommt es, daß vier Männer sich verschämt auf engstem Raum umziehen müssen, ein „boscánat“ hier, eines da, ein permanentes Sachen-zur-Seite-schieben, der hoffnungslose Versuch, nicht in die Intimräume der anderen einzudringen.

Die Ungarn lösen das mit Bravour und Dauerfreundlichkeit. Umgekehrt muß man sich fragen: warum wird diese Situation erst geschaffen, wo es doch unendlichen Luxus an Raum gibt?

Als ich die Treppen zur Schlüsselausgabe hinunter steige, kommt mir die DDR in den Sinn. So ist es! Etwas vom alten sozialistischen Denken hat hier überwintert und es hemmt die Ungarn, eine erfolgreiche Nation zu werden.

In meiner Militärzeit wurde immer wieder betont: „Befehle werden selbständig und kreativ ausgeführt!“ Das war ein Stück gelebte vulgärmarxistische Dialektik. Einerseits gibt es den Befehl: Du hast das und das zu machen und dieses oder jenes Ziel zu verwirklichen – von der Urinstein- bis zur Feindvernichtung –, aber du hast die Freiheit, innerhalb dieser engen Grenzen, ganz du selbst zu sein.

Der Haken daran: Kreativität mußte befohlen werden. Sie war also nicht frei verfügbar. Das System hatte zuvor alles getan, Einfallsreichtum und Eigeninitiative zu ersticken und nun sollte man es per ordre künstlich in sich erzeugen. Das ist – wie Paul Watzlawick immer wieder feststellte, „geistige Akrobatik“, „Forderungen nach einem Verhalten, das sich seinem Wesen nach nur spontan ergeben kann, dessen Spontaneität (und damit die Möglichkeit seines Eintretens) aber eben durch sein Gefordertwerden unmöglich gemacht wird.“ Die Forderungen sind also absurd und selbstwidersprüchlich.

Mit einem Wort: Man denkt nicht mehr. Und das ist es, was uns hier immer wieder begegnet. Die Ungarn denken nicht. Sie denken nicht mit. So kommt es, daß mehrere Schlüsselfrauen immer wieder die Nummern 44-50 vergeben – weil sie sich dafür nur umdrehen müssen – und die Männer seit Jahr und Tag Hintern an Hintern stehen müssen, während sie sich umkleiden, und sie das wortlos akzeptieren.

Und wenn man das einmal erkannt hat, dann fallen einem zahlreiche Beispiele ein. Wortlose Schüler, die keine Antwort auf offensichtlichste Fragen haben, vom Typ: Wie wird man sich in Auschwitz gefühlt haben? Lehrer, die den Erfolg des nichtkonfrontativen Unterrichts mit der Hand greifen können, wenn die deutschen Kollegen es vormachen, die aber nicht in der Lage sind, etwas anderes zu tun, als Schüler durch Endlosmonologe zu langweilen. Kollegen, die die an sich nette Vorweihnachts-Tradition eines kleinen Unterhaltungsprogramms in den Pausen endlos ausdehnen, obgleich sie selber innerlich aufstöhnen wenn andere ihnen ihre Pausen durch zu lange Reden rauben usw.

An sich nette Ideen und gemeinschaftsförderliche Bräuche schlagen in ihr Gegenteil um, werden zur nervigen Belastung, weil sie als Dienst nach Vorschrift durchgeführt werden. Man tut seine Pflicht. Offiziell war es eine schöne Weihnachtsfeier oder eine Würdigung zum Namenstag, tatsächlich eine Gehorsamsübung, die man – wie früher den Fahnenappell – auch noch stoisch über sich ergehen läßt. Und so wohl auch auf Arbeit: Warum einen Schritt mehr tun, wenn Schlüssel 44 ff. in Reichweite sind – und für die drei- oder vierhundert Euro im Monat sowieso nicht.

Das soll keine deutsche Lehrmeisterei sein, sondern ich stelle mir nur die Frage, was in diesem Lande passiert oder passiert ist, daß man den Menschen die Kraft oder den Mut zur Selbständigkeit nimmt oder genommen hat.

