Dick Pics

Man kann über die Huffington Post sagen, was man will – meist nur sehr Verächtliches –, aber hin und wieder gelingt es ihr doch, Lebenswelten sichtbar zu machen, von deren Existenz meinereiner nie erfahren hätte.

Da gibt es zum Beispiel dick pics.

Ich nehme an, die Leser wissen, worum es geht. Zumindest ist das Problem der jungen Dame, die sich für den Beitrag verantwortlich zeichnet, mit so großer Selbstverständlichkeit vorgetragen, daß ich – der davon bislang nicht wußte – mir wie ein Höhlenmensch vorkommen muß.

Dick pics sind demnach, wie soll ich sagen, wenn jemand, also ein Er, wenn der also und vermutlich in bestimmten Situationen oder sogar, man kann sagen, und sogar Zuständen, die einem – also als Mann – hin und wieder passieren, und sei es des Nachts, wenn man nichts dafür kann, wenn derjenige also davon – dem dick – ein Bild – das pic – macht und es an die Frau seiner Träume oder irgendeiner anderen via Snapshot, Tinder, Dropirgendwas oder ähnliches schickt.

Die schaut dann nichtsahnend auf ihr Phone und sieht das also. Und erschrickt natürlich. Ganz klar! Die Erektion war schon immer auch ein Machtinstrument.

Historisches dick pic: dick und stick gehören schon immer zusammen – Gigantisches Scharrbild in England

Die junge Dame, die den Artikel geschrieben hat, sagt auch, daß besonders das erste Bild ihr nicht aus dem Kopf gehe und ihr Sexualleben nachhaltig beeinträchtigt habe. Sie ist, mit anderen Worten, traumatisiert. Daß sie das meine – man ist ja auch nur ein Mensch – mit dieser Mitteilung beeinträchtigt haben könnte, das kommt ihr nicht in den Sinn.

Jedenfalls ist das ein Massenphänomen und sogar die Wissenschaft hat sich schon damit beschäftigt und herausgefunden, daß mehr als jede zweite Frau unter 50 schon mal sowas bekommen hat – was übrigens, zu recht, finde ich, strafbar ist.

Nun weiß ich nicht, ob hier mehr als zwei Frauen unter 50 Jahren mitlesen, aber sollte das der Fall sein, dann müßte die eine – statistisch gesehen (Sie wissen, Statistik ist, wenn zwei Männer zwei Hühner essen) – solche Bilder auf ihrem Handy haben. Ich wäre für Feedback dankbar, allein schon um zu erfahren, ob diese Zahlen stimmig sein können. (TäterInnen dürfen sich übrigens auch outen.)

Die junge Frau, die sich in der HuffPost sonst um dies und das kümmert, aber regelmäßig,  war so nett, auch ihr Instagramm-Profil zu verlinken:

Dort nennt sie sich „tschuggi“ – neiiis –, und schreibt u.a.:

I spent all year dressing slutty and scaring kids. I don’t see what the big deal about Halloween is.

Da ich nicht weiß, welche rechtlichen Folgen eine Wiedergabe von Bildern haben könnte, möchte ich hier nur verlinken – falls das jemand wirklich sehen will. Gleich das erste Bild ist doch recht lustig, oder?:

Also, wenn ich ein Mann wäre – noch nicht lachen, der Witz geht noch weiter – wenn ich also ein Mann wäre, der dick pics zu versenden für notwendig erachtete, dann, liebe tschuggi, würde eine Frau wie Du, ich meine wie Sie, mir auch irgendwie in den Sinn kommen.

Leider steht da keine Nummer.

9 Gedanken zu “Dick Pics

  1. gurriguh schreibt:

    Ich gehöre in die Altersgruppe, besitze auch ein Smartphone, das auch recht intensive Verwendung findet, u.a. um diesen Kommentar zu „posten“, aber verderbe dennoch die Statistik : Weder „dick pic“ erhalten noch „was auch immer- pic“ versendet.
    Aber davon gehört hab ich schon, recht unappetitliche und befremdliche Sachen (zählt aber nicht, oder?), ähnlich wie Fauxelle.

