Was haben wir gemacht?

Wohin ist Gott? Was haben wir gemacht? Haben wir denn das Meer ausgetrunken? Was war das für ein Schwamm, mit dem wir den ganzen Horizont um uns auslöschten? Wie brachten wir dies zu Stande, diese ewige feste Linie wegzuwischen, auf die bisher alle Linien und Maaße sich zurückbezogen, nach der bisher alle Baumeister des Lebens bauten, ohne die es überhaupt keine Perspektive, keine Ordnung, keine Baukunst zu geben schien? Stehen wir denn selber noch auf unseren Füßen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und gleichsam abwärts, rückwärts, seitwärts, nach allen Seiten? Haben wir nicht den unendlichen Raum wie einen Mantel eisiger Luft um uns gelegt? Und alle Schwerkraft verloren, weil es für uns kein Oben, kein Unten mehr giebt? Und wenn wir noch leben und Licht trinken, scheinbar wie wir immer gelebt haben, ist es nicht gleichsam durch das Leuchten und Funkeln von Gestirnen, die erloschen sind? Noch sehen wir unsren Tod, unsere Asche nicht, und dies täuscht uns und macht uns glauben, daß wir selber das Licht und das Leben sind – aber es ist nur das alte frühere Leben im Lichte, die vergangne Menschheit und der vergangne Gott, deren Strahlen und Gluthen uns immer noch erreichen – auch das Licht braucht Zeit, auch der Tod und die Asche brauchen Zeit! Und zuletzt, wir Lebenden und Leuchtenden: wie steht es mit dieser unserer Leuchtkraft? verglichen mit der vergangner Geschlechter? Ist es mehr als jenes aschgraue Licht, welches der Mond von der erleuchteten Erde erhält?

Nietzsche (geb. 15.10.1844)

4 Gedanken zu “Was haben wir gemacht?

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Der größere Teil der Aufklärung wollte den offenbarten Gott schlachten, ein nicht ganz kleiner Teil sogar jeden, also auch den Gott der Deisten. Das fängt spätestens bei Jean Meslier an, weshalb der zumindest äußerliche Deist Voltaire sich mühte, in dessen Mémoire das Dynamit des Atheismus durch eine weniger brisante Mischung zu ersetzen; mit einem atheistischen Freund Frédéric konnte er gut leben, aber wenn der Unglaube seine Dienerschaft ergriff, so fürchtete er, würden diese anfangen, ihn zu bestehlen wie die Raben.

    Dass bei eigenem Erfolg die Figur Gott tot sein würde, das sahen die Herren von der radikalen Fraktion der Aufklärung natürlich durchaus, sie waren ja nun nicht gerade dumm. Es brauchte also gewiss keinen „Löwen“, um nach dem angekündigten und eingetretenen Tod diesen festzustellen. Dass man denn, was immer man sagen will, das nun aber geradezu in einer neumythologischen Sprache tun will wie im Zarathustra, scheint mir im Wortsinne nicht sehr philosophisch zu sein. Es mag ja in der Schönen Literatur reizvoll sein, naive Formen zu benutzen (Aus dem Leben eines Taugenichts), doch welchen Zweck hat es denn in der Philosophie, nicht nüchtern, sondern in immer so und auch anders deutbaren Bildern zu reden?

    Vielleicht strebt man ja die Rolle des Propheten einer neuen Religion an. Wenn diese leben und gedeihen soll, wird sie wohl manches geschichtliche « accommodement » durchmachen müssen; den Manövrierraum dazu kann man als intellektueller Urheber durch hermetische Worte schon einmal einbauen, dann haben die späteren Exegeten weniger Mühe und der Name des Gründers bleibt an der Posse mit Glück auch noch nach hundert Purzelbäumen haften, welche Ehre für ihn! Man mag von ihr sonst halten, was man will, aber Simone de Beauvoirs knappe Ausführungen zum Thema scheinen mir da um einiges nüchterner und männlicher zu sein, das ging meiner Erinnerung nach etwa so: „Nun, ich bin also Atheistin, Punktum. Reden wir jetzt von ernsthaften Dingen.“ Es sind zugestandenermaßen keine sozialpsychologischen.

