Die Welt nach Harry Potter

Vor 20 Jahren erschien der erste Band der Harry-Potter-Reihe. Zu Zeiten seines größten Hypes hatte auch ich mir die Mühe gemacht – und eine solche war es – zumindest die ersten Bände zu lesen. Es entstand eine kleine Rezension, man darf auch von Verriß sprechen, der, so will es mir scheinen, noch immer Bestand hat:

Ein unscheinbares Buch unter Millionen, eine Erstauflage von 500, erschien 1997 – und rührte an den Schlaf der Welt. Wenige Jahre später schien die Welt kein anderes Buch mehr zu kennen. Ob in Buenos Aires oder Kapstadt, in Berlin oder London, in Moskau oder Miami … überall stürmten Kinder, oft verkleidet, die Kinos und Buchläden und machten die Saga vom Rattenfänger von Hameln zur Realgeschichte. In Erwachsenenkreisen zuckte man nur mit den Schultern und beruhigte sich mit der Floskel: „Na wenigstens lesen sie wieder“.

Was war geschehen, wie ließ sich der Erfolg beim Leser – nicht beim Käufer: das ist ein anderes Thema und müßte ökonomische, sozialpsychologische und weitergehendere Überlegungen einbeziehen – sich erklären und war er berechtigt? Wenigstens aber erklärbar?

Eine 35-Millionen-Auflage für ein Buch, 500 Millionen für alle, läßt sich so wenig kritisieren wie eine Flut oder eine Lawine. Was hunderte Millionen Menschen lesen, hat sich jenseits der Kritikgrenze angesiedelt; man kann nur noch erläutern, aber nicht mehr urteilen. Quantität schlug hier schon um in eine neue Qualität, in der freilich Qualität selbst schon keine tragende Rolle mehr spielt, sie ist kein Kriterium für Erfolg mehr. Ein solcher Triumph sagt von vornherein viel weniger über das Buch aus als über seine Zeit, in der ein solches Buch erst solch ein Triumph werden kann. Man muß sich fragen, ob man gegen die Begeisterung ganzer Völkerstämme und Generationen noch sinnvoll anschreiben darf.

Harry Potter heißt der Junge, der wie die vier Todesbomber das Gleichgewicht der Welt störte. Er wuchs bei Tante und Onkel, stiefmütterlich be-, nein mißhandelt, auf, schließlich wird er in eine Zauberschule berufen, denn er ist anders, er ist ein Zauberer. Und nicht irgendeiner, sondern derjenige, der der Macht des Bösen ins Angesicht zu schauen vermag. Das macht er denn auch; über viele mehr oder minder notwendige Zwischenstufen besiegt er die dunkle Macht, entreißt ihr den allesverheißenden „Stein der Weisen“ und rettet damit das, was er selbst wie ein Virus befallen hat: die ganze Welt.

Mehr muß man nicht wissen und schon hier wird deutlich, daß man das alles schon mal, hunderte Male, tausende Male gesehen, gelesen, gehört hat. Das bestätigt sich denn auch im Detail. Es handelt sich um ein Sammelsurium von Ideen aus Film, Comic, Literatur und Computerspielen: Eco, Schwarzenegger, Ende, Tolkien, der Zauberer von Oz, diverse Märchen, Psychoanalyse und Traumdeutung, Stoker, Odysseus, religiöse Mythen, Lewis Carroll u.v.m., dies alles ist – auch in dieser oder jeder anderen beliebigen Reihenfolge – in einen Topf geworfen, umgerührt – nicht gut genug, um die Bestandteile unidentifizierbar zu machen – und ausgegossen worden. Beliebigkeit ist oberstes Prinzip, insofern ist es ein negatives Paradebeispiel für Postmodernität.

Es finden sich wahllos zusammengewürfelt, aus verschiedenen Geschichten, Traditionen und Diskursen entlehnte Phantasiefiguren- und Gegenstände: Poltergeist, Zombie, Werwolf, Einhorn, Zentaur, Troll, Riese, Vampir, Drachen, Zauberspiegel, Stein der Weisen, Lebenselixier, ein Mantel, der unsichtbar macht usw. Anything goes, was irgendwie bunt, auffällig, aufregend sein könnte, kommt und geht: Erregung auf postmodern heißt Abwechslung, gnadenlos; ein Gang durch ein Fundbüro phantastischer Ideen und Geschichten. Und das dies nicht auf einem wirklichen Wissensfundament beruht, zeigt noch die undifferenzierte Aufzählung von „Famous Witches and Wizards“: Morgana neben Circe, Agrippa und Paracelsus neben Merlin und Ptolemäus neben Dumbledore – nur Unwissen kann das erträglich machen! Dies alles haben engagierte Kritiker schon längst ausfindig gemacht[1], aber es erklärt den Erfolg der Schwarte noch nicht ausreichend, zumal das Buch, sieht man von den ersten drei Kapiteln ab, die gar nicht von derselben Autorin zu sein scheinen, denkbar ärmlich geschrieben ist.

Die mangelnde literarische und sprachliche Qualität ist jedoch Bedingung für den Erfolg! Ein schriftstellerisches Meisterwerk hätte keine Chance auf Massenerfolg gehabt. weil es keine massenhafte Kompetenz (mehr) gibt, die die Merkmale wahrer Kunst noch entziffern könnte.

