Yücels Satire

Die Leute, die #DenizYücel und seinen feuchten Traum vom Germanozid großzügig als Satire verstehen wollen, drehen bei einem Kamelwitz in der politischen Faschingsrede von #Poggenburg das Empörungsgas auf… (Raskolnikow)

Plötzlich liest man überall, daß Deniz Yücels infamer Artikel über Deutschland und die Deutschen Satire gewesen sei und die Rechten mal wieder zu blöd seien, Satire als solche zu erkennen – wie A. Poggenburg gerade erst demonstriert hat.

Durch seine kleine medienwirksame Unannehmlichkeit und den Haß der Rechten, ist Yücel mittlerweile so berühmt geworden, daß er bald mit einem Anruf der Redaktion von „Holt mich hier raus – ich bin ein Star“ rechnen kann …

Um ehrlich zu sein: der Satire-Gedanke kam mir tatsächlich nicht in den Sinn, als ich das Traktätchen las. Es mag seinerzeit auf Sarrazin gemünzt gewesen sein, dem Yücel zuvor bereits einen weiteren Schlaganfall (selbstverständlich nur satirisch) an den Hals gewünscht hatte, wofür er gerichtlich belangt und sein damaliges Blatt, die (unfreiwillig komische) TAZ, zu 20000 Euro Strafzahlung verurteilt worden war.

Verunsicherung zog ein. Selbstkritik. Sollte ich – der selbst mitunter satirisch austeilt – tatsächlich nicht in der Lage sein, eine Satire zu erkennen? Nur, weil sie vielleicht mein nationales Ehrgefühl oder meine politische Überzeugung – beides „zu haben“ würde ich ablehnen – oder was auch immer, verletzt?

Um es einfach zu machen, greifen wir zum Schülerlexikon Deutsch. „Satire“ ist dort: „eine Spottdichtung, die das Auseinanderfallen von Anspruch und Realität, Schein und Sein in den gesellschaftlichen Verhältnissen und im menschlichen Zusammenleben kritisiert.“ Sie zieht „menschliche Schwächen und gesellschaftliche Mißstände ins Lächerliche”, sie “ entlarvt auf heitere, freundlich-ironische bis boshaft-sarkastische Weise das Auseinanderklaffen von

  • Anspruch und Realität,
  • Ideal und Wirklichkeit,
  • Sein und Schein.“

Und ganz wichtig: „Der satirische Angriff geschieht indirekt durch Stilmittel wie Übertreibung und Verzerrung der kritikwürdigen Eigenschaften ins Lächerliche und Groteske, ihrer Preisgabe an Hohn und Spott.“

Daraus zu schließen, daß jede „Übertreibung und Verzerrung ins Lächerliche und Groteske“ aber Satire sei, wäre ein Irrtum. Dafür kann es ganz andere Anlässe geben, z.B. Haß oder Verachtung des lächerlich gemachten Gegenstandes oder Leichtfertigkeit….

Zur Satire gehört vor allem auch, daß letztlich nicht der Schreiber bestimmt, was Satire ist, sondern der Leser. Satire muß also am rezeptiven Ende als solche erkennbar sein und am produktiven Anfang als solche erkennbar gemacht werden. Diese Diskrepanz ist selbst Stoff für Satire. Ein solcher Text muß klare Satire-Marker aufweisen.

Yücels Beitrag bietet nun wenig Fläche, ihn primär als Satire zu lesen. Weder erschien er in einer satirischen Rubrik oder in einem satireverdächtigen Blatt, noch weißt er intrinsische Satiremerkmale auf – außer eben maßlose Übertreibung und eine „boshafte Weise“. Das eigentlich humoristische Element scheint zu fehlen – es sei denn, man ist sich von vornherein einig darüber, daß Deutschland und Deutschsein ohnehin nur noch lächerliche Entitäten sind. Hier liegt die Crux – es endet beim „Geschmack“.

Allerdings: es gibt einen guten Test für Satire. Sie muß sich umdrehen lassen können. Machen wir die Probe aufs Exempel und setzten wir statt „deutsch“ und „Deutschland“, „türkisch“ und „Türkei“ ein. Stellen wir uns dann noch vor, der Artikel erscheint in einem der deutschen (oder türkischen) Hauptblätter. Imaginieren wir, daß der Verfasser einmal ein strohblonder deutscher Journalist (mit kantiger Physiognomie und auf den Namen „Hans“ hörend) in einem konservativen Blatt sei oder andersherum ein deutscher Auslandskorrespondent in der Türkei.

Satire hängt nämlich auch davon ab, wer wen bespöttelt. Hätte Poggenburg im Bierzelt Yücels Artikel verlesen und Yücel in der TAZ Poggenburgs Kameltreiberrede notiert, dann hätten beide keine Schwierigkeiten mit der Satire gehabt.