    Unverkennbar verlangt es viele Menschen nach einer Religion, schon zum Trost in existentiellen Krisen, allgemeiner um das kalte Zimmer der Welt mit einer Tapete in warmen menschlichen Farben auszukleiden. Wenn ihnen die eine verloren geht, finden sie aber sogleich wieder eine neue. Dass der Sturz aus der herkömmlichen in der Bilanz ein Verlust sein müsste, glaube ich nicht unbesehen. Wenn man etwa John Gray folgen will, dann wären die modernen Substitute, die in manchem sehr maßlos erscheinen (Katastrophenerwartung, Allmenschheitliches Universalglück) geradezu Fleisch vom Fleische des Christentums oder allgemeiner der Religionen mit progressivem Geschichtsbild, weshalb sie die millenaristischen Schübe mit diesen teilen. Jedenfalls sollte man, wenn man denn schon nach dem Gedanken „Die spinnen immer und werden immer spinnen, also sollte man ihnen wenigstens eine harmlosere Narretei in den Kopf setzen“ nach der vorteilhaften, kultur- oder sogar lebensbewahrenden frommen Lüge Ausschau halten will (wozu ich übrigens persönlich keinerlei Neigung habe), dann auch das Pro und Kontra genau abwägen.

    Viele der kulturellen und gesellschaftlichen Verluste, die wir heute erleben, haben wohl auch wenig bis gar keinen spezifischen Zusammenhang mit dem Verlust des Gottesglaubens. Die Bauern, die keine Nachfolger finden, verlieren ihre Kinder an das weniger mühselige Stadtleben, die Handwerksmeister ans technische Studium und die Angestelltenkultur der Großunternehmen. Die größten Verheerungen im kirchlichen Kulturerbe werden typischerweise durch durchaus gläubig gebliebene Theologen angerichtet, die aber unbedingt modern sein wollen und den alten Kunstkrempel am liebsten aus der Kirche werfen wollten. Vor Jahren gab es einen umfangreichen, skurril anmutenden Bericht zu deutschen Soldaten, die man in der Zeit vor, während und nach ihrem Afghanistan-Einsatz befragt hatte. Die „Krieger“ der behandelten Einheit waren alle sehr stolz, dass sie sich im Feldlager am Einsatzort selbst ein Fitnessstudio aufgebaut hatten und renommierten mit ihrem Gewichtsverlust, der leitende Offizier entschuldigte sich gleich zu Anfang seines Interviews ganz geknickt, er habe leider nicht soviel abnehmen können wie die andern, da er durch die ihm obliegende Verwaltung des Fuhrparks zu sehr eingespannt gewesen sei …

    Alle teils ausnehmend verrückten Moden durchlaufen außer dem dechristianisierten Europa genauso die größtenteils gottgläubig gebliebenen USA, wenn sie nicht sogar von dort zu uns herüberschwappen. In den sich gut entwickelnden Staaten Ostasiens lassen sich die Frauen mehr und mehr die Mongolenfalte wegoperieren, weil auch sie unter der Fuchtel des westlichen Schönheitsideals stehen. Viele der neueren Entwicklungen haben mit der Frage „Sinaidonnerer – ja oder nein?“ herzlich wenig zu tun, eher mit Werbung, Konformisierung des Denkens und der Lebensentwürfe, die dann auch wegen deren größerer „Lernfähigkeit“ eher von der Kindern zu den Eltern laufen als umgekehrt. Die alte Gestalt des Christentums war vielleicht weithin auch nur der Ausdruck der Ideale der zeitgenössischen Gesellschaft und weniger deren Urheber.

