Integrationsversagen Klopp

1. Mein alter Wasserballtrainer war ein integrer und fairer Mann. So sehr, daß ich ihn als Bürgen wählte, als ich in die Partei eintreten wollte. Er sagte voraus, daß ich ein guter und zuverlässiger Genosse sein werde – und hatte recht behalten, wenn auch vielleicht anders als gedacht. Von ihm habe ich einige wichtige Lehren fürs Leben erhalten.

2. Blogleser wissen oder müssen sich jetzt darüber informieren lassen, daß ich seit vielen Jahren Fan von Manchester City bin, lange vor dem Scheich geworden und stets geblieben. Ich verpasse kein Spiel. Sofern ich die Zeichen richtig lese, dürfte City auch dieses Jahr die Meisterschaft gewinnen; einzig und allein der FC Liverpool könnte uns – wenn man sich die Spielweise anschaut – gefährlich werden, aber die Tiefe des Kaders dürfte nicht profund genug sein, um die Saison auf dem bisherigen Niveau durchzustehen. Das auch, weil Jürgen Klopp seine Spieler schindet, so daß einige bald verglühen oder verletzt ausfallen werden.

Klopp jedenfalls ist Citys stärkster Gegner. Aber nun gibt es einen weiteren, einen bekannten, alten Grund, weshalb Klopps Sieg eine Schande wäre.

1/2: Er hat es wieder getan! Die Art und Weise, Ort und Zeit sind unverzeihlich.

Mein Trainer lehrte uns nicht nur die hohe Kunst des Verlierens – mit Würde –, sondern mehr noch die Kunst des Siegens: Mit noch mehr Würde. Unsere Mannschaft hatte mehr Niederlagen einzustecken als Siege zu feiern – wir wußten, wie es sich anfühlt, und wir haben oft genug unter der Arroganz unserer stärkeren Gegner gelitten. Deshalb, so sagte unser Trainer, ist es wichtig, den Kontrahenten, den man gerade geschlagen hat, der ohnehin schon leidet, nicht noch durch Siegestaumel zu demütigen. Das könne man in der Kabine tun. Solange man am Becken steht, gibt man sich die Hand, schaut achtungsvoll und steht aufrecht.

Jürgen Klopp ist die Definition des schlechten Gewinners. Er ist sympathisch, intelligent, witzig und auch im Englischen mittlerweile sehr unterhaltend, aber er hat diese Momente des Kontrollverlustes beim Gewinnen und das macht ihn mir suspekt.

Als im stets heiß umkämpften Stadtderby gegen Everton nun in der 96. Minute, wirklich bei der letzten Aktion ein überaus kurioses und absurdes Tor fiel – dies sind Geschichten, die nur der Fußball schreiben kann –, das zudem hochgradig zufällig zustande kam und den derzeit besten englischen Torwart mit einer unglücklichen Slapstick-Einlage blamierte, da durfte es nur eine Reaktion geben. Die Entschuldigung beim Gegner für diesen peinlichen und fast unfairen Sieg, der würdige Abgang, die Beileidsbekundung.

(ab 9.42 min)

Stattdessen verzerrt Klopp sein Gesicht zu einer Fratze, läuft regelwidrig aufs Feld und springt seinen eigenen Torwart an. Eine vergleichbare Unsportlichkeit habe ich zuvor nur von zwei Trainern gesehen, von Mourinho, u.a. als sein FC Porto gegen alle Wahrscheinlichkeit Manchester United in der Championsleague bezwang und auch gegen City, und von – Jürgen Klopp. In ähnlicher Situation, u.a. als seine Mannschaft in der letzten Minute durch ein irreguläres Tor den FC Malaga – Trainer Pellegrini – aus der Königsliga warf. Man kann es ein Mal entschuldigen. Klopp tat es dutzende Male.

Daß er es nun in England erneut getan hat, verschlimmert die Tat, denn dort ist der faire Umgang unter den Trainern ein unverletzbarer Imperativ, ein Teil der kulturellen Identität. Es ist kein Zufall, daß die letzten drei Trainer von Manchester City  – Mancini, Pellegrini und Guardiola – Gentleman waren, oder genauer gesagt Signori y Señores. Seit Stuart Pearce‘ („Psycho„) Abgang – das letzte Kampfschwein – gehört die zivilisierte Etikette zum Clubimage. Ein Grund mehr, ihm treu zu bleiben.

