Die Schöne und das Biest?

Wo die Liebe hinfällt, da bleibt sie liegen, und wär‘ es ein Misthaufen. (deutsches Sprichwort)

In seiner weltliterarisch bedeutsamen Autobiographie erinnert sich der dänische Nationaldichter Hans Christian Andersen an eine seltsame Szene aus seiner Kindheit. Er war gerade drei Jahre alt, als die Stadt Odense auf Fünen in Unruhe geriet. Überall erschienen laute, unruhige, bärtige und dunkelhäutige Männer. Kanonen wurden abgefeuert, auf den Plätzen und Straßen lagen Uniformierte, in Kolding ging das Schloß in Flammen auf …

Der kleine Junge wurde von einem dieser Männer hochgehoben und mußte ein silbernes Medaillon küssen, wofür es von der Mutter Schelte gab, „denn das war was Katholisches“.

Als die Spanier kamen. Krieg und Kultur-Clash (frei und mit Hintersinn übersetzt)

Die Spanier waren in der Stadt und in ganz Westdänemark. Napoleonische Truppen unter Bernadotte, 34 000 Mann. Es ist Winter im Jahre 1807. Sie bleiben nur wenige Wochen – doch im Herbst 1808 werden auffällig viele uneheliche dunkelhäutige, schwarzhaarige Kinder geboren. Manch ein blasses, blondes und sommersprossiges Mädchen konnte nicht widerstehen und auch die ausgehungerten Soldaten werden ihr Glück kaum haben fassen können. Es gab auch Heiraten und Happy Ends. Noch heute zeugen einige Nachnamen von der kurzen, aber heftigen spanischen Affäre: Panduro z.B., wie Leif Panduro, einer der bedeutendsten modernen Autoren des Landes.

Wir wissen nicht, wie die damalige Gesellschaft mit diesen „sündigen“ Mädchen und den Kindern umgegangen ist. Sie haben nur das Programm der Natur erfüllt, das eine statistisch nachweisbare Vermischung vorschreibt. So ist es, wenn fremde Männer – bei Frauen wäre es wohl nicht anders – in ein Land einfallen. Sind sie noch dazu jung, gut aussehend, verstehen sie sich auf den erotischen Internationalismus, bieten sie mehr als schwielige Hände oder kleinbürgerliche Langeweile … wer wollte es den jungen Frauen verübeln?

In Deutschland erregt der Fall eines 16-jährigen deutschen Mädchens allgemeines Aufsehen, weil dieses sich mit einem etwas älteren Syrer zusammengetan hat. Sein genaues Alter wissen wir nicht; es wurde mehrfach nach oben korrigiert und wirkt mit 20 noch immer unwahrscheinlich. Andere Skandale der letzten Zeit, in denen Lebensalter massiv gefälscht wurden, kommen in den Sinn – haben dort aber nichts verloren, denn wenn Hussain lügt, dann muß Mohammed nicht automatisch auch lügen.

Wieder läuft das biologische Programm ab. Eine von zehn oder hundert oder tausend muß es erfüllen, mögen die individuellen Gründe tausendfältig sein. Ein junges blasses, blondes, sommersprossiges Mädchen verfällt dem dunklen Teint, der Exotik. Sieht man ihren ebenso blassen Schulfreund, dann kann man ihr das kaum verdenken. Da wird sie umschmeichelt und umworben … und andererseits gibt ihr einer endlich Halt und Orientierung in einer Welt, in der junge Menschen sich fast nur noch an den eigenen Begierden orientieren können – was soll sie anderes tun, als sich zu verlieben? Wozu die Aufregung? Man sollte das Mädchen davor schützen.

Es geht auch weniger um diese ungleiche Beziehung, als um die Übertragung. Ein Sender, dessen Publikum drei- bis 13-jährig sein soll; dieses dürfte oder sollte zumindest von derartigen semisexuellen Einsichten überfordert sein. Pädagogisch kann man hier meckern. Auch die Musik und die Bildführung sind zu suggestiv und zu deutlich auf Romanze gemacht.

Darüber hinaus scheint der Film eine wichtige Wahrheit zu sagen – sofern man in der Lage ist, durch den Schleier zu schauen. Er zeigt die quasi Unüberwindbarkeit der kulturellen Differenz oder doch die autohypnotische Macht der Liebe, diese Differenzen zu übersehen.