Erfolgreiche Magyaren bestätigen das. Aus dem Munde eines sehr erfolg- und auch sonst sehr reichen Unternehmers habe ich folgendes gehört: Im Frühjahr gehen die ungarischen Bauarbeiter nach Deutschland und arbeiten für gutes Geld, wie man es von ihnen verlangt. Sie sind fleißig, ordentlich und widersprechen nicht. Kommen sie zurück, dann haben sie sich an den Rhythmus gewöhnt und bauen die besten Sachen in guter Qualität. Aber nach einer Weile werden sie wieder normale Ungarn und alles geht seinen gewohnten Schlendrian.

Fragt man sie direkt, dann gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit zwei Antworten. Die eine: man widerspricht. So sei das nicht. Die zweite, es werden tatsächlich die Kommunisten verantwortlich gemacht, die das Volk durch ihren Gulaschkommunismus entwürdigt und entleert hätten. Das ist 30 Jahre her!

Und einige Tapfere ziehen vielleicht auch den Faden bis in das korrupte Orbán-Land. Was nützt die Initiative, wenn sich die Bonzen bereichern und sagen kann man sowieso nichts mehr im Land der Lüge.

siehe auch: Der Ungar als Untertan

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8 Gedanken zu “Kreativ und selbständig ausführen

  1. Till Schneider schreibt:

    Die Geschichte vom sehr erfolg- und auch sonst sehr reichen Unternehmer zeigt doch, dass die Ungarn es (noch) können: Denken bzw. Mitdenken, und in der Folge: beste Sachen in guter Qualität abliefern. Auch in Ungarn. Oder dort zumindest noch eine Zeit lang, bevor der Genosse Schlendrian wieder das Kommando übernimmt. Es dürfte also bei den Ungarn keine allgemeine Denkstörung vorliegen, sondern bloß eine, sagen wir, umweltbedingte Denkhemmung. Laut dem reichen Unternehmer tritt die in Deutschland nicht auf, aber dann rezidiviert sie wieder, wenn der betreffende bzw. betroffene Ungar wieder eine Weile in der Umwelt „Ungarn“ gewesen ist. Und wenn sich ein Ungar immer nur in Ungarn aufhält, muss sie gar nicht erst rezidivieren, sondern besteht einfach fort, und zwar aus denselben Umwelt-Gründen.

    Allerdings: Für diese „Umwelt-Gründe“ können Fremdherrschaft und Kommunismus durchaus verantwortlich oder mitverantwortlich sein. Die Frage ist von meinen Überlegungen gar nicht berührt; ich sage nur, dass keine „allgemeine Denkstörung“ vorliegen kann. Zu untersuchen wäre demnach, ob Fremdherrschaft und Kommunismus in Ungarn eine Art ortsspezifische Lähmung verursacht haben, die alle ortsansässigen Ungarn „im Griff hat“ oder wieder ansteckt, wenn sie zurückkehren.

    @ „… daß vier Männer sich verschämt auf engstem Raum umziehen müssen“: Und was ist mit den Frauen? Die würden eine solche Zumutung nicht dulden. Na ja, die haben bestimmt auch in dem ungarischen Schwimmbad individuelle Umkleidekabinen, aber die Männer könnten ruhig mal für Gleichberechtigung kämpfen. Oh, hier passt sogar mal „Gleichstellung“: Sie müssten dafür kämpfen, dass andere ihnen die gleichen Kabinen hin-stellen wie den Frauen. Den Umweg über „Recht“ kann man sich hier sparen.

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  2. Stefanie schreibt:

    Ich möchte mich hier nicht weiter an Spekulationen beteiligen, welche (irreparablen?) Schäden die die ungarischen Psyche durch Fremdherrschaft und Kommunismus wohl erlangt haben mag und Ihnen stattdessen vorschlagen beim nächsten Schwimmbadbesuch der Dame hinter der Garderobe einen csokoládé mikulás mitzubringen (oder falls die Jahreszeit nicht paßt, vielleicht auch selbstgemachte Eszterházy Praliné https://www.szeretlekmagyarorszag.hu/eszterhazy-praline/) und die Gute dann in Ihrem schönsten Ungarisch nach dem Schlüssel mit der Nummer 194 (oder ihrer Wahl) zu fragen, denn dies sei Ihre Glückszahl. Allerdings besteht natürlich die Gefahr, daß ihre Mitschwimmer sich anschließend zuraunen könnten, der Nemec halte sich wohl für etwas besseres, daß er sich so von Ihnen absondere. Falls Ihnen das etwas ausmacht, wären Sie wohl gezwungen eine Runde Sör oder so in diese Beziehungen zu investieren.