Aufgrund seiner Einlinigkeit läßt es jede wirkliche Substanz vermissen, es kann den anspruchslosen Leser überhaupt nur bei der Stange halten, indem es ununterbrochen neue kleine Spannungen und Konflikte erfindet. So hangelt sich die Autorin von einem Kampf zum anderen, ohne recht klar machen zu können, welche innere Funktion das jeweilige Ereignis  im Handlungsverlauf hat und das gipfelt schließlich in einem finalen Höhepunkt, der so hoch ist wie ein Kehrichthaufen am Ende eines langen Bürotages.

Sie reiht Bilder aneinander, tatsächlich wie im Film, deren inhaltliche Leere nur durch bombastische Effekte kaschiert werden, und bringt sie durch eine optische Täuschung zum Laufen. Vermutlich denkt sie in Filmbildern und selten ist ein Buch so anbieterisch, schon Drehbuch mitsamt special effects, wie dieses. Das ist ein an sich unabschließbarer Prozeß, zumindest kennt er kein internes Ende, und man kann Rowling dafür tadeln, den etwas geübteren Leser über 200 Seiten damit zu quälen, man kann sie aber auch loben, sich so kurz gefaßt zu haben – es gibt also starke Gründe, sich vor allem die vielhundertseitigen letzten Romane zu ersparen.

Doch, Spaß beiseite, verbirgt sich dahinter ein fundamentaleres Problem, insofern es ein Exempel für den neuen Gipfelpunkt unseres anthropologischen Selbstexperiments darstellt, sich permanent den eigenen Bildern auszusetzen und zu warten, was mit uns geschieht, ein Prozeß, der mit den Höhlenmalereien vor 30000 Jahren recht harmlos begann, aber nun seine destruktive Wirkung vollends zu zeigen scheint.

Wir sind, was wir gesehen, und wir sind, trotz aller Fülle, nicht reicher dadurch geworden, wenn der Bilderprozeß, besonders durch Film und Fernsehen, unseren internen Ideenhaushalt derart verändert, daß die Phantasie keine eigenen Bilder mehr zur Verfügung stellt, statt dessen nur noch Erinnerungsarbeit leistet und schon-mal-Gesehenes sich aufdringlich in den Vordergrund drängt. Dort, wo die Fabelwesen einst als künstlerische und spirituelle Akte erstanden, geschöpft wurden, im freien Raum der Imagination, basierend auf Empirie und Phantasie, dort herrscht heute Leere durch Überfülle. Kunstverständnis und Spiritualität geht Kadaverliteraten, die nun am Ende dieser Transformation stehen, vollends ab, obwohl sie ihre Schriftstücke mit unzähligen Kopien beschweren.

Als Buch ist es wie ein guter Schülerphantasieaufsatz: eine vornehmlich kindliche Phantasie, die sich auf der kindlichen Gegen-, der Leserseite möglicherweise entzückt wiedererkennt, treibt voran und voran und dann geschah das und dann dies und dann jenes … dann kommt der Troll und dann der Zaubermantel und dann der Zauberspiegel und dann der Drache und dann das Einhorn und dann der Zentaur und dann …

Ich hätte der Schülerin Rowling, sagen wir mal in der achten Klasse, darauf ohne Zweifel eine Eins gegeben, vielleicht sogar mit Sternchen. Dabei sind die Ideen, wie gesagt, alle geklaut, aber das mag man einem Schulaufsatz gern verzeihen. Rowlings eindimensionale Phantasie ist zwar reich – zahlreich – an Ideen, aber arm an Qualität. Das Aneinanderreihen von Bildsequenzen erreicht nur komplementäre Geister: eindimensionale, satte, aneinandergereihte und filmverseuchte Bilderphantasien depravierter und konditionierter Konsumentenhirne.

Vielleicht ist Harry Potter so etwas wie die angelesene und angeschaute Summe der Genreliteratur, deshalb auch so erfolgreich, weil er die besten Ideen der letzten Jahrzehnte moralisch vollkommen unbeschwert zitiert, dadurch schnelle Bildwechsel erreicht wie ein Videoclip, zum anderen von der bedrohlichen Last befreit, dies alles lesen zu müssen. Daß dies, der Meinung vieler Kinder nach, „das beste Buch aller Zeiten“ sei, ließe sich aus dieser mit Unkenntnis gepaarten Erlösung hinreichend erklären. Es ist daher auch falsch, anzunehmen, Harry Potter verleite endlich wieder zum Lesen, wenn man darunter das genuine Interesse auf andere Bücher versteht, denn soweit zu sehen ist, empfiehlt er nur sich selbst und seine Klone. Niemand wußte, was „man“ nach Harry Potter noch lesen sollte. Tatsächlich war der Triumph der Serie der Triumph des „Man“ – sie schlug alle Rekorde, weil „man“ es lesen mußte und deswegen löste es auch Begeisterung aus – eine sich seltsam selbstverstärkende Hysterie des „Man“.