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    • Ulrich Christoph schreibt:

      „Unverkennbar verlangt es viele Menschen nach einer Religion, […]. Wenn ihnen die eine verloren geht, finden sie aber sogleich wieder eine neue.“

      Der Anti-Bürger Léon Bloy, den es nicht nach einer Religion verlangte, da er schon einer angehörte, spottete in aller Kürze: „Ich kann mir das Paradies nicht ohne meinen Kaiser denken.“ (L’Âme de Napoléon, 1912)
      Den Bürger gibt es nicht mehr, der fitte, technophile Konformist hat seinen Platz eingenommen. H. H. Henschen, der Übersetzer der Exégèse des Lieux communs, glaubt, letzterer wird herrschen „bis 2440, dem Jahr von Louis-Sébastien Merciers reinlicher Utopie und mit seinen ganz eigenen weasel words“.

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Was Nietzsche hier beschreibt ist schlichtweg die Entzauberung der Welt. Vor der wissenschaftlichen Welterklärung müssen die alten Märchen weichen, und die deren bedürftigen Kindlein können nun zu ihrem Bedauern nicht mehr die vertrauten anthropomorphen Gestalten am Horizont erblicken, die man durch Demut und Schmeichelei glaubte günstig stimmen zu können. Stattdessen sieht man dort nun die dem Menschen gegenüber gleichgültige Natur und hört verängstigt das ewige Schweigen der unendlichen Räume Pascals. (« Le silence éternel de ces espaces infinis m’effraie. »)

    Natürlich ist es ohne den kosmologischen Unterbau auch mit den sich darauf stützenden gesellschaftlichen Streben dann nicht mehr weit her, denn deren Kontingenz und Prekarität drängt sich nun auf. Die Evidenz der vorgeblich ewigen und natürlichen gesellschaftlichen Regeln schwindet, was viele als Bedrohung empfinden, denn mit dem Verlust des Glaubens an der Beständigkeit fühlen sie sich nun plötzlich bedroht – so als ob sie selbst nun in größerer Gefahr stünden als vordem, da eben auch nur die Gewissheiten beständig waren, aber die Regeln selbst es genauso wenig waren wie heute. In den „Jahrhunderten des Glaubens“ fehlte es nämlich auch nicht gerade an Massakern und Nickeligkeiten, von der dürftigen Lebenserwartung in den vorwissenschaftlichen Jahrhunderten ganz zu schweigen.

    Bei aller Achtung gegenüber dem kritisch-aufklärerischen Nietzsche – mit seinem „Gott ist tot“ und den anhängenden Ausführungen ist er ein Jammerlappen. So sehr auch der Verlust der numinosen Gewissheiten eine sozialpsychologische Untersuchung wert ist, durch den beständigen Gebrauch der personalisierenden Metapher Gott für das soziale Phänomen Gottesglauben zeigt er, der sonst selbst gegenüber den heiligsten Gewissheiten skeptisch und distanziert ist, eine offenbar emotionale Anhänglichkeit an das alte Ideologem.

    Wie behilft man sich gewöhnlich, um wieder das Sortiment behaglicher moralischer Gewissheiten zu finden, ohne das viele anscheinend nicht sein können? Indem man auf Systembildung zugunsten des gefühlsimpressionistischen Arrangements verzichtet. Nehmen wir zum Beispiel die verbreiteten Haltungen zu Todesstrafe und Abtreibung. Ist die Korrelation der Einstellungen zu den zwei Punkten nicht erstaunlich im Hinblick auf gerne bekundete Prinzipien wie etwa die „Heiligkeit des Lebens“? Man trifft nämlich fast nur vehemente Todesstrafengegner, die zugleich Abtreibungsbefürworter sind, und umgekehrt (nach Anzahl weniger) rabiate Abtreibungsgegner, die zugleich keine Einwände gegen die Todesstrafe haben. Die Modernen vereinbaren hier wohl ihre Zusammenstellung durch Mitgefühl sowohl für den vom Tod bedrohten Verurteilten wie für die vom sozialen Abstieg bedrohte ungewollt Schwangere, unter forscher, da durch parteiliche emotionale Bindung gesicherter Hintanstellung der anderen Seite. Umgekehrt die Konservativen, die hier das Sind-so-kleine-Hände wohl mit der Rachsucht gegenüber dem Kriminellen verbinden. (Im „Gerechtigkeitgefühl“ steckt immer auch Rachsucht. Es gibt daneben natürlich auch rational durchdachte Gründe für beide Haltungen, an deren weite Verbreitung ich aber nicht glauben mag.)