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    • @ Stefanie

      Meine Glückszahl ist die 44!

      Ihr lobenswertes Projekt wird erschwert durch den konstanten Wechsel des Personals. Kann aber auch sein, daß die Gesichter von jener Art sind, die man sich partout nicht merken kann. Im Übrigen stört mich die Tatsache, daß ich ungarische Männerhintern beim Umziehen studieren kann weniger, als daß das Interesse bei jedem Male für die Gründe wächst. Ich werde das Studium folglich intensivieren und die Versuchsanordnung beibehalten.

      @ Till Schneider

      Der Gründe mag es viele geben. Ich selbst suche auch am ehesten in der Geschichte und als letztes in der Biologie und erst als allerletztes in der Onkologie. Es ist vermutlich eine Mentalitätsfrage. Aber woher kommt die Mentalität? Muß die nicht auch historisch erklärt werden?

      Die kommunistische Phase wirkt sicher nach, aber sie wird mir zu schnell als Erklärung präsentiert, wenn es um Mißstände geht, als daß ich daran noch als Erstgrund glauben könnte. Fakt ist: die ungarische Gesellschaft – wie sie sich mir Stubenhocker darstellt – ist keine offene, im Sinne der offenen Kommunikation. Man meidet zwischenmenschliche Konfrontation, meidet die heißen Themen …

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      • Stefanie schreibt:

        Von den ungarischen Verhältnissen verstehe ich nun herzlich wenig. Auf die Idee kam ich vielmehr durch eine tschechische Freundin, die eigentlich bei jedem Besuch ein kleines Gastgeschenk dabei hatte – selbst beim Arztbesuch oder auf manchen Ämtern – und sei es auch nur ein paar Blumen oder eine frische Gurke. Bei den hin- und hergehenden Verwandtenbesuchen wurde diese Sitte noch intensiver gepflegt. Ich denke, daß die in dieser Hinsicht das Denken in beiden Ländern ähnlich ist.

        Man kann es natürlich auch soziologisch umschreiben:
        https://www.ikud.de/glossar/sachorientierung-beziehungsorientierung.html

        Das ist auch der Grund dafür, daß osteuropäische Frauen für mitteleuropäische Verhältnisse so aufgebrezelt auf die Strasse gehen: es geht ums Gefallen (nicht nur Männern gegenüber), um mit dem Gegenüber leichter in Beziehung zu treten und mehr beachtet zu werden, was sich dann in irgendeiner Art Vorteil niederschlagen könnte. Bei uns hier würde dabei vielleicht schon der Nepotismus- oder Korruptionsverdachtsalarm schellen (von der Mee-Too-Sirene ganz zu schweigen ;-)- es hat ja schließlich rein um die Sache zu gehen: ordentliche Arbeit gegen gutes Geld. Ungarn und andere Osteuropäer, die in den westlichen Ländern arbeiten, stellen auf dieses Wertesystem um, verhalten sich marktkonform. Kehren sie in ihre Heimat zurück, treten sie wieder in die alten Beziehungen ein. (Vielleicht gibt es ja auch dort Situationen, in denen sie mustergültige Arbeitsergebnisse vorbringen? Wenn ja – für wen?).
        Ihre Garderobenfrauen machen halt „Dienst nach Vorschrift“ für ihren Arbeitgeber – wahrscheinlich den Staat oder die Kommune – für den sie wahrscheinlich wenig übrig haben. Wenn sie dort für den Mindestlohn oder evtl. in einer Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme stecken; gilt das natürlich umso mehr. Jedenfalls hat Ihre Zufriedenheit und die anderer Badegäste nun rein gar nichts mit dem Auskommen der Damen zu tun. Ein selbstständiger Hotelier orientiert sich an seinem Chef (bzw. König) – dem Kunden – mit entsprechend größerer Hingabe. Diese Gefälle von Angestelltenmentalität zu Selbstständigen (Stundenschrubben – versus zielorientiertes Arbeiten) gibt es natürlich auch in Deutschland. Wer das Arbeiten auf ein Ergebnis hin „gelernt“ hat (Prämien oder bei der Arbeit im elterlichen Betrieb oder bein Verfolgen eigener Ziele), geht ganz anders an Aufgaben ran und kommt mit Unwegsamkeiten und Unanehmlichkeiten viel besser zurecht. Daher wahrscheinlich auch der Trend, Arbeitnehmer auf Projekte und Deadlines hin zu trimmen.
        Das ganze ist vielleicht ein Phänomen an der Grenze zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft: die eine basiert auf dem Handel, die andere auf dem Opfer – dem füreinander sorgen. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, alles kaufen zu können was man braucht, wird das soziale Netzwerk, daß diese „Infrastruktur“ – im weitesten Sinne – trägt, immer anonymer. Der Strom kommt aus der Steckdose, die Wärme aus der Gasleitung, der Postbote bringt die Post der Müll wird abgeholt auch ohne, daß man sich mit irgendjemanden gut stellen muß – ja“ man“ erwirbt mit der Zeit geradezu ein Recht, einen Anspruch auf diese Dinge. – Von dem auf Schulbildung, medizinische Versorgung und Schwimmbadbesuche ganz zu schweigen.
        Sollte an meiner Theorie etwas dran sein, sollte sich die Mentalität um so mehr ändern, je stärker die Ungarn unter modernen, marktorientierten, westlichen Verhältnissen arbeiten und je besser die öffentliche Versorgung wird. Damit wäre dann auch der Weg aufgezeigt, unter dem sich die Mentalität ändern würde. Jedenfalls würde ich erstmal in dise Richtung „forschen“. Daneben wird es wohl auch noch andere nationale Eigenheiten geben, die eine Rolle für das beschriebene Verhalten zeigen, von denen ich nun aber gleich gar nichts weiß.

