Was ist deutsche Kultur?

Ein erbärmlicher Versuch

Der „Focus“ ist schon zu einem argen Wurschtblatt verkommen. Zusammen mit der Schwesterzeitung „Huffpost“, die mittlerweile zum Zentralorgan der Islamophilie mit klarem missionarischem Auftrag geworden ist. Propaganda! Ich scheue mich nicht, diesen Begriff zu verwenden. Vor allem wenn es konkret gegen die AfD und allgemein gegen Andersdenkende geht. Da wird jede Gelegenheit genutzt – mal mit dem Hammer, dann wieder etwas subtiler –, um exakt das zu tun, was man dieser Partei und ihren Anhängern vorwirft: zu hetzen und zu ängstigen.

Ausgewogenheit ist dort ein Fremdwort, die Redaktion ist ganz offensichtlich vergattert. Die Methoden: verdrehen, auslassen, lügen. Ja, auch lügen!

Nehmen wir diesen kleinen häßlich-höhnischen Beitrag: „Gauland wird gefragt, was deutsche Kultur sei – und gerät ins Straucheln“

„Ein Journalist des US-Politikmagazins The Atlantic wollte nun im Gegenzug von Gauland wissen, was für ihn „spezifisch deutsche Kultur“ sei. Der AfD-Spitzenkandidat war auf die Frage offenbar nicht vorbereitet und geriet ins Straucheln. Es sei schwierig, dies kurz zu erklären, sagte er. Dann begann Gauland, große Namen aus der deutschen Kultur aufzuzählen: „Es gibt Bach und Goethe und Händel, es gibt Thomas Mann.“ Und weiter: „Es gibt deutsche Traditionen, es gibt deutsches Essen, es ist gibt deutsche Geschichte.“ Weiter erzählte Gauland, dass die Menschen in Hamburg eine andere Identität hätten als in München. Was genau das spezifisch Deutsche an dem Aufgezählten ist, konnte er allerdings nicht erklären.“

Schon hier wird deutlich: der Header sollte Stimmung machen und die Lektüre des Artikels beeinflussen: von „Straucheln“ ist da die Rede, aber gestrauchelt wird dann nicht. Es sei denn man definiert die kurze Antwort auf eine unendliche und potentiell unbeantwortbare Frage als „Straucheln“.

Lesen wir dann das Original, wird deutlich: Gauland hat sich angesichts der Fragedimension sehr gut aus der Affäre gezogen – das Gegenteil von Straucheln:

“Friedman: During the election campaign, you criticized the German integration minister for saying that there is no “specifically German culture.” What specifically is German culture, in your view?

Gauland: That’s very difficult to explain in a short summary. There’s Bach and Goethe and Handel, there’s Thomas Mann. There are German traditions, there are German foods, there is German history. German identity is different in, let’s say, Hamburg or Bavaria, but there is an identity. There is a German way of life.“

Hat der „Focus“ erwartet, man könne diese Frage in einem Interview, das durch kurze Frage und Antworten gekennzeichnet ist, beantworten? Der klügste Satz Gaulands ist gleich der erste: „That’s very difficult to explain in a short summary”. Man müßte die Probe aufs Exempel machen und zurückfragen: Was ist Gerechtigkeit? In einem Satz! Oder dergleichen …[1]

Was aber ist nun „Kultur“ und deutsche noch dazu?

Es ist sehr schwer, das in Kürze zu erklären! Es ist sogar unmöglich. Erstens, weil die Menge der Kulturbestandteile die Auffassungsgabe eines jeden Menschen übersteigt und zweitens, weil es auch einen Gefühlsaspekt, ganz und gar subjektiv – aber von Millionen im statistischen Durchschnitt und in diversen Schnittflächen geteilt – gibt, der sich der Mitteilung entzieht. Man kann fast nicht anders, als in diesem Falle das aristotelische Schema der Definition zu verlassen und mit ellenlangen Aufzählungen zu beginnen. Nach Aristoteles müßte man zuerst einen übergreifenden Begriff finden, der dann durch ein spezifisches Alleinstellungsmerkmal ergänzt wird, mit dem Ziel, das Wesen der Sache auszudrücken. Aber was ist das „Wesen“? …

Cultura“ kommt aus dem Lateinischen und der Agrarwelt und bedeutet „Pflege“, „Aufwachsen“. Kultur ist also das Gewachsene auf dem jeweiligen Acker und deutsche Kultur das spezifisch deutsche, das, was das deutsche Gewachsene vom französisch Gewachsenen etwa unterscheidet – auf der Grundlage dessen, was ihnen auch gemeinsam ist.

