Letzte Heimat-Gedanken-Splitter

Özils Problem ist Charakterschwäche, Persönlichkeitsschwäche, Schwäche überhaupt. Ihm fehlt – nicht untypisch für diese Generation – ganz einfach der Wille. Er ist ein verfeinertes, verzärteltes Genie, dem es an Kraft fehlt, um wirklich groß zu sein. Um ein bedeutender Fußballer zu sein, muß man zuerst ein Mann sein.

Fußballerisch ist er auf der Höhe eines Rooney, aber wenn es um Energie geht, dann wäre er zu solch einer genialen Aktion wie Rooney – bald 34 Jahre alt – in der 95. Spielminute (ab 4:00) nicht in der Lage:

Özil kann seine Qualitäten nur ausspielen, wenn das System perfekt auf ihn zugeschnitten ist – das war in Madrid der Fall. Selbst bei Arsenal, in der kantigen, laufintensiven PL versagt er.  Rooney schneidet sich sein System selbst, er macht es für sich passend – Özil will alles vorgesetzt bekommen und schmollt, wenn es nicht klappt. Ein bedauernswerter Schwächling, auch von seiner gesellschaftlichen Rolle überfordert.

Die Medien melden vermehrt Badetode. Die Ursachen sind vielfältig. In der modernen Gesellschaft gehen zunehmend motorische Fähigkeiten und kulturelle Grunderrungenschaften verloren. Eltern delegieren Erziehungsaufgaben an andere. Bäder schließen oder verändern sich zu Fun-Gewässern, in denen das Schwimmen nicht mehr notwendig ist. Und der Anteil der Nichtschwimmer unter Menschen aus anderen Kulturkreisen scheint exorbitant hoch zu sein. Dabei dürfte es eine deutliche Ost-West und Land-Stadt-Verschiebung geben. Im Querfurter Freibad bestaunte ich eine Gruppe Kinder, vielleicht 5 bis 7 Jahre, die vollkommen selbstverständlich und ohne Aufsicht vom Sprungturm hopsten. Währenddessen schwamm ein kleines Mädchen unter Anleitung des Bademeisters die 25 Meter mit Hilfsstange. Als sie es geschafft hatte, applaudierten die umstehenden Badegäste spontan.

Riesiges Plakat in der Stadt, eine Stellenanzeige. Gesucht wird ein Sales Management Assistent. Also ein Verkäufer?

Old habits die hard: Vor mir läuft ein Paar mit Kinderwagen. Er schiebt. Sie im Kopftuch. Schneuzt sich die Nase und wirft das Taschentuch mit großer Selbstverständlichkeit auf den Gehweg. Warum stört mich das? Besonders! Klar: Struktureller Rassismus/Sexismus. Mein Fehltritt!

Geschäftsinhaber in der Innenstadt, vor drei Jahren begeistert, heute: „Wir sehen das ja jeden Tag vor dem Laden, was da passiert. Die Stadt hat sich so schnell verändert. Zum einen die Zuwanderer, aber auch die Plauener, die werden immer griesgrämiger. Was hier für Leute rumlaufen!“

Im Nachhinein klärt sich das Gespräch auf. Meiner Frau, auf dem Weg in dieses Geschäft, fiel eine lautstarke Gruppe junger Migranten auf, die an der sogenannten „Stadtgalerie“ – hat nichts mit Kunst, sondern mit Konsum zu tun – riefen und gestikulierten. Einer sagte immer wieder: „Das ist Nazi. Das ist Nazi“. Auf dem Rückweg, eine viertel Stunde später, dann eine große Menschenmenge vor der „Galerie“, Polizeiwagen, Blaulicht. Inzwischen hatte sich dort jene Szene abgespielt, die mittlerweile alle Medien erfaßt und Plauen in kurzer Zeit zum dritten Mal – immer aus den falschen Gründen – weltberühmt gemacht hat:

(Interessanter Nebeneffekt: Manuela Müller, vor nicht allzu langer Zeit eine örtliche Journalistin im Pro-Ton wird auffällig oft zu Problemen mit Migranten vorstellig, auch ihre Stimmlage hat sich deutlich geändert. Ihr geht es vermutlich, wie besagtem Ladeninhaber und vielen anderen Plauenern.)

Eine geschätzte Kollegin meiner Frau ist nicht mehr an der Schule. Sie ist nach Hessen verzogen. Ihr Ehemann ist Afrikaner, ihr Kind dunkelhäutig. Sie spielte schon lange mit dem Gedanken, weil die Leute hier schauten, ließ sich aber zum Verbleib überreden, denn ansonsten gefiel es ihr hier. Die Entscheidung fiel jedoch, als ihr Kind im Kindergarten von einem anderen Kind und dessen Mutter ob der Hautfarbe angegangen wurde.

In der Plauener Kult-Kneipe „Malzhaus“ kam es zu einer Massen-Schlägerei. Der „III. Weg“ stellt die Ereignisse als Konflikt zwischen Migranten und Deutschen dar. Mir erzählt ein jugendlicher Bekannter, der dabei war und einige der Teilnehmer persönlich kennt, daß es sich ausschließlich um deutsche Kombattanten gehandelt habe.

Vielleicht bin ich wirklich zu konservativ – oder naiv – für diese Welt. Um eine halbe Stunde Wartezeit zu überbrücken, schlendere ich durch das Thalia-Geschäft, der letzte Buchladen Plauens. Tags zuvor hatte ich mich noch mit der Inhaberin der „Buchhandlung Klüger“, die im Mai Konkurs machte, unterhalten. Nachdem die Stadt auch die Schul-Arbeitshefte an sich gerissen hat, das letzte dünne Standbein, gab sie auf. Im Rathaus ahnt man von diesen Zusammenhängen wohl noch nicht mal etwas, treibt das Geschäftesterben munter und dumpf weiter.

Jedenfalls interessiert mich eine Auslage zum Thema Biographie. Ich denke an Luther, Bismarck, Napoleon, Hitler von mir aus, Stalin, Jesus, Mohammed, Lincoln … was weiß ich. Es liegen aus: Otto Waalkes, Jan Frodeno, Gregor Gysi, Müller-Wohlfahrt, Bud Spencer, Veronika Fischer, Horst Lichter (wer ist denn das?) und noch ein paar in dieser Kategorie – allein eine Brigitte-Reimann-Biographie paßt noch vage in meine Vorstellung.

Plauens Überalterungsproblem macht sich besonders bedauerlich am FKK an der Talsperre Pöhl sichtbar.

In der Affäre um den Dresdner „Pöbler“ und die unterstellte Einschränkung der Pressefreiheit, trifft eine leicht vergiftete Aussage des Pressesprechers der Polizei einen wichtigen Punkt. Er sagt: „Ginzel hat eine wichtige Debatte zurück in die Öffentlichkeit geholt, die seit einigen Jahren geführt wird – woran man erkennen kann, dass auch die Einzelfälle am Ende ein Problem darstellen.“ Clever. Es wird auf den Widerspruch in der Berichterstattung hingewiesen. Wird ein Journalist ein paar Minuten länger kontrolliert – ein Einzelfall –, als ihm zweckdienlich erscheint, dann spricht man über systemische Unterwanderung der sächsischen Polizei; die tagtäglichen Verbrechen, die es ohne Grenzöffnung schlicht nicht gegeben hätte, die als systemisch erklärbar und statistisch notwendig sind, werden derweil weiterhin als Einzelfälle ignoriert oder als solche notiert, ohne die offensichtlichen Schlüsse zu ziehen.

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