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  3. Pérégrinateur schreibt:

    Wenn über längere Zeiten erwartbar immer nur wenige Besucher kommen, könnte hinter dem Verhalten der Schlüsselausgeber durchaus eine Rationalität stecken. Die genutzten Schließfächer müssen auch geputzt werden. Wenn man bei nur geringer Nutzung diese auf eine kleine Nummernmenge beschränkt, muss man nur die wenigen zugehörigen Schließfächer putzen. Zugegeben, man könnte auch die Ausgabe auf eine nicht konsekutive, räumlich weiter verteilte Schließfachmenge beschränken, beispielsweise auf alle Nummern, die auf eine Null enden oder ähnlich. Doch dann müsste man den gesamten Gangraum vor allen Schließfächern gleichwohl immer putzen, während bei zusammengerückten Ausgabenummern weite Teile der Gangreihen meist wenig Bekanntschaft mit dem Wischmop machen müssen.

    Man muss außer mit Inkompetenz jedenfalls auch immer mit Eigennutz als Motiv rechnen. Das Verfahren könnte den Schlüsselausgebern – besorgen sie auch das Putzen? – übrigens auch von oben auferlegt sein, wo man vielleicht auf die Rechnung für weitere Kräfte ein Auge hat. Fragen Sie doch einfach mal! Die Antwort muss ja nicht so heuchlerisch ausfallen, wie sie mir bei einem Restaurantbesuch nach einer Sommerwanderung einst zuteil wurde, als ich eine große Flasche Mineralwasser bestellte und man vorgab, man würde „aus Stilgründen“ nur diese Mikrofläschchen mit den Makropreisen auftragen; dann könnten Sie sich daran erfreuen, dass man zumindest ehrlich antwortet. Das wäre doch schon einmal etwas. Im anderen Fall gilt doch zumindest: Felix qui potuit rerum cognoscere causas.

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    • Das Putz-Argument kam mir auch schon in den Sinn. Aber es würde die These eigentlich nur bestätigen. Gäbe es ein authentisches Interesse am Kunden oder eine Identifikation mit der Einrichtung, dann würde man das „Opfer“ des längeren Wischens (ein Aufwand von plus 30 Sekunden) auf sich nehmen.