Solche Beziehungen sind selbst für erfahrene Menschen nur in seltenen Fällen langfristig lebbar. Ich selbst kenne acht Ehen dieser Art – nur zwei davon leben (im westlichen Sinne) noch. Drei führten zu physischen Übergriffen und eine zum Verlust zweier Kinder, die dem iranischen Vater zugesprochen wurden (die konkreten Hintergründe sind mir allerdings nicht bekannt) – Tragödien! Zwei weitere zur Unterwerfung und Konversion der Frauen. Eine funktioniert nur, weil hier die Frau die absolut dominante Kraft ist, in jederlei Hinsicht. Trotzdem muß man dem Kind das Recht zugestehen, naive Sätze wie diesen zu sagen: „Auf die Liebe kommt es an und nicht aus welchem Land man kommt.“

Der Beitrag zeigt auch die Kompromißlosigkeit der anderen Kultur, die selbst im fremden Land ungeschminkt Ansprüche stellt in Form von Ver- und Geboten. Diese Dinge müssen dokumentiert werden!

Man sieht in vielen Szenen, wie besitzergreifend der junge Syrer ist, in Wort und Tat. Der Film verbirgt hier nichts, außer vielleicht die Tatsache, daß auch Syrer Individuen sind und nicht alle derart denken[1]. Aber es mag submissive Frauen geben, die das mögen oder brauchen. Es mag auch welche geben, die in einer strikten religiösen Struktur, wie sie besonders der Islam bietet, Halt finden und ich fürchte, es werden immer mehr. Das Konversionsproblem dürfte mit der ethnographischen Veränderung exponentiell wachsen und bald könnte der Moment eintreten, in dem es en vogue wird Muslim zu sein (Houellebecqs Vision) – oder blanke Überlebensnotwendigkeit.

Das alles wird kommen, ob wir es mögen oder nicht (ich mag es nicht!) – der Film zeigt dies auf subtile Weise. Und auf deutliche Weise auch: „Ich bin in einer arabisch-muslimischen Kultur aufgewachsen … ich glaube an meine Kultur und an meine Religion.“ Oder: „Die Religion gibt dir Regeln und diese Regeln mußt du im Leben halten. Du hast ein Prinzip im Leben mit der Religion. Ohne diese Religion hast du keine Regel, das heißt, hast du kein Leben.“ Starke Worte, beeindruckende Worte. So kann ein einzelner Syrer uns alle vorführen.

Er sagt: „Heimat ist alles!“ – Sie: „Ich habe das Gefühl, daß Heimat immer da ist, wo er ist. Ich hoffe, daß ich für ihn einfach nur Heimat bin, daß er keinen Ort braucht.“ Was zu beweisen war.

Wir sollten dem gescholtenen Kinderkanal dankbar dafür sein! Wir brauchen mehr davon!

Literatur:
Hans Christian Andersen: Mit livs eventyr. København 1855
Henning Petersen (Hrsg.) Da spaniolerne kom – Krig og kulturmøde 1808. Højbjerg 2009
[1] Einer dieser Sorte spielt hier von Anfang an eine wichtige Rolle.
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3 Gedanken zu “Die Schöne und das Biest?

  1. Ulrich Christoph schreibt:

    Als Vater zweier mittlerweile erwachsener Töchter (die den Kinderkanal seinerzeit nicht zu sehen bekommen haben!), lese ich Ihren Beitrag zum wiederholten Mal und werde ein Gefühl der Beklemmung einfach nicht los.
    Hier geht es – in beispielhafter, um nicht zu sagen vorbildhafter Weise – um ein vierzehnjähriges, inzwischen gerade einmal sechzehnjähriges Mädchen und einen erwachsenen Mann aus einem fundamental anderen Kulturkreis mit unklarem Alter.
    Blicke ich einmal zurück in die Zeit, als meine Töchter 14 bis 16 Jahre alt (jung) waren: Niemals hätte ich vergleichbare Kontakte mit erwachsenen Männern aus fernen oder auch dem christlichen Kulturkreis zugelassen. Niemals hätte meine Frau das zugelassen.
    Ich kann nicht umhin, in einer TV-Sendung wie dieser KIKA-Produktion, die für noch weit jüngere Zuschauer als dieses ahnungslose, minderjährige Mädchen produziert wurde, einen Akt der Indoktrination von Kindern und Eltern zu sehen, – und den denkwürdigen Beginn einer neuen Propagandaoffensive insbesondere der öffentlich-rechtlichen Sender.

