Mehr zum Thema

Die Besessenheit einiger rechter Portale, jede öffentlich gewordene Straftat eines Ausländers oder Migranten zu einem gruppentypischen ethnischen Problem zu machen, ist ein großer Fehler, der von der wahren Dimension der Migrationskrise, die vor allem im unaufhaltsamen Kulturwandel und Kulturverlust zu sehen ist, ablenkt. Menschen sterben und werden geboren – Kulturen verschwinden für immer und nehmen dabei nicht selten Millionen mit einer Kelle mit.

Dennoch springt das Phänomen natürlich ins Auge und einige unserer Qualitätsmedien, die in der Regel migrationsbejahend argumentieren, bringen es sogar fertig, durch besonders geschickte Anordnung einen flächendeckenden Eindruck zu erwecken.

© Die Welt 13.4.2018

Statistiken hin oder her: ein Anstieg der Messerattacken scheint evident und die Frage der zunehmenden Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung folgt ganz zwangsläufig aus einem demographischen Ungleichgewicht und einer multikausalen Segregation kulturferner – unserer Kultur ferner – Männer. Eine wirkliche Nachricht im letzteren Bereich wäre eigentlich nur eine Widerlegung der Erwartung – für alles andere gilt quod erat demonstrantum.

© Focus 13.4.2018

Trotzdem: jeder Fall ist für sich ein Einzelfall und müßte auch als solcher behandelt werden. Jeder Fall eine eigene Geschichte. Ihr gemeinsamer Nenner ist: Es gäbe sie nicht, nicht hier zumindest – und damit auch nicht die Opfer –, wenn es die bundesdeutsche Migrationspolitik nicht gäbe und es gäbe weit weniger davon, wenn die verantwortliche Politik seit 2015 verantwortlich Politik betrieben hätte. Diese Evidenzen sollten leicht Konsens finden.

Das Ergebnis einer Zeitungsseite an einem Tag:

Aufarbeitung des Doppelmordes in Hamburg, der „jede vorstellbare Grausamkeit übersteigt“ – das Opfer eine deutsche Frau nebst Kleinkind; der Täter ein Mann aus dem Niger

Weitere Messerattacke am Hamburger Jungfernstieg – ein Schwerverletzter, die Täter sogenannte „Männer“

In Nürnberg gab es drei Verletzte, einer schwer bei einem Männerstreit

In Hamburg versucht „ein Mann“ – der aus Syrien stammt, wenn man bißchen googelt – seiner Frau im Schlaf die Kehle durchzuschneiden.

In Fulda erschießt die Polizei einen 19-jährigen Afghanen, der im öffentlichen Raum Leute attackierte.

In Moers wurde ein Junge auf dem Weg zur Schule vor seiner Wohnung mit einem Messer attackiert und schwer verletzt.“ – Täter und Opfer leben seit 2015 hier und kommen aus dem Irak.

Und aus der Donau wird ein erschlagener Albaner gefischt, der ein Opfer der archaischen Blutrache wurde und für eine Tat büßen mußte, die sein Onkel vor 17 Jahren in den Bergen begangen haben soll.

Letztere Tat ist ob ihrer untypischen Art – obwohl man liest: „Derartige Motivlagen sind keine geltende Strafrechtskategorie. Gleichwohl seien solche Verbrechen fester Bestandteil des Kriminalitätsgeschehens und damit der Gesellschaft in Deutschland“ – besonders typisch, weil sie uns einen Hauptfaktor aufzeigt, der hinter den jeweiligen und individuell zu differenzierenden Taten steckt: Kultur.

Jede Kultur hat ihr Konfliktlösungsrepertoire. In der westlichen, sogenannten aufgeklärten Welt ist das im Idealfall das vermittelnde Gespräch – aber natürlich klappt die Zivilisierung auch hier nur allzuoft nicht.

In meiner Jugend haben sich die jungen Männer in der Kneipe „gekloppt“, was meist ein Ringen, und zwar anstrengend aber vergleichsweise ungefährlich war. Später kam das Boxen auf, dann das Kickboxen und dann das Treten mit den Stiefeln. Im Osten haben das, glaube ich, die Skinheads eingeführt, im Westen, hat man mir versichert, die Türken. Messer oder Schlagringe – daran hatte nie jemand auch nur gedacht. Auch unsere Gesellschaft verroht.

Aber nun tauchen die jungen Männer aus „Messerkulturen“ auf – wie ich das für mich nenne – und schreiben die Regeln um. Auch ich laufe seit 30 Jahren mit Messer herum. Damit schneide ich Äpfel, Orangen, Pilze oder Äste. Noch nie bin ich auf die Idee gekommen, es im Streit einzusetzen. Doch die Realität zwingt mich nun in diese Bilder.

Und das führt zum Kulturwandel.

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3 Gedanken zu “Mehr zum Thema

  1. Ich beziehe mich nur auf den letzten Absatz.

    Obwohl man als Deutscher typischerweise einen Extrem-Pazifismus mit der Muttermilch aufgesogen hat, bestätige ich den einsetzenden Kulturwandel vollumfänglich.

    Wer über faktenbasiertes Denken verfügt, kommt zu gewissen Schlußfolgerungen. Aus A folgt B und C.