Zudem schafft es für übersatte Kids, denen es ohnehin schon zu gut geht, eine neue Dimension des Begehrens, denn alles ist da drüben noch besser, noch vielfältiger, noch bunter und vor allem noch rasanter. Als Hagrid Harry in das Traumland führt, da machte er ihm ein Geschwindigkeitsversprechen, da kündigt er ihm eine Welt an, in der alles noch viel größer und schneller als in der unsrigen ist, in der es vor allem mehr gibt, eine Welt, in der man sich wünschen muß, acht Augen mehr zu haben.

Andererseits ist auch irgendwie alles beim Alten geblieben, statt wegen des neuen Nintendo 2000 drücken sich die Hogwartkinder halt für den neuen Nimbus 2000 (dem Hexenbesen) die Nase am Schaufenster platt. Im Prinzip fällt Harry auf höherer Ebene in die selbe Falle wie sein verhaßter Neffe Dudley, der sich zum Geburtstag vierzig Geschenke wünschen darf  und für den 20 Videospiele – noch vor kurzem Inbegriff des Spannenden – nur noch langweilig sein können.

Auf den ersten Blick scheint das Buch den klassischen Gut-Böse-Konflikt zu bedienen, aber der erklärt schon den Erfolg nicht mehr. Tatsächlich transportiert Rowling diesen Dualismus in zwei zeitgenössischere Kategorien. Die Struktur bleibt, der Inhalt hat sich gewandelt: statt gut und böse werden aufregend und langweilig gegeneinander gesetzt und das ist das Erfolgsrezept in der Fungesellschaft, wo das Erlebnissubstrat der letzte lebenswerte Inhalt wird. Wo selbst 20 neue Computerspiele nur noch Langeweile erzeugen, wo überhaupt nichts Irdisches mehr erregen kann – weder die paar geschändeten Leichen im abendlichen Fernsehen noch der neueste Skandal, auch ein paar pralle Brüste nicht, da muß schon die Outworld anklopfen, um noch ein letztes Mal Phantasien zu erregen. Allerdings mit dem Schicksal, in nicht allzu langer Zeit selbst tödlich langweilig zu wirken (was aus ästhetischen Gründen ohnehin schon der Fall hätte sein müssen). Das wird der Unterschied zu Alice im Wunderland, zu Grimms Märchen, zur Unendlichen Geschichte, zu Tom Saywer und all den substantiellen Texten, von denen Harry Potter nur ein dünner Abguß ist, bleiben.

Potter ist nur ein Entgrenzungsphänomen und als solches zeitlich bedingt aufregend. Da werden noch unbesetzte Wunschfelder entdeckt und beackert, aber sie können keine Frucht tragen. Nichts steht deutlicher für die Enthemmung des Begehrens als die „Every-Flavour Beans“. Und Harrys Starträume sind die Träume der jugendlichen Generation; plötzlich und aus dem Nichts ein Star zu werden, es muß nur der richtige Agent an einem vorbeilaufen, zu irgend etwas fähig ist man schon. Der neue Traum vom leistungslosen Ein- und Auskommen, möglichst luxuriös.

Der Held fliegt denn auch als Harry Air Jordan Potter durch das Basketballspiel der Superlative (Quidditch) – Fußball wäre schon out, wäre schon am Trend vorbei gewesen, zu wenig amerikanisch – und macht den entscheidenden Dunkin. „I’m famous and I can’t even remember what I’m famous for“ (66) – der Satz beschreibt das Identitätsproblem des modernen Stars, hätte Spicegirl Posh oder Naddel ihn gesagt, die Idole jener Zeit, niemand würde an seiner Authentizität zweifeln.

Und, auch das mag ein Grund für den Erfolg sein, verbergen sich hinter der bunten Fassade ganz lebens- vor allem schulrelevante Themen, in denen sich der genervte Schüler spiegeln kann: Lehrer-Schüler-Konflikt, Cliquenbildung, Freund- und Gegnerschaft, Markenbewußtsein, Zwang zum Trend usw.; schließlich gibt es selbst noch im Wunderland Hamburger, English Breakfast, Ketchup, Pokémon und West Ham United.

J.K. Rowlings Verhalten nach dem Erfolg ist also leicht zu erklären. Zum einen verkaufte sie alle Rechte an Coca Cola und da haben sich nur zwei gefunden, die wie füreinander geschaffen waren, zum anderen übt sie sich sehr zu Recht in Bescheidenheit, gibt selten Interviews, enthält sich der Meinung zu anderen Themen, zeigt sich vor allem noch immer überrascht vom Erfolg und relativiert den Wert ihrer Bücher selbst. Sie – und wir nun auch – wird wissen, warum. Dieser Realitätssinn, der sich hoffentlich erhält, macht sie mir persönlich sympathisch und daß jemand die Gunst der Stunde nutzt, um ein paar hundert Millionen Pfund zu machen, ist weniger verwerflich denn bewundernswert.[2]

