Die Konsequenz

„Denn ein guter Mensch macht die Welt nicht im geringsten gut, er bewirkt überhaupt nichts an ihr, er sondert sich nur von ihr ab.“ Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften

Okay, ziehen wir endlich die Konsequenz.

Dieter Wedel scheint überführt, so wie es Harvey Weinstein ist. Die ersten Schauspielerinnen weigern sich, für Woody Allen zu arbeiten; endlich ist der Mann – der einzige Regisseur, von dem ich mir alles anschaue – erledigt. Kinski – wann lief der das letzte Mal? Kevin Spacey wurde raus geschnitten und die Serie gestoppt, Dustin Hoffmann hat sich schon mal prophylaktisch entschuldigt. Und Polanski, diese Geschichte zieht sich lächerlich lang hin. Gehört längst entsorgt. Die Filmbranche ist durch und durch verseucht.

Aber damit hört es leider nicht auf. Gerade wurde in den USA ein Nationaltrainer zu 175 Jahren Haft verurteilt, wegen multiplen sexuellen Mißbrauchs. Österreich hat seine Ski-Ikone Toni Sailer wegen Vergewaltigung verloren, posthum. Im britischen Parlament wurden in einem Jahr 300 000 Mal Pornoseiten aufgerufen, Minister treten wegen Knieberührungen zurück und Staatssekretäre vergehen sich auf wilden Orgien an Hostessen. Identität Mann, nicht Politiker – der logische Schluß: das dürfte sich in anderen Parlamenten, Sportorganisationen, Filmcrews und also überall, wo Männer auf begehrenswerte Frauen treffen, wiederholen. Männer sind Schweine, sie wollen alle nur das eine.

Wer für Allen oder Wedel spielt oder ihn schaut, macht sich mitschuldig und wer Astrid Lindgren noch in der Erstausgabe liest, ist ein Rassist. …

Darf man annehmen, daß es in Zeitungsredaktionsstuben anders läuft oder bei der ARD oder daß der Vorstandschef nicht doch mal der Sekretärin unter den Rock faßt …?

Und die Museen und Galerien. Ich traue dem Van Gogh, diesem Irren, nicht über den Weg. Der sieht schon aus wie Kinski, der hat doch bestimmt auch … Aber ich will nicht langweilen …

Wenn Woody Allen nicht mehr geht oder „House of Cards“, dann geht fast gar nichts mehr – wir wissen es nur noch nicht.

Machen wir den Laden endlich dicht! Hören wir auf, Musik zu hören, Bücher zu lesen, Filme zu gucken, Bilder anzuschauenBlogs von anonymen Männern zu konsumieren, wenn wir schon die Differenz zwischen juristischer und künstlerischer Sphäre und die zwischen einer Straftat und eines mißglückten kommunikativen Handelns aufheben.

In allen manifestiert sich strukturelle sexuelle Gewalt (außer natürlich in einem bestimmten Buch und in nächtlichen Parks).

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