Ohne Schneid

Daß Löw nicht zurücktritt, ist der gewichtigste Grund, ihn zu entlassen.

Der Frage, ob er, nach dieser historischen Schmach, zurücktreten solle, konnte ich keinen Sinn entnehmen, so offensichtlich und zwingend und alternativlos war die Antwort.

Früher hätte sich so ein Mann, sofern er Ehre im Leib hatte, freiwillig ins Schwert gestürzt. Später, in humanistischen Zeiten, hätte man ihm einen Revolver, eine Flasche Doppelkorn, ein ruhiges gefliestes Zimmer und eine Stunde Zeit zur Verfügung gestellt. In Kolumbien bräuchte Löw zwölf Leibwächter, sobald er sein Anwesen verließe …

Zuletzt hätte er sich wenigstens demütig entschuldigen müssen und wäre schweigend verschwunden.

Aber heutzutage ist man auch mit einem Komplettversagen zufrieden und heuert den Mann für neue hehre Ziele an. Es genügt ein wenig kommunistische Selbstkritik, das Dahergerede von „berechtigter Kritik“, der eigenen Enttäuschung und schon geht der Sieg der systemischen Mediokrität weiter. Schnell ist man wieder glücklich und freut sich auf gemeinsame Aufgaben und natürlich will man „nun einen Neuaufbau starten“ und wird man sich „jetzt konkret Gedanken darüber sowie über weiterführende strukturelle Veränderungen machen.“

Die Ursache des Problems wird zur Lösung erklärt, es kann alles so weitergehen wie bisher und wenn die Umstände sich ändern, dann paßt man sich ein wenig an – aber man ändert sie und sich selbst nicht.

Das rezeptfreie Medikament für den langsamen Suizid, das kriechende Krepieren. Stolzlos! Wieso kommt mir das nur so bekannt vor? Wo habe ich das gerade schon einmal gesehen?

Ach, was waren das für Zeiten, als es noch scharfe Klingen gab.

Männer und Ehre und Stolz und Haltung und Stil …

 

siehe auch: Das Merkel-Mysterium

Deutschland am Tiefpunkt

Rautenfußball

Sanés mißlungene Integration

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Ein Gedanke zu “Ohne Schneid

  1. Till Schneider schreibt:

    Unter „siehe auch“ vermisse ich einen Link zum vorherigen Artikel „Das Merkel-Mysterium“. Löw ist schließlich der Merkel des Fußballs. Er dürfte sich von Merkel abgeguckt haben, dass „am Sessel kleben bleiben“ die einzig zeitgemäße, vielleicht sogar die einzig „moralische“ Antwort auf eigenes Komplettversagen ist. So macht man das heutzutage, wenn man „Verantwortung trägt“. Ich jedenfalls kann das Klebenbleiben Löws nur im Zusammenhang mit dem großen Vorbild Merkel sehen. Großen Vorbildern folgt man als anständiger Staatsbürger nach; alles andere wäre paradox.

    Gefällt 1 Person

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