[1] Hanns-Georg Rodek: Die Magie des Vertrauten.
[2] Es folgen ein paar Überlegungen zum schachlichen Gehalt des Buches, an dem sich das obige perfekt exemplifizieren läßt:
Während der langen Wintertage der Weihnachtszeit, Harry und Ron, sein bester Freund, sind allein, spielen die beiden mitunter Schach: „Ron also started teaching Harry wizard chess. This was exactly like Muggle chess except that the figures were alive, which made it a lot like directing troops in battle“ (146).
Nun könnte man fast meinen, hier wird ein literarisches Motiv eingeführt, denn später werden die beiden im Gigantenschach eine ihrer härtesten Proben zu bestehen haben, aber nein, es bildet nur ein weiteres Utensil, ein weiteres nett anzuschauendes, sich vorzustellendes Bild, das aus dem Nichts kommt und dort wieder verschwindet, sinn- und funktionslos wie all die anderen Sachen.
Im Film, der als detailgetreue Wiedergabe des Buches verstanden wurde, verrät sich dann vollends die Quelle dieses Phantasiestreiches, deutlicher als im Text („like in battle“): das unter Mugglespielern allbekannte  Computerprogramm „Battle Chess“, das jeder mal irgendwann auf seinem PC hatte, um sich an den Agonien des mattgesetzten Königs zu erfreuen, an der blutrünstigen Enthauptung des Läufers oder um den Zauberkräften der Dame zuzuschauen, wie sie den geschlagenen Bauern unter Donner und Blitz verächtlich im Abgrund verschwinden läßt. Und was Battle Chess nicht leistete, das vollbringt Fritz nun schon seit Generationen, er gibt dem Spieler, wenn er es denn wünscht, Tips und Hinweise und warnt ihn vor schlechten Zügen, nicht anders als Harrys Figuren, die mit dessen anfänglichen Schachkünsten alles andere als zufrieden schienen: „He wasn’t a very good player yet and they (die Figuren) kept shouting different bits of advice at him, which was confusing: ‚Don’t send me there, can’t you see his knight? Send him, we can afford to lose him‘“ (147).
Nun, da Rowling plötzlich die Schachidee in den Sinn kam, taucht es auch hin und wieder auf, als Relikt, nicht mehr (150, 155), nur einmal erfahren wir noch, daß Hermione, die kleine Hexe und Rechenkünstlerin, nicht so gut im Schach war (159), was insofern Informationswert besitzt, da hiermit die Arbeitsteilung im finalen Kampf gegen das Böse angekündigt wird: Harry der Chef, Hermione die Logikerin, Ron der Schachspieler. Am Ende erhält Harrys Schule noch einmal 50 Belohnungspunkte in der kruden-behavioristischen  Konditionierungspädagogik – aber das ist schon wieder ein anderes Thema: die Pädagogik des Buches –  „for the best-played game of chess Hogwart has seen in many years“ (221).
Alles „gipfelt“ in der Jagd nach dem Stein und führt über das gigantische Schachbrettzimmer – vgl. Carroll: Alice im Wunderland. „They were standing on the edge of a huge chessboard, behind the black chessmen, which were all taller then they were and carved from what looked like black stone. Facing them, way across the chamber, were the white pieces. Harry, Ron and Hermione shivered slightly – the towering white chessmen had no faces. ‚Now what do we do?‘ Harry whispered. ‚It’s obvious, isn’t it?‘ said Ron. ‚We’ve got to play our way across the room.‘“ (204).
Das ehrt den guten Ron als fanatischen Schachspieler, schließlich hätte man es ja auch erstmal mit einfachem Durchschreiten des Raumes versuchen können, aber warum sich den Spaß nehmen, und uns Schachenthusiasten ist es eine Schadenfreude, Miss Rowling blundern zu sehen. Kurz, man übernimmt die Rolle von Figuren; Harry als Läufer, Hermione als Turm und Ron als Springer. Man lernt auch was über das Spiel: „White always plays first in chess“. Das Spiel beginnt, „a white pawn had moved forward two squares“, soweit ist noch alles in Ordnung, aber als Ron Harry, dem Läufer, zuruft: „Harry- move diagonally four squares to the right“ – vermutlich Lf8 – b4, aber als erster Zug? -, da wundert man sich schon. „Their first real shock came when their other knight was taken. The white queen smashed him to the floor and dragged him of the board, where he lay quite still, face down“ – Battle Chess läßt erneut grüßen.
Und so ging es weiter, „the white pieces showed no mercy“. Das hat zwar alles keinen internen Sinn, gibt aber ein paar schöne Bilder und Schnappschüsse ab. Ganz rührend und symbolträchtig: Ron opfert sich schließlich, um Harry den Weg frei zu machen, den gegnerischen König Matt zu setzen: „‘That‘s chess!‘ snapped Ron: You’ve got to make some sacrifices!“ und ich denke, wir greifen nicht zu weit, wenn wir das als Lebensmetapher interpretieren: manchmal muß man eben Opfer bringen. Die Stellung könnte in etwa so ausgesehen haben:

Ohne absurde Stellung ist die Erzählung nicht denkbar – Schwarz am Zug, Matt in zwei Zügen!

