Du, Ministerin!

Es ist nicht einfach, ein hämisches Grinsen zu vermeiden, wenn man manche Geschichte hört – man sollte es aber versuchen. Denn sie wissen (noch immer) nicht, was sie tun.

Da geht zum Beispiel Inger Støjberg, die „Taffe“ der dänischen Regierung, ihres Zeichens Ausländer- und Integrationsministerin, zusammen mit der Gleichstellungsministerin in einen islamischen Frauenverein und will ein bißchen aufklären. Gleichstellung und so. Die „Berlingske Tidende“ brachte die ganze Dramatik des Geschehens in einem Hinterzimmer in Bispebjerg, im nördlichen Kopenhagen, auf wunderbar naive Weise ans Tageslicht.

Man begrüßt sich, man klatscht, man freut sich und lächelt und man hört sich geduldig die Ministerinnen – die man hier duzt – an. Es geht an der Oberfläche um die Frau im Islam, in der Tiefe um die Frau in Dänemark.

Freiheit, Freiheit, Freiheit, ihr seid frei hier in Dänemark, das ist die Botschaft. Ja nun, und was sagen die Frauen in den Kopftüchern dazu?

„Du verstehst uns nicht, Ministerin.“ Die Wahrheit ist: die Frauen ertragen alles. Der Mann ist Versorger – was soll sie machen, wenn er geht? Und er hat das Recht auf die Kinder – wer will sie einfach verlieren um ein bißchen Freiheit willen? Und dann gilt euer Ehevertrag nicht, wir sind im Glauben vereint und wenn ich meinen Mann „verlasse“, dann nimmt er sich eine neue Frau und hat dann zwei.

Aber ist die Vielehe nicht verboten im freien Dänemark? Ja, schon, aber … Wer kennt Männer mit mehreren Frauen? Sechs oder acht Arme gehen hoch, berichtet die „Berlingske“.

Auch wir wissen, daß es in Deutschland viele Menschen geben muß, die verheiratet sind, ohne verheiratet zu sein, die vielleicht, sollten sie jemals einen Lebenslauf vorlegen oder ein Formular ausfüllen müssen, bei „Familienstand“ „verheiratet“ ankreuzen und die dann, wenn es um die Nachweisdokumente geht, allenfalls einen Notizzettel hervorholen, auf dem ein Imam auf Arabisch ein paar Rechte und Pflichten – meist monetärer Art – für Mann und Frau festgeschrieben hat.

Doch zurück nach Dänemark und der rührseligen Inger Støjberg. „Ist das ein generelles Problem“, fragt sie nach drei Jahren Erfahrung als Integrationsministerin, „daß die Männer mit dem Verlust der Kinder drohen?“ – „Ja“, kommt es unisono zurück, aber einige Männer akzeptieren die Scheidung auch, wenn sie nach islamischem Recht geschieht und sie wenigstens die Vormundschaft über die Kinder behalten.

Nach dänischem Recht könnten die Frauen sich auch scheiden lassen, beharrt die Ministerin. Aber die Imame scheiden uns nicht, sagen die Frauen und manch eine läuft von einem zum anderen Imam, aber keiner ist dazu bereit … und so geht es noch eine ganze Weile hin und her.

Und dann bringt es endlich eine auf den Punkt: „Mit allem Respekt dafür, was du sagst, Ministerin. Aber Muslime sind gläubige Menschen; es muß also eine muslimische Scheidung sein, bevor wir uns frei fühlen können.“[1] – Und: „Das kannst du nicht verstehen“ – „Doch, das kann ich, aber wir können die dänische Gesellschaft doch nicht nach Imamen einrichten“ … Auch wieder wahr.