    Wo sich populäre Haltungen entgegen politisch gut repräsentierter Interessen entwickeln könnten, wirkt die etablierte Presse und wirken die anderen „intellektuellen“ Fußtruppen dem fleißig durch Wortwahl, emotionale Ansprache und Ideologeme. Und so kommt es
    • dass das frankistische Spanien selbstverständlich Teil der Freien Welt war
    • dass die einen Angriffskriege vom Zaune brechen und die anderen zu Humanitären Interventionen genötigt sind
    • dass die UNO „blockiert“ ist, wenn sie nicht dem Willen der NATO willfährt, aber niemals, wenn allein die USA ihr Veto im Sicherheitsrat einlegen
    • dass aus den bösen, da aufständigen Kurden binnen kurzem gute Kämpfer für die Menschlichkeit werden, sobald dem Westen die Felle bei anderen Staaten in der Gegend davonschwimmen und er billige Fußtruppen dort zu brauchen glaubt
    • dass in Deutschland alle den Satz „Treibt die Juden ins Meer!“ kennt, aber kaum jemand vom Plan Dalet gehört hat
    • dass die zionistische Bewegung selbstredend Anrecht auf eine nationale Heimstätte im Land der Urväter hatte, aber es natürlich eine die friedliche Weltordnung gefährdende Dreistigkeit von Serbien war, historische Rechte auf das Kosovo geltend zu machen ‡
    • dass ein Unabhängigkeitsbegehren in einem befreundeten Staat selbstredend immer unzulässig und verderblich ist, in einem nicht befreundeten Staat dagegen immer legitim
    usw. usf.

    Man stelle etwa am Beginn eines Konflikts ein paar „Gute Opfer“ vor die Kamera, und wenn man dann genügend Leichtgläubige am Haken hat, werden die schon die zurückhaltenderen Bedenklichen niederschreien.

    Förderlich ist es auch, immer ein paar vorbereitete Teufel in der Schachtel zu haben, die man bei Bedarf springen lassen kann.

    Früher brauchte man Bibelexegese, heute genügen eine gute Bildauswahl und „Haltung“ zeigende, emotionstrunkene Fernsehmoderatorinnen.

    ――――――――――――――――――
    ‡ Nach meiner Ansicht gehört die hochgebaute Stadt Jerusalem weder den Juden, noch den Christen, noch den Muselmanen, sondern den Jebusitern, weil diese bekanntlich die ältesten Rechte haben. Angeleitet vom Ersten der Exegeten Jonathan S. und seinem Hauptwerk Tonnenmärchen ist es mir gelungen nachzuweisen, dass ich allein der legitime Erbfolger der verstreuten Jebusiter sein kann. Denn die erobernden Truppen Davids sind durch einen unterirdischen Wasserkanal in die Stadt eingedrungen, die Jebusiter waren also mit Sicherheit Antialkoholiker, wie ich, und sie hatten ebenfalls speleologische Interessen, wie ich. (Eingehendere Begründung in: Roy Pérégrinateur, Geschichte Unserer Stadt, Verlag Falla-Zia, erscheint voraussichtlich am 15. Oktober 2683.) DIe Stadtschlüssel sind morgen früh zu übergeben. Den derzeitigen Bewohnern gewähre ich gnadenhalber eine Räumungsfrist von einem Monat. Die Lokalitäten sind besenrein zu übergeben. Mietanträge zu Mietpreisen in angemessener Höhe können gestellt werden, im Interesse des künftigen Stadtfriedens ist in jedem Falle aber Irreligiosität durch ein beigefügtes Führungszeugnis nachzuweisen, car tel est notre plaisir.

