Kubik’s Coup

Es hat, wie geheimdienstliche Quellen uns zutragen, unter der Seidwalk-Leserschaft eine gewisse Irritation im Falle der neuerlichen Kubitschek-Affären gegeben. Was ist geschehen? Wie ist das Geschehen weltgeschichtlich einzuordnen und: Sind meine Einlagen noch sicher?

Man könnte, um all diese Fragen zu klären, die von Kubitscheks Handlangern selbst verfaßte Pressedokumentation zu Rate ziehen, aber vertrauenswürdige Quellen legen uns nahe, davon Abstand zu nehmen, denn Kubitschek ist ein notorischer Lügner. Daß er – so das unschlagbare Argument – die Presse mittels einer Lüge an der Nase herumgeführt hat, um sie an der Nase herumzuführen, zeichnet ihn als Nasen-Führer aus …

Diese stringente Argumentation nutzt etwa Matthias Kamann in der „Welt“. Kamann besetzt  seit drei oder vier Jahren die dortige Planstelle als Berufshasser der AfD. Seine Aufgabe besteht darin, kein gutes Wort an dieser fragwürdigen Partei zu lassen und die Leser der „Welt“, die demographisch betrachtet aus 90% weißen, weißhaarigen Sachsen und anderen Ostdeutschen zu bestehen scheinen, hochgradig zu verärgern, was sich immer wieder in sehr lesenswerten Kommentarspalten- und Spaltungen ausdrückt.

© „Welt“ – repräsentatives Stimmungsbild nach einem Posener-Artikel

Kurz, Kamann ist der Marc Pitzke oder der Veit Medick der „Welt“, also das Spiegel-Bild jener Starkommentatoren, deren Lebensaufgabe darin besteht, uns davon zu überzeugen, daß Trump ein Vollidiot ist und über just diese Affäre unbedingt stolpern wird, zumindest aber am Ende ist … und irgendwann werden sie Recht behalten haben und dann Preise für Frieden und Versöhnung einheimsen.

Zurück zu Kubitschek und seinen Affären (hoho, aufgepaßt, Herr Kamann!).

Bereits am Abend vor der Eröffnung der Buchmesse in Frankfurt lancierte der FAZ-Journalist Justus Bender, sichtlich erregt, geheimnisvolle Nachrichten, die auch mir den Schlaf raubten.

Am Morgen dann der Text in der „FAZ“, schön hinter Bezahlschranke – denn right sells und schafft offensichtlich auch Arbeitsplätze. Demnach habe Kubitschek seinen berühmt-berüchtigten Antaios-Verlag verkauft und zwar mit sofortiger Wirkung an den Loci-Verlag. Dessen Eigentümer ist der Zahnarzt und Implantologe Thomas Veigel. Ein Name wie aus dem Nichts, den nur hardcore-Leser von „eigentümlich frei“ als Kommentator und bedauerliche Menschen mit absolutem Gedächtnis, wie „Maiordomus“, als Klein-Zuträger der „Sezession“ hätten zuordnen können …, wenn sie ruhigen Blutes geblieben wären.

Der „Loci-Verlag“ konnte sogleich mit einer Internetpräsenz aufwarten und hatte sich auch bereits auf der Frankfurter Messe einen zentralen Stand gesichert. Dort tauchte dann Ellen Kositza auf, die als „Programmleiterin“ des neuen Verlages für die programmatische Kontinuität sorgen sollte und inszenierte sich im Stile längst verblaßter Schönheiten des film noire.

Im Programm selbst waren bereits vier Bücher aufgenommen, worunter die „Homestory. Selbstinszenierung als Strategie“ vielleicht besonders hervorstach.

Die Ankündigung lautet: „Sie kamen zur Selbstinszenierung wie die Jungfrau zum Kinde: K&K. Hier erfährt man die „ganze Geschichte“ und sämtliche Hintergründe aus Schnellroda: Warum werden die Ziegen, der Hahn und die Ganter gesiezt, sämtliche Hasen, Hennen, Entenfrauen aber geduzt? Was heißt das, die Katze sei „genderneutral“? Was treibt Kubitschek überhaupt in seiner Freizeit? Und warum müssen die hauseigenen Kinder erst gehäkelte und geklöppelte Werkstücke abliefern, bevor sie unter strenger Betreuung ein Buch lesen dürfen? Wie läuft das ab, wenn wöchentlich „der Ernstfall“ geprobt wird?
Dieses zauberhafte Buch ist eine pralle Sammlung an Lifehacks und intimen Einblicken in ein Leben „unter Beschuß“!

