Sexismus in Ungarn

Unter Schock

Eine Antwort auf  Sawsan Chebli

 Vorfall: Meine Frau war heute morgen auf dem Markt. Völlig aufgelöst kommt sie nach Hause und erzählt eine unglaubliche Geschichte.

Sie will etwas kaufen. Wie gewöhnlich redet die Verkäuferin auf Ungarisch auf sie ein. Als sie das Unverständnis bemerkt, fragt sie: „Deitsch“? Und winkt ihren Mann herüber, der offenbar ein wenig Deitsch kann. Man wird sich einig, er macht ihr Komplimente, als sie den Stand verläßt. „Scheene Frau“ – man lacht – und als meine Frau ihm den Rücken zuwendet, um den Stand zu verlassen, ruft er ihr noch nach: „Scheene Arsch!“ Die kleine Gruppe wiehert vor Lachen.

Meine Frau dreht sich um und zeigt den Du-du-Finger. Mit Tränen in den Augen kommt sie heim und erzählt.

Was soll man sagen? Es fehlen einem die Worte: Der Mann hat recht!

 

PS: Die perfekte Antwort findet mal wieder die „Zeller Zeitung“

2 Gedanken zu “Sexismus in Ungarn

  1. lynx schreibt:

    Da kann ich mich nicht enthalten, eine kleine Einordnung als Anmerkung anzuhängen (ohne mich auf den seltsam gehypten Chebli-Vorfall zu beziehen – wen interessiert so etwas?):
    Als ich, vor sehr langer Zeit, noch Kind war, gab es in meiner täglichen Umgebung viele Jugoslawen (ja, da war kein einziger kriegerischer Nationalist dabei). Und es gab im Fernsehen noch regelmäßig Spielfilme aus den noch nicht lange zurückliegenden 1950er Jahren. Jugoslawen wie Film wiesen das von Ihnen beschriebene Verhalten gegenüber Frauen auf, eine Kongruenz, die mich schon damals irritiert hat und die ich irgendwann als proletarisch-folkloristisches Genre begriffen habe. Und zwar nur deshalb, weil es das in meinem (vielleicht nicht ganz proletarischen) süddeutsch-provinziellen Umfeld so nicht gegeben hat und es schon damals als anstößig empfunden wurde.
    Man könnte natürlich sagen, da habe Prüderie eine Rolle gespielt – mag sein. Aber es wäre gar niemandem in den Sinn gekommen, Frauen so plump anzumachen, wo blieb da die Raffinesse?

    Und der Begriff der Raffinesse weist vielleicht hinaus über den konkreten Zusammenhang: scheinbar wird vielen Leuten unsere heutige Welt zu anstrengend und zu kompliziert, deshalb finden sie wieder vermehrt Gefallen am ganz Einfachen, oft Plumpen, häufig Vereinfachenden – auch dort, wo Vereinfachung einfach nicht angebracht ist. Die große Sehnsucht nach der Übersichtlichkeit der Verhältnisse. Ist ja verständlich. Aber je länger ich das beobachte, desto mehr komme ich (für mich) zu dem Schluss, dass sich der Unübersichtlichkeit nur mit Raffinesse sinnvoll begegnen lässt, wenn man sie beherrschen will.

    Liken

  2. Pérégrinateur schreibt:

    Kennen Sie « Le Dernier Métro » von Truffaut? Der zuweilen allzu unglaubwürdig konstruierte Film spielt während der deutschen Besetzung von Paris im Zweiten Weltkrieg. Ein jüdischer Theaterprinzipal (Heinz Bennent) versteckt sich in einer Rumpelkammer im Untergeschoss seines Theaters, wo er außer den scheppernd durch die Röhren des Lüftungssystems hallenden Theaterproben außer Lektüre wenig Unterhaltung hat. Seine Frau (Cathérine Deneuve), die beruflich in seine Fußtapfen gestiegen ist, besucht ihn eines Abends, trifft ihn bei der Lektüre eines antisemitischen Kollaborationsblattes an und drängt ihn, doch diesen Dreck besser gar nicht zu lesen. Er widerspricht und meint belehrend, manches was in den Artikeln stehe, sei durchaus korrekt. Er beginnt den Leitartikel vorzulesen, der voll ist mit den üblichen antisemitischen Klischees, während seine Frau ihm ständig das Blatt zu entreißen versucht. Schließlich spricht er mit gewichtiger Miene den letzten Satz um den es ihm offenbar ging: „Und außerdem nehmen die Juden uns unsere schönsten Frauen!“ Sie braucht ein bisschen, um zu verstehen, dann Knüffe, „Ach du!“ und Schnitt.

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