Neue Heimatsplitter

Vorweihnachtlicher Besuch bei meinen dänischen Freunden. Sie wohnen mitten im Zentrum der Stadt. Wenige Tage zuvor wurden sie, wie in letzter Zeit immer öfter, von Geschrei und Sirenengeheule geweckt. Zwei Tage darauf lesen sie es in der Zeitung: ein junger Syrer hat einem jungen Deutschen mit einem Messer mehrfach in den Rücken gestochen und diesen schwer verletzt.

Die Woche davor, so erzählen sie mir, hatte es eine größere Schlägerei auf dem Platz gegeben, die es nicht in die Zeitung gebracht hat. Nächtliche Verwüstungen, das Umwerfen von Papierkörben, öffentliches Urinieren etc. beachten sie schon gar nicht mehr.

An der Wand hängt ein neues Gemälde: Öl, idyllische dänische Bauernhofszene. Ich frage nach. Das Bild gehöre der Mutter. Die liegt seit fünf Jahren mit vollkommener Umnachtung in einem Kopenhagener Altersheim. Als man sie zuletzt dort besucht habe, fehlte das Bild an der Wand. Es findet sich schließlich in einem Flur. Sie nehmen es sofort mit. Jetzt erfahre ich, daß nach und nach alle Wertgegenstände der alten Frau verschwunden seien. Ein Brillantring, eine Perlenkette, sogar der Ehering … Wie das möglich sei? Sie lächelt nur vielsagend. Das Personal wechsele in rascher Folge, selten sind es im Pflegedienst noch Dänen, und mit ihnen wechseln eben auch die Besitzer … Vielleicht aber liegen die Schmuckstücke auch hinter dem Schrank. Das Bild jedenfalls wollten sie retten.

Nach dem Jahreswechsel erregt ein Hausbrand die Stadt: Brandstiftung. Vermutlich die Frust- oder Rachetat eines Deutschen. Es gibt mehrere Schwerverletzte. Im Haus wohnten Großfamilien – Großfamilien? Da spitzen sich die Ohren: wo sollen in Plauen, dieser überalterten Stadt, Großfamilien herkommen? Wenig später stehen Namen in der Presse. Es sind „Slowaken“ mit unslowakischen Namen und ziganer Ausstrahlung – optisch drei sympathische Herren, denen man ungern begegnen möchte (ich stehe zu meinem „Rassismus“).

Das Haus, erfährt man nun, sei ein Problemhaus: es werde in den Treppengang uriniert, Windeln übers Fenster entsorgt, es gebe Lärm – alles, so wie es sein muß … Gleich der erste Google-Eintrag ein Hit: Auf Facebook spricht Ladislav Pokuta Romani und seine Freunde auf Facebook und in der Freien Presse haben die gleichen Namen. „Familie“ scheint ein Euphemismus zu sein. Die selbe Zeitungsseite berichtet von zwei weiteren „Slowaken“, wohnhaft Plauen, die bekifft, mit Crystal ausgerüstet, unter gefälschtem Kennzeichen und ohne Fahrerlaubnis aufgegriffen wurden.

Befreundete Psychiaterin erzählt von einer jungen Frau, die aufgrund ihrer Erkrankung oft unter nächtlichen Unruhezuständen leidet. Dann unternimmt sie lange Spaziergänge durch die schlafende Stadt. In letzter Zeit häufen sich allerdings die unangenehmen Begegnungen mit Männern. Sie kaufte sich einen Baseballschläger, der sie nun auf den Spaziergängen begleitet. Erste Erfolge stellen sich schnell ein: sie wird von der Polizei angehalten und befragt – bisher offensichtlich mit Verständnis.

