Negativer Rassismus

Siegerin der 13. Staffel der fragwürdigen Castingshow „Germany’s Next Topmodel” wurde Oluwatoniloba Dreher-Adenuga, liebevoll Toni genannt. Toni ist Deutsche mit nigerianischen Eltern und schwarz. Kritiker meinen, ihr Sieg stand von vornherein fest.

Es ist kein Problem, daß eine Farbige diesen Wettbewerb gewinnt, aber es nervt, daß es gerade jetzt passiert. Es ist einfach zu viel, zu viel Didaktik und Ideologie.

Als Arabella Kiesbauer vor 20 Jahren auf den Bildschirmen erschien, da war das eine Bereicherung, an der sich kaum jemand gestört hat, eine Normalität. Diese Selbstverständlichkeit gibt es nicht mehr. Heute wirkt das wie Volkspädagogik.

Toni mußte nicht nur aus Gesinnungs-, sondern auch aus Rassismusgründen gewinnen, denn ein Ausscheiden einer Farbigen (oder demnächst Transsexuellen, Behinderten, Geflüchteten, Vollschlanken …) muß – sofern keine offensichtlichen Fachdefizite vorliegen – immer die Rassismuskeule befürchten.

Wir treten also in den Zustand des negativen Rassismus ein: Wer nicht weiß ist, hat bessere Aufstiegschancen, denn jede Zurücksetzung gegenüber ethnisch europäischen Mitbewerbern kann mit dem Rassismus- oder Diskriminierungsargument angefochten werden.

6 Gedanken zu “Negativer Rassismus

  1. Ja, wir sind hier auf dem Weg in die Quotisierte Gesellschaft. Neulich war den Gazetten zu entnehmen, daß China bereits so etwas wie Sozialpunkte für seine Bürger vergibt. So stelle ich mir das auch hier vor: 100 Punkte für’s Frausein, 100 für’s Farbigsein, usw. Die werden dann in einer Art universaler Affirmative Action dann jeweils als Bonus bei allem (Job, Wohnung, Studium etc.) draufgeschlagen.
    Meine Frau drängte ihr Doktorvater seinerzeit zum akademischen Himmelfahrtskommando „Habilitation“. Warum? Nicht, weil ihre wissenschaftliche Leistung so herausragend oder gar umfangreich gewesen wäre (beides nicht, ohne Bösheit gesagt), sondern weil sie eine Frau war und sein Institut da im universitären Schnitt sehr schlecht da stand. Und an solch einem Schnitt hängen dann Stellen, Fördergelder, Stipendien etc. Als Frau, so wurde ihr versichert, stünden ihr derzeit alle Türen offen (unausgesprochen: So gut müsse sie da gar nicht sein). Wenn man mal den ganzen Seim von Ungerechtigkeit, struktureller Benachteiligung u.v.m. beiseite läßt, dann läuft es darauf hinaus, mit moralischer Erpressung ein größeres Stück vom Kuchen zu bekommen, als es einem sonst zufiele. Beim Geschwafel wegzuhören und nur das nackte Interesse zu sehen, kann einem den Seelenfrieden etwas wiederherstellen. Aber, da hat SW recht, diese ständige Belehrung, das ganze auch noch gutfinden zu sollen, die bringt einen eben ständig wieder auf die Palme.
    Im übrigen gestatten Sie mir das Bonmot, „Souverän ist, wer über die Quote entscheidet.“

    Fauxelle: Wie dichtete weiland Funny van Dannen? „Auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein“ …

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Wer die Moraltrompete ansetzt, will betrügen. Auf Dauer wird das selbst von den anfangs Arglosen und Gutwilligen bemerkt, deshalb muss man den Kritikern auch noch durch Einchüchterung das Maul verbieten. WIr gehen wunderbaren Zeiten entgegen, in denen uns die „Hassgegner“ mit gewöhnlich 100 Phon die Menschenliebe erklären werden. „Und willst du nicht mein Bruder sein, …“

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    • Kleines PS: Mein Kommentar sollte eigentlich eine Antwort auf denjenigen des Herrn P. sein, weniger direkt zum Hauptbeitrag. Und: Vielleicht war „Bonmot“ doch etwas zu wohlwollend; Kalauer trifft es wohl besser.

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      • Pérégrinateur schreibt:

        Ein Kalauer – also ein bloßes Spiel mit dem Wortklang – war es gewiss nicht; ein solcher könnte etwa so lauten: „Souverän ist, wer über den öffentlichen Erregungszustand verfügt.“ Oder: „Souverän ist, wer imstande ist, andere auszunehmen.“ Also Medien und Lobbies. Beides ließe sich übrigens durchaus auch sachlich vertreten, und täte man das, wäre der Kalauer nicht einmal „übel“.So mancher buhlt da mit sehr viel drastischeren Mitteln um unserer Aufmerksamkeit oder unsere Voreingenommenheit.