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  2. Stevanovic, Stevan schreibt:

    Meine Töchter haben die ersten mit 13 bekommen, einige Wochen nachdem sie ein Mobiltelefon hatten. Ich weiß nicht, ob es sich um authentische Aufnahmen handelte oder weitergeleitete Bilder. Einem habe ich geantwortet, dass er sich gerne bei mir melden kann, wenn er harten Sex will. Bis dahin muss er mit der Klassenlehrerin vorliebnehmen, die ich informiert habe. Ich war bei dem Gespräch leider nicht dabei. Allerdings habe ich die Lehrerin gebeten, das Thema in der Klasse anzusprechen, den konkreten Jungen ins Gebet zu nehmen, aber keine offiziellen Sanktionen folgen zu lassen. Jugendliche machen dumme Sachen mit Dingen, die ihnen zur Verfügung stehen und Mobiltelefone verleiten zu so einigem. Man muss die Kinder erziehen, da führt kein Weg dran vorbei. Zuerst wollte ich es auch nicht glauben, aber ja, dickpics waren trendy. Zumindest in der Klasse meiner Tochter sind sie schon längst wieder out. Jetzt fragen Jungs nach Bildern nackter Füße…verbuchen wir es als steigende Lernkurve.

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  3. Mag sein, daß auch der Name der Autorin zu geiwssen, sicherlich unlustigen Späßen animieren mag. Drollig auch, daß sie bei der Huffpo als „Autor“ geführt wird,aber das Problem überlassen wir doch mal gern den SJWs.
    Die Verlinkung zum angegebenen Instagram-Profil kann ich nicht finden, auch scheinen mir die beiden Damen doch recht unterschiedlich zu sein. Solange das unklar ist, schicke ich kein Foto raus.

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    • @ Kurt Droffe: Schauen Sie mal hier, bißchen runterscrollen bis Artikel: „Junge Menschen haben keinen Bock mehr zu telefonieren – und das ist gut so!“ https://www.huffingtonpost.de/author/julia-nageler/3/
      Identität gesichert. Instagram im Text verlinkt und funktioniert: https://www.instagram.com/tschuggi/?hl=en

      @ an alle: Vielen Dank! Die Sache scheint bestätigt, wenn ich auch noch nicht an die 50% glauben will, die ja als Empfänger und Sender unterstellt werden. Es lohnt sich also einmal mehr, auf diese Technik zu verzichten oder doch wenigstens sehr sparsam damit umzugehen.

      Umgekehrt, liebe Leser, haben Sie soeben begreifen können, daß Sie hier einem Höhlenmenschen folgen, der vom modernen Leben keine Ahnung hat – und das beibehalten wird.

      Was nicht davon entläßt, es zumindest in der Theorie zu behandeln. Daher @ gurriguh lassen Sie uns von den „unappetitlichen Sachen“ wissen. Man kann es ja machen wie Trump beim Kashoggi-Tonband.

      Verstehe auch, daß „man“ @Stefanie lieber Tee trinkt. Vor allem, so scheint mir, ist auch das alles Anzeichen einer sich allmählich zersetzenden Gesellschaft, in der das Gefühl für den anderen verloren geht. Empathie als Wert wird nicht mehr begriffen, einerseits, und andererseits laufe ich durch die Stadt und denke: jeder Zweite …?

      Klar, @Stevanovic, Stevan, die Burschen müssen erzogen werden. Aber der Schaden ist getan, das Bild im Kopf. Das ist die eigentliche Gefahr der Bilder-Welt. Manche reagieren dann mit einer Gehirnwäsche, indem sie das verstörende Bild in Millionen anderen vielleicht noch verstörenderen ertrinken und ausspülen.

      Und, @ Till Schneider, was will das Weib? Nietzsche – das müssen wir einsehen – dürfte geirrt haben. Hatten Sie nicht mal Weininger erwähnt? Ich wette, der würde heute vielleicht auch dick pics versenden.

      Aber zumindest über diese Frau läßt sich einiges erschließen, finde ich. Allein schon die Anmaßung, die eingebildete, in einer Zeitung mit nahezu Millionenleserschaft, einen Brief an „alle Männer, die mir ein Penis-Foto schicken“ (Präsens!) zu schreiben, läßt, bei aller Empörung, doch auch ein gerüttelt Maß an weiblichem „Stolz“ vermuten, im Konkurrenzkampf ….

      Wie war das eigentlich früher mit den typischen Kreide-dick-pics an jeder zweiten Mauer? Hat das jemanden gestört?

