Deutsch oder nicht

Gespräch mit einer ungarischen Bekannten.

Deren Schwester lebt nebst Ehemann und zwei Kindern seit 15 Jahren in München. Beide arbeiten dort und haben sich im Schul- und Erziehungswesen weiterqualifiziert. Lehrer, Erzieher. Gute Jobs, Wohnung, die Kinder am Gymnasium, eines hat gerade Abitur gemacht.

Und nun wollen sie zurück. Vor Kurzem hatten sie noch die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Eine Wohnung in Budapest wurde gekauft. Dort will die Tochter nun studieren.

Aber warum wollen sie zurück? Nun, Deutschland habe sich verändert. Die Stimmung ist nicht mehr so gut wie einst. Und dann hat der Sohn plötzlich Probleme in der Schule. Er trägt einen dieser für deutsche Zungen unaussprechlichen ungarischen Vornamen und wird in der Schule deswegen gehänselt. Zu Hause macht er den Eltern Vorwürfe, warum sie ihn nicht Peter oder Pál genannt haben.

Ich wundere mich: München? In München wird ein Kind ungarischer Eltern, das vollkommen deutsch sozialisiert ist, als Ausländer gemobbt? Im linken, grünen München?

Sie, die Bekannte, weiß nicht zu sagen, wer die Mitschüler sind, welchen sozialen oder kulturellen Hintergrund sie haben – aber das ist die Lage.

Ist das ein neues Phänomen?, frage ich. Natürlich ist das neu – das gibt es erst seit der Flüchtlingskrise. Zuvor hat das niemanden interessiert, wo einer herkam, aber mit einem Male wurde es wieder wichtig, ob man Deutscher oder Nichtdeutscher sei.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.