Der jüdische Witz ist legendär, aber wenn ein bekennender Nazi oder ein Islamist einen Kohn-Witz macht, vielleicht sogar mit Triggervokabeln, dann ist das nicht mehr lustig, während der alte Rabbi in dieser Hinsicht sagen kann, was er will …

Die dritte Denkaufgabe wäre also, Yücels „Satire“ einem, sagen wir, sprachmächtigen AfD-Politiker zum Aschermittwoch unterzujubeln.

Das führt zur vierten Übung: Man stelle sich das Ganze mit „jüdisch“ und „Juden“. „muslimisch“ und „Muslime“, „schwarz“ und „Schwarze“ … vor und man imaginiere in allen Fällen die Reaktionen des Gerechtigkeitsfeuilletons.


Super, die Türkei schafft sich ab!

Endlich! Super! Wunderbar! Was im vergangenen Jahr noch als Gerücht die Runde machte, ist nun wissenschaftlich (so mit Zahlen und Daten) und amtlich (so mit Stempel und Siegel) erwiesen: die Türkei schafft sich ab!

Nur 16,5 Prozent der 80 Millionen Türken, so hat das Statistikinstitut ermittelt, sind unter 18 Jahre alt, nirgends in Europa ist der Anteil der Minderjährigen derart niedrig. Auf je 1.000 Einwohner kommen nur noch 8,3 Geburten – auch das der geringste Wert in Asien.

Besonders erfreulich: Die Einwanderer, die jahrelang die Geburtenziffern künstlich hochgehalten haben, verweigern sich nicht länger der Integration und leisten ihren (freilich noch steigerungsfähigen) Beitrag zum Türkensterben.

Volkssportarten Eselreiten und Christenklatschen

Noch erfreulicher: Die Bosporustürken schaffen sich als Erste ab. Während in Ostanatolien die Zahl der Minderjährigen in den vergangenen zehn Jahren um 10 Prozent gesunken ist, ging sie im Westen um 29 Prozent zurück. Die Yusufs, Ömers und Ahmets pfeifen auf das neue erdoğansche Untergangsszenario der Zweikindfamilie und tragen nach Kräften dazu bei, daß den ostanatolischen Volkssportarten Eselreiten, Rumlungern und Christenklatschen in absehbarer Zeit der Nachwuchs ausgehen wird.

Woran die Byzantiner, die Griechen und die Armenier gescheitert sind, wovon Atatürk geträumt hatte, übernehmen die Türken nun also selbst, weshalb man sich auch darauf leider nicht verlassen kann, daß es wirklich passiert. Denn ganze Sachen waren bisher nur türkische Sachen, wenn es um die Ausradierung anderer ging, wegen dieser Gründlichkeit werden die Türken in aller Welt ein wenig bewundert und noch mehr gefürchtet.

Nun ist schon so manches Volk ohne das gewalttätige Zutun anderer von der Bühne der Geschichte abgetreten: Die Etrusker wurden zu Bürgern Roms, die Hethiter gingen im anatolischen Völkergemisch auf, die Skythen verschwanden irgendwo in den Weiten der Steppe.

Eine Nation, die mit ewigem Krawallmachen auffällt

Der baldige Abgang der Türken aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. Eine Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen als erstes Namen und Gesicht in Form des modernen Genozids verliehen zu haben und, wie Tangsir einmal schrieb: Der armenische Genozid ist ein weiterer türkischer Völkermord, der in seinen Details aufzeigt wie gewöhnlich Türken ganze Völker vernich(te)ten; eine Nation, die seit jeher mit grenzenlosem Größenwahn, penetrantem Machismo und ewiger Krawallgenerierung auffällt; eine Nation, die sich geschlossen dem Rasiermesser (Ockhams und Gilletes) verweigert, eine Nation schließlich, die dutzende abhorrierende Ausdrücke für das „schöne Geschlecht“ kennt und für alles Erotische nur motherfuckende Wörter im Umkreis von „Ficken“, „Hure“, „Schlampe“, „Fotze“, weil die eigene Sprache nur verklemmtes, grobes oder brutales und frauenverachtendes Vokabular zu bieten hat, diese kulturlose Nation also kann gerne dahinscheiden.

Apropos Sprache: Die Liste jener türkischen und arabischen Wörter, die jüngst die deutsche Sprache bereichert haben, illustriert, was der Welt mit dem Ableben der Türken verlustig ginge: „Ottomane“, Isch“, „Lan“, „Yalla“, „Pascha“, „cüs”, „Moruk”, „Schabracke“, „Kanak Sprak“, „Mussu“, „wallah“, „Alta“, „Döner“, „Yücel“ und „Kümmelarmenier“.

Welcher Mensch von Vernunft, Stil und Humor wäre betrübt, wenn diese Wörter und mit ihnen die ihnen zugrunde liegenden Geisteshaltungen verschwinden? Eben.

