Die Merkelpfeife

Man möchte nicht in Merkels Haut stecken. Die Zeiten sind nicht einfach – sie verlangen nach Entscheidungen und Bekenntnissen. Ein Horror für die habituelle Abduckerin und Aussitzerin.

Erst erkennt Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels an und fordert indirekt alle anderen auf, sich dazu zu verhalten. Für einen Erdogan kein Problem, für unsere Kanzlerin – gefangen zwischen Antipathie und herausgekehrtem, staatsräsonablem ewigen Anti-Antisemitismus – ein Gang auf rohen Eiern.

Aufgeregte antisemitisch aufgeladene Proteste der „Merkelgäste“ – wie böse Seiten sarkastisch sagen –, eröffnen eine Antisemitismusdiskussion an der falschen Flanke. Vor drei Jahren meinte Merkel in ihrer Neujahrsansprache, vor Pegida warnen zu müssen: „Deshalb sage ich allen, die auf solche Demonstrationen gehen: Folgen Sie denen nicht, die dazu aufrufen! Zu oft sind Vorurteile, ist Kälte, ja sogar Haß in deren Herzen!“[1] Jetzt, da diese Worte endlich einen Gegenstand gefunden haben, fällt ihr das Bekenntnis schwer, flüchtet sie in Allgemeinplätze.

Dann werfen ihr die renitenten Hinterbliebenen der Berliner Anschlagsopfer medienwirksam fehlendes Mitgefühl und Unterstützung vor. Also begibt sie sich ein Jahr danach mit gequältem Gesicht ein halbes Plauderstündchen auf den Markt und sichert den armen Leuten auch etwas zu.

Und nun spielt Erdogan wieder virtuos die Merkelpfeife. Er fordert die Weltgemeinschaft auf, Jerusalem als Hauptstadt Palästinas anzuerkennen! Wieder wird ein Bekenntnis verlangt. Die Türken haben längst perfekt verstanden, wie man das selbstauferlegte Spiel der Politischen Korrektheit ad absurdum und wie man die von Merkel herbeigeführten politischen Ungleichgewichte, die immer häufiger zu Handlungszwängen führen, ausnutzen und karikieren kann.

Das alles sind Zeichen der sich drehenden Tide. Des Ansehensverlustes Deutschlands. Der zunehmenden Lächerlichkeit seiner hilflosen Führungsriege. Sie wackeln. Es bedarf nur noch einer größeren Erschütterung – ein Börsencrash, ein Terroranschlag, ein Koalitionsscheitern … – und das ganze house of cards könnte zusammenfallen.

[1] Hätte man das damals nicht nur als übliches Politikergerede abgetan, wäre die kleine Anspräche vielleicht als programmatisch verstanden worden – es lohnt, sie sich im Nachhinein noch einmal anzusehen.

2 Gedanken zu “Die Merkelpfeife

  1. Ulrich Christoph schreibt:

    Angesichts des Videos mit Merkels programmatischer Neujahrsansprache zum Jahreswechsel 2014/15 fällt mir der als geflügeltes Vielzweckwort verwendbare Ausspruch des Verlegers und Publizisten Wolfram Weiner wieder ein, den dieser nach Merkels Grenzöffnung am 27.9. 2015 im ARD-Presseclub tat, und den ich mit Andacht notierte:

    „Wir haben einen Sommer der Moralität erlebt.“

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  2. Das Format eines Staates bzw. einer Nation im internationalen Mit- und Gegeneinander läßt sich am Ende auf das Format seiner politischen Führer reduzieren, zugespitzt auf das Format einer einzelnen, der maßgeblichen Führungsperson.

    Es spielt kaum eine Rolle, ob dahinter ein autokratisches oder „demokratisches“ Staatswesen steht (und wer würde bezweifeln, daß D de facto ein autokratisch geführter Staat ist?) – die wichtigen Interaktionen der Staaten werden, seien es Staatsbesuche, große Konferenzen wie G20 etc., werden geprägt von Einzelpersonen.

    Ich nenne hier vergleichend: Merkel, Putin, Trump, Erdogan.

    Was macht das Format einer Einzelperson aus? Nun: Geradlinigkeit. Mut zur Wahrheit. Mut zum Konflikt. Integrität.

    Das Auftreten unserer sehr verehrten, lieben Kanzlerin wirkt seit vielen Jahren extrem gegenteilig: im Verschwurbeln, in einer gekünstelt wirkenden, aber völlig unausdeutbaren „Rhetorik“ ist sie Meisterin – mit vielen Worten absolut nichts sagen.

    Im Anpassen, im Appeasement, in der Unterwürfigkeit, in der Flexibilität des Halses ist sie Meisterin. Heute hü, wo vorgestern noch „hott“ gegolten hat. Einst konnte man Haltungen und Ansichten ihrer Partei noch klar benennen, heute, nach merkelschem Verschleiß, kann man sich bei dieser Partei nur noch auf eines verlassen: absurdeste Nibelungentreue.

    Diese Kanzlerin, Fahne der Ungewißheit im Wind der Zeiten, wird seit 12 Jahren von einer ebenso willfährigen Medienlandschaft beinahe völlig kritiklos getragen. Propaganda auf allen Kanälen.

    Ein politisch-mediales System, das in seiner Dysfunktionalität und Irrationalität dem real existierenden Sozialismus völlig gleichzusetzen ist. Eine Kanzlerin, die eigentlich als liebe Omi aus der Uckermark ihren Enkeln ein paar gestrickte Socken zu Weihnachten schenken sollte und NICHT in Weltpolitik machen…wo sie doch nur über den Tisch gezogen wird, ein ums andere Mal.

    Deutschlands Ansehen in der Welt ist in einem rapiden Sturzflug befindlich. Realistisch und wahrheitsorientiert denkenden und redende Menschen (Osteuropäer, Russen, republicans) halten uns für irre. Westliches Gutmenschentum a la Merkel wird in China der Lächerlichkeit preisgegeben.
    Die letzte Bastion unseres Ansehens, die technische-wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, IST bereits den Bach hinunter: Großprojekte werden nahezu gar nicht fertig und erzeugen Kostenvervielfachungen. Der technische Fortschritt findet ohne uns statt (Chips, Handytechnologie, Software, Elektronik, Akkutechnologie, aber auch Bildungsergebnisse im MINT-Bereich) – überall ist der Anschluß verloren.

    (Nun ja, Kulturpessimismus ist historisch gesehen nichts Neues, es wird dennoch weitergehen. Jedoch Kritik und Selbstkritik sind der Motor jeder Entwicklung, darum sei mir dies hier erlaubt.)

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