Klopp selbst ist intelligent genug, die „cultural differencezu bemerken: „In British culture it seems to be disrespectful if I celebrate with my players – it is different in Germany to be fair.”

Das stimmt natürlich nicht – es ist immer und überall respektlos, sich derart gehen zu lassen. Daß Klopp sich auf die kulturelle Differenz beruft, ist doppelt aufschlußreich.

Es zeigt den Paradigmenwechsel im modernen Sport, der dem Erfolg scheinbar alles unterordnet, für den korrektes, richtiges, moralisches Verhalten keine relevanten Größen mehr sind. Die Welt hat sich fundamental geändert, seit uns unser Trainer in der DDR noch das aufrechte Gewinnen lehrte.

Und es relativiert auch den Begriff der Integration, dessen Advokat Klopp in anderem Kontext gern ist. Erst vor wenigen Monaten weitete Klopp seine Kompetenz auf die Politik aus, kritisierte den Brexit und stellte sich hinter Merkels Flüchtlingspolitik: „I can’t say Germany is more open. If you ask the wrong people in Germany they would say: ‘Yes, we want a fence to keep foreigners out and, by the way, could you make is as high as the [Berlin] Wall.’ Europe has been strange the last few years. I like to go to Austria for skiing but they only push [immigrants] through to Mrs Merkel.”

Die Integrationsfähigkeit anderer, oft wenig gebildeter Menschen wird stillschweigend vorausgesetzt, die eigne Integration in die englische Kultur läßt freilich zu wünschen übrig.

siehe auch: Die große Fußballmetapher

4 Gedanken zu “Integrationsversagen Klopp

  1. Rabenfeder schreibt:

    „Die Kunst des Gewinnens“
    Ich sollte lernen genauer und im Kontext zu lesen, bevor ich meine Feder ansetze.
    Obwohl, wenn ich ehrlich bin, so habe ich Sie durchaus verstanden, wollte es aber nicht. Ich las weniger ihre Worte, vielmehr bildete ich mir die dazu gehörige Gebärde ein, „weil ich keine Worte lese, ohne Gebärden zu sehn.“
    Das gilt natürlich auch in Gegenrichtung. Meine Gebärde hinter den umständlichen Worten springt ihnen ja geradezu ins Gesicht. Klopp hat Stallgeruch, die Gentlemen nicht. Mein Ressentiment flüstert mir allerlei wüste Flüche auf die kultivierten Herren und Menschenfreunde ein. Im sich zusammenrottenden Pöbel wird von Verrat gemunkelt, dunkle Verbrechen werden benannt und von Abrechnung geträumt. Schon zünden einige Leute Fackeln an, ergreifen Mistgabeln und Sensen und brüllen „Rache!“ und blicken scheel auf das herrschaftliche Schloss mit seinen kultivierten Salons und Galadiners.
    Da erzwingt sich ein hagerer, aber unerschrockener Filosof die Aufmerksamkeit des Pöbels und ruft beschwörend zur Ordnung. Ein gewitzter Drogendealer springt ihm zur Seite und lockt mit allerlei besänftigen Genüssen, die heute besonders günstig zu haben seien. Schließlich besteigt ein fetter und struppiger Geschichtenerzähler einen Leiterwagen und ergreift das Wort. Er schwafelt was von den Athenern und ihren Trieren-Besatzungen als Voraussetzung für die attische Demokratie, von Massenheeren als ebensolche für die modernen Demokratien und von der folgerichtigen Umformung der westlichen „Volksherrschaften“ in imperiale dynastische Herrschaft nach rothschild…britischem Vorbild. Die Massen werden nicht mehr gebraucht, sie werden vernutzt und dann entsorgt. Er schwadroniert noch viele Stunden lang, bis die Leute endlich erschöpft ihren Sturm auf den folgenden Tag verschieben und nach Hause gehen.

