Gute Wünsche, fromme Hoffnung

Seit zweieinhalb Jahren gibt es in Dänemark eine neue national-konservative und wirtschaftsliberale Partei, die „Nye Borgerlige“.

Da ich mich für deren Newsletter eingetragen habe, erhalte ich immer wieder mal Post von der charismatisch-hübschen Pernille Vermund. Es werden neue Entwicklungen mitgeteilt und jedes Mal werde ich aufgefordert Mitglied zu werden.

Und um ehrlich zu sein: Wäre ich Däne, ich wäre versucht, mein inneres Gelübde, nie wieder einer Partei anzugehören, zu brechen, denn alles, was ich von der NB sehe, spricht mich an. Vor allem scheint es eine Vereinigung zu sein, die (noch?) jenseits des üblichen Politbetriebes, mit sehr viel Enthusiasmus und Stil und Ausdauer und Ruhe, eine Menge an potentiellen Gesprächspartnern vereint. Denn das ist doch das Eigentliche: Es gibt kaum noch jemanden, mit dem man gepflegt, offen und kultiviert, distanziert und nahe zugleich, reden kann und die, mit denen man es könnte, sind fast alle schon tot und zu Papier erstarrt.

Die „Neuen Bürgerlichen“ wollen sich auch von der „Dansk Folkeparti“ absetzen, die sich längst im Polittheater festgesetzt hat und die üblichen Rankünen pflegt und Kabale schmiedet, um Posten und Geld und Macht … und das Eigentliche aus dem Blick verliert; ein Prozeß, der – vermutlich mit einer gewissen Gesetzmäßigkeit – nun gerade in der AfD Raum greift.

Der Ton der jungen Partei ist zweierlei: gemäßigt und radikal. Mit großer Entschiedenheit und ohne falsche Hemmungen, aber stets ruhig und sachlich, werden Zustände angesprochen. Die Islamisierung und ihr eigentlicher Grund, nämlich die innere ethnische und moralische Aushöhlung der dänischen Gesellschaft, ist ein Schwerpunkt des neuen bürgerlichen politischen Denkens. Die letzten Wahltrends verheißen freilich nichts Gutes: langsam, aber stetig sackt die Zwergpartei mit 2000 Mitgliedern wieder unter die Zwei-Prozent-Hürde; sie wird im schnellebigen Parteienspektrum Dänemarks Opfer schlechter blauer Realpolitik der Regierung, die das Pendel im Norden gegen den europäischen Trend gerade wieder ins rote Lager zurückschlagen läßt.

Der Islamisierung wird das nicht schaden, sie geht auch so gemächlich, aber stet voran. Die letzte E-Post berichtet von einem Fall, der mich besonders berührt hat, weil ich weiß, worum es geht. Um Roskilde.

Eine 1000 Jahre alte Stadt auf Sjæland, die als Gammel-Lejre gegründet wurde, deren Besiedlungsgeschichte aber bis in die Steinzeit zurückreicht. Ihr imposanter Dom, seit jeher Bischofssitz, aus dem 12./13. Jahrhundert, gehört zu den bedeutendsten Bauwerken Skandinaviens.

In Lejre hatten wir vor ein paar Jahren eine Freundin besucht, die Tochter Carl Madsens des berühmten Anwalts, Schriftstellers, Kommunisten und Freundes von Hans Kirk, Hans Scherfig und anderen dänischen Nationalikonen, über den soeben eine viel diskutierte Biographie erschienen ist. Es war für mich besonders berührend, die zahlreichen Erstausgaben so vieler von mir bewunderter dänischer Meister in ihrem Regal zu sehen und zum Abschied schenkte sie mir sogar einige handsignierte Werke Scherfigs und ein seltenes, unveröffentlichtes Porträt Kirks, das ihre Mutter noch eigenhändig im Gefängnis in Horserød aufgenommen hatte.

In der Stadt besuchten wir den Dom. Nicht weit davon saß – in Bronze gegossen – die nun hundertjährige Lise Nørgaard, Tochter dieser Stadt, Autorin und Drehbuchschreiberin der bedeutendsten dänischen Serie „Matador“, die man kennen muß, wenn man die Dänen – so wie es sie noch bis vor wenigen Jahrzehnten, als Dänen, die um ihre „danskhed“ bangten, gab – begreifen lernen will. Diese Serie hat mehr für die dänische Identität geleistet als …, ich weiß nicht, was.

Nun wurde aber, nur wenige Schritte von Dom und Denkmal entfernt, eine Moschee eingeweiht – und darüber informierte der Newsletter. An Christi Himmelfahrt. Es ist eine von 170 offiziellen Moscheen in Dänemark – vor 10 Jahren waren es nur halb so viele. Sie trägt den Namen „Ayasofya-Camii”, Hagia-Sophia, also den Namen jener alten christlichen Kirche in Konstantinopel, die 1453, nach der Eroberung durch die Türken, umgebaut und adaptiert wurde.

Dafür haben die Muslime, von denen es in der 50000-Einwohner-Stadt bereits mehr als 1000 (nur türkische) geben muß, 12 Millionen Kronen gesammelt; die Gesamtkosten belaufen sich auf 20 Millionen (der Rest ist über Kredit finanziert). Der Clou daran – darauf weist die Nye Borgerlige hin –: die Spenden können steuerlich abgesetzt werden, letztlich bezahlt also der dänische Steuerzahler den Löwenanteil für seine Verdrängung.

Die Moschee als solche gibt es bereits seit 1989, doch nun wurde aus der Hinterhofgarage eine schmuckes Gebäude mit zwei Minaretten. Es gab viel Streit um die Minarette, denn sie sollten anfangs auch für Muezzinrufe benutzt werden (sagen ihre Gegner); davon hat man nach Protesten nun Abstand genommen und beteuert, daß das nie Ansinnen gewesen sei. Die Moschee faßt 500 Menschen, zum Ramadan erwarte man allerdings 1200.

Zur Eröffnung reichte man sich mit großem Eifer die Klinke in die Hand. Folketingsmitglieder waren dabei, der türkische Botschafter, die Bürgermeisterin und der Bischof hielten Glückwunschreden und betonten Religions- und Redefreiheit – und das, obwohl sie wissen, daß auch dieser türkische Verein, der „Roskilde-Kulturverein[1], an Erdogans Strippen hängt. „Ich bin sicher“, sagt der Bischof aus dem Dom um die Ecke, „wenn man seine Religion offen ausüben kann und das in allen Glaubensrichtungen, so verhindert das Parallelgesellschaften und Fanatismus und fördert die Integration.” Und die Bürgermeisterin lobt den Islam für seine Aufklärungsarbeit im Mittelalter.

Kein Wunder, wenn die Lokalzeitung (vielleicht etwas subversiv) ihren Bericht mit den doppeldeutigen Zeilen „Glückwünsche und frohe Hoffnung“ überschreibt.

Mir scheint – wenn ich nur könnte –, ein Eintritt in die Nye Borgerlige freilich sinnvoller zu sein als Hoffnung.

[1] Wie das Kulturleben des Vereins aussieht kann man vermutlich auf diesen Videos sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=j1beSWZd29w
https://www.youtube.com/watch?v=e-cZuwxMOm4

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