Ist es Angst?

Nur eine Hypothese. In Deutschland herrscht die Angst – in der „freien Gesellschaft“. Die einen fürchten sich vor Rechten, die anderen vor Linken, jene vor zu vielen Fremden, diese wiederum vor zu großer Homogenität. Kriminelle Flüchtlinge, aggressive Antifa auf der einen Seite, Hetzjagden und Hooligans auf der anderen. Die einen haben Angst, privat ihre Meinung zu sagen, andere fürchten den Verfassungsschutz oder irgendein anderes Netzwerk …

Gerade schaue ich bei der Petition 85565 im Bundestag vorbei. Ihr Text lautet: „Der Deutsche Bundestag möge beschließen, daß die Bundesregierung dem globalen Migrationspakt (Global Compact for Safe, Orderly and Regular Migration) nicht beitrete …“

Innerhalb weniger Stunden haben 35000 Menschen gezeichnet – das Quorum ist nahezu umgehend erfüllt.

Schaut man sich aber die Unterschriftlisten an, dann sieht es wie folgt aus:

Nummern statt Namen.

Die übergroße Mehrheit der Unterschreibenden tut dies anonym, hat Angst (?), den Namen zu nennen (Mehrfacheintragungen abgezogen). Dabei handelt es sich um einen urdemokratischen Akt, etwas, zu dem man stehen können sollte.

Wenn es Angst ist, Angst wovor? Kann man schon Jobs, Posten, Stellungen verlieren, wenn der Name auf solch einer Liste auftaucht?

siehe auch: Der Deutschen Sorgen

11 Gedanken zu “Ist es Angst?

  1. Konservativer schreibt:

    Angst ?

    Ich habe konkret Angst um meine Arbeitsstelle, Angst davor in meinem Beruf nicht mehr tätig sein zu dürfen. Ich arbeite in der „Sozialindustrie“ im Bereich Resozialisierung.
    In unserem Teamraum hängt an der Pinwand ein Schild „Rote Karte gegen Rechts“ und das ist kein Scherz.

    Womit ich mich aufbaue ist u.a. folgendes:

    Ich bin, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ein ehemaliger Linker, der die Seiten gewechselt hat:

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  2. Stefanie schreibt:

    Bei der Petition ist die Option „mit Nummer zeichnen“ voreingestellt:

    o Ich möchte mit meinem vollständigen Vor- und Zunamen in der Mitzeichnerliste geführt werden
    x Ich möchte ohne Namen, nur mit Mitzeichner-Nummer aufgeführt werden

    Vielleicht sind die Nummern neben der Angst auch einfach nur ein Zeichen für Bequemlichkeit.

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  3. Ich habe da auch unterzeichnet (so wenig es bringen wird), und mir kam dabei die gleiche Frage in den Sinn: Name oder Nummer? Ich weiß nun nicht, ob die Namen tatsächlich – angemeldet oder nicht – recherchierbar sind; fand es aber auch bezeichnend, daß ich da überhaupt drüber nachdenken mußte. Angst: Nein. Aber das Gefühl ist mittlerweile ein „Man weiß ja nie …“
    Habe dann meinen Namen angegeben.

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  4. Michael B. schreibt:

    > 1. scheint „affirmativ“ ein Schimpfwort […] im Umfeld dieses Blogs zu sein

    Ihr Vorschreiber hat seine Ironie nun ja noch extra mit Anfuehrungsstrichen gekennzeichnet. Man muss sie also schon uebersehen wollen. Linke uebrigens – die sie signifikant oft nicht verstehen – definieren gern Ironie in aggressivere Formen um, um ihr Gegenueber zu diskreditieren.
    Tip: Klonovsky gebrauchte einmal den schoenen und verwandten Begriff des „Ewigmorgigen“

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  5. Michael B. schreibt:

    Zum engeren Thema: Wenn ich mich recht entsinne (ist schon laenger her) gab es eine Art Identitaetspruefung zur Anmeldung bei dieser Plattform. Den Betreibern sind also die Personen hinter den Nummern bekannt. Ich vermute, etliche Zeichner – oder generell Teilnehmer dieser Plattform – trauen „dem Staat“ weiterhin nicht zu, diese Informationen gegen sie zu nutzen. Dann waeren es wohl noch weniger Zeichner. Sie stellen maximal simples Mitlesen der oeffentlichen Schnittstelle in Rechnung.
    Einige werden auch das durchaus sinnvolle Verhalten einer Pseudoanonymitaet ueber ’nicks‘ aus dem Rest des Internets sinngemaess uebertragen. Fuer eine Petitionsplattform natuerlich nicht unbedingt sinnvoll.

    Und einige haben wirklich Angst, denke und weiss ich. Anekdotische Evidenz natuerlich, wie das in der Natur der Sache liegt.