    (*hust*)

    Lassen wir uns überraschen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Auch Liverpool hat erheblich in Infrastruktur und Mannschaft investiert und will dies auch weiterhin tun. Ob dies sustainable ist, wird sich erweisen (Klopp hat in Dortmund jedenfalls keine Wüste hinterlassen, ganz im Gegenteil), ebenso wie bei Man City, dessen Geschäftsgebaren ja gerade unter die Lupe genommen wird. Dies wird natürlich keine Konsequenzen haben und warum sollte es auch.
    Weg mit den Kampfschweinen und her mit den weltmännischen Gentlemen.
    Das ist bei der globalen Marke Premier League mit seinen internationalen Investoren, mit seinen Spielern und Managern UND Fans aus aller Welt nur folgerichtig. Ein Sam Allardyce taugt da eher weniger als Zugpferd.
    Auch eingefleischte City-Hasser (im Hass scheinen sich die Fans der anderen Vereine verdächtig einig zu sein) werden den Erfolg kaum für eine konsequente Bewahrung des eigenen, englischen Erbes opfern wollen.
    Niemand kann den Kuchen essen und ihn zugleich behalten.
    Eigentlich wollte ich hauptsächlich ausdrücken, dass Stil ohne Unterbau wertlos ist, Form ohne Inhalt.
    Aber bevor sich jetzt wieder das Ressentiment allzu deutlich rührt und den inneren Pöbel aufstachelt, der zwar Elite durchaus anerkennt, aber sie doch echt haben will; zumindest muss sie so echt wirken, dass die Schilderhebung, in der die Freien (nun nicht mehr Pöbel) dem kultivierten Vor-Bild ihr Vertrauen schenken, nicht von einem Hohnlachen verständigerer Beobachter begleitet wird, breche ich ab.

    P.S.: Auch Guardiola schindet seine Spieler. Erinnern Sie sich noch an die notorischen Verletzungskrisen bei Bayern in der entscheidenden Phase (wenn es in der Champions League zur Sache ging)? Auch Man City kennt diese Zustände, nur haben die einen entsprechenden Kader (und zugegeben gut investiert), um dies auszugleichen. Vielleicht muss man ohnehin sagen, dass in erster Linie das System die Spieler vernutzt, worin die Topmanager natürlich auch Top-Ansprüche haben.
    Wie ich höre, geht’s bei Liverpool schon los: Nach Gomez ist nun auch Matip für viele Wochen raus…

    Seidwalk: … das war Müller-Wohlfahrts Schuld!

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  2. Rabenfeder schreibt:

    Guten Morgen,
    ich habe mit mir gerungen, ob mein erster Beitrag auf ihrem sehr lesenswerten Blog eine launische Antwort auf einen mich ärgernden Text –ihre Replik zum ersten Kommentar zähle ich dazu- sein soll; einen Text zudem über Klopp und Fußball auf der Insel, der im Angesicht immenser und dringender Probleme von wahrlich untergeordneter Wichtigkeit zu sein scheint. Aber jetzt ist die Katze durch den angesprochenen Kommentar eines anderen Lesers aus dem Sack, also will auch ich mich nicht weiter zurückhalten… 😉
    Zunächst teile ich allerdings ihre Kritik an Klopps Aussagen über den Brexit und die Migrationsproblematik; das war eine herbe Enttäuschung für mich, weil ich den Mann für klüger gehalten habe. Bislang hat er sich weitgehend zurückgehalten und sich nicht (soweit mir bekannt) zu dummschwätzendem virtue-signalling hinreißen lassen, aber vielleicht liest er zu viel The Guardian und ähnliche tendenziöse Presse-Machwerke und er fühlte sich genötigt, endlich auch seinen völlig ungenießbaren Senf dazu zu geben. Es ist schlimm und beinahe unerträglich, wenn allerlei Sportler, Schauspieler und sonstige Unterhalter meinen, sich obrigkeitsgefällig positionieren zu müssen, nach dem Motto: Ich gehöre doch zu den Guten!
    Andererseits trainiert Klopp mehrheitlich Spieler aus aller Welt mit nicht–europäischen Wurzeln und der Brexit betrifft ihn ja durchaus auch ganz konkret, nehme ich an. Er konnte wohl nicht widerstehen; mir wäre es aber weit lieber gewesen, er hätte die Klappe gehalten, auf dass meine Projektionsfläche „Jürgen Klopp“ keinen Sprung bekommt…
    Ich bin ja einer von jenen Hipster- und Schönwetter-„Fans“, die Klopp auf die Insel zum FC Liverpool gefolgt sind und mithin auch eine von jenen traurigen Gestalten in einer globalisierten Welt, die einem echten Scouser wahrlich ein Grauen sind. Wenn Klopp weg ist, bin ich vermutlich auch weg und wenn einmal auch nur der Erfolg in Liverpool ausbleibt, köchelt auch mein Interesse weitgehend auf Sparflamme.
    Doch genug der Vorbemerkungen; zum Thema:
    Soweit es mir mein limitierter Blick auf die englische Fußballwelt zulässt, finden die allermeisten Kommentatoren gar nichts oder nur wenig an Klopps wildem Jubellauf auszusetzen, von den Liverpool-Fans ganz zu schweigen. Man findet es eher amüsant oder nimmt es als Ausdruck seiner Passion für den Sport oder hält es gar für eine Bereicherung des Eigenen, ähnlich wie man auch Mourinhos Auftritte als „the special one“ anfangs wohlwollend beurteilte. Das kann sich natürlich ändern, wenn der Erfolg ausbleibt oder wenn die Marotten allzu aufdringlich ausgelebt werden, siehe Mourinho heutzutage. Mich dünkt, man mag Klopp bislang auf der Insel im allgemeinen oder will ihn doch mögen.
    Warum sprechen sie von Integrationsversagen?
    Klopp hat sich exzellent in die globale Marke „premier league“ integriert. Vom alten englischen Fußball ( eigentlich natürlich vom alten England) ist außer Image ( z.B. Liverpool als „Arbeiterverein“) und pittoresken Identitätstrümmern wenig übrig geblieben und ehrlich gesagt, kann ich unter der Prämisse von Konzernen, (((russischen))) Oligarchen, Scheichs aus dem Morgenland, die nicht wissen, wohin mit den ganzen Dollarbeständen und amerikanischen oder asiatischen Finanzspekulanten, die die Clubs auf Pump kaufen und ihm dann die Schulden für den Kauf und den ansehnlichen Profit abpressen, denen all die ausverkauften Vereine auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind, auch wenig damit anfangen, wenigstens englisches Oberschicht-Understatement, pikierte Schein-Sportlichkeit und gepflegten Gentlemen-Stil beizubehalten.
    F… them! F… the bloody aristocrats!
    (*hust*)