Mehr Zärtlichkeit für den Ziegenbock als für die Sprache

Der Erhalt der türkischen Sprache übrigens ist kein Argument dafür, die türkische Population am Leben zu erhalten. Denn der Türke und das Türkische haben miteinander etwa so viel zu schaffen wie Astronomie und Astrologie. Oder besser noch: wie Lamm und Schächter. „Für seinen Ziegenbock und seinen Wandteppich empfindet der Türke mehr Zärtlichkeit als für seine Sprache“, bemerkte Erkek Adı Çiçekoğlu einmal. Im Interesse der türkischen Sprache können die Türken gar nicht schnell genug die Biege machen.

Nun, da das Ende des Türkenreiches ausgemachte Sache ist, stellt sich die Frage, was mit dem Raum ohne Volk anzufangen ist, der bald am Rande Asiens entstehen wird: Zwischen Armenien und Griechenland aufteilen? Parzellieren und auf dem Basar verhökern? Palästinensern, Tuvaluern, Kabylen und anderen Bedürftigen schenken? Zu einem Naherholungsgebiet verwildern lassen? Oder lieber in einen Opiumacker verwandeln?

Egal. Etwas Besseres als die Türkei findet sich allemal.

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Fazit: Ist doch lustig, oder? Also Satire!

 

PS: An alle Rassismus-Theoretiker da draußen: Ich sage das als Halbtürke und darf das sagen. Der Aldi-Gentest hat ergeben: Die Türken und ich, wir haben einen gemeinsamen Vorfahren!

 

 

2 Gedanken zu “Yücels Satire

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Die Austauschprobe ist eine gute Methode, um Asymmetrien zu entdecken und darzustellen. Für das erste reicht oft schon das bloßen Gedankenexperiment.

    Denen man damit etwas zeigen will, bei denen verfängt aber gewöhnlich die Methode am wenigsten, weil sie üblicherweise unverrückbare Ansichten darüber haben, wer was wann wo und wie über wen billigerweise sagen darf. Die Vorführung der eigenen Voreingenommenheit wird nur als Beweis der Unschicklichkeit des Vorführers verstanden und folglich der Unbeachtlichkeit seines Einwands.

    David Hilbert soll gesagt haben: „Manche Menschen haben einen Gesichtskreis vom Radius Null. Diesen nennen sie ihren Standpunkt.“ Hilberts Spruch enthält aber zwei falsche Annahmen. Viele haben gar keinen Gesichtskreis, sondern einen recht schlanken Gesichtssektor. Und natürlich glauben sie auch nicht, auf einem Standpunkt zu stehen, also auf einem persönlich erwählten Ort, von dem sie auf die Welt schauen – vielmehr ist es der allen einzig erlaubte. Gedränge am Meinungsort stört sie übrigens am wenigsten.

    ――――――――

    Nehmen wir an, ein von einem Einzelfall im Familienkreis Betroffener zöge zwar nicht blank, aber mit anderem Stahlgerät im Gepäck in die Bundeshauptstadt, um dort eine Person zu treffen, die eine für seine Betroffenheit kausale Entscheidung getroffen hat, und dieser Reisende träfe nun besser als einst der Bürgermeister Tschech die Landesmutter – schriebe dann die Presse auch von einem bedauernswerten Einzelfall, um dann schon einen Tag später wieder auf für die Menschheit wichtigere Themen zu wechseln, etwa das Feinstaubproblem in lepidopterologischen Sammlungen? Wie reagierte die Presse auf öffentliche Einlassungen Einzelner, was stattgefunden habe, sei ja doch nur ein Einzelfall, den man allenfalls mit mürrischer Gelassenheit betrachten sollte, zumal der Getroffenhabende doch Betroffener und folglich schwer traumatisiert sei und als noch nicht so lange Traumatisierter dann sogar in besonderem Maße labil gewesen sei? Oder auf die angestellte Mumaßung, man wisse halt auch noch nicht genug um auszuschließen, dass hinter dem Vorkommnis nicht vielleicht doch eigentlich ein Beziehungsproblem stecke? Usw. usf.

    Gefällt 1 Person

    • Till Schneider schreibt:

      Danke vor allem für das – wenn auch ungesicherte – Hilbert-Zitat. Das kommt ja schon fast an meine favourites zum Thema heran:

      Aus den Leidenschaften wachsen die Meinungen;
      die Trägheit des Geistes lässt diese zu Überzeugungen erstarren. (Nietzsche)

      Wer nicht weiterdenkt, denkt überhaupt nicht. (Arthur Schnitzler)

      Eine Sache, die überzeugt, ist deshalb noch nicht wahr:
      sie ist bloß ü b e r z e u g e n d. Anmerkung für Esel. (Nietzsche)

      🙂

      Moment – Schnitzler hat es nicht verdient, wenn ich den Kontext weglasse:

      Intellektualität, waltend in den engen Grenzen einer sogenannten Disziplin, ist nicht mehr als gehobene Bürokratie. Denn: Wer nicht weiterdenkt, denkt überhaupt nicht.

      So ist es natürlich auch inhaltsreicher …

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