    Wenn „die Anderen“ üblicherweise ein Messer führen und ein Messer bedenkenlos gebrauchen, bin ich (oder meine in-group) mit meinem Pazifismus verloren. Erste Erkenntnis: „Die oder wir“. Zweite Erkenntnis: auch ich werde ein Messer tragen.

    Um es auch zu gebrauchen, benötige ich ein hartes Umdenken. Ich muß mir vorstellen können, es „den anderen“ schneller … als die mir.

    Ja, der Kulturwandel ist auch zu konkretisieren: ich habe Gewaltfantasien. Es läuft absolut darauf hinaus: die oder wir.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Ich habe den Wehrdient verweigert aus Gründen, die ich größtenteils noch immer für gültig halte: In einem militärischen Konflikt zwischen Warschauer Pakt und NATO oder umgekehrt wären Deutschland, Polen usw. nur die Versuchskarnickel der Eskalation gewesen, nach deren Vernichtung sich die entscheidenden Teilnehmer, nachdem es nun nicht mehr um den Rock, sondern ums eigene Hemd gegangen wäre, besonnen hätten – wieso sollte sich ein Mitteleuropäer denn dafür hergeben?

      Also wurde ich zum Zivildienst gezogen und kam als Behelfs-Rettungssanitäter zum Rettungswesen. Eines Samstagabends gab es Alarm wegen einer Schlägerei bei einem alkoholreichen Stadtfest. Mein Fahrzeugkollege von der Stammmannschaft., die uns Zivis generell sehr skeptisch ansah, sagte mir bei der Anfahrt,, „Du bist Pazifist und du kennst so eine Situation nicht, also hältst du dich gefälligst hinter mir. Und wenn einer dumm kommt, dann knall ich ihm zuerst eine auf den Latz; danach können wir ihn immer noch versorgen.“ Die Sache hatte sich bei unserem Eintreffen zum Glück schon beruhigt, es stand nur noch der Schnapsleichentransport an, und es waren übrigens auch nur Fäuste zum Einsatz gekommen. Ein „Danke schön!“ an den ehemaligen Kollegen. Inzwischen etwas weniger blauäugig, was Menschen angeht, muss ich wohl für mich selber sorgen.

      Zeitweilig machte ich häufig alleine lange Wanderungen. Hin und wieder war man dabei überraschend mit einem freilaufenden aggressiven Hund auf öffentlichen Wegen konfrontiert, vor allem bei einsamen Gehöften, deren Bewohner sich wohl dachten, wer zu Fuß geht, ist ohnehin nichts Rechtes und hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Also hatte ich bald immer einen Stockschirm oder zumindest an solchen typischen gefährlichen Orten einen zuvor aufgelesenen Stock in der Hand und brachte mich bei Annäherung an solche Orte schon in Kampfstimmung: „Der Köter soll nur kommen, dem brenne ich eine über!“

      Daraufhin gab es kaum mehr eine Annäherung. Das Raubtier riecht die Angst wie die Entschlossenheit und möchte selbst kein Risiko eingehen, denn auch ein nur lahmer Löwe verhungert. Diese Furcht vor der eigenen Verletzung, selbst wenn man dem Gegenüber im Kampf viel mehr schaden könnte, teilen wohl auch viele zweibeinigen Raubtiere.

      Einmal allerdings umtänzelten mich gleich drei aggressive Hunde, während das sie leinenlos ausführende, vielleicht zwölfjährige Mädel in noch zweihundert Meter Entfernung ihnen resignierten Tones zurief: „Ach, [Namen], kommt doch endlich her!“ Zum Glück ging es auch dabei ohne Bisse ab, es half wohl der Anblick des ausgestreckten Stockschirms in meiner Hand. Aber viele Hunde sind des Hasen Tod. Wäre ich gebissen worden und hätte überlebt, dann hätte ich mir, ob nun legal oder illegal, möglichst schnell eine Schusswaffe besorgt und würde die heute immer mitführen. Gebissenes Kind braucht die Feuerwaffe.

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Sie sehen das völlig falsch.

    1. Es sind alles nur Einzelfälle. Man darf da nicht generalisieren.
    2. Auch Menschen, die schon länger hier sind, haben schon andere Menschen getötet. Denken Sie nur daran zurück, wie sich die Deutschen im 17. Jahrhundert zuweilen gegen spanische und schwedische Gäste betragen haben – den einen haben sie grausam winterfestes Schuhwerk verweigert und den anderen jedes erfrischende Getränk.
    3. Gab es nicht jüngst diesen Anschlag in Münster? – Da sieht man es wieder, diese Deutschen!
    4. Und selbst wenn, ohne würde es Frau Goebbels-Eckardt und uns allen doch nur langweilig.

    Um eine falsche Gewichtung bei der Öffentlichkeit auszugleichen, sollte Frau Merkel für die Münsterer Opfer dringlichst einen Staatsakt ansetzen. Also ich würde sogar ohne jegliche staatliche Kampf-gegen-irgendwas-Gelder dazu anreisen, und ihr gerne St.Lamberti zeigen – zumindest von außen, weil man mich gefährlichen Atheisten wohl neuerdings nicht so gerne in größere Menschenmengen einlassen wollte – und ihre ansonsten sicher ausnehmend weite religionsgeschichtliche Bildung um das einzige ihr anscheinend noch völlig unbekannte Element des Millenarismus ergänzen.

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