Eine Frau hat eine Lösung: „Könnten wir nicht das Recht bekommen, uns direkt bei euch Ministern über die Imame zu beschweren?“ – Nein, so wird das nichts …

Man kann sich die Schweißflecken gut vorstellen, als die Damen Ministerinnen den Raum verließen und der Presse Rede und Antwort standen: „Was heute zum Ausdruck kam, ist die Notwendigkeit der Veränderung im religiösen und kulturellen Zusammenhang. Es ist nicht einfach, das mit Gesetzen zu lösen.“[2] Ach ja, Politiker müßte man sein!

Machen wir es uns einfach: Solange der Islam sich nicht säkularisiert – wann ist damit zu rechnen? –, wird das islamische Recht für einen Großteil der Muslime über jeglichem weltlichen Recht stehen, wird es zu Konflikten kommen. Diese kann man so lange beherrschen, solange die Zahl der Muslime eine kritische Menge nicht überschreitet. Je mehr gläubige Muslime im Land, desto mehr auch juristische Parallelgesellschaften – die allseits bekannten „Friedensrichter“, die mittlerweile auch alle Deutsch sprechen, beweisen das. Ist die Säkularisierung zu erwarten? Nicht unmittelbar. Das kann dauern und die Überredungsarbeit der Ministerinnen muß fortgesetzt werden.

Vielleicht ist es aber auch besser, darüber nachzudenken, wie man solche Situationen in Zukunft – langfristig und prinzipiell – vermeiden kann. Es ist nämlich nicht ausgeschlossen, daß sich vor lauter Freiheit die Rollen eines Tages vertauschen könnten …

[1] »Med fuld respekt for, hvad du siger, minister. Men muslimer er troende, så vi skal have vores muslimske skilsmisse, før vi kan føle os frie.«
[2] »Det, der især kom til udtryk i dag, er den forandring, der er behov for i religiøs og kulturel sammenhæng. Det er ikke nemt at lovgive sig ud af.«

4 Gedanken zu “Du, Ministerin!

  1. Till Schneider schreibt:

    Die absolut offensichtliche Anspielung auf das SA-Lied raubt mir selbstverständlich den Atem, aber ich will eigentlich etwas anderes sagen: Danke für den Link zur Roth-Kissler-Friedrich-Gesprächsrunde. Die hatte ich wegen meines vermeintlich singulären Schulze-Video-Erlebnisses vorübergehend verdrängt. Jetzt weiß ich wieder: Die Grün_innen waren schon immer so. Frau Roth ist keinen Deut unbegabter als Frau Schulze. Solches anzunehmen war sehr ungerecht von mir.

    Was die Grundgesetz-Kenntnisse der Grün_innen und überhaupt aller Helldeutschen betrifft, heißt es ja immer mal wieder, die würden nur bis Paragraph 3 reichen. Sollte das stimmen, dann dürfte ihre Meisterung von 16a Abs. 2 kaum vor dem Jahr 2050 zu erwarten sein, so rein rechnerisch. Aber darauf kommt es nicht an, wie Sie zu Recht feststellen. Die „gefühlte Verfassung“ muss auf den berühmten Bierdeckel passen, und das tut sie bestimmt auch. Ich denke, wir werden es eines Tages fühlen können.

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  2. Till Schneider schreibt:

    „Ist die Säkularisierung zu erwarten? Nicht unmittelbar. Das kann dauern …“

    Sehr witzige Antwort, wobei ja schon die Frage ziemlich witzig war. Zu so was passt auch nur eine ultimativ witzige Lösung: „… und die Überredungsarbeit der Ministerinnen muß fortgesetzt werden.“

    Ich nehme an, die taffen dänischen Turbogleichstellerinnen haben sich bei dem Gespräch um eine betont sanfte, verständnisvolle Sprechweise bemüht, sonst wäre es kaum zu solchen netten Vertraulichkeiten gekommen wie „Du, Ministerin!“. Wenn ich mir dagegen vorstelle, die bayrische Grünen-Chefin Katharina Schulze müsste so ein Gespräch führen … das könnte richtig, richtig schwierig werden für die. Leider zwingt einen ja der bayrisch-gesamtdeutsche Wahlkampf, die Frau bundesweit zu erleben. Ich kann nur sagen, eine derart dummdreiste Geschwätzdampfwalze ist mir noch selten untergekommen. Dagegen ist das Geschrei von Nahles fast erholsam. Der folgende Zusammenschnitt hat aber auch inhaltlich einiges zu bieten, der ist wirklich interessant (allerdings auch sehr deprimierend):