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Den negativen Sexismus dagegen haben wir zum Glück schon. Vor ein oder zwei Jahren sollten an einer deutschen Universität drei wissenschaftliche Stellen in Physik besetzt werden. Es präsentierten sich drei Dutzend Kandidaten, davon drei Frauen. Und genau die drei bekamen die Stellen. Sie waren halt besser. Was umso erfreulicher ist, als unter den Studienanfängern im Fach in der Regel höchstens 10 bis 15 % Frauen sind, trotz „Girl’s Day“ und Ähnlichem. Es liegt u. a. am Fehlen eines Königinnenwegs zur Mathematik. In höheren Semestern, bei den Assistenten usw. sinkt der Frauenanteil aus den bekannten Diskriminierungsgründen dann noch weiter, weil es formell noch keinen gerechten Ausgleich im H-Index für die Kinderpause gibt. Da ist halt doch noch viel Arbeit selbst für die schon staatlich bestallten Politkommissarinnen für Feminismus.

    Und allgemein erst recht, nämlich für die möglichst friedliche Austragung der Opferkonkurrenzen, damit das Bündnis der Benachteiligten ja nicht unversehens platzt. Die einfachste Auswahlregel wäre natürlich, eine lineare Präferenzordnung festzulegen, etwa so:

    Noch nicht so lange hier Lebender ≺ Ganz anderes Geschlecht ≺ Schwarzer ≺ Muslim ≺ Jude ≺ MTF-Trans ≺ Homosexueller ≺ FTM-Trans ≺ Person mit erhöhtem intellektuellen Förderungsbedarf ≺ Frau ≺ Flipper ≺ Lassy ≺ Mann

    (Nur als illustrierendes Beispiel, nicht als konkreter Vorschlag gemeint; ich will mir doch nicht die Finger verbrennen!)

    Nachdem die Rangfolge einmal festgelegt ist – man könnte einen europäischen Gerichtshof, der schafft das, die letzten Details entscheiden lassen bzw. die Fortschreibung, falls neu entstehende Kategorien in die Ordnung einzufügen wären – sollten dann auch irgendwann die nachrangig bestehenden Identitäten rekursiv herangezogen werden, um ein Stechen zwischen sonst gleichpositionierten Personen möglicht auszuschließen. Man will ja schließlich immer den bestgeeigneten Kandidaten für die zu besetzende Funktion finden. Die sie erfassenden Rubriken dürfen natürlich von den Kandidaten selbst gewählt werden, je nach ihrer selbstkonstruierten biologischen oder sozialen Identität, alles andere wäre respektlos. Außerdem scheiden wir so schon mal alle Hysteriker aus, die sich der Empathie für besonders unterdrückte und deshalb zu bevorzugende Gruppen und damit auch der Identifizierung mit ihnen schnöde verweigern.

    Andererseits diskriminiert jede feststehende Auswahlregel unvermeidlich die wohl wichtigste Gruppe im Gleichstellungsprozess, nämlich die dann womöglich brotlos werdenden Antidiskriminierungsforscher*innen. Gerade deren Diskurs aber darf niemals abreißen.

    PS: Das Filmchen habe ich wegen der gräßlichen Musik gleich abgedreht. Ich hoffe, man hat wenigstens eine Wielandsche Gulleru ausgewählt; Ostafrikaner sind recht anmutig, alle Bantunasen und europäischen Camembertschmelzteints bleiben weit dahinter zurück.

    Seidwalk: PPS: Aber den Satz: Toni ist Deutschlands schönstes Mädchen“, den haben Sie sicher noch mitbekommen. Und das ist, ganz objektiv, eine Lüge.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      @Seidwalk: Geschmacksfragen sind natürlich nicht objektiv zu entscheiden. Ich würde aber sofort der Ansicht beitreten, dass sie sicher bei einer Abstimmung keine Mehrheit für dieses Spitzenprädikat bekäme – es sei denn, die Abstimmenden wären eindringlich genug „antirassistisch“ instruiert worden.

      Nachtrag zum H-Index: Ich habe die Unwahrheit insinuiert. Inzwischen bekommen nach Auskunft eines befreundeten Wissenschaftlers zumindest in manchen Max-Planck-Instituten Frauen durchaus schon einen Ausgleich für die schlechten wissenschaftlichen Referenzen im Gefolge von Kinderpausen. Es geht also voran!

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