Ganz offensichtlich hat die Sprache damit zu tun. Persönlich glaube ich sogar, daß die Sprache denkt und fühlt und verschiedene Sprachen unterschiedliche Denk- und Fühlweisen hervorbringen (doch dazu später vielleicht mehr) – ihr ist es eher zu danken als etwa einem „deutschen Genius“. Das heißt: was wir denken und fühlen (können) ist wesentlich in der jeweiligen Sprache vorgegeben, die wiederum eine Emanation des spezifischen Denkens und Fühlens ist.

Tatsache bleibt: es gibt ein spezifisch deutsches Denken und Fühlen, wie es auch ein spezifisch französisches gibt. Beide haben viel gemeinsam, mehr zumindest als das deutsch/französische Denken/Fühlen mit dem arabischen etwa gemeinsam hat, aber auch da gibt es Gemeinsamkeiten, wie zu allem menschlichen Denken und Fühlen – das nennt man dann anthropologische Konstanten.

Es ist kein Zufall, daß Deutschland in der Kulturgeschichte einen einzigartigen Platz einnimmt. Hier beginnt Gaulands Aufzählung. „Es gibt …“ Während man sich in der Musik, Literatur, Poesie, Bildenden Kunst, Architektur, Film, in den Künsten überhaupt, mit einigen wenigen anderen Kulturnationen auf gleicher Höhe messen kann (Frankreich, England, Rußland, teilweise Italien, Spanien, Skandinavien, Ungarn, Polen, schon weniger mit Rumänien, Bulgarien, deutlich weniger mit Saudi Arabien und fast gar nicht mit den Bantu oder Aborigines etc.), überragt die deutsche Philosophie (und wahrscheinlich auch die Theologie) in Anzahl und Weite der Ansätze alle anderen nationalen Kulturleistungen – das gilt zumindest bis zu Heidegger.

Es beginnt vielleicht bei Meister Eckhart und meint u.a.: Luther, Leibniz, Kant, Hegel, Fichte, Feuerbach, Schelling, Schopenhauer, Marx, Nietzsche, Freud, Spengler, Husserl, Wittgenstein, Dilthey, C.G. Jung, Heidegger und von mir aus auch Mendelssohn, Engels, Weber, die Neukantianer, Scheler, Frege, Popper, Schmitt, Gehlen, Plessner, Buber, Luxemburg, Benjamin, Adorno, Marcuse, Bloch, Habermas, Sloterdijk u.a. Darunter ragen die Namen Luther, Kant, Hegel, Marx, Nietzsche, Freud und Heidegger als weltumstürzende, als tatsächlich die Welt verändernd habende heraus. Sie sind Denker von anerkannt globaler Bedeutung! Mir ist seit Athen kein anderes Denken bekannt, das so oft und so dominant „materielle Gewalt“ wurde wie das deutsche. (Selbst Lenin hat als Marxist und langjähriger Emigrant großteils deutsch gedacht.)

Die deutsche Kultur ist maßgeblich eine Kultur des Wortes, des Denkens, der τέχνη,  auch der Phantasie und der Utopie, vor allem aber auch der Metaphysik und ebenso der Innerlichkeit mit einem Hang zur Mystik, zum Numinosen (das das Transzendente oder auch die Natur sein kann), zur Erlösung, aber auch zur Sorge und Angst, mit einer gewissen Schwere und einem seltsamen Schmerzempfinden behaftet, eine Kultur der Idee, der Gedankengebäude- und Konstruktionen, des Überweltlichen und Abstrakten, aber auch der Debatte und des Streites … Auch wenn es noch immer deutliche regionale Unterschiede gibt, ein Deutscher kann – der entsprechende Bildungszustand vorausgesetzt – einen anderen Deutschen, auch über die Jahrhunderte hinweg, immer verstehen, wenn er es denn will („verstehen“ ist nicht zu verwechseln mit „einig sein“).