„I take one step forward and she’ll take me – that leaves you free to checkmate the king, Harry!“ Ron, der schwarze Springer opfert sich gegen die Dame, und Harry, der schwarzfeldrige Läufer, setzt Matt, während Hermione als Turm wie der Fels in der Brandung stehen bleibt und wichtige Fluchtfelder abdeckt. Ron „stepped forward and the white queen pounced. She struck Ron hard around the head with her stone arm and he crashed to the floor – Hermione screamed but stayed on her square – the white queen dragged Ron to one side. He looked as if he’d been knocked out. Shaking, Harry moved three spaces to the left. The white king took off his crown and threw it at Harry’s feet. They had won.“
Es sind so die kleinen verräterischen Details, die den Schachkenner stutzig machen und etwas an den schachlichen Fähigkeiten der Autorin zweifeln lassen, wenngleich sich dieses Halbwissen mittlerweile als allumfassend herausstellte. Da spricht sie von „spaces“ statt „squares“ und auch der Begriff „castle“ für den Turm (eigentlich rook) ist zumindest ungewöhnlich. Man kennt heutzutage lediglich „castling“ als rochieren, allerdings war „castle“ in England zu früheren Zeiten ein, wenn auch selten noch genutzter, bekannter Begriff. Auch im Detail scheint sich die Analyse zu bestätigen.

10 Gedanken zu “Die Welt nach Harry Potter

  1. Stefanie schreibt:

    Auch wenn Ihnen die Potter-Bücher nicht so lagen, könnte es sein, daß Sie an dieser Fanfiction von Manfred-Kleine Hartlage Ihren Spaß hätten:

    http://die-unbestechlichen-fanfiction.de/

    Das bestätigt auch Ihre Einschätzung, daß die konsequent fortgeführte Zaubererideologie durchaus zur Errichtung eines (anti)rassistisch/(anti)fachistischen Regimes taugt.

    Ich selbst konnte mich irgendwie nie dazu überwinden, die Bücher zulesen, obwohl ich sonst recht viel, auch mal belletristisches verschlinge – und vor 15-20 Jahren sogar noch mehr als heute. Vielleicht ist es eine Altersfrage: Die einen wohlren dicke Wälzer zwecks Eskapismus in die Welt des wünsch-dir was, die anderen komprimierte Werke hoher Sprach-und Handlungsdichte. Je älter man wird und je mehr man schon gelesen hat, umso weniger Geduld hat man mit solchen Schinken.

    Meine Schwester fiel damals genau in die Zielgruppe und war ein großer Fan. Dank ihr, habe ich zumindest die ersten drei Teile der Verfilmung gesehen und fand sie recht unterhaltsam. Irgendwann habe ich mich überreden lassen, mir den letzten Teil in 3D im Kino anzusehen, was ziemlich schwierig war, den irgendwie fand ich den Faden nicht, auch wenn ich den Handlungsverlauf einigermaßen kannte (vielleicht lag es auch am 3D, samt Brille und den sich einstellenden Kopfschmwerzen). Bei meiner Schwester war es zumindest, was den weiteren Leseverlauf angeht ziemlich prägent. Sie las recht viel Fantasy. Einmal schenkte sie mir den ersten Band des Wheel of time Zyklus von Robert Jordan und so las ich über den Winter dreizehn Bände dieser Serie. Ursprünglich war es mal als Trilogie geplant, jedoch konnte der Autor sich nicht kurz fassen. Er starb nach zwei Dritteln der Serie und ein anderer setzte sie fort. Als ich bei Band 13 war, stellte ich fest, der 14. (und wohl endgültig letzte) Band erst im folgenden Jahr erscheinen sollte. Irgendwie konnte ich mich trotzdem bis heute nicht dazu überwinden, diesen letzten Band zu lesen. Soviel zu Spannungsbögen, die über mehrere Bände sich aufbauen. Sicher gibt es zu solchen Großprojekt, (die Tolkien überbieten wollen) irgend ein Expose,um sich nicht vollkommen zu verheddern, doch leben tun sie von den kurzen spannenden Episoden und kleinen Abenteuern auf dem Weg, die immer weiter ausgeschmückt werden.
    Überhaupt scheint dieses Genre einen Hang zum sich immer erweiternden und verästelnten zu haben. Auch Stephen Kings Dunkle Turm Serie zog sich ja über 6000+ Seiten. Dann las ich Jean Raspails Sieben Reiter und fand mehr oder weniger die gleiche Geschichte auf +/-200 Seiten komprimiert (diesmal in linearer, statt zyklischer Zeit).

    Was Fantasy angeht, würde ich statt dieser postmodernen Aufgüsse lieber gleich zur Parodie greifen: Terry Prattchett, finde ich, schlägt J.K. Rowling um Längen. (Mit Carpe Jugullum hat er sogar ein Buch geschrieben, daß sich Migrations- bzw. islamkritisch lesen läßt)

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    • Mir scheint, der Geburtsfehler liegt bereits im Genre. Immer, wenn ich dort versuchte einzutauchen, glichen sich die Erlebnisse und das geht bei den Klassikern wie Tolkien und C.S. Lewis‘ Narnia oder der Perelandra-Trilogie los. Lewis ist ja ein ernsthafter Denker und Theologe gewesen und seine belletristischen Werke werden oft überhöht und als philosophisch aufgeladen gelesen, doch übersieht man seine literarische Limitiertheit. Steven King etwa ist ein ganz schrecklich schlechter Autor, dem jegliches Gespür für Tempo abgeht – nichtsdestotrotz wird er als Literat gefeiert. Das zeigt den Stand der heutigen Kritik.

