Europa schweigt

Europa schweigt schicksalsergeben.


Revolution – wen kümmert’s noch?
Ihr Ruf verklang, o Schmach und Schande!
Die Freiheit stöhnt wie einst im Joch…

Verlassen sehn sich die Magyaren.
Kein Volk rührt da noch eine Hand.
Die Feiglinge ziehn vor die Ketten.
Nur wir noch leisten Widerstand!

Doch sollten wir darob verzweifeln,
wär uns zu jammern drum erlaubt?
Nein! Um so stolzer, um so höher,
mein Vaterland, erheb dein Haupt!

Nur härter macht es unsre Herzen.
Schläft auch rundum die ganze Welt,
wir halten hoch die letzte Fackel,
die diese Finsternis erhellt.

Wenn diese Fackel nicht mehr lodert,
hier unten nicht mehr sichtbar wär,
könnt man im Himmel gar noch meinen,
die Erde existiert nicht mehr.

Du blickst auf uns, Göttin der Freiheit,
bewunderst deines Volkes Mut.
Wo andre sich die Tränen sparen,
verströmen wir stolz unser Blut.

Braucht’s mehr noch, um in spätren Tagen
wert deiner Segnungen zu sein?
Verriet dich unsre Zeit, wir standen
als letzte Kämpfer für dich ein!

Sándor Petőfi: Európa csendes, újra csendes (1849)

siehe auch:

Nationallied – Petőfi

Nemzeti Dal – Übersetzung

Nationallied – Präsentation

Voyeurismus

 

Ein Gedanke zu “Europa schweigt

  1. Lebensprießt schreibt:

    Zu dieser oben beschriebenen heroischen Höchstform laufen die Ungarn anscheinend nur in existenzbedrohenden – oder so empfundenen – Situationen auf. Heute beweint jeder Ungar den Verlust von Siebenbürgen: währen des 1. WK dagegen wurde der österreichische Verbündete madig gemacht, behindert und vorgeführt, wo es nur ging. Zwietracht wurde gesät statt Eintracht beschworen. Hätte man damals ein wenig disziplinierter am selben Strang gezogen und die eigenen magyarischen Interessen bis zum Sieg hintangestellt, der Erste Weltkrieg hätte einen glücklicheren Ausgang für die gemeinsame Monarchie nehmen können, und auch Siebenbürgen könnte noch ungarisch sein. Ja ich weiß, Konjunktiv. Ich wollte lediglich auf eine andere hervorstechende ungarische Wesensart hinweisen, die den Ungarn schon oft in ihrer Geschichte einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, trotz aller Heroik. Einen jungen dichterischen Feuerkopf, der nicht im Bett („párnák közt“) starb sondern im Kampfe fiel, hatten wir in Theodor Körner übrigens auch.

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