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  6. Stevanovic, Stevan schreibt:

    Hat politisches Engagement nicht immer etwas Mut erfordert? Ja, so eine Unterschrift kann Konsequenzen haben. Zumindest Wiederspruch. Ob dieser so relevant ist, dass man seinen Namen als Bürger nicht nennen kann, ohne seine Zukunft zu riskieren, wage ich zu bezweifeln. Insofern war die Taktik, diesen Vertrag aus letzter Minute aus der Trickkiste zu ziehen, eine erfolgreiche Strategie der Regierung. Es wird ein Papier vorgelegt und es bleibt nur noch die Frage, auf welcher Seite man steht. Hopp oder Topp – das ist der ganze Diskurs. Kein Bürger sollte diese Frage beantworten müssen. Das ist der eigentliche Skandal und die, die ihren Namen nicht nennen, machen das Spiel auch noch mit.

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    • „Hat politisches Engagement nicht immer etwas Mut erfordert?“

      Vielleicht nicht unbedingt Mut, sondern Einsatz, von mir aus auch Mut zum Einsatz. Wenn aber Engagement schon Mut erfordert, dann scheint etwas – zumindest in einer „demokratischen Gesellschaft“, die per definitionem von diesem Engagement lebt – aus den Fugen. Und man muß auch abstufen: es gehört sicher mehr Mut dazu, sich, sagen wir mal, für eine Partei wie die AfD oder Die Linke zu engagieren, als für eine wie die CDU. Zumindest ist das der Stand der Dinge, die freilich in Bewegung sind.

      Ich selbst halte mich mit diesem Blog im näheren Umfeld eher bedeckt, wohl wissend, daß ich vor allem andere nahestehende Personen damit „kompromittieren“ könnte. Einige stehen in Hierarchien – meist beruflich – in denen ein „Bekenntnis“ zu den hier veröffentlichten Inhalten unangenehme Konsequenzen haben könnte. Wohlgemerkt, nicht etwa, weil sie hier veröffentlichen – ich biete das nach wie vor an! -, sondern weil sie sich in meiner Nähe bewegen, ohne Disztanzierungsübungen zu vollführen. Und selbst wenn ich mir das nur einbilde, wenn besagte linke Hardliner in den Hierarchien darüber lachen würden und plötzlich zum paritätischen Dialog bereit wären, dann habe immerhin ich noch die Sorge, anderer Leben negativ zu beeinträchtigen, mag sie auch imaginiert sein. Dies Imagination hat jedoch einen realen Grund.

      Wie weit das gehen kann, zeigt der Fall Sommerfeld exemplarisch. http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/waldorfschule-wien-schulverweis-wegen-neurechter-mutter-15775010.html

      Im Übrigen wird auch mir hin und wieder sanft signalisiert, daß die andere Seite mitliest. Anonymität (ich bin ja nicht anonym) ist zumindest ein kleiner Schutz – wenn auch leicht zu knacken.

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      • Stevanovic, Stevan schreibt:

        In Opposition zu sein war noch nie leicht, aber zumindest noch nie so leicht, wie heute. Was nicht heißt, dass es heute grundsätzlich leicht ist. Sie idealisieren das Bild der demokratischen Gesellschaft und nehmen die Propaganda für bare Münze – das geht in Ordnung, wer Propaganda betreibt, soll auch die Wiedersprüche um die Ohren bekommen. Aber ich gehe davon aus, dass Ihnen schon bewusst ist, dass das Bild des aufgeklärten Bürgers, der einen herrschaftsfreien Diskurs führt, eine utopische Größe fern jeder Lebenserfahrung ist, egal wo. Frau Sommerfeld ist eine exponierte Person der Publizistik, da weht der Wind durchaus rauer. Sie wird exemplarisch abgestraft, weil sie exemplarisch auftritt/publiziert. Nun wird Frau Sommerfeld andere Lösungen finden, das meine ich nicht zynisch, ich schätze, das entspricht den Tatsachen. Ja, Frau Sommerfeld hat Mut – keine Frage. Um wie viel lächerlicher ist eine existentielle Angst, keine offene Unterschrift unter eine Petition zu setzen? Sie haben die Zahlenkolonne gezeigt. Zu viele, um sich auf exponierte Positionen oder Hierarchien zu berufen. Die Meinungsfreiheit bietet keinen Schutz, der Bürger muss die Meinungsfreiheit schützen. Indem er sie wahrnimmt. Wie Sie habe ich Erfahrung mit anderen Systemen gemacht. Wer jetzt Angst hat, wird nie eine Welt erleben, in der er keine hat. Ein Bekenntnis zur herrschenden Meinung war immer einfacher, in so weit hat Zivilcourage auch jede Bedeutung verloren. Aber auch die Unterdrückung drückt doch bei weitem nicht so. Die Sezession ist online, das IfS arbeitet, Antaios kann man kaufen, Pegida demonstriert, Höcke spricht. Geht halt nicht immer harmonisch. Aber, wie gesagt, wer glaubt schon im Ernst an Harmonie?