      Ich kenne mittlerweile mehrere Leute persönlich, die ganze Phantasy- oder Krimireihen geschrieben haben – vollkommen unerträgliches und unverkäufliches Zeug. Daraus läßt sich der Schluß ziehen, daß Möchtegernliteraten diese Genre wählen, weil sie glauben, das sei leicht zu machen – eben nur mit Phantasie. Rowling gehört dazu, wenn auch im Randbereich zur Begabung.

      Wer heutzutage noch Thriller schreibt, steht bei mir sofort unter Verdacht. Da gibt’s „Discordia“ – kann ich ja gerne mal besprechen, bei Freiexemplar.

      Mir ist seit langem die Lust auf diese Art Literatur vergangen: Pullman oder dieser italienische Jungspund, der mit 20 Jahren (woher kommt die Lebenserfahrung) schon x Bücher geschrieben hat. Das ist (vermutlich) alles nur vorangetriebene und-dann-Spinnerei und ein guter Lektor.

      Wenn ich Vampire will, dann Stoker, wenn Gespenster, dann Wilde, wenn fremde Königreiche oder Absurdes, dann Carroll, wenn Mittelalter, dann Eco, (wenn Krimi und Horror, dann Poe), wenn Zukunft, dann Verne, Arthur C. Clark oder den urwitzigen Douglas Adams … und wenn sieben Bände, dann Proust.

      Ausnahmen gibt es freilich, wie etwa den unvergleichlichen Michael Ende und irgendwann mag wieder ein Genie auftauchen. Dann bitte wecken! (Im Augenblick freilich, genau genommen seit ZwoFünfzehn, ist sowieso keine Zeit mehr für solche Sachen. Die Zeiten sind vorbei!)

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Stanislaw Lem hat in einem Text zur Kritik des Science-Fiction-Romans einmal die Regel aufgestellt, dass man gerade in dieser „ungebundenen“ Gattung die plattesten Projektionen aus der Lebens- und Wunschwelt des Autors antrifft. Wer als Autor Freiheiten begehrt, weil er fürchtet, Gattungsregeln nicht einhalten zu können, verzieht sich eben gerne in solche Ecken wie Fantasy, Science Fiction usw.

        Die jüngste der jämmerlichen Gattungen ist wohl der sogenannte Regionalkrimi. Man garniert dabei einen Whodunit mit mehr oder weniger echtem Lokalkolorit und ebensolchen Dialektsprengseln. Eine Verwandte, die so etwas gerne in ihrer halben Stunde Hindämmerns vor dem Einschlafen liest und die also wirklich nicht sehr anspruchsvoll ist, hat sich mir gegenüber schon beschwert, dass da zuweilen vieles einfach nicht stimme. Außerdem habe sie manchmal den Eindruck, da würden aus Gefälligkeit die von Bekannten des Autors geführten Restaurants als „Geheimtipp, den nur die Einheimischen kennen“ hochgeschrieben.

        Solche gerade die Ortskundigen verstimmende Fehler gibt es übrigens auch im Fernsehkrimi, es gebe da Tatort-Folgen wo das Polizeifahrzeug ins Portal des einen Straßentunnels in Stuttgart einfährt und zu dem eines anderen wieder herauskommt. In einem anderen nutzt anscheinend eine Kommissarin – vom bei der Polizei bestimmt massenhaft vertretenen Typus allzeittiefbetroffenes Mädchen – die Altripper Autofähre (zwischen dem Rheinland-Pfälzer und dem badischen Ufer des Rheins) um vom linksrheinischen Ludwigshafen in den noch weiter südwestlich liegenden Pfälzerwald zu gelangen.

        http://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/public/q/djwqX (Für den Pfälzerwald bitte mit dem „–“ vergrößern.)

        Man wollte ja nichts sagen, wenn die Filme wenigstens eine innere Stimmigkeit besäßen. Doch Frau Foroutan würde dazu wohl mit triftigeren Gründen sagen: „Die Regie nimmt das geographische Wissen auf und setzt es um, indem sie noch einmal eine transteilstaatliche Wegschleife im Land dreht und so die künstlerischen Ideen auf Konkretion und auf die Bereitschaft der Bevölkerung zur Illusion testet – so im besten Sinne.“

        Persönlich mag ich nur lesen, was nur nebenbei auch Krimi ist. An den sophokleischen Ödipus reicht ohnehin nichts heran. Poe fehlt in Ihrer Aufzählung.