Stimmen zum Buch

„Das hätte ich nie gedacht. Diese Seite von K&K lag bislang völlig im Dunkeln.“ (Olaf S.)
„Hier entlarven sie sich eigenhändig. Wie geil ist das denn!“ (Jakob A.)
„Ich mußte weinen. Gespoilert wird nicht- ich sag nicht, warum!“ (Sibylle B.)“

Wie geil ist das denn? Saugeil! Wer das und all die vielen anderen subtilen ironischen Zeichen zu lesen wußte, dem hätte deutlich werden müssen, daß hier etwas nicht stimmt. Aber es war wohl zu viel Adrenalin im Spiel – bei den Unterstützern vor Schreck und Verunsicherung, bei den Gegnern vor Freude und Geifer. Vor allem Kubitscheks Ankündigung, von nun an als „Politischer Berater“ für AfDler und einige CDU-Politiker zu arbeiten, schloß viele Gehirne kurz. Da, endlich, war der lang ersehnte Zusammenhang! (Wenn es ihn nicht gäbe, müßte man ihn erfinden…)

Da saß sie also nun, die Ellen Kositza, mitten in der Messe und bald saß Kubitschek und manch anderer daneben und dabei hatte sich die Messeleitung doch einen so cleveren Trick ausgedacht, wie man die Aufmerksamkeit des letzten Jahres, den die „rechten Verlage“ bekommen hatten, dämpfen konnte. Man verbaute sie mit Hilfe einiger Trennwände an schwer zu erreichenden Ort, stellte sogar ein Warnschild auf – wer sie sehen wollte, der mußte wirklich wollen und sich also kenntlich machen. Wie die „Junge Freiheit“ berichtete, führte das tatsächlich zu massivem Publikumsverlust.

Kubitscheks und Kositzas Entscheidung hatte zumindest zweierlei erreicht. Eine gesteigerte mediale Aufmerksamkeit in einer Situation, in der man sie totschweigen wollte. Und man hat die mediale Maschine sich selbst auffressen lassen oder in den passenden Worten von Karl Marx: „Man muß jede Sphäre der deutschen Gesellschaft als die partie honteuse der deutschen Gesellschaft schildern, man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!“

Fazit: Die Welt dreht sich weiter. Kubitschek durfte ernüchternd lernen, daß die meisten seiner Follower ihn für fähig erachteten, CDU-Politberater zu werden. Wer bisher Antaios-Bücher gelesen hat, kann das weiterhin tun, und wer nicht, könnte damit beginnen. Kubitschek steht auch künftig für die Auswahl mit seinem guten Namen ein, Kositza wacht nach wie vor über die exzeptionelle Qualität innen und außen und: Ihre Einlagen sollten Sie wie immer regelmäßig wechseln.

PS: Und mir hat sich ein persönlicher Verdacht bestätigt: die beiden stecken – ganz im Gegenteil zum öffentlichen Bild – voller Humor und (Selbst)Ironie.

Siehe auch:

Die Wahrheit ist Nazi?

Kubitschek & Kositza

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2 Gedanken zu “Kubik’s Coup

  1. Till Schneider schreibt:

    Off-topic:

    Felix Hungaria! Orbán hat die Gender Studies aus den ungarischen Universitäten entfernt, wie ich soeben mit zweitägiger Verspätung lese. Man kann gegen Orbán bestimmt einiges sagen, aber da werde ich neidisch, so als immer noch in Deutschland Lebender. ScienceFiles hat die Sache recht schön aufgearbeitet:

    https://sciencefiles.org/2018/10/17/gender-desaster-das-grose-geheule-als-anfang-vom-ende/

    Gefällt 1 Person

  2. Pérégrinateur schreibt:

    Von GK gab es schon mehrfach Stellungnahmen auf der Verlagsseite, die eigene Einflussnahme weit über die aktuell bei den Benderistas luminosas der Republiksverteidigung schon bekannten Teile der Schnellrodaer Verschwörung hinausgingen. Seitdem ist mir klar, dass die allseits beklagte Fernsteuerung des kontestativen Meinungslagers in unserer Republik durch Putin nur ein Epiphänomen ist, durch diesen russischen Politzwerg, an dem die Naiven hängenbleibe. Putin selbst wird nämlich, wohl ohne es selbst zu wissen, seinerseits aus den Gemäuern einer gewissen Ritterburg heraus an Fäden geführt.

