Das Christophorus-Syndrom

Der Begriff der Globalisierung in seiner aktuellen Verwendung läßt unmißverständlich erkennen, daß wir in einem Prozeß der Abstände-Vernichtung verwickelt sind. Das führt dazu, daß wir durch Dinge, die in großer Ferne geschehen, wie aus nächster Nähe in Mitleidenschaft gezogen werden und daß der real ausgedehnte, trennende, diskrete und emanzipierende Raum zunehmend eliminiert wird. (Peter Sloterdijk)

„Den Kopf in den Sand stecken“ ist ein altes geflügeltes Wort. Es beschrieb den Zustand der Realitätsverweigerung anhand eines dem Strauß irrtümlich zugeschriebenen Verhaltens. Viel häufiger freilich tritt dieses Verhalten beim Menschen auf, gerade Kinder weigern sich oft instinktiv, die drohende Gefahr zu sehen.

bayerische Volkskunst um 1800

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Der Chor der Schmeichler

Die letzten unverfälschten Wahlen in der DDR – so wie man sie kannte – fanden am 7. Mai 1989 statt. Es waren die Kommunalwahlen. Im Lande brodelte es merklich, die Wahlen hätten ein Markstein werden können.

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Flüchtige Gedanken

Ironie des Gedenkens: Die organisierte Gedenkmonokultur wird, wie alles Eindimensionale, an der Vielfalt, am Pluralismus und an der Kapitalverwurstung zugrunde gehen. Noch funktionieren die Empörungsreflexe, wenn etwa eine deutsche Eisläuferin nach Musik des Hollywood-Blogbusters „Schindlers Liste“ tanzt: daß sie es bereits ohne Hintergedanken tut, bezeugt das baldige Ende.

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Volk ohne Raum

Deniz Yücels gefährliches Spiel mit der Satire ebenso wie das ARD-Auswanderungsepos „Aufbruch ins Ungewisse“ brachte das längst vergessene Schlagwort vom Volk ohne Raum in Erinnerung.

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Yücels Satire

Die Leute, die #DenizYücel und seinen feuchten Traum vom Germanozid großzügig als Satire verstehen wollen, drehen bei einem Kamelwitz in der politischen Faschingsrede von #Poggenburg das Empörungsgas auf… (Raskolnikow)

Plötzlich liest man überall, daß Deniz Yücels infamer Artikel über Deutschland und die Deutschen Satire gewesen sei und die Rechten mal wieder zu blöd seien, Satire als solche zu erkennen – wie A. Poggenburg gerade erst demonstriert hat.

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Über-Setzen nach Hamsun

Ich begriff schon als Heranwachsender, daß diese Sprache sich einfach eignet für die ganz großen Fragen. Bildung – den Begriff kann man nicht übersetzen. Der „Sinn des Lebens“, das klingt auf Italienisch fast lächerlich. Aber auf Deutsch weist einen die Sprache mitten in die organische Einheit des Lebens. Dieses Bohrende, Systematische hat mich ungemein fasziniert. (Claudio Magris)

Hamsuns Jahrhundertroman „Segen der Erde“ gibt uns Gelegenheit an einem Beispiel, die Schwierigkeit des Übersetzens zu verdeutlichen. Wir werden sehen, daß norwegische Leser, die das Buch in der Originalsprache lesen können, ein anderes lesen als deutsche, englische oder italienische.

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Idiotie und Intriganz

Nicht die Politiker sind beschränkt, sondern die Beschränkten werden Politiker. (Günther Anders)

Ja, man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wenn man liest, daß nun Ursula von der Leyen, die siebenfache Mutter und Verteidigungsministerin, als neue NATO-Generalsekretärin im Gespräch sei.

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Selbstüberholungen

The power of ideas to transform the world is itself accelerating. (Ray Kurzweil: The singularity is near)

Die sogenannte Flüchtlingskrise stellt auf politischer Ebene den Abschied von einer alten erkenntnistheoretischen Figur dar: des Dialogs mit den Alten.

Neu an unserem letzten Zeitalter ist, daß das Neue a priori positiv gesetzt wird und die natürliche Furcht davor, die alle menschlichen Gesellschaften aller Zeiten auszeichnete, überwunden wurde.