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    • Familiär scheinen wir offenbar in ähnlichen Konstellationen zu leben. Wäre in unserer Familie dieser Fall eingetreten, dann hätte ich vermutlich die Schwierigkeiten einer solchen Beziehung sehr deutlich gemacht, es im Übrigen aber meinen Töchtern überlassen – menschliche, körperliche und geistige Reife vorausgesetzt – wie sie damit umgehen und weiterhin aufmerksam beobachtet, ob es kritische Situationen gibt. Das gilt für alle Differenzen weil zu große Unterschiede in der Regel ein Beziehung belasten – das kann Ethnie und Nationalität sein, Religion, Intelligenz, Interessen, Schönheit, Körpergröße, Einkommen, sozialer Status, Sprache, Traumata, Psyche …

      Diese Malvina scheint mir ein sehr reflektiertes Mädchen zu sein, die sich durchaus selbstkritisch hinterfragt – sofern Verliebtheit das zuläßt. Und dieser Mohammed, nach allem was man sehen kann, scheint im Grunde seines Wesens gutherzig zu sein. Warum sollte so eine Beziehung nicht im Einzelfall möglich sein? Prinzipielle Aversionen sollten zwar nicht runtergeschluckt werden, aber doch rationalen Argumenten und emotionalen Befindlichkeiten weichen.

      Wir wissen nicht, welche tiefsitzenden Bedürfnisse der junge Mann erfüllt. Ich kenne eine Frau, die schon als junges Mädchen davon träumte, einen schwarzen Mann zu haben – woher kam diese seltsame Phantasie? Jetzt ist seit langem mit einem Zentralafrikaner verheiratet – schwärzer geht’s nicht – haben nicht mal eine richtige Sprache … und es scheint doch irgendwie zu gehen (unter dem bekannten Geschichtsvorbehalt). Das – diese zwischenmenschlichem Konstellationen – muß man zuerst zu verstehen versuchen bevor man wertet.

      Die Frage des Alters: bis auf Weiteres muß man von einem Altersunterschied von vier Jahren ausgehen und das ist m.E. im Bereich des Vertretbaren – Mädchen dieses Alters haben in der Regel einen Entwicklungsvorsprung gegenüber gleichaltrigen Jungen und orientieren sich sehr oft nach oben. Nichts Außergewöhnliches. Sollte er gelogen haben, dann wird die Unehrlichkeit selbst zum Kriterium. (Einige der Syrer haben tatsächlich schon in jungen Jahren sehr starken Bartwuchs, da ist Vorsicht geboten.)

      Als Lebenslehre kann sowas sogar sehr vorteilhaft sein. Sie ringt ja gerade, sieht die Probleme einerseits, meint sie aber beherrschen zu können. Ausgang offen. Eine Bekannte von mir hat zwei Ehen mit Arabern hinter sich – das war dei Lektion, die sie offenbar brauchte, um zu begreifen. Langfristig ist die Wahrscheinlichkeit gering, daß die beiden glücklich werden; möglicherweise wird sie das erst nach der Heirat entdecken. Prinzipiell stelle ich keines Menschen Recht in Frage, sein eigenes Unglück zu wählen – sofern er frei wählen kann.

      Interessant ist der Fall nur, wenn er typisch ist. Das Dänemark-Beispiel soll zeigen, daß diese Konstellationen zwangsläufig entstehen und – bei entsprechen geringer Zahl – eine Gesellschaft nicht aus der Bahn werfen, im Gegenteil mitunter können sie das Leben inspirieren. Ansonsten ist das eher eine Privatsache, in die man sich nicht einmischen sollte.

      Problematisch wird es nur mit der Zahl. Man sieht hin und wieder diese Konstellation – wie es zu erwarten ist – aber nicht selten sind es die unteren sozialen Schichten, die sich körperlich verkaufen um mutmaßlich Anerkennung einzukaufen. Trotzdem muß man dieses Phänomen beobachten – wir hatten ja in den Heimatsplittern auch den ähnlichen Fall der Abiturientin.

      Wenn der Film als Propaganda geplant war, dann scheint er mir mißlungen, zumindest für reflektierte Zuschauer. Dem Außenstehenden werden die Differenzen bewußt gemacht – der Film übernimmt jene Aufgabe, die ich als Vater selber übernommen hätte. Ich habe nicht den Eindruck, daß er die Affäre idealisiert.

      Die Probleme sind groß genug – wir müssen sie nicht größer machen, wir müssen nicht alles skandalisieren.

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      • Ulrich Christoph schreibt:

        Vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort auf meinen Kommentar.
        Da ich gerade wegen einer schweren Erkrankung in meiner Familie andere Prioritäten setze, bitte ich um Verständnis, daß ich meine Anmerkungen zu einem späteren Zeitpunkt formuliere.
        So wie es aussieht, wird die Geschichte von Malvina und Mohammed, der sich in dem KIKA-Beitrag Diaa nennt, wohl weiterhin Aufmerksamkeit finden; die “Fan-Seite“ eines gewissen Pierre Vogel auf Facebook fand er wert, diese zu „liken“.

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