    Sie schreiben:
    “Klopps Versagen in der Kunst des Gewinnens schien mir auf mehr als auf ein paar individuelle Fehler hinzuweisen.“
    Sie Schlingel, Sie! Woher nehmen sie diese freche Einschätzung? Weil Liverpool (und auch Dortmund) unter Klopp ein paar Finale verloren hat? Erst mal muss man als ziemlicher Underdog (im Verhältnis zumindest zu den Bayern und Real) erst einmal in ein solches Finale gelangen (erst neulich bekanntlich mit City als Treppenstufe…) Dann hat Klopp ja durchaus zwei Meistertitel und einen (oder zwei?) Pokalsiege mit dem BVB vorzuweisen. In der Bayern-Bundesliga stellt das eine erhebliche Leistung dar, wie Sie kaum leugnen werden.
    Was den FC Liverpool anbetrifft, so dürfte ihnen schwerlich entgangen sein, dass dieser Verein mit großer Tradition und geringen Erfolgen in den letzten Jahren unter einem veritablen Nichterfolgssyndrom leidet. Sie kennen bestimmt das spöttische „this year is our year!“ ?
    Man erinnere sich an die Saison unter Brendon Rogers mit Suarez, wo der Titel am Ende noch verspielt wurde. Diese „Wir schaffen das ja doch nicht“-Mentalität erreicht zwar nicht ganz Loserkusen-Niveau und die große Geschichte verhindert bislang auch ein achselzuckendes „Lads, it’s Tottenham.“, aber gegen eine solche Verlierer-Haltung wehrt sich Klopp ja auch mit allen Mitteln.
    Schauen Sie doch auf die aktuelle Saison: Liverpool spielt nicht mehr vorbehaltlos die wilde Jagd Kloppscher (oder Buvacscher?) Machart mit hohem Unterhaltungswert und ebenso hohem Verschleiß. Liverpool spielt viel pragmatischer und kräfteschonender und es dürfte kein Zufall sein, dass das eigentliche Augenmerk auf der sicher stehenden Abwehr liegt. Sicherlich spielt der FC Liverpool trotz beträchtlicher Investitionen dennoch am Limit und ist auch jetzt nur ein oder zwei entscheidende Verletzungen entfernt von einem jederzeit möglichen Einbruch. Aber wer kann schon mit vom Scheich gefluteten City mithalten (außer vielleicht United und die haben schlecht investiert)?
    Sie haben hier ja sogar ein gutes Beispiel dafür, wie sehr sich Klopp der britischen Mentalität angenähert hat, wie gut er sich also integriert hat. Den Fetisch „clean sheet“ nutzt er, um so hoffentlich den Bann brechen zu können, in der schlichten Erkenntnis, dass nur so Erfolg möglich sein kann.
    Es muss selbstverständlich Spekulation bleiben, aber vielleicht gehen Klopp und Buvac deshalb getrennte Wege? Klopp als Realist und Buvac als der Ideologe?

    Sie schreiben:
    „Die Erfolge sprechen im Moment für ihn, daß sie hochgradig glücklich sind (Everton, gestern Napoli) wird gern übersehen.“
    Ach kommen Sie. Wie sagte Bobby Moore einmal: „The more you work, the more those lucky balls seem to get in“ oder so ähnlich… wir kennen doch auch das sogenannte Bayern-Dusel oder aus den Altvorderen-Tagen im Radio: Tor in Hamburg! 89. Minute. Elfmeter Kaltz. 😉

    Sie schreiben:
    „Man muß befürchten, daß die Entwicklung nicht sustainable ist und daß es nach der großen Sause ein böses Erwachen für Klopp, Mannschaft, Klub und Stadt geben könnte.“

    Woher nehmen sie dieses Urteil? Weder Mainz noch Dortmund sind nach Klopps Abgang böse erwacht, weder sportlich noch wirtschaftlich, ganz im Gegenteil. Beide Vereine verdanken Jürgen Klopp enorm viel.
    Liverpool wirtschaftet relativ solide; die beträchtlichen Investitionen sind weitgehend durch Einnahmen gegenfinanziert (Champions league, Coutinho-Transfer, Tv-Einnahmen…).
    Man könnte ihre Aussage auch einfach gegen ihren Verein wenden und die Frage aufwerfen, was eigentlich von City bleiben wird, wenn die Geldschwemme einmal austrocknet?
    Nach der großen Sause kommt das böse Erwachen?
    😉

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    • Wenn ich schrieb: “Klopps Versagen in der Kunst des Gewinnens schien mir auf mehr als auf ein paar individuelle Fehler hinzuweisen.“, dann bezog sich das weniger auf den sportlichen als auf den gesellschaftsrelevanten Aspekt. Ersterer ist an dieser Stelle nur unter zweiterem zu diskutieren.

      Es gibt in England noch immer ein paar manager der alten Schule, proletisch, brutal, abstoßend – aber ehrlich und den Gegner respektierend: Neil warnock, Sam Allardyce, Stuart Pearce … Daneben gibt es die Ex-Spieler, die jetzt Gentleman sind: Marc Hughes, Roy Hodgson, Sean Dyche, Chris Hughton … Alle beherrschen die Kunst des Gewinnens und des Verlierens. Sie werden in England eine tiefe Verinnerlichung des „Ehrbegriffes“ und der Anerkennung des Unterlegenen sehen – erst mit den letzten Generationen beginnt das aufzuweichen. Aber selbst im klassischen Hooligan-Bereich war es – in der Theorie zumindest – Pflicht, den Schmerz der Niederlage des Gegners zu achten.