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Warum das Ende naht

Das Langsamste wird im Lauf niemals vom Schnellsten eingeholt werden; erst einmal muß doch das Verfolgende dahin kommen, von wo aus das Fliehende losgezogen war, mit der Folge, daß das Langsamere immer ein bißchen Vorsprung haben muß.
Aristoteles über das Achillesparadox des Zenon von Elea (Physik VI 9. 239 b)

Seit Jahrzehnten gehörte in ein gutes allumfassendes Schachbuch die Computerrubrik, und die wiederum konnte es sich offensichtlich nicht leisten, ohne Prognose auszukommen: Wann würde der Computer endgültig den Menschen – gemeint sind natürlich immer nur die besten der Spezies – hinter sich lassen. Gesucht wurde der Zeitpunkt, an dem auch die hervorragendsten Geister keinerlei Chance mehr haben werden, so als würde Max Mayer tausend Mal gegen Magnus Carlsen antreten und tausend Mal verlieren.

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Die Luft wird dünner

Die Vorstellung, nach Deutschland oder in die „freie Welt“ zurückzukehren, löst Beklemmungserscheinungen aus. Wird man dort noch die Luft zum freien Atmen haben? Die Zeichen stehen schlecht und jeden Tag lese ich aus der Ferne von beängstigenden Symptomen zunehmenden Sauerstoffmangels – Oxygen übersetzt sich für den „Intellektuellen“ in Parrhesia oder: Redefreiheit.

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Kuczynski kommt!

Genau wie Marx und Engels vorausgesehen, geht die kapitalistische Gesellschaft bei dauernd steigernder Produktivität ihrem Untergang entgegen – ganz gleich, wie lange sich der Weg in den Untergang hinzieht. (Kuczynski)

Jürgen Kuczynskis Buch „Probleme der Selbstkritik“ hat Erinnerungen geweckt, an eine Lebensphase, die heute nahezu unwirklich erscheint. Vermutlich werden die westdeutschen Leser ratlos über den folgenden Zeilen sitzen, während mancher Ostdeutscher mich vielleicht begleitet bei diesem Abstecher in eine – ja, absurde Zeit.

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AfD, Islam und Konvertiten

Das islamische Wertesystem verinnerlicht man durch Sozialisation, nicht durch Koranlektüre; es besteht, wie das Wertesystem anderer Kulturen auch, aus tausenden von zumeist ungeschriebenen Regeln und Wertvorstellungen, die einer Gesellschaft erst ermöglichen zu funktionieren. Bewußt bejahte politische Ideologien machen nur einen winzigen Bruchteil dieser Systeme aus. (Manfred Kleine-Hartlage)

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied der AfD Brandenburg ist zum Islam konvertiert und die Presse kann sich die Häme nicht verkneifen. In einer scheinbar skurrilen Pressekonferenz gibt der Mann, ein Rußlanddeutscher, Auskunft und wird belächelt.

Dabei spricht er einige wesentliche Punkte an, die diskutiert gehören.

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Rettet die Entartung!

Wenn Andrea Nahles der einzige Mann in der SPD-Spitze ist (wie Jasper von Altenbockum fand (um sich (nach(zu erwartendem veritablem Shitstorm schnell zu erklären)))), dann ist Anton Hofreiter die einzige Frau bei den Grünen.

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Der Gauckler

Ich glaub, mein Schwein pfeift, hätte man in typisch frecher und flinker Lausitzer Schnauze wohl in Cottbus gesagt, wo es gerade, wie man liest, Ärger gibt: die Menge.

Man kommt tatsächlich aus dem Staunen nicht heraus: Da hat also der Gauck, Joachim, emeritierter Bundespräsident – ich muß kurz überlegen: wie hieß der aktuelle grad noch mal? – gesagt: „Mich erschreckt der Multikulturalismus“?

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Die Grenzen der Toleranz

Mal wieder Neues aus Schnellroda.

„Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es!“ (Joh. 1.46)

Nicht viel, wenn man Mariam Lau glaubt. Die hat sich diesmal Ellen Kositza vorgenommen, nachdem im August schon Kubitschek dran gewesen ist. Entstanden ist das Porträt einer geschlossenen Frau, verbiestert, verhärtet, verrannt. So zumindest lese ich den Artikel – es gab darüber Streit mit meiner Frau … man kann es offenbar anders sehen.

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