      Im Übrigen begegnen einem – auch ohne Handy – heutigentags allerorten auch (von Frauen präsentierte) Pussys, Vaginen, Mösen und sogar „Votzen“ (ich schreibe das aus ästhetischen Gründen – konservativ, wie ich bin – mit „V“) … und keiner regt sich auf oder wird psychisch geschädigt, wie es scheint – aber möglicherweise zum Respektverlust dem anderen Geschlecht gegenüber beiträgt und einfachere Geister dazu animiert, sich frei und grenzüberschreitend zu verhalten.

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      • Stevanovic, Stevan schreibt:

        „Aber zumindest über diese Frau läßt sich einiges erschließen, finde ich.“

        Dieser Artikel zielt darauf ab, dem Publikum zu bestätigen, dass die Dame tatsächlich begehrt wird. Es geht nicht um das, naja, Ding an sich, sie bestätigt, dass sie Aufmerksamkeit bekommt und Aufmerksamkeit ist bei Jugendlichen die härteste Währung. Gerade weil sie dickpicks bekommt, zählt sie zu den coolen kids. Das Muster findet sich auf allen Mädchenkanälen. Sie kommerzialisiert ihr Intimes, und ja, das läßt auf einiges schließen. Man muss es den Kindern erklären und es beim Namen nennen. Von den Gesprächen über dieses Thema habe ein größeres Trauma, als die Mädels von den dickpicks.

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  4. Stefanie schreibt:

    Ich muß Ihre Statistik leider bestätigen. Auch wenn es kein leibhaftiges Mannsbild war, daß mich mit solchen Frivolitäten belästigte, sondern ein Algorhytmus, der mich zunächst unter einem anderen Vorwand auf Bento.de lockte, um mich dann mit dieser eigenwilligen Interpretation von Kaffe Latte zu belästigen:

    https://www.bento.de/haha/dicklatte-dieser-instagram-account-zeigt-penisse-in-kaffees-a-00000000-0003-0001-0000-000001272083

    Ob dieses Ereignis Spuren hinterlassen hat? – Nun, ich glaube, ich trinke in letzter Zeit mehr Tee.

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  5. Till Schneider schreibt:

    Ich weiß nicht, wie ich als Frau auf Dick pics reagieren würde, und als Mann habe ich leider noch keine bekommen. Dafür habe ich mich jetzt schon durch mehrere Facebook-, Instagram- etc. Bildergalerien von jungen Frauen durchgearbeitet (zuletzt die von „Tschuggi“ – danke für den wertvollen Link), und nach diesen einschneidenden Erlebnissen halte ich die Freud-Frage „Was will das Weib?“ endgültig für beantwortet.

    … ach so, ich kann sowieso keine Dick pics bekommen. Ich habe ja nur ein altes Nokia, wie fauxelle. Och. (@fauxelle: Jetzt weiß ich, wer Sie sind, ich hab Sie einfach mal gegoogelt. Schön! Wir hatten sogar schon ein heiteres Kurzgespräch am Buchmessen-Samstagnachmittag bei TUMULT, mit Böckelmann und noch einem …)

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  6. Pérégrinateur schreibt:

    Die beste Einführung in so manche Verrücktheit unsere Zeit für etwaige Chronoreisende aus dem seit langem abgelaufenen Zeitalter der Vernunft bieten die Filme von Luis Buñuel. Hierzu etwa der Film „Das Gespenst der Freiheit“ und darin die Szenen ums Thema der Bilder, die das kleine Mädchen von einem Unbekannten im Park zugesteckt bekommen hat. („Das darfst du aber keinesfalls den Erwachsenen zeigen, nur deinen Freundinnen!“) Mehr sage ich dazu nicht, es muss ja schließlich eine Spannung bleiben …

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  7. Ich verderbe wieder die Statistik, da ich zwar in die Altersgruppe falle und eine Frau bin, aber kein Smartphone besitze, mein altes Nokia kennt nicht einmal mehr als vier Gesichter 🙂 😦 😮 :-/, geschweige denn menschliche Unterleiber. Die Existenz von dick pics wurde mir erst geläufig, als mein eines Kind von einem Schulworkshop zum Thema „Cybermobbing“ zurückkehrte und einiges zu berichten wußte. Die meisten seiner dreizehnjährigen Schulkollegen hätten schon mal Pornos gesehen. Daß das verboten wäre, auch, dieselben zu verschicken, war ihnen unbekannt. Der Polizist hat also recht daran getan, sie aufzuklären – über die österreichischen Gesetze, alles andere wußten sie schon. Das Thema Traumatisierung steht auf einem anderen Blatt.

    Seidwalk: Vielen Dank! Dann warten wir auf die Zweitstimme.

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