Ein weiterer Fall, ein Mädchen, 14-jährig, hat ein anderes Problem: sie ist ein Mann, will Julian genannt werden. So zumindest sagt sie. Alle Tests beweisen das Gegenteil, ihre ganze Phantasie- und Gefühlswelt ist weiblich. Die alleinerziehende Mutter, deren vier Kinder alle bereits in der Station vorstellig wurden, unterstützt hingegen den Wunsch nach Geschlechtsänderung. Warum leiden diese Kinder? Weil die Mutter unfähig ist, Orientierung zu geben, Grenzen zu setzen. Die Kinder konnten sich von klein auf  nur an ihren eigenen Wünschen orientieren. Sobald man ihnen eine fest umgrenzte Aufgabe gibt, nehmen sie diese dankbar an und setzen sie um. Dieser Geschlechtsumwandlungswunsch ist kein genuiner, glaubt meine Bekannte (aus der Erfahrung auch mit ähnlichen Fällen), aber sie sieht selbst keinen Weg, wie der nun angefahrene Zug, inklusive OP, aufzuhalten sei, wenn alle gesellschaftlichen Weichen gestellt sind. So muß sie, deren Beruf die Hilfe ist, zusehen, wie eventuell ein Leben zerstört, zumindest auf falsche Bahnen gelenkt wird, weil den erziehenden Instanzen selbst der Halt fehlt.

Beim Fußball mit den alten Kollegen zeigt sich einer etwas niedergeschlagen. Er ist Unterstufenlehrer. In der Schule hat einer seiner Schüler einem anderen brutal den Finger gebrochen, zwar im Sportunterricht, aber doch nicht ohne Vorsatz. Später fragt  er den Verursacher des Schmerzes, ob er sich entschuldigt habe. „Nein“. Ob er es noch tun würde? „Nein“. Die Eltern werden kontaktiert. Der Vater sieht keinerlei Grund zur Entschuldigung oder zum Gespräch, stattdessen wird sofort der Anwalt eingeschaltet und zwar gegen die Schule und die Eltern des Opfers, die ihrerseits juristisch vorgehen wollen und den Sportunfall nicht akzeptieren. Früher hätte man miteinander gesprochen, sich entschuldigt, sich besucht – heute reden die Anwälte miteinander und selbst Kinder verweigern die normale menschliche Geste.

Derselbe Lehrer zwei Wochen später: ein Gespräch zwischen den Eltern war nicht zu vermitteln. Derweil plagen ihn neue Sorgen. Er hatte der Mutter eines Kindes, das nun mehr als 20 Tage fehlte, freundlich ein Gespräch angeboten, ob es Probleme gebe. Zurück kam eine lange erboste Mail, was er sich erlaube, ihr Kind sei immer attestiert entschuldigt und nein, sie wolle kein Gespräch. Ihr Kind fühle sich von einer Schülerin angegriffen – sie habe bereits den Anwalt eingeschaltet.

Mein Vater steigt aus der Vogtland-Bahn und sagt: „Iesch ho gedoacht, iesch bie in dor Bagdadbohn. Zwee Moa war mer“.

Der große Austausch ist Realität – auf allen Ebenen! Die sächsische Polizei ersetzt ihre Deutschen Schäferhunde durch belgische. Von 112 Tieren sind nur noch 24 Deutsche, aber 68 Belgische.

Die Trias-Schule ist nun ausgezeichnete und prämierte „Schule ohne Rassismus“ und „Schule mit Courage“ Dafür wurden Unterschriften eingesammelt. 95% der Schüler und Lehrer unterschrieben und nur 5 % bewiesen Courage – scheint zu genügen!

Ein Artikel im Regionalblatt feiert eine mutige Rebellin. Das Gör ist 18 Jahre alt und hat einen Song gegen den Waffenexport geschrieben. „Stell dir mal vor, was passiert, wenn’s im Krieg keine Waffen mehr gibt.“ Ja, dann erwürgen die sich mit Händen und erschlagen sich mit Steinen und erdolchen sich mit Küchenmessern … Egal! Sie wird dafür gefeiert, hat gerade 1000 Euro in einem Wettbewerb gewonnen und darf auf eine Platte singen und wird gleich zwei Mal zur „Rebellin“ befördert. Außerdem hat sie einen afghanischen Freund und ist gegen Abschiebung. „Toleranz und Akzeptanz seien für sie ganz wichtige Themen. Und um das Problem grundsätzlich zu entschärfen, träumt sie in ihrem Song von einer Zeit, in der Väter ihren Söhnen auf die Frage, was ein Gewehr ist, erklären: ‚Sowas gibt es heut‘ nicht mehr.‘“ So drehen sich die Begriffe. Bisher war ein Rebell einer, der den Status quo umwerfen wollte – unter Einsatz seines Gutes oder Lebens. Seit heute ist man Rebell, wenn man gefahrlos im Mainstream mitsingt.

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