      Typen wie Mourinho oder Klopp, von außen zugeholt, Söldner, beginnen, dieses Erbe zu zerstören, der eine negativistisch, der andere positivistisch. Daß ein Großteil der pundits daran nichts Anstößiges mehr findet, zeigt genau jene geistig-seelische-moralische Veränderung und Verlotterung, auf die hinzuweisen mir ein Anliegen war. Interessanterweise waren es einige der alten warrior wie Danni Mills oder Paul Merson, die den Mumm hatten dem Mainstream zu widersprechen. Wohingegen bekennende Multikulturalisten, Gleichberechtigungsapologeten und Anti-Brexitiers wie Garry Linaker das Problem der Entgrenzung nicht sehen können und „funny Jurgen“ unterstützen.

      Gerade in Liverpool ist das ein Problem. Der Verein hat Jahrzehnte gebraucht, seine Fanbasis zu befrieden. Die sozialen Probleme in der Stadt sind deswegen nicht verschwunden. Ohne direkte Verantwortlichkeiten zu konstruieren: Angriffe wie auf den Bus von Manchester City wird man nicht in den Griff bekommen, wenn die führenden Vereinsvertreter wie Rumpelstilzchen vor dem Gegner herumtoben.

      Das Geldargument langweilt mich nur noch: Kein Verein der Welt kommt ohne Geld aus. „Wenn die Geldschwemme einmal austrocknet“, dann ist überall Feierabend, ob in Fulham oder Liverpool … oder St. Pauli.

      Ich bin auch kein Freund dieser Entwicklung, auch wenn sie immerhin den besten Fußball aller Zeiten hervorbringt, aber sie ist Teil des Ganzen.

      Defaitismus: „Typical City“ hieß das früher in Manchester – und das war einer der Gründe, weshalb mir dieser Verein ans Herz gewachsen war. Davon ist heute nichts mehr zu spüren. Main Road und Etihad Stadium sind Meilen auseinander. Das Publikum hat stark gewechselt, auch wenn es einen alten Kern gibt – siehe Ian Cheesman Vlog.

      Es ist aber billig, immer nur ans Geld zu erinnern ohne den Unterschied zu sehen, denn bei City wurde massiv in die Infrastruktur investiert – der Klub hat die Stadt und Region ganz wesentlich verändert. Es ist auch kein Hobby des Scheichs, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, das Gewinn abwerfen soll, und es – in geringem Umfang – nun auch tut.

      Auch im Mannschaftsaufbau ist diese langsame Entwicklung zu sehen. Hier wird clever investiert. Es gibt nahezu keinen Spieler in den letzten Jahren, den man umsonst eingekauft hätte, der sich also nicht in die Mannschaft eingliedern konnte (Mangala vielleicht (Korrektur: der wurde schon 2014 von Pelegrini geholt), während in den meisten anderen Klubs Transferleichen auf der Bank verhungern. Es werden Mannschaften gebaut, die ein neuer Trainer nahtlos übernehmen kann – wenn Klopp geht, das ist meine Prognose, dann geht der halbe Kader … und die andere Hälfte meldet die Sportinvalidität an.

      Dennoch, Klopp ist ein großartiger Motivator (daß er Millner noch mal zu Topleistungen bringt!), ein Clown auf hohem Niveau, ein Entertainer … der dem FCL kurzfristig gut tut. Wenn er sich an die Regeln hält.

      Zusammenfassung: Gerade als Deutscher – weiß, blond und blauäugig -, vor dem Hintergrund unserer Geschichte, sollte sich Klopp seiner Verantwortung bewußt sein und genau aufpassen, was er tut und sagt. Jegliche Reminiszenz an eine Invasion ist zu unterlassen – und sei es die pitch invasion.

