Slowenisches Intermezzo

Ein kleiner Urlaubsaufenthalt beim nächsten ungarischen Nachbarn: Slowenien.

Mehrere Pannen am Autobahnrand, der eine oder andere nimmt sich eine Pinkelpause über die Leitplanke. Auf einem kleinen Parkplatz stehen Dänen neben uns und wissen nicht, daß sie belauscht werden. Der pubertäre Sohn muß mehrere Anläufe nehmen, bevor er wagt, Luft anhaltend, in die Männertoilette zu gehen, die offenbar nicht ganz den skandinavischen Normen entspricht. Ein Pannenwagen wird bereits durch ein Warndreieck angekündigt, exakt 400 Schritt entfernt. Fahrer und Beifahrerin (oder umgekehrt) in Warnwesten und Abstand zum Auto. Müssen Deutsche sein, sage ich – Bingo: Berliner Kennzeichen.

Wir haben ein kleines Chalet gemietet mit Blick über eine Bucht voller Salinen. Das andere Ufer ist schon Kroatien. Triest nur 20 min entfernt.

Blick aus dem Fenster – die Salinen von Sečovlje vor kroatischer Küste

Im Garten fallen uns faustgroße Feigen fast in den Mund, Olivenhaine, Weinberge, blühende Artischocken, Hecken aus Lorbeer, Thymian, Salbei, Oregano … Die Menschen in Badelatschen und leichter Kleidung, das Tempo gemächlich … Immer wieder fällt in diesen paradiesischen Breiten auf, wie sehr das Leben von Klima und Natur geprägt wird, wie verschieden Menschen denken und fühlen mögen.

Koper ist eine kleine – für slowenische Verhältnisse große – Küstenstadt, in der ein geübter Photograph ohne Probleme einen dicken Bildband zustande brächte. Mediterrane Architektur, schmale verwinkelte Gassen … eine natürlich gewachsene Stadt, aus der nur der Glockenturm der Kathedrale herausragt. Niemand kann mir erzählen, daß die Lebensqualität in einer solchen Stadt mit ihren überschaubaren Grenzen, der architektonisch angelegten Kommunikation, ihrer Ruhe und Gelassenheit nicht ein Vielfaches höher ist als in den „lebenswertesten Städten“.

Nur als wir Richtung Hafen laufen, steht am Ende der Gasse ein großer moderner Wohnkomplex – beim Näherkommen entpuppt es sich als ein Kreuzfahrtschiff, die „Riviera“ unter slowenischer Flagge. 16 Decks!

das höchste Haus im Ort: die „Riviera“

Jetzt erklärt sich auch die auffällige Präsenz adipöser Amerikaner in der Stadt und zahlreicher Ostasiaten. Während die einen das Städtchen noch unsicher machen, steigen andere bereits wieder – mit Marken-Einkaufstüten versehen – die Gangway hinan.  Vermutlich wird der Riese nach Venedig weiterreisen und dort am Untergang der Stadt mitwirken.

In Venedig hatte ich vor ein paar Jahren eines der seltenen negativen Erlebnisse mit Italienern. Wir – zu viert – wollten in einer Pizzeria etwas essen, d.h. nur drei von uns, ich wollte nur einen Kaffee. Als der cameriere, auf den wir eine halbe Stunde warten mußten, die Bestellung unwillig aufnahm und meinen Wunsch hörte, verweigerte er uns allen unter Schwüren die Bedienung: entweder wir äßen alle eine volle Mahlzeit oder aber es gäbe gar nichts. Er könne es sich nicht leisten, nur einen Espresso zu bringen. Es kam zur Diskussion, die ich mit einem wütenden vaffanculo beendete. Verstehen konnte ich ihn trotzdem. Die Unlust der Venezianer oder Florentiner, sich auch Menschen zu öffnen, die ihre Stadt nur für ein paar Stunden durchlatschen, die bald wieder verschwunden sein werden und durch andere, gleichartige, ersetzt werden, ist nachzuvollziehen.

Auf einer kleinen Wanderung durch ein Dorf stolpern wir plötzlich über – Stolpersteine. Vier Mitglieder der Familie Voda hatten hier gelebt und wurden deportiert … halt mal: „Voda“ heißt doch „Wasser“. Kommando zurück: es war mal wieder die deutsche Sensibilität. In Slowenien sehen Wasseranschlußstellensignalanzeiger aus wie in Deutschland die goldenen Stolpersteine – da kann man schon mal ins Stolpern kommen. … In Triest findet man dann im einstigen Judenviertel die echten. Kurt Demnig war hier.

