Vielfalt am Berg

Outdoor-Hersteller entschuldigt sich für zu viele weiße Models“, tituliert die „Junge Freiheit“ einen heutigen Artikel. In einem Offenen Brief – den man hier einsehen kann – entschuldigt sich der Hauptgeschäftsführer eines kanadischen Unternehmens für die Abwesenheit ethnischer Vielfalt in der Werbung:
„The truth is that we haven’t represented the diversity of Canadians or of our 5 million members.“

Wir kennen die wahre Wahrheit nicht, wir wissen nicht, wieviele Millionen der fünf Millionen tatsächlich „people of colour“ sind. Man kann freilich den berühmten Google-Bilder-Test machen: Trekking, Hiking, Mountainbiking, Wandern, Bergsteigen … weiß, weiß, weiß und weiß – weißer wird’s nicht. Auch berühmte Bergsteiger sind gewöhnlich weiß, wenn man einen Sherpa ignoriert (die natürlich viel besser sind!). Und selbst die Suche „berühmte schwarze Bergsteiger“ ist monochromatisch. Der erste schwarze Bergsteiger, der weiter unten auftaucht, ist Mohammed Ali. Aha – auch Muslime steigen also auf hohe Berge … wir wissen, was dabei rauskommt.

Man darf also skeptisch sein, daß paritätische Buntheit die Realität abbildet. Aber darum geht es natürlich nicht, das wissen wir alle, damit muß man keine Zeit mehr verschwenden. Oder man hängt einer gewissen Verschwörungstheorie namens „Rassismus“ und „Benachteiligung“ an, wonach „Menschen von Farbe“ der Zugang zu Wald und Berg und zu den sozialen Medien versperrt wird, sie also entweder tatsächlich nicht dahin dürfen oder wenigstens kein Material ins Netz zu stellen wagen …Bullocks!

Immerhin werde ich sofort sensibilisiert. Auf dem Abendbrottisch liegt der neue Stapel an Werbeprospekten, die man uns trotz Hinweisschild hartnäckig in den Briefkasten steckt. Sie dienen immerhin dem Vokabellernen.

Wie sieht es nun also in Ungarn mit der Vielfalt aus? Drei Kataloge zeigen Menschen. Und: Schreck in der Abendstunde! Nicht nur weiß, nein, auch noch blond! This does not represent the diversity of the 9 million Hungarians – zwei Drittel Dunkelhaarige werden diskriminiert und zur Blondwerdung aufgefordert.

„Pepco“ zeigt neben einigen Kindern auch sechs leckere blonde Frauen, nur zwei dunkelblonde – Hautfarbe weiß.

© Pepco

„Kik“ ähnlich: von 23 Personenabbildungen haben ganze sechs dunkleres – Haar. Drei Mal davon eine vollschlanke – sagt man das noch? – Brünette, eine Mutter mit farbgleichem Kind und – siehe da – ein Mädchen mit asiatischen Zügen. So dürften die Ungarn vor 1000 Jahren mal ausgesehen haben.

© Kik

Selbst der deutsche Marktriese „Aldi“ achtet auf den spezifischen Landesgeschmack: Bis auf eine junge Frau – die im Blaumann lächelnd Nägel in die Wand bohrt und fast maskuline Züge hat – sind alle Frauen blond, schlank und gut als Monatsendfigur geeignet. Nur in der Mitte übt ein dunkelhäutigerer junger Mann seine Bauchmuskeln.

Das Gerät dazu – Húzódzkodorúd –, ein Universalgerät zum Klimmziehen am Türrahmen und Rumpfheben, kostet 3999 Forint.

5 Gedanken zu “Vielfalt am Berg

  1. Till Schneider schreibt:

    Ich habe gerade den aktuellen IKEA-Katalog hervorgeholt und muss sagen: Ich bin sehr enttäuscht. Erstens sind nur sehr wenige –> Menschen darin abgebildet, und zweitens: viel zu wenige mit nicht-weißer Hautfarbe. Das habe ich von früher völlig anders in Erinnerung. Noch vor wenigen Jahren hat IKEA, dieses doch wahrhaft multikulturell aufgestellte Vorzeige-Unternehmen, prachtvolle Werbefotos gebracht, auf denen bis zu fünf verschiedene Hautfarb*innen gemeinsam um einen einzigen IKEA-Tisch versammelt saßen und jede Menge Spaß miteinander hatten. Ja, es konnte nicht der geringste Zweifel bestehen, dass die abgebildeten Werbenden ihr ungewöhnlich hohes Maß an Lebensfreude aus nichts anderem beziehen als aus ebendieser –> Vielfalt selbst. Heute dagegen fehlen im IKEA-Katalog solche kulturvereinigenden Muster-Tableaux zur Gänze. Ich weiß überhaupt nicht mehr, woran ich mich noch orientieren soll. Und das im Spätjahr 2018, wohlgemerkt. Als ob die Welt inzwischen weniger divers geworden wäre! Da lachen ja die Hühnerinnen und Hähne.