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  3. Thomas Schubert schreibt:

    Ein Fan sollten keine Texte über andere Mannschaften oder deren Trainer schreiben, als über seine eigene – jedenfalls dann nicht, wenn so etwas wie Objektivität, Unterhaltsamkeit und Fairness darin vorkommen soll. Daran fehlt es leider. Wäre Klopp der Trainer von City, sähe die Sache nämlich anders aus – sonst wäre man nämlich kein Fan. Hier noch über Bande die DDR und die Migrationsproblematik mitspielen zu lassen macht aus dem ohnehin schon misslungenen Text keinen besseren. Dem ehemaligen Genossen dürfte in Erinnerung sein, dass es sich weder bei der DDR, noch bei der Partei, um einen Wasserballverein gehandelt hat. Wozu dann diese Anspielungen?
    Den damaligen Trainer des Autors in Ehren, aber ohne (Team)Kampfgeist, Emotionen und kalkulierte(!) Regelverstösse gewinnt man in diesem Sport nichts. Darin sehe ich – wenn überhaupt -die einzige Parallele zur SED. Beide Teams haben in ihren Disziplinen versagt. Allerdings die eine, weil sie zu sauber und die andere weil sie zu dreckig gespielt hat.
    Hierzu wäre noch einiges zu sagen gewesen, aber seine Motive reiht der Text nur launig aneinander, ein Zusammenhang wird insinuiert aber nicht entwickelt. Ärgerlich ist das, da er sich von den sonstigen Texten des Autors negativ abhebt.
    Dem Fan ist das nachzusehen, dem ehemaligen Genossen auch – dem Philosophen allerdings nicht. Mit besten Grüßen, T.S.

    Seidwalk: Das ist sicherlich ein schwächerer Text in Aufbau und Argumentationskonsistenz. Mitunter nehme ich mir die Freiheit, mich zu unterbieten. Das ist auch ganz unvermeidlich, sobald man anfängt, einen zweiten Satz zu sagen. Und hilfreich ist es auch, um das Mißverständnis „Philosoph“ aufzuklären.

    Den Hauptpunkt Ihrer inhaltlichen Kritik teile ich nicht. Die Anhängerschaft verbietet mir weder, die eigene noch die andere Mannschaft zu kritisieren. Das hat im Übrigen schon der Genosse so gehalten.

    Wenn es gewünscht wird, lege ich gern eine Kritik Guardiolas oder jedes anderen Spielers oder des Vereins vor – die Statistik zeigt allerdings, daß nur wenige Leser diesen Faible teilen. Fußball kommt also nur dann vor, wenn man irgend etwas Allgemeines aus diesem sehr konkreten Stoff pressen kann.

    Klopps Versagen in der Kunst des Gewinnens schien mir auf mehr als auf ein paar individuelle Fehler hinzuweisen. Es hieß ja sogar mal, daß er bei City anfangen könne – das wäre ein Horrorszenario gewesen. Zu Liverpool paßt er fast perfekt – er sollte sich nur ein wenig intensiver mit der Geschichte der Scousers auseinandersetzen, um zu begreifen, was er gerade macht, um sein Tun historisch einordnen zu können. Die Erfolge sprechen im Moment für ihn, daß sie hochgradig glücklich sind (Everton, gestern Napoli) wird gern übersehen. Man muß befürchten, daß die Entwicklung nicht sustainable ist und daß es nach der großen Sause ein böses Erwachen für Klopp, Mannschaft, Klub und Stadt geben könnte.

    PS: Wasserball ist tatsächlich kein sehr sauberer Sport. Er lädt regelrecht zum Spiel unter der Oberfläche ein und das wurde von einigen Trainern auch geübt. Fand ich stets abstoßend, war selten Teil meines (ohnehin schwächeren) Spiels.

    Thomas Schubert: „Missverständnis Philosoph“? Das ist tatsächlich eine Unterbietung ihrer selbst.
    Nun meine ich gerade nicht, Schweigen sei der Ausweis eines solchen. Aber neben dem Fan, dem Essayisten und gelernten Propagandisten versucht sich eben auch ein Philosoph Gehör zu verschaffen. Diesen gegen all die anderen zu verteidigen, war der Hauptpunkt meiner Kritik.
    Eine besinnliche Adventszeit wünscht TS

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