    EK stellte vor ich schätze zwei Jahren in einem Video-Clip das Buch „Der Weg der Männer“ vor- (Titel möglicherweise nicht ganz exakt, da aus dem Gedächtnis zitiert.) Im Filmchen sah man zwei kleine Töchter von ihr mit Kätzchen und Entchen spielen. Gegen Ende forderte sie diese auf, die Tiere wieder hinauszubringen, daraufhin hoben sie diese folgsam und vorsichtig in ein Körbchen. Von außerhalb des Bildes hörte man plötzlich Jungs reden, einer fragte nonchalant: „Mama, wann werden die eigentlich geschlachtet?“ Pikierte Antwort der eine steife Haltung annehmenden Mutter: „Jetzt! Nicht!“ Diese völlig zufällig mit aufgenommenen Kinderszenen, die mit dem Buchthema ja überhaupt nichts zu tun hatte, wurde später herausgeschnitten. Aber ich glaube nicht, dass die Zufälligkeit und Nichtpertinenz des Kinderspiels der Grund für den Nachschnitt war. Vielmehr ist man in Schnellroda wenn nicht politisch, so doch tiersentimentschützerisch sehr korrekt, weshalb ich eine Fernsteuerung von nicht nur GK/EK selbst, sondern eigentlich der gesamten deutschen Politik durch einen indischen jainistischen Fakir vermute. Anders kann ich mir etwa das selbstverletzende Programm der Grünen und Angegrünten überhaupt nicht erklären. Und da ich es mir anders nicht erklären kann, muss es logischerweise so sein. (Man sieht, begründungslogisch folge ich getrreu meinen Vorbildern in den Medien, weshalb ich noch viel mehr als überhaupt Recht habe.)

    Die Grünen praktizieren allerdings derzeit noch einen sehr reduzierten Jainismus. Von dessen fünf Grundsätzen

    1. Ahimsa (kein Töten und Verletzen von Lebewesen),
    2. Satya (keine falsche Rede),
    3. Asteya (nicht stehlen),
    4. Brahma (keine Unkeuschheit),
    5. Aparigraha (Armut)

    halten sie bisher nur die Grundsätze 1 und 3 ein. und auch die noch mit Einschränkungen. Denn die Verletzung von Polizisten zur Durchsetzung des Germanojainismus scheint zulässig oder doch zumindest eine mindere Übertretung zu sein, so wie auch der Diebstahl, sofern er denn kollektiv erfolgt, etwa durch inspirierte staatliche Autorität. (Siehe diverse Energiewende-Umlagen, GEZ, Transfereinkommen von feministischen Politkommissarinnen usw.) Manche Religionsforscher behaupten sogar eine noch eingeschränktere Observanz von Ahimsa bei ihnen, weil sich bei Umfragen ein weit größerer Teil der Bevölkerung als (bekanntlich fast durchweg germanojainiste) Veganer ausgibt, als die Verkaufszahlen veganer Kost überhaupt zu ernähren erlaubten.

    Dieses Argument ist allerdings böswillig und deshalb unschlüssig. Denn in einer Kultur, die bis vor Kurzem von einer vor allem Orthodoxie fordernden Religion geprägt war, wird die Orthopraxie der neuen dem schieren Bekenntnis der noch von der alten geprägten Anhänger stets nachlaufen. Diese Banalität könnte eigentlich jeder verstehen, denn schon Moliére hat das Thema erschöpfend behandelt: « Le ciel de vrai défend certains contentements, / Mais on trouve des accommodement. » (Frei übersetzt: „Der Himmel will uns zu Verzicht verpflichten, / Doch kann man sich’s vernünftig richten.“) Man sollte deshalb, sozusagen im Lichte des strahlenden Morgen, zumindest die auf dem Weg des vorgezeichneten Fortschritts wandelnden Mitmenschen immer nur nach dem beurteilen, was sie reden, und nicht nach dem, was sie tun. Dieses Prinzip ist in der medialen Öffentlichkeit zum Glück schon etabliert und wird es hoffentlich bald auch im Strafrecht sein.

    Gefällt 1 Person

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