Der Gauckler

Ich glaub, mein Schwein pfeift, hätte man in typisch frecher und flinker Lausitzer Schnauze wohl in Cottbus gesagt, wo es gerade, wie man liest, Ärger gibt: die Menge.

Man kommt tatsächlich aus dem Staunen nicht heraus: Da hat also der Gauck, Joachim, emeritierter Bundespräsident – ich muß kurz überlegen: wie hieß der aktuelle grad noch mal? – gesagt: „Mich erschreckt der Multikulturalismus“?

Hat er natürlich nicht! Gesagt hat er: „Wohin ein solcher Multikulturalismus aber tatsächlich geführt hat, das hat mich doch erschreckt“ – und das ist doch etwas anderes. Aber die Skandalisierungsmaschine nimmt keine Gefangenen, selbst aus dem eigenen Lager nicht und erst recht nicht, wenn sie Demenz- und Delinquenzerscheinungen aufweisen.

Was Gauck mit „ein solcher“ meint, muß man nicht breit auswalzen – das wissen meine Freunde in Cottbus = X besser.

Trotz dieser kleinen Manipulation bleibt Gaucks Auftritt in Düsseldorf, wo er eigentlich über Heine sprechen wollte – ach, was waren das noch für Zeiten, als man über Heine sprechen konnte, ohne das Wort „Flüchtling“ nutzen zu müssen! –, über Heine also, der sich in seiner Matratzengruft wälzen würde, wüßte er um seine Düsseldorfer Erben.

Jedenfalls hatte Gauck eine Erleuchtung und die kam ausgerechnet aus Dunkeldeutschland.

Im Amt galt er als einer der größten Leugner und Hasserhasser hinter heuchlerischer Hülle des Gutseins, einer, der durch sein Dauerweggrinsen, Fingerzeigen und Schönreden maßgeblich für den Stimmungstiefpunkt im Land mitverantwortlich ist. Aber Amt ist Amt und Schnaps ist Schnaps und erst wenn man ersteres hinter sich hat, darf man sich schnaps-selige Nüchternheit erlauben.

Die offene Lehre aus der Geschichte ist: Sie sind alle Heuchler – zumindest darf man das vermuten. Es ist ja nicht das erste Mal, daß einer den Mund aufmacht und die Augen, nachdem alle Berufsrisiken schadlos überstanden sind. Heißt auf gut deutsch also entweder: Sie wissen, was sie tun, oder: das Amt führt zu Blindheit – also muß man sie entheben.

Das ist, wie gesagt, das Offensichtliche und in diese Richtung gehen die Kommentare zumindest derjenigen, die jetzt nicht in Schockstarre sitzen und sich fragen: „Was, der Gauck? Ist jetzt auch ein Rechter?“ – Nein, non abbiate paura! Er ist nicht rechts, er ist nur in der Realität angekommen, die freilich rechts liegt. Da läßt sich nichts machen.

Aber Feyerabend liegt auch diesmal richtig, ich meine rechts: Nichts ist so dumm, daß man daraus nicht klüger werden könnte, man muß nur die richtige Perspektive finden. Und dann darf man Gauck auch mal loben!

Denn ob er es nun wollte oder nicht, er hat etwas Großartiges mit seiner Hetzrede von den schrecklichen Folgen des Multikulturalismus, von der „Unterdrückung von Frauen bei uns und in vielen islamischen Ländern“, von „Zwangsheiraten, Frühheiraten, Schwimmverboten für Mädchen in den Schulen“, vom „Antisemitismus unter Menschen aus arabischen Staaten”, vom Kritikverbot am Islam, von „Haß und Diskriminierung von Muslimen in unserem Land“, von den „kritikwürdigen Verhaltensweisen von einzelnen Migranten“, vom „unter den Teppich kehren“, von der „berechtigten Kritik an Muslimen“, von den „zu vielen Zugezogenen“, die noch immer  „abgesondert mit Werten und Narrativen“ leben, „die den Gesetzen und Regeln und Denkweisen der Mehrheitsbevölkerung widersprechen“, die „hier seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten leben, ohne die Geschichte dieses Landes zu kennen“, geleistet.

Glaubt es! Das ist O-Ton Gauck! Sofern die Presse nicht lügt … Er spricht auch vom „Nationalstaat, der sich nicht überfordern darf“, von den „imaginierten Vertretern eines Weltbürgertums“, die „alle Grenzen des Nationalstaates hinwegzunehmen“ sich anschicken, von der „materiellen, territorialen und sozialen“ Überforderung des Staates und der psychischen der Menschen und von der berechtigten Angst vor dem Fremden.

Nicht im Inhalt seiner Rede liegt das Verdienstvolle, denn das ist banal für Unsereinen, sondern, daß er es sagt, das ist ein Verdienst und ist tapfer – immerhin geht es noch um den Spruch auf dem Grabstein!

Damit reißt Gauck in die Mauer der Verleugnung, in die sich alle Zirkel der Macht eingepfercht haben, ein Loch, durch das nun auch andere flüchten können.

Denn natürlich brodelt es in diesem Kerker der selbstauferlegten Unmündigkeit, natürlich „ahnen“ viele ihre kognitive Dissonanz, selbstverständlich leiden zahlreiche unter den Eliten an Herzdrücken und Reflux … und jetzt haben sie die Möglichkeit, aus dieser Mördergrube auszusteigen. Auf Gaucks dürren Schultern – aber immerhin. Er – und keiner war besser geeignet ob seines einstigen Amtes und ob seiner Vissade – er kann nun als Schild dienen, er hat eine historische Situation geschaffen, er ist das Kind, das „Men han har jo ikke noget paa[1] rief.

Die Lösung: #meGauck

[1] Aber er hat ja gar nichts an!

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