Das Weingut

Die Deutschstunden mit dem Weingutsbesitzer sind besonders instruktiv. Ein kultivierter Mann mit Charakter und Würde. Sein Deutsch ist gut genug, um auch über komplexere Themen zu sprechen.

Natürlich kommt die Rede immer wieder auf den Wein. Nach der politischen Wende wurde das große Staatsgut in Nemesnádudvar abgewickelt. Teile der Weinanbauflächen wurden verkauft, der Großteil jedoch platt gemacht. Ungarn hatte den Osten beliefert, aber der Osten wollte keinen ungarischen Wein mehr. Heute ist die einstige Fabrik an der Hauptstraße eine Ruine.

Es waren einige Privatleute, die zumindest das Weinbaugebiet am Leben hielten, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Einer davon mein Gesprächspartner. 53 Jahre lang ist er nun im Geschäft, ein studierter Önologe und ein gefragter Experte im ganzen Land. Seit Jahren sucht er einen Nachfolger, die Arbeit fortzusetzen. Die beiden Söhne wollen nicht – sie leben im Ausland. Eine Geschichte, wie sie sich weltweit wiederholt: die Erbtraditionen werden abgebrochen.

Gestern sagte er mir nun, daß jetzt Schluß sei. Bald wird er 80 Jahre alt. Er hat genug. Genug gearbeitet und wohl auch genug zur Seite gelegt. Wenn das Gut nicht bis zum Frühling verkauft wird, dann wird er alle Weinstöcke herausreißen, es pflügen lassen und als Ackerland verkaufen – für einen Spottpreis.

Gibt es denn kein Interesse der Stadt? Haben die anderen Weinbauern der Gegend keines? Könnten die 14 Angestellten nicht eine Kooperative bilden? Nein, die Stadt interessiert das nicht, die Nachbarn sind alle mit ihren Gütern zufrieden und die Mitarbeiter „sind arm wie Kirchenmäuse, wie so viele Menschen in Ungarn. Sie haben kein Kapital.“

Blick in den Weinkeller

Vor einem halben Jahr hatten wir noch gemeinsam eine Anzeige für deutsche und österreichische Weinmagazine verfaßt. Die Essenz: Ein gut geführtes Weingut in Südungarn (Weinbaugebiet Hajos-Baja) ist abzugeben, vollkommen ausgestattet, mit laufenden Verkaufsverträgen mit mehreren Großhändlern. 30 Hektar junge Rebe, 13 Hektar Ackerland, eingebautes Bewässerungssystem mit Wasser aus dem Donaukanal, von Schutzzäunen umgeben, mit allen notwendigen Kraft- und Arbeitsmaschinen. Inmitten des Gutes, zentral, die Verarbeitungsgebäude, inklusive Wasser, Elektrizität, Gas und Internet – bebaute Fläche 3000m2. Alle Maschinen und Geräte zur Traubenverarbeitung, Weinlagerung, Weinabfüllung und Lieferung sind vorhanden. Die 600 000 Liter fassenden rostfreien Behälter sind kühl- und beheizbar, alles entspricht den modernsten Ansprüchen der Weintechnologie. Es werden verschiedene Sorten (u.a. Pinot Noir, Blaufränkisch und Oliver Irsay) angebaut, vorwiegend Weißweine und Roséweine hergestellt. Keine laufenden Kredite.

Ungarns Weinanbaugebiete hier: 16

Vielleicht fiel die Entscheidung, das alles aufzugeben und zu zerstören, nach dem verheerenden Sturm im Juli, der nahezu alle Reben beschädigt hat. Die diesjährige Ernte ist fast vollständig vernichtet worden. Das dürfte auch der Grund sein, daß der Verkaufspreis nun deutlich niedriger liegt. Im Frühjahr wollte er noch 1,6 Millionen Euro, jetzt hofft er auf 1,2 Millionen aber ich vermute, er würde auch das noch nach unten korrigieren, wenn sein Lebenswerk nur erhalten bleiben könnte.

Es klingt alles nach einem gemachten Nest, das schnell goldene Eier abwerfen kann. Oder nach einer Chance für „Aussteiger“ mit Können, Kenntnis und Kleingeld.

Sollte jemand weitere Informationen benötigen, den Kontakt suchen wollen … dann bitte über die Kommentarfunktion melden oder bei der im Disclaimer angegebenen Adresse. Reichen Sie die Information bitte weiter!

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