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  2. Sie sind ein bischen zu hart mit Rowlings „Harry Potter“, finde ich. Literarisch ist es natürlich eher belanglos, keine große „Kindheits“-Literatur, und besonders gut geschrieben ist es auch nicht. Aber: Man kann schon anerkennen, daß der Eklektizismus recht gekonnt ist; dieses Pandämonium der bekannten Figuren und Zaubermittel ist doch recht unterhaltsam! Und eine gelungene Pointe des Buches ist ja, daß die vielen verschiedenen Märchen, Sagen, Legenden, Figuren, Götter etc. aus der Potter-Perspektive auf einmal zusammengehören, eine Sinn- und Zusammenhangsstiftung vom Ende sozusagen.
    Auch die Idee, eine Zaubererschule einzurichten, nach britischem Internatsvorbild, ist durchaus originell, zumal mit hohem Identifikationspotential für jugendliche Leser. Und es sind ja die vielen Kleinigkeiten, die gelungen sind, kleine Arabesken, auf die man eben selbst nicht so leicht käme. Zu guter letzt: Es ist keine geringe Kunst, über eine Reihe von sieben (?) Büchern einen durchdachten Spannungsbogen aufzubauen und tatsächlich schon im ersten Buch zu bedenken, wie das große Ganze gestaltet werden soll.
    Ich denke, es sind diese (und andere) nicht zu leugnenden Qualitäten, die die Leserschaft durchaus zu schätzen weiß – bei allen offenkundigen Mängeln; ich selbst habe, soweit ich mich erinnere, nur die ersten beiden Bände komplett gelesen. Ich kann allerdings versichern: Im Gegensatz, was sonst an Jugendliteratur auf dem Markt ist, ist man froh über „Harry Potter“ – was ich hier an lieblos und beliebig zusammengeschriebener Dutzendware kennenlerne, fällt da deutlich ab. Und auch das, so denke ich, merkt der Leser: Daß Rowling ihre Figuren ernstnimmt und selbst Freude an ihrer Welt hat; das teilt sich dem Leser mit.
    Seien sie also nicht zu streng „Harry Potter“ und messen Sie es nicht an den Klassikern, sondern an den ganz gewöhnlichen Kinderbüchern.
    Privates PS: Bin u. a. durch einen Umzug ziemlich ausgelastet, deshalb kommentiere ich hier gerade nur knapp und selten.

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    • Ach, wissen Sie, Miß Rowling wurde so weich behandelt, da kann ein bißchen Härte nur heilsam sein.
      Unterhaltsam mag sie sein, sonst würde sie nicht gelesen, aber sie ist Teil – ganz bewußt – jener Kraft, die das Gute will und das Böse schafft. Sie hat mehr Kinder ins Falsche hinein erzogen, als uns lieb sein kann.

      Außerdem ist sie Rassistin!

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      • DAS ist kein literarisches Urteil! 🙂

        Seidwalk: Wieso? Gibt es etwa keine rassistische Literatur?

        Glauben Sie wirklich, daß die 7 Bände alle prämeditiert waren? Wenn an meiner „Analyse“ etwas Wahres sein sollte, dann doch wohl die Enttarnung als Hangelmeisterin.

        Kurt Droffe: Die mag es geben, aber das sagt nichts über ihren Wert oder Unwert aus. Abgesehen davon: Heute gälte auch ein Schiller als rassistischer Autor („Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan …“), siehe Ihren jüngsten Beitrag.
        Und ja, ich denke, einen größeren Plan hatte sie schon, auch wenn gegen Ende hin vieles sehr gewollt wird, da gebe ich Ihnen schon recht.

        Seidwalk: Sie sind und bleiben ein unverbesserlicher Konservativer. Als ob Qualität ein Wert an sich sei! Rassistische Literatur kann per definitionem nicht wertvoll sein – diese Lektion sollte man doch gelernt haben.

        Eigentlich könnte sich ein eifriger Journalist und Exorzist verdient und unsterblich daran machen, den Harry Potter als white trash zu enttarnen.

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  3. Pérégrinateur schreibt:

    Eine sich fleißig Fremdsprachen (darunter übrigens auch Ungarisch) erwerbende Freundin von mir, die gewöhnlich nun wahrlich eine andere Klasse von Belletristik zu lesen pflegt, nutzt so ziemlich jeden neuen Band als leichten Leseeinstieg in jeweils eine neue Sprache, weil man die Bücher der Autorin in den meisten gängigen Sprachen bekommen kann und die thematische Ähnlichkeit oft Lücken im Wortschatz zu überspringen erlaubt. Dass die erfolgreiche Lektüre auch recht trivialer Literatur in einer Fremdsprache dieser subjektiv einen höheren Wert verleiht, habe ich auch schon an mir selbst bemerkt. Wie schreibt Opitz so treffend:

    „[…] auff dass mann wissen soll
    Dass alle Fröligkeit sey Müh‘ und Arbeit voll,
    Und dass auch nichts so schön, es sey schwer zu erlangen.“

    Das Öffentlichkeitsphänomen Harry Potter lässt doch sehr an den bekannten Spruch denken: „Berühmt durch ihren Ruhm.“ So sind sie nun mal, die zweibeinigen Herdentiere, sie messen den Wert der Dinge allzu gerne an der Verbreitung der Wertschätzung. Warum sonst werden Bestsellerlisten rezipiert?