    Die Leute merken, dass von Schulze nur Sprechblasen kommen, sie sprechen sie darauf an – und Schulze walzt sie einfach wieder platt. Übrigens habe ich irgendwo gelesen, die hätte Ambitionen auf – man wagt es kaum hinzuschreiben – das Innenministerium.

    Warum ich von den dänischen Turbogleichstellerinnen auf Schulze gekommen bin, liegt vermutlich daran, dass es sich um die beiden Extreme handelt: Hier das verständnisvolle Säuseln, besonders gegenüber bedrohten Minderheiten, und dort das hemmungslose Krakeelen, besonders gegenüber zahlenden Mehrheiten. Wobei das hemmungslose Krakeelen genauso sinn- und aussichtslos ist wie die dänische „Überredungsarbeit“. Das ist dann das Verbindende.

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    • Man muß Inger Støjberg wirklich vieles positiv anrechnen. Sie ist es, die in DK den neuen entschiedenen Ton in die Politik einbrachte und das als Venstre-Politikerin. Nach moderneren Definitionen – wie sie gestern auch von „fast einer Viertelmillion“ immer wieder herumgezeigt wurden – qualifiziert sie sich damit zum Nazi, nein, man darf da deutschlich werden: Sie ist Nazi! Und sie scheut nicht davor zurück, ihre Person für diese Rolle immer wieder tapfer herzugeben, sowohl gegen härteste Islamisten als auch gegen die linke Mainstream-Presse und natürlich auch gegen den politischen Gegner. Das macht dieses Treffen so besonders: Daß sie trotz ihrer Erfahrungen noch immer völlig naiv in so eine Situation schlittern kann.

      Was nun diese Blondine mit dem sympathischen Lächeln betrifft – da habe ich die Auseinandersetzung bisher gescheut. Es gibt bei Eco so eine Szene, wo ein junger Mann immer wieder an einem Fenster vorbei schleicht, weil im Zimmer, im Kerzenschein, eine Schöne sitzt und allabendlich ihr Haar kämmt. So geht das viele Monate. Sie wird sein Lebensinhalt. Aber irgendwann steht er ihr dann gegenüber und sie sagt nur einen Satz, der so dumm und vulgär ist, daß plötzlich alles für ihn zusammenbricht. Aber wenn sie mich schon zwingen, der Schönen zuzuhören – mich erinnert sie fatal an eine gewisse Rockband-Managerin. Der klassische Eco-Effekt.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Sie sind ein bisschen ungerecht. Die von Ihnen genannte ehemalige Rockbandmanagerin fördert heute erfolgreich die einheimische vegane Schreibwarenwirtschaft und hilft nebenbei auch noch ehrenamtlich beim Kabarett aus:

        Außerdem hat sie sich bei der Grundgesetzlektüre inzwischen das Vokabular des Artikels 1 selbständig erschlossen. Bis zur erfolgreichen Lektüre von Artikel 16a, Absatz 2 wird es wohl aber noch etwas dauern:

        https://www.youtube.com/watch?v=J78MSbnCPqk (Ab etwa 2:00)

        Aber die gefühlte Verfassung ist ja auch wichtiger als die geschriebene.

        Heikel ist etwas anderes. Wieso musste diese Rockband unbedingt „Ton Steine Scherben“ genannt werden? Das ist doch ganz offenbar eine augenzwinkernde Anspielung auf ein von der SA gerne gesungenes Lied („Es zittern die morschen Knochen“) und stimmt mich wie jeden anderen Anfangswehrer bedenklich. Tagesspiegel, bitte übernehmen!

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