    Eine Nagelbohrmaschine für Frauen ist in dem Katalog auch nicht zu entdecken, obwohl – und das muss man sich mitleidlos klar machen – ein führender Möbelhersteller die moralische Pflicht hat, gerade seinen weiblichen Frauen-Kundinnen das selbständige Zusammenbauen bzw. Applizieren seiner Produkte so leicht wie möglich zu machen, ergo diese Frauen nicht wieder in die –> Abhängigkeit vom Mann zurückzutreiben. Was soll das? Will IKEA die Uhr zurückdrehen, gar den Feminismus in Gefahr bringen? Bisher sah es nicht so aus, und daher ist diese Entwicklung umso bedenklicher.

    Die Nagelbohrmaschine mit veganem und glutenfreiem Gehäuse, vollgekapseltem Motor und AdBlue-Tank kauft die seelisch robustere Frau übrigens am besten mit blauem Gehäuse. Dadurch entgeht sie der –> sexistischen Preisfalle, d.h. dem verdoppelten Preis für die Frauen-Ausführung in rosa. Aber wie gesagt, man muss es sich seelisch leisten können, und wenn nicht, muss man sich eben die rosa Maschine leisten können – tertium non datur. (Auch das ein Skandal, mit dem schnellstens aufgeräumt werden muss, aber noch regiert die SPD nicht überall. Insofern ist noch Luft nach oben.)

    Pérégrinatuer: Nur eine kleine Korrektur in Sachen Gender. Es muss natürlich richtig heißen: Da lachen ja die hennahaarfarbenen Hahninnen und die ihnen beifällig zuhörenden, hünenhaften Henner.

    Das wiederum erinnert mich an kniegelenkverletzte Habexinnen und bockschießende Stromspeicherbaeren; aber zu diesen selbst fällt mir dann gar nichts mehr ein, da geht es mir wie einst Karl Kraus.

    Till Schneider: Ich wiederum dachte nach dem Abschicken meines „Posts“: Hm, es muss vielleicht doch Hühner und Hähn*innen heißen, denn das Weibliche steckt nach Otto Weininger in uns allen, also auch in den Hähnen. (Achtung, beliebtes Missverständnis: Weiningers „M“ und „W“ sind KEINE real existierenden Lebensformen, sondern platonische Ideen zu rein theoretischen Zwecken! Reale Kreaturen sind dagegen immer M/W-gemischt, also prinzipiell bunt – so wie die übrige Realität. Wie denn auch sonst.)

    Ad 2: Sie meinten sicher den –> stromspeichernden Bockbär, und zu dieser neu evolvierten Gattung fällt mir immerhin ein, dass sie unverzichtbar ist und daher unbedingt schützenswert. Da bin ich Karl Kraus ausnahmsweise einen Schritt voraus, aber was wusste der schon von der Bedeutung der Stromspeicherung! Konnte er ja gar nicht.

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  2. Stefanie schreibt:

    Nicht nur im fernen Kanada, sondern gleich um die Ecke in Erdmannsdorf, pflegt man durch aufdringliche Werbung reaktionäre Ansichten unters Volk (pardon) zu bringen- da kann eine Rüge vom Werberat nicht ausbleiben:

    https://www.freiepresse.de/mittelsachsen/floeha/der-steiss-des-anstosses-artikel10340036

    Werbung guckt sich natürlich keiner an und natürlich wird auch keiner von ihr in seinen Kaufentscheidungen oder sonst irgendwie beeinflußt. Deswegen scheint sich in der Werbebranche durchgesetzt zu haben, daß man die Botschaft am Bewußsein vorbei schmuggeln muß, gerade weil sie bewußt meist ignoriert wird. Das ganze passiert natürlich zielgruppenorientiert – es wäre ja ökonomischer Unsinn, Leute ansprechen zu wollen, die sich größtenteils für den Innenausbau unterhalb der Fliesen gar nicht weiter interessieren. Wenn es dann um den Fußbodenbelag, die Teppiche oder das Parkett geht, tauchen signifikant mehr kleine Kinder oder Haustiere bei der Werbung auf – vielleicht enscheidet hier eine andere Zielgruppe über den Kauf. Auch bei den ganzen Spendenaufrufen irgenwelcher Wohltäter dominiert das Kindchenschema auf den Anzeigen. Es liegt nahe zu vermuten, daß auch hier die bewußte, rationale Entscheidung der angesprochenen Klientel umgangen werden soll. Aber wer vom Werberat würde sich schon dafür einsetzen kulleräugige Kinderbilder und niedliche Tierbabys aus der Werbung zu verbannen?