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    • Da muß ich Ihnen naturgemäß widersprechen, zumindest was die Einordnung Nietzsches betrifft. Auf Ihrem quasi-reichsbürgerlichen Weg will ich Sie nicht aufhalten – meine Vorfahren waren vogtländische und westpreußische Arbeiter und Bauern, da ergeben sich kaum noch Besitzansprüche …

      Nein, Nietzsche war hier kein Jammerlappen, sondern ein Löwe! Ihm ging das Ende Gottes auf; er war nicht der erste, aber er wagte es zuerst, diese große Schrift am Himmel wegzuwischen, besser: er beschrieb als erster das Verschwinden der Schrift. Er ist im Grund genommen wie der kleine Junge in Andersens „Des Kaisers neue Kleider“. Sein kindlicher Geist, dem es gelang, die Vorhänge der Weltanschauungen zu durchblicken, mußte das auffällige Fehlen, diese Lücke da oben ganz naiv ausposaunen. Er beschreibt ja nur, was war und ist und ist keinesfalls, wie einige Naivlinge behaupten, der Mörder Gottes.

      Nietzsches „Gott ist tot“ ist eine Feststellung, keine Provokation. Manche sagen: „Seit Gott für tot gilt“ und setzen Gott als ontisch während Nietzsches „Gott ist tot“ im Zarathustra bekanntlich deskriptiv daherkommt. Er, Gott, mag in noch so vielen Menschen weiterleben, noch so vielen Trost geben, noch so viele Sinnstiftungen leisten … solange die Geschichte keinen Komplettabbruch erleidet, wird sich daran nichts ändern. Nietzsche ist „nur“ der Überbringer der Botschaft, der tapfer genug war, diese unbeliebte Wahrheit auszusprechen. Wir haben den Tatbestand nur wahrzunehmen: wir leben in einer postdivinen Zeit. Als Atheist sieht man natürlich auch die befreiende Wirkung: plötzlich schaut da keiner mehr. Aber wohin befreit? Das ist Nietzsches Frage – und die Antwort ist längst noch nicht gegeben, weil Geschichte – wie Sie sich vielleicht noch entsinnen – nur im Futur II erzählt werden kann. Die Anzeichen freilich sind wenig ermutigend. Die Abwärtsspirale scheint kaum noch zu übersehen sein.

      Der Tod Gottes, der Verlust des Glaubens steht im Zentrum unserer Existenzkrise, keine Frage, aber wir werden sie nur überstehen, wenn wir lernen, uns nicht weiterhin auf Gott zu verlassen. Man kann etwas Entzaubertes nicht wiederverzaubern: Eli, Eli, lama asabtani!

      Was natürlich nicht bedeutet, daß der je einzelne diese Folklore für sich nicht pflegen und seinen Psychohaushalt damit stabilisieren, weiterhin als Psychonaut durch dieses Universum geistern kann. Woher wir unsere notwendigen Letztbegründungen beziehen sollen, dazu hat der Christ oder Muslim keine relevanten Antworten mehr. Theologie ist gutes Gehirnjogging – also erhaltenswert und möglicherweise Krisenvorbereitung … denn vielleicht wird ja irgendwann ein neuer Gott geboren worden sein.

      Im Übrigen ist diese Passage aus Nietzsches Notizbüchern. Ursächlich hat er die Botschaft ja in der Maske Zarathustras überbracht, in zweierlei Gestalt:

      Also sprach der Teufel einst zu mir: »auch Gott hat seine Hölle: das ist seine Liebe zu den Menschen.« Und jüngst hörte ich ihn dies Wort sagen: »Gott ist tot; an seinem Mitleiden mit den Menschen ist Gott gestorben.«

      und:

      Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. „Wohin ist Gott?“ rief er, „ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet – ihr und ich!

      Es gibt demnach also einen Theodizit und einen Mord an Gott. Nietzsche war sich der grundstürzenden Bedeutung voll bewußt und fährt fort:

      Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten?
      Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden?
      Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?

      Die Antwort ist: Ja, wir stürzen fortwährend und es wird immerfort Nacht. Das ist als Tatsache anzuerkennen.

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