Piran von der Stadtmauer aus gesehen

Wunderschön das Städtchen Piran, eine alte venezianische Siedlung mit 2000-jähriger Geschichte. Das Wasser strahlend blau und klar. Touristen ja, aber bei weitem nicht so extrem wie an vergleichbaren Orten, Saint-Paul-de-Vence etwa. Auf der Stadtmauer mit Blick auf den FKK lausche ich der Konversation einer Familie, die eine seltsame Form des Holländischen zu sprechen scheint. Auf Nachfrage erfahre ich, daß es sich nicht um Afrikaans, sondern um einen flämischen Dialekt handele. Schade – ich wollte Informationen aus erster Hand über die genozidalen Morde an weißen Farmern und ob diese rassistisch zu begründen seien. Stattdessen – es ist der Tag des Viertelfinals – plaudern wir über Fußball. Der verbindet.

Am letzten Tag ein Gespräch mit dem Vermieter. Ich frage ihn nach dem Verhältnis zu Kroatien, das eine halbe Stunde zu Fuß entfernt liegt. Er verzieht das Gesicht. Die Kroaten seien arrogant, die Serben übrigens auch. Ein Slowenier spräche mindestens drei Sprachen und verstünde auch Kroatisch aber die Kroaten stellen sich taub, wenn die Slowenisch hörten. Sie seien zu nationalistisch. Und wie sieht es mit Migranten aus? Die gibt es hier auch jede Menge, aber die kommen aus den restlichen Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. Sie arbeiten in den Hotels und Cafés. Albaner verkaufen oft das Eis. Die anderen, die aus Afrika und dem Mittleren Osten, die kennen Slowenien gar nicht und wissen nicht, wie reich und schön dieses Land eigentlich sei. Die wollten alle nur nach Deutschland.

siehe auch: Rumänien – Glanz und Elend

Ein Tag in Serbien

Frühe Anzeichen u.a.

2 Gedanken zu “Slowenisches Intermezzo

  1. Giuseppe Bottazzi schreibt:

    @Seidwalk: Danke für die Verlinkungen. Eine seltsame Geschichte. Enthält märchenhafte Elemente – da hätte ich, ehrlich gesagt, gern genauere Quellen … Bis dahin steht das bei mir unter Propagandaquarantäne.

    ___________________________

    Buren suchen ihr Heil in Russland – Preußische Allgemeine Zeitung – 02.08.2018

    Buren suchen ihr Heil in Russland
    Rassismus gegen Weiße: 50 Farmerfamilien wollen von Südafrika nach Stawropol auswandern

    02.08.18

    Der Anstieg der Gewalt gegen weiße Farmer in Südafrika gepaart mit Enteignungen, Vertreibungen und Morden veranlasst immer mehr Buren auszuwandern. Viele haben bereits eine neue Bleibe in Russland gefunden, das über zahllose unbearbeitete Agrarflächen verfügt.

    Bloemfontein, einst Hauptstadt der südafrikanischen Buren-Republik Oranje-Freistaat, liegt in Transvaal, im Norden der Kaprepublik. Hier lebt und arbeitet die Familie Schlehbusch, burische Farmer seit Generationen. Allerdings wird es damit bald ein Ende haben. Das Oberhaupt der Familie, Adi, besuchte kürzlich als Mitglied einer Delegation von 50 weißen Farmer-Familien die russische Region von Stawropol in den nördlichen Ausläufern des Kaukasus ungefähr auf der geographischen Breite von Florenz. Die Gegend ist durch Klima, Bodenbeschaffenheit und Niederschläge für Landwirtschaft günstig und darauf kam es Adi Schlehbusch und seinen Kameraden an.

    Weiterlesen: https://www.preussische-allgemeine.de/nachrichten/artikel/buren-suchen-ihr-heil-in-russland.html

    Liken

  2. Giuseppe Bottazzi schreibt:

    Während Kanada den Asylantrag einer Familie weißer Südafrikaner ablehnte, nimmt Russland offenbar Buren auf:

    # Russland bietet 15.000 Buren eine Heimat
    https://schluesselkindblog.com/2018/07/09/suedafrika-rassismus-gegen-weisse-bevoelkerung-wird-das-ende-des-einst-erfolgreichen-afrikanischen-landes-sein/

    # Russland nimmt Buren auf [Video]
    [video src="https://videos.files.wordpress.com/EfMyjGvf/russland-nimmt-buren-auf_dvd.mp4" /]

    Seidwalk: Danke für die Verlinkungen. Eine seltsame Geschichte. Enthält märchenhafte Elemente – da hätte ich, ehrlich gesagt, gern genauere Quellen … Bis dahin steht das bei mir unter Propagandaquarantäne.

    Giuseppe Bottazzi: DANKE für Ihre Reaktion. Werde gelegentlich nachschauen, ob sich bessere Quellen finden lassen.

    Liken

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