    PS: Ich selbst besitze einen Akkubohrer (zum Schrauben eindrehen), einen Tacker (für Krampen und dünne Nägel) und eine Bohrmachine für Löcher, um z.B. Dübel in die Wand zu bekommen. An dieser spezielen ungarischen Entwicklung -der Nagelbohrmaschine (speziell der femininen Ausführung)- wäre ich sehr interessiert, ich klopfe die Dinger nämlich immer krumm.

    Vielleicht noch als Ergänzung:

    https://www.publicomag.com/2018/10/zeller-der-woche-40/

    Pérégrinateur: Bei Paaren werden die meisten Kaufentscheidungen von den Frauen getroffen, es ist von 80 % die Rede. Ein Wohnungsmakler hat mir da einst haarsträubende Beispiele genannt. Etwa ein Paar, das alle guten und günstigen Angebote ablehnte, um dann ein grottenschlechtes Objekt viel zu teuer zu kaufen. Die Mutter der Frau wohnte dort eine Straße weiter, was aber nie als Motiv genannt wurde. Evolutionär vermutlich die richtige Strategie – es wurde nachgewiesen, dass historisch die Kindersterblichkeit im Falle der Kollokation mit der Großmutter mütterlicherseits geringer war – aber eben in dem Fall ohne irgendeine Beteiligung der Großhirnrunde.

    Zu den Nägeln/Stiften: Erst nur sachte hämmern, bis sie richtungsstabil sitzen, und dann erst kräftig. Die nötige sichere Hammerführung parallel zur Nagelrichtung erwirbt man nur durch Erfahrung und Übung, dem nur gelegentlichen Klopfer ist der Hammer im Grunde immer zu schwer, nach der ersten Sehnenscheidenentzündung ist die Fertigkeit dann da. Ich konnte das mal nach einem Ferienjobs recht gut, 5-cm-Nägel mit zwei Schlägen sicher einzutreiben: Schläglein – sitzt. Schlag – ist drin. Und das über acht Stunden mehrere Tage lang. Wenn man dabei keine Vervollkommung anstrebt, wird man nämlich ob der monotonen Arbeit verrückt.

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  3. Pérégrinateur schreibt:

    In Deutschland sind sogar die Niederschläge während dreier Monate rassistisch; da müsste man endlich mal duchgreifen, um für eine diskriminierungsfreie Schneefarbe in den Medien zu sorgen. Weiße Schneeflöckchen sind nur ein gesellschaftliches Konstrukt.

    Michael B.: Schneefloeckchen selbst leider nicht:

    http://www.patcondell.net/welcome-to-progressive-utopia/

    Siehe uebrigens die Informationen zensierte Videos ebenfalls unter diesem Link. Viele davon Klassiker. Ich war eine Weile nicht auf seiner Seite, das sind neue Entwicklungen.

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  4. Giuseppe Bottazzi schreibt:

    @seidwalk:

    „… Selbst der deutsche Marktriese „Aldi“ achtet auf den spezifischen Landesgeschmack: Bis auf eine junge Frau – die im Blaumann lächelnd Nägel in die Wand bohrt und fast maskuline Züge hat – sind alle Frauen blond, schlank und gut als Monatsendfigur geeignet. …“

    Seidwalk: Mit einer Nagelbohrmaschine für Frauen natürlich!

    __________________________

    Verständnisfrage: Wie pflegt man denn (in Ungarn) lächelnd [sic!] Nägel in Wände zu bohren?

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Also eine Bohrmaschine mit veganem und glutenfreiem rosafarbenem Gehäuse, vollgekapseltem Motor und AdBlue-Tank – damit das in den Funken der Schleifkontakte entstehende NOx der Benutzerin nicht die Alveolen verätzt – und empörenderweise mindestens doppelt so hohem Preis. Überall, wo man auch hinschaut: Diskriminierung der ‘statutory minorities’!

      Ich würde ja nicht einmal so eine Bohrmaschine haben wollen, schließlich steckt da „Bohr“ drin, also Atommodell, also Atom, also Radioaktivität. Selbst wenn man sie nicht in Betrieb nimmt, sondern sie nur achtlos herumliegen lässt, stirbt man irgendwann jämmerlich an Leukämie. Zum Glück hat mich eine Bekannte davor gewarnt, deren Schwester hat das von einer Hausgeburten durchführenden Hebamme erfahren, die ihrerseits mit einer MTA bekannt ist, die mal bei einem Röntgenarzt gearbeitet hat.

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