Es ist wohl auch kein Zufall, daß Deutschland Hitler und den Nationalsozialismus hervorgebracht hat – auch das gehört zur deutschen Kultur und Geschichte, aber eben nur als ein „auch“ (wenn auch ein außergewöhnlich bedeutsames und einzigartiges „auch“).

Das alles aber ist noch immer Oberfläche, das sind die Pilze des unterirdischen Rhizoms oder Myzels. Eine Kultur zeichnet sich jedoch vor allem durch das Subkutane aus, das, was nicht unmittelbar sichtbar und benennbar ist. Wie z.B. – und man nehme dieses „zum Beispiel“ bitte ernst; es kann nur eine magere Annäherung an eine Überfülle sein! – Traditionen, Feierlichkeiten, Bräuche, Mißbräuche, Laster, Pflichten, die Küche, die Kirchen, die Moden, die Vergnügungen, das mimische und gestische Repertoire, die Bewegungsabläufe, Organisationsabläufe, Kommunikationsabläufe …

Noch tiefer folgen die gemeinsamen Werte[2], Tugenden, Regeln, Identifikationen, Gewohnheiten, Gültigkeiten, Wertschätzungen, Tabus, Interessen, Faszinationen, Aversionen, Stimmungen, die Mentalität, der Humor[3], die Charaktere, die Glaubensweisen und die Religiosität. Nicht zu vergessen, die von Sloterdijk ins Spiel gebrachten[4] gemeinsamen Erregungs- und Skandalisierungsgründe (wozu auch „Auschwitz“ oder die Bundesliga gehören). Die „kulturellen Selbstverständlichkeiten“, wie es Kleine-Hartlage treffend nannte[5], oder das „Man“, um es mit Heidegger zu sagen[6] (und um dem „Man“ auch mal eine positive Bedeutung zu verleihen), eben das, was „man“ macht, tut und läßt, wenn man einander begegnet oder was „man“ gut oder schlecht findet, goutiert oder ablehnt.

Das bedeutet natürlich nicht, daß nicht deutsch sein könne, wer sich nicht für die Bundesliga interessiert – oder Auschwitz, sondern hier geht es um komplizierte, vieldimensionale Schnittmengen. Es hat primär auch nichts mit Hautfarbe, Rasse oder Religion/Ideologie zu tun. Auch ein Schwarzer oder ein Muslim kann genuin deutsch sein[7]. In dieser Argumentation aber stimmt die Perspektive nicht, denn nur umgekehrt wird es schlüssig: Logik und Empirie legen die Vermutung nahe, daß beispielsweise Schwarze und Muslime im statistischen Mittel nicht im gleichen Maße deutsch denken oder fühlen (können), weil sie (im statistischen Mittel) anderen Sozialisationskontexten entstammen und die offenbare, sichtbare Andersheit zwangsläufig empfinden müssen. Hingegen sind linksextreme Deuschlandhasser ein durch und durch typisch deutsches Phänomen, ja sie sind sogar der beste Beweis für die Existenz der deutschen Kultur. Weniges ist so typisch kulturdeutsch wie die Schwierigkeit mit dem eigenen Deutschsein – noch nicht mal Sauerkraut und Bratwurst.

Man sieht: die Frage nach der spezifisch deutschen Kultur läßt sich weder präzise noch prägnant beantworten. Man müßte ein Buch darüber schreiben, wollte man es versuchen, mehr noch, viele Bücher mehr noch: die Summe aller deutschen Bücher ist die deutsche Kultur, ist freilich nur Teil der deutschen Kultur, die Buchkultur.

Man sollte es hier mit Friedrich Engels halten: „Definitionen sind für die Wissenschaft wertlos, weil stets unzulänglich. Die einzig reelle Definition ist die Entwicklung der Sache selbst, und diese ist aber keine Definition mehr. Um zu wissen und zu zeigen, was das Leben ist, müssen wir alle Formen des Lebens untersuchen und im Zusammenhang darstellen. Dagegen kann für den Handgebrauch eine kurze Darlegung der allgemeinsten und zugleich bezeichnendsten Charaktere in einer sog. Definition oft nützlich und sogar notwendig sein, und kann auch nicht schaden, wenn man von ihr nicht mehr verlangt, als sie eben aussprechen kann.“ (MEW 20, 578).

[1] John Rawls hat dafür 700 Seiten benötigt – und ist trotzdem gescheitert!
[2] Ja, die Klischees haben recht: Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Fleiß … sind deutsche Werte (die mir persönlich fast alle fremd sind: ich bewundere die Deutschen dafür! Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Preu%C3%9Fische_Tugenden#Beispiele_gesamtgesellschaftlicher_Bedeutung)
[3] „Menschen, die gemeinsam über die gleichen Dinge lachen können, empfinden einander in der Regel als sympathisch, da sie den gleichen Sinn für Humor teilen, geistig harmonieren. Darin liegt vielleicht die Grundlage aller zwischenmenschlichen Beziehungen. Denn hier beginnt der Humor seine selektierende Funktion auszuüben: er führt Menschen zusammen durch den Gleichklang ihrer Heiterkeit.“ (Frank Lisson: Humor. Warum wir lachen. 1991) Vom situativen slap stick oder der Grimasse etc. abgesehen, setzt gemeinsamer Humor eine wohl differenzierfähige Sprachbeherrschung voraus, aber eben auch – wie der englische Humor zeigt – eine „seelische Konstitution“, die kaum erlernbar ist, sondern „mit der Muttermilch aufgesogen“ werden muß.
[4] u.a. in: „Der starke Grund, zusammen zu sein: Erinnerungen an die Erfindung des Volkes.“ 1998
[5] „Das Dschihad-System. Wie der Islam funktioniert“ 2010
[6] In „Sein und Zeit“
[7] Boateng und Rüdiger, um zwei gern mißbrauchte Beispiele zu nennen, sind hier anders zu bewerten, als in etwa der eingebürgerte Nigerianer, der „geflüchtet“ hier vielleicht Medizin studiert hat, als Chirurg arbeitet etc., selbst wenn er mit aller Gewalt vollkommene Assimilation anstrebt. Aber selbst bei Boateng und Rüdiger könnte die Hautfarbe ein Problem bleiben: Können sie sich etwa mit der historischen deutschen Tradition vollkommen identifizieren, obwohl diese zu 99,9% weiß dominiert ist oder entstehen nicht automatisch wir-ihr-Dichotomien? Die jüngere US-amerikanische Geschichte deutet hier die Richtung an. Wenn ich nicht irre, identifizieren sich viele Afroamerikaner vor allem mit der schwarzen Geschichte Amerikas – für sie sind Martin Luther King oder Malcolm X identifikatorisch wichtiger als die in die Historie tiefer hinab reichenden George Washington oder selbst Abraham Lincoln.

4 Gedanken zu “Was ist deutsche Kultur?

  1. Kopfrechner schreibt:

    Kleine Randbemerkung zu Ihrem klugen Beitrag – In den Medien werden „Gespräche“ geführt, als handele es sich um Kampfsport. Die daraus erwachsende Verarmung der Sprache, das Ausbeuten emotionaler Konnotation, die Verdrehung von Inhalten und Bedeutungen beschädigt das klare Denken und damit, wie hier argumentiert, unsere Kultur.
    Begegnet man einer solchen kulturlosen Kampfgestalt und der Aufforderung, doch einmal zu definieren, zu begründen, restlos klarzustellen, so mag es passen, ein paar Taktiken des eristischen (Schopenhauer) Nahkampfes bereitzuhalten.
    Man könnte im Sinne von Euler gegenüber Diderot („Monsieur, es ist (a + b^n)/n = x, also existiert Gott. Antworten Sie!“) die Verblüffung der Gegenseite durch Fachjargon oder durch für diese entlegene Fakten erreichen: Beispiel: „Wer auch nur die entfernteste Ahnung von der diskreten Fourieranalyse hat, kann solche Fragen im 21. Jahrhundert nicht ernsthaft stellen.“
    Oder Gegenangriff in Erinnerung beispielweise an Merkels niederträchtiges „Pfingsten könn se nich erklään aber vorm Islam ham se Angst“: Dann, bitte, erklären Sie doch einmal Elektizität. Ach, schon mit dem Phänomen der Blitze wäre ich voll zufrieden!

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  2. Ulrich Christoph schreibt:

    Ein Versuch, der das Denken sofort in Bewegung setzt. Ihre Bescheidenheit ehrt sie, – erbärmlich ist das nicht. Ich vermute, dass sehr viele Deutsche Schwierigkeiten hätten, eine bessere spontane Antwort als Gauland zu geben. Differenzen zwischen den Kulturen Deutschlands und anderer Länder spüre ich bei jeder Auslandsreise im direkten Umgang mit den Menschen, sei es in Dänemark oder Italien, aber auch im Gespräch mit französischen und polnischen Freunden, die ich zu mir einlade. Vielleicht sollte ich ihnen einmal die Frage nach der deutschen Kultur stellen. Vermutlich wären sie über eine derartige Frage überrascht und amüsiert, und ihre spontanen Antworten in entspannter Atmosphäre würden im Gegenzug mich überraschen.
    Je mehr ich darüber nachdenke: diese Frage werde ich ihnen nicht stellen; sie erscheint mir sehr „deutsch“ und sie ist zum Teil bereits die Antwort.
    Ihrer Aufzählung darf ich einen Namen hinzufügen, den ich mit der deutschen Kultur verbinde: Rudolf Borchardt. Nicht zuletzt wegen seiner Zorndichtung „Jamben“.

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  3. „Es hat primär auch nichts mit Hautfarbe, Rasse oder Religion/Ideologie zu tun. Auch ein Schwarzer oder ein Muslim kann genuin deutsch sein..“

    Einspruch! Kann er nicht. Ich verstehe das Argument, daß man vom Typischen her definierend drauf kommen kann, daß ein Schwarzer oder Muslim oder einer, der beides ist, eben kein typischer Deutscher sein kann i.S.v. sich selber als ein solcher identitifizieren.
    Aber beim Argument aus dem Typischen muß man eine gewaltige Menge von untypischen Fällen eben auch „deutsch“ nennen, und das wird am Ende meines Erachtens kontraintuitiv.
    Wir haben als Deutsche eine Intuition (nicht: ein bloßes irrationales Vorurteil), daß ein Schwarzer kein Deutscher ist, ein Chinese, ein Muslim oder ein Hindu auch nicht. Bei den Religionen gibt es die seltenen Ausnahmen der Konversion, aber geschenkt, die meine ich hier nicht.
    Genau mit der im Beitrag sehr ausführlich entfalteten Erklärung, was deutsch ist, haben wir doch eingefangen, was diese Intuition ausmacht, Ich glaube schon, daß Deutschsein auch etwas mit Rasse oder Ethnizität zu tun hat. „Volksseele“ war früher die Abkürzung für diesen Umstand. Das lohnt einen eigenen Artikel, allerdings …

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    • Das ist eine spannende Frage! Die Meinung der Leser wäre hier interessant. Ich meine schon, in Fußnote 7 meine Antwort abgegeben zu haben.

      Zwei Dinge sollten klar sein (versuchsweise):

      Dieser Beitrag ist deskriptiv und nicht präskriptiv gemeint. Er beschreibt, was m.E. Deutschsein im kulturellen Sinne bedeutet und nicht, was es bedeuten solle.

      Wir sprechen von Prozessen. Die Rede von „über die Jahrhunderte hinweg“ übersieht die Schwierigkeiten nicht. Sich heute mit Walter von der Vogelweide zu unterhalten, wäre vermutlich schwerer als mit einem Massai ohne gemeinsame Sprache – unterhalten im Sinne von wesenhafter Nähe, nicht von reinem Informationsaustausch.

      Ethnizität ist ganz sicher ein Faktor … unter vielen. Aber in Bewegung: USA, Frankreich, Holland … Länder mit Kolonialgeschichte zeigen das. Kazuo Ishiguro ist so britisch wie Jacob Rees-Mogg, Tariq Ali wie Jeremy Paxman und Diane Abbott wie die Queen.

      Bei Religionen sehe ich gar keine Probleme. Wir haben seit eh und je religiöse Vielfalt in Deutschland. Das ist eher ein Grenzwertphänomen – identitäts- und kulturgefährdend wird es, wenn eine kulturferne Religion, die selbst zum Aufbau der Identität nichts beigetragen hat, ein Meinungsübergewicht bekommt. Ein Muslim kann Deutscher sein (die Frage ist: Wie oft ist er es tatsächlich?), aber Deutschland wäre nicht mehr Deutschland, wenn die „kritische Masse“ an Muslimen (oder Hindus etc..) überschritten würde.

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