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  7. lynx schreibt:

    Warum bloggen Sie und ich anonym? Das Netz macht es möglich, dass man persönliche Interessen und Neigungen pflegt oder gar auslebt, die man nicht zwingend mit der realen Person verbunden sehen möchte, aus den verschiedensten Gründen. Naheliegenden wie der Scham, weniger naheliegenden wie einer multiplen Persönlichkeit. Man kann ungestraft hetzen und man kann unerkannt schlau daherreden. Komfortabel, weit weg von Angst. Man muss sich nur einmal die permanent laufende SPON-Sonntagsfrage anschauen und sich die kleine Mühe machen, die Rohdaten mit den Repräsentativdaten zu vergleichen. Ginge es nach den Rohdaten, dann steuert die AfD demnächst auf die abolute Mehrheit zu, während sie repräsentativ weiter verliert. Es gibt also ein Heer an Klickern, die dankbar sind für jedes Ventil, wo sie ihren Frust loswerden wollen. Die aber gleichzeitig agieren wie Automatenspieler oder Onlinezocker, heimlich, für sich, nur geradeaus starrend. Nein, dieses Verhalten will man nicht mit seinem Namen verbunden sehen. Aus der Deckung kommen sie womöglich erst, wenn es, wider Erwarten, zu einem kleinen Gewinn gerreicht hat. Kleiner Hinweis: mit diesem „Heer“ lässt sich kein Staat machen. Wie gesagt, man kann auch schlau daherreden und dafür, ganz anonym, Dresche beziehen, vielleicht weil man heimlich ein Masochist ist? – muss ja nicht jeder wissen.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Werter scharfäugiger lynx,

      die Opponenten melden sich immer stärker zu Wort. Damit ist nicht gesagt, dass diese immer „ihren Frust loswerden“ werden wollten, sie könnten ja auch aus besserer Einsicht handeln. Oder sind Sie grundsätzlich so „affirmativ“, dass jeder Opponent gegen die offizielle Linie immer nur ein gedankenloser Mauler sein müsste?

      Wenn die Klicker unreflektiert „wie Automatenspieler oder Onlinezocker, heimlich, für sich, nur geradeaus starrend“ handelten, dann fragt man sich, wieso sie dazu reflektiert die Taktik der Anonymität wählen konnten.

      Indem man anonym abstimmt, kann man doch nachträglich gar nicht „aus der Deckung kommen“, insofern das eigene Verhalten zuvor eben dadurch gar nicht mehr nachweisbar ist.

      Kann die nur anonym bezogene Dresche wirklich so eindringlich sein, wie sich das ein Masochist wünschen mag? Man möchte meinen, zu solcher Dresche wünsche sich der Masochist immer ein ad personam.

      Kennen Sie Gottfried Benns Satz: „Psychologie ist eine Unverschämtheit.“? Der größte Frevel dabei schiene mir bei solchem Psychologisieren gegen das eigene Einsichtsvermögen zu gehen, wofern man denn allein zur eigenen Selbstbestätigung andere psychologisierte. Mir erscheint der allzu erwartbare Tenor „Der/die macht/sagt das ja nur, weil …“ bei Internet-Kommentierungen jedenfalls am unbeachtlichsten. Wenn man fremdes und eigenes Verhalten in naturwissenschaftlicher Sichtweise immer als verursacht ansieht, dann ist der Hinweis auf vielleicht dazu noch üble Motivationen bei anderen nämlich nur unangebrachte Herablassung, denn man selbst ist bei diesem Hinweis ja seinerseits auch wieder motiviert. Genesis begründet zwar keine Geltung, aber eben auch keine Nichtgeltung.

      Das Heer – im Unterschied zum Offizierskorps – bilden immer die Submissen und Gehorsamen. Gerade mit dem allenfalls heimlich murrenden Volk Israels hat Josua ein Invasionsheer zur Hand und erobert so Palästina. Nicht hundertundeinen Häuptling, sondern einen Häuptling und hundert Indianer, so macht man einen Staat!

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      • lynx schreibt:

        Lieber Kollege, da fallen mir drei Dinge auf:
        1. scheint „affirmativ“ ein Schimpfwort (Link von SW) im Umfeld dieses Blogs zu sein, kommt jedenfalls häufig vor und immer dann, wenn man sich nicht affirmativ zum hier vertretenen Weltbild verhält;
        2. ist es mit dem Psychologisieren ähnlich: das tun immer die anderen;
        3. kann ich mit Führervorstellungen nichts anfangen.

        Lynx 22.34 Uhr: Lieber SW, well done: „In der Affirmation des Vielen und des Werdens, sprich in der Bejahung des Differenten, der Differenz, „findet sich das Vergnügen am Verschiedenen.“ (SW: bezieht sich auf Link)

        Seidwalk: Ja und? Nie was anderes behauptet – steht in jedem Artikel, wer lesen kann!

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