      Außerdem kehrt oder wischt dort immer jemand – vermutlich aus Langeweile. Man muß wissen, daß dort ständig vier, fünf Frauen „arbeiten“ – also sitzen – und eine Arbeit leisten, die eine Person alleine ohne Überanstrengung leisten könnte. Es gibt hier viel „Beschäftigung“, „leere Arbeit“ – andererseits eklatanten Fachkräftemangel.

      Es gibt natürlich auch andere Beispiele. Ein kleines Hotel in Harkany etwa, von einem jungen Paar geführt, die mit viel Herzblut an ihrem Projekt hängen und unaufdringlich alles taten, um den Gästen das Leben angenehm zu machen, auch nicht an Kosten sparten. Dort hatten wir tatsächlich gefragt und erfahren, daß beide acht Jahre lang in Österreich im Hotelgewerbe gearbeitet hatten, entsprechend Geld verdient und nun darauf hoffen, vor allem westliche Kunden anzulocken – 200 m weiter ein sehr schönes Thermalbad.

      Freilich, der Gründe mag es viele geben – aber auch hier geht es ums das Typische. Das gibt es in positiver und weniger positiver Form …

      Im Übrigen bemerke ich zunehmend, wie widersprüchlich meine Aussagen sind und wie sich die Wahrnehmungen auch mit der Zeit ändern: Magyar Katharsis

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  4. lynx schreibt:

    Das ist eine schöne und authentische Geschichte. Ähnliches Verhalten und diese Denkfaulheit trifft man zuweilen sogar noch in der deutschen Provinz an oder beispielsweise dieses Jahr in Sizilien. In aller Regel an Orten bzw. in Gesellschaften, in denen es sich nicht auszahlt, es nicht gewürdigt wird, etwas für die Gesellschaft zu tun. Denn in aller Regel sind die gleichen Leute, die immer stur die gleichen Schlüssel herausgeben, in ihrem privaten Umfeld sehr erfindungsreich damit, wie sie selber oder als Familie gut über die Runden kommen.
    Wie Sie sich denken können, drängt sich mir dabei die Frage auf, warum dann wir als Land uns gerade von Ungarn belehren lassen sollen? In Sizilien jedenfalls blicken sie neidvoll nach Norden, können sich aber auch nicht vorstellen, dass es bei ihnen jemals besser werden könnte. Alle sind so tief verstrickt in ein nepotistisches System, das diese Gesellschaften dauerhaft lähmt.

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    • Ich ahnte schon, wer sich melden wird … (alle hier veröffentlichten Geschichten sind authentisch und kümmern sich nicht darum, ob oder wem sie in Kram passen – wenn sie es dennoch tun, dann liegt das am Ort der Wahrheit)

      Aus dem gleichen Grund, weshalb wir uns von Heidegger belehren lassen sollten, selbst wenn dieser Nazi gewesen sein sollte – was er vermutlich nicht war. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Schlechte Menschen können richtige Entscheidungen treffen und gute – wie wir zur Genüge wissen – sehr schlechte … und das in unendlich vielen Varianten in Permutation. Orbán ist korrupt und vermutlich „a great politician“ (John O’Sullivan); Seneca war einer der Weltweisen und Erzieher Neros und auch die DDR war kein „Unrechtssystem“ … das auch, aber vieles mehr.

      Der Unterschied zwischen den beiden idealtypischen Denkarten ist: die einen wissen von den Differenzen und akzeptieren sie und versuchen sie durch kleine Schritte zu beseitigen, die anderen entwerfen ein Ideal und messen den Menschen daran und fällen apodiktische Urteile.

      Lynx: Mit vielem d’accord, insbesondere mit den kleinen Schritten. Allerdings: wenn wir allen alles durchgehen lassen, was sind dann noch unsere Wertmaßstäbe? In Bezug auf Orbán ist ja z.B. Frau Merkel gnadenlos realistisch. Weshalb Sie mich allerdings immer in die Idealistenschublade stecken wollen, ist mir nicht klar. Es sei denn, Sie setzen konstruktives Denken und Handeln mit Idealismus gleich, dann hätten Sie wohl recht. Eigentlich neige ich doch eher zum leicht depressiven Realismus und versuche diesen alltagstauglich zu machen. Somit könnte ich mir ebenfalls gut vorstellen, die Bahnen im alten Sportbad zu ziehen, lieber jedenfalls als im Spaßbad.

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