    Oder auch an der Wertschätzung „angesagter“ Autoritäten. Eine Kommilitonin von mir, die ebenfalls gerne ins Kino ging, jedoch in andere Filme, pflegte mir regelmäßig irgendwelche „wichtigen“ Filme anzupreisen. Etwa irgendwelche zeigefingerpolitischen Godard-Schinken mit Mao-Bibel-Inserts usw., grauenhaftes Zeug, aber mit Tiefsinnsanspruch. Dieses Urteil bedeutete also in gewöhnlicher Sprache: Sie hat den Film gesehen, hat sich gelangweilt, aber würde den Teufel tun, das zuzugeben oder auch nur sich selbst einzugestehen. Ich habe bald ihre Empfehlungen als solide Warnungen genommen.

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    • Zum Fremdsprachenerwerb taugen die Bände ganz sicher. Ich selbst hatte mir seinerzeit den einen oder anderen Band in Übersetzung angeschaut. Es liest sich in einer Sprache, für die man noch Begeisterung besitzt, immer anders und besser und die Freude auf die Sprache mag manches übertünchen. Ich greife in diesen Fällen meist zu Krimis und zwar zu Übersetzungen aus dem Amerikanischen und habe da auch meine Autoren, deren Schreibe ich ganz gut kenne. Im der Regel entschärfen Übersetzungen die Idiosynkrasien der Ausgangssprache und des Autors, sind also oft leichter zu lesen als das Original.

      Wie weit ist Ihre Bekannte denn im Ungarischen gekommen? Ich suche noch immer nach dem Schlüssel und wäre für jeden Tip dankbar – ob nun Didaktik und Methode oder Kurs und Lehrmaterial.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Wie weit sie gelangt ist, kann ich nicht beurteilen. Auf ihr Urteil ganz zu vertrauen, hieße aber vermutlich, ihre Kenntnisse zu unterschätzen, Mit ihrem erworbenen Französisch hadert sie zum Beispiel, weil sie die Feinheiten der Liaison nicht meistert und auch nirgendwo verbindliche Regeln gefunden habe, oder etwa mit dem russischen Nomen, weil in der Deklination unabsehbare Akzentverschiebungen auftreten, die nicht stimmig in überschaubar viele Paradigmen zu ordnen sind. Sie ist vom Schlage jener, die meist besser sind als ihre Mitstudierenden, aber sich dennoch kein Wort zu sagen trauen, weil es ja nicht ganz makellos ausfallen könnte. Im Rücken hat sie ein Studium in vergleichenden Sprachwissenschaften und Semantik und etliche Sprachen, das hilft wohl allemal.

        Ich werde sie bei Gelegenheit um die Ratschläge angehen und sie dann weitergeben. Es wird aber etwas dauern, da sie telefonisch immer noch nicht wieder erreichbar ist und deshalb der reitende Bote von Thurn&Taxis bemüht werden muss, der wohl nicht gleich die Rückpost in Empfang nehmen wird.

        Seidwalk: Das wäre nett – bitte vergessen Sie auch nicht zu fragen, ob das mit den etlichen anderen Sprachen im Ungarischen tatsächlich hilft. Mir jedenfalls nicht; außer eine Sprache zu sein, hat Ungarisch mit anderen gängigen Sprachen wirklich nichts gemein: es gibt praktisch keine Wiedererkennungseffekte udn wenn es welche gibt, dann sind es false friends. Da wäre die Meinung einer Sprachbegabten wirklich interessant. Man kann es nicht so lernen wie andere Sprachen – also wie?

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        • Vielen Dank für die Hilfe! Einige der angeführten Probleme sind mir natürlich selbst begegnet und zu Bewußtsein gekommen, bei anderen merkt man doch den ganz anderen Zugang zu Sprachen. Auf diese Begabung kann ich leider nicht zurückgreifen udn es fehlt auch an der komparatistischen Intelligenz. Dennoch ist es richtig: „an sich“ dürfte Ungarisch nicht schwer sein, da von verblüffender Systematik. Aber eben grandios, enorm, riesig – erinnert mich an Goethe, als er vorm Straßburger Münster stand und die Architektur sogleich bis ins Kleinste erfaßte, während unsereins wie erschlagen davor steht.

          http://wiki.verbix.com/Documents/Hungarian#toc1

          Meine Herangehensweise ist eine andere – mein Vater war Maschinenbauer -, ich vergleiche sie dem Fräsen oder Drechseln. Verschiedene methodische Herangehensweisen, Lehrbücher, Grammatiken auch in anderen Sprachen wechseln einander ab um sukzessive den hermeneutischen Zirkel zu durchbrechen. Immerhin entsteht allmählich ein Gefühl, so daß das Erlernen jener völlig fremden Wörter – wenn sie nicht zu lang sind (Vokalkuddelmuddel ist ein Problem) – allmählich geht, man ein Gespür bekommt; an einigen hatte ich ungelogen Wochen gesessen, unglaublich – ich dachte schon, ich sei dement.

          Leider gibt es nur sehr wenig brauchbares Lehrmaterial; auch in den Antiquariaten wird man nur erstaunt angeschaut, wenn man nach alten Grammatiken u.ä. fragt. Ganz brauchbar ist: „Grammatica ungherese di base“; Tamás Forgács: Ungarische Grammatik und „A Practical Hungarian Grammar“ … Hingegen ist Borbala Keszler und Klara Lengyel: „Ungarische Grammatik“ wohl eher etwas für Ihre Bekannte.

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