Am Strand von Rimini …

… hat es ein brutales Verbrechen gegeben: Rimini ist unter Schock und Italien in Aufruhr. Zwei Tage später sehen sich auch die ersten deutschsprachigen Gazetten gezwungen, zu berichten. Man kann daran exemplarisch die verschiedenen Herangehensweisen verdeutlichen – die reichen von Verleugnung über Lüge und Lücke bis hin zur kompletten Uminterpretation. Die jeweiligen Zeitschriften stellen nur verallgemeinerungsfähige Beispiele dar.

Zuerst berichtete die österreichische „Krone-Zeitung“. Wenig später folgte die „Welt“.

Vier Männer vergewaltigen Frau vor den Augen ihres Freundes

Letztere schildert den Hergang der Tat, die rücksichtