Die 13-Prozent-Hürde

Bleibt es bei den 13 Prozent, so ist das ein wirklicher Achtungserfolg, der viele Ursachen hat. Man darf aber nicht vergessen: es sind nur 13 Prozent – genug, um den Fuß in die Tür zu stellen, zu wenig, um aktiv im Lande etwas ändern zu können.

Die politische Aufgabe der AfD muß es demnach sein, sich einerseits zu konsolidieren und in die politischen Vorgänge einzuarbeiten, und zwar schnell, zum anderen aber – da es ob der Verweigerung aller anderen Parteien aktiv fast unmöglich sein wird – das Land passiv und indirekt zum Besseren zu verändern. Denn es geht nicht um die AfD – da muß jedem klar sein – es geht um Deutschland! Sollte die Partei sich zum Selbstzweck werden, dann hätte sie ihren historischen Auftrag verfehlt.

In der passiven, indirekten Beeinflussung liegen Fluch und Segen. Merkels CDU hat es zu ihrem Kennzeichen gemacht, Ideen anderer politischer Orientierung abzusaugen und sich zu eigen zu machen. Man wird damit rechnen müssen, daß die neue CDU-geführte  Regierung – egal aus welcher Koalition bestehend – sehr bald Positionen der AfD, insbesondere in der Migrationspolitik und der Inneren Sicherheit, übernehmen und gleichzeitig Zeter und Mordio rufen wird. Gelingt es der AfD – anders als den Grünen etwa – das Copyright durchzusetzen, könnte sie langfristig davon profitieren, zumal die neue Regierung versuchen dürfte, die Kanten abzuschleifen. Wenn nicht, könnte sie politisch redundant werden.

Eines ist gewiß und bereits am Wahltag viele Male bestätigt worden: die AfD wird gegen die geballte Wut und Wucht aus allen politischen Rohren anrufen müssen. Aber auch das kann sich zum Vorteil erwachsen. Medienmacher müssen sich heute fragen, wie trotz monatelanger propagandistischer Gesamtbeschallung noch immer Millionen Wähler ihr Kreuz bei der AfD machen konnten. Sie verstehen den Sachverhalt nicht, denn nicht trotz, sondern wegen der vereinten Verunglimpfung dürften zahlreiche Wähler sich für die AfD entschieden haben. Sie waren es leid, gegängelt zu werden und sie unterstützten, ganz menschlich, den Unterdrückten, lebten also ihre linken Affekte aus.

Nichts deutet daraufhin, daß dieser Zusammenhang in den Redaktionsstuben in naher Zukunft erkannt werden wird. Im Gegenteil, das Gängelband wird gestrafft werden und es käme nun darauf an, die habituelle Dummheit und Trägheit der Medien weiterhin geschickt auszunutzen.

Ob man in der Lage sein wird, die bereits gebauten Brücken zu betreten, wird an der Frage der Einigkeit und der Disziplin entschieden werden. 95 Abgeordnete sind 95 Twitter-Konten und 95 Facebook-Konten und 95 gelebte Leben und 95 Büros mit Mitarbeitern … von der unmittelbaren Arbeit ganz zu schweigen. Jeder Stein wird umgewälzt werden, auf der Suche nach dem nächsten Skandal. Vielleicht heute Abend noch werden die Chefredakteure sagen: Findet etwas! Aber nicht Verstecken und Täuschung wird die Antwort sein dürfen, sondern Offenheit und Integrität.

Neben alldem steht harte programmatische Arbeit auf dem Programm. Gerade hat sich Gauland noch mit dem jugendlichen Alter seiner Partei herausreden können – die linke Presse stürzte sich trotzdem darauf, aber die Wähler wußten die Information richtig einzuschätzen. Doch oft darf dieser Satz nicht mehr fallen. Es wäre einfacher, wenn die AfD eine Ideologiepartei wäre, wie die Die Linke oder die Grünen oder auch die FDP, die aus einem relativ gefestigten Ideologiefundament für fast alle Probleme zwangsläufige Lösungsvorschläge präsentieren können, die sich logisch aus den Prämissen (Sozialismus, Ökologie, Markt) ergeben.

Der Wahrheitskern der AfD dürften ihr Konservatismus und ihr Nationalbewußtsein sein – dessen muß sie sich programmatisch besinnen, daraus kann sie alle Schlußfolgerungen ziehen: das Erhaltenswerte erhalten, das Neue kritisch prüfen, Identität und Geschichte wahren.

4 Gedanken zu “Die 13-Prozent-Hürde

  1. lynx schreibt:

    Die AfD wird sich vor allem damit konfrontiert sehen, dass wir, ihre Gegner, von nun an sehr genau und schmerzhaft den Finger in ihre faschistische Wunde legen werden. Umvolkungsschwafler, Holocaust-Relativierer, rassistische Aufwiegler in der Partei werden wir so lange brandmarken bis der angeblich gutbürgerliche Putz bröckelt. Oder die Partei besinnt sich und wirft dieses Pack hinaus. (War das für diesen Blog jetzt wieder nicht elaboriert genug formuliert? Dann wenden Sie sich an Frau Weidel.)

    Seidwalk: Nein, das war perfekt!

    Liken

    • Kurt Droffe schreibt:

      Tatsächlich bin ich als AfD-Sympathisant dankbar (!) über jede von außen induzierte, teilweise notwendige „Säuberung“ der Partei. Es kann der AfD nur guttun, wenn sie in Reaktion auf teilweise ungerechte, teilweise gerechtfertigte Kritik, professioneller wird. Drollgerweise werden so viele Gegner, die sich als „Schädlinge“ der AfD verstehen und aufspielen, zu veritablen „Nützlingen“: Nicht nur, indem sie in blindem Um-sich-Schlagen diese Partei eher noch stärken, sondern auch, indem sie ihr ihre Schwächen (organisatorische, personelle, programmatische) aufzeigen und sie damit zu größerer Reife zwingen. Insofern ganz unironisch: Nur zu!

      Liken

      • lynx schreibt:

        Es hat ja niemand etwas gegen eine klassisch konservative Partei, wenn die Union hier eine Lücke lässt. Soll sie sich auf diesem Weg professionalisieren, meinetwegen. Der Wolf im Schafspelz (Gaulands ewige Krawatte, sic!) muss sich aber entscheiden: Wolf oder Schaf. Der Wolf wird gejagt werden.

        Liken

    • Pérégrinateur schreibt:

      Lieber lynx, seien Sie getrost, der Zahn der Zeit, der schon so viele Tränen getrocknet hat, wird auch über diese braunblutende Wunde so lange das Gras der Brandmarkung wachsen lassen, bis die Bude wackelt und alle sich endlich von den Böcken zu den Schafen stellen.

      Lynx: Ich weiß jetzt nicht, was es gegen die Identifizierung „brauner Dreck“ einzuwenden gibt – hat übrigens der Autor angeführt. Und Cool: tja, die Gegenwart hat halt Metabegriffe auf Lager, die kurz und knapp komplexe Sachverhalte auf den Punkt bringt. Dank sei den Amerikanern.

      Pérégrinateur: Mit „cool“ etwas „kurz und knapp […] auf den Punkt [bringen]“? Und sogar noch etwas Komplexes? Ihr Punkt scheint mir nicht gerade der Begriff zu sein. Denn Ihr angeblicher „Metabegriff“ analysiert nicht von höherer Warte die politische Sprache, sondern ist eine bloße Agitationsparole noch darunter.

      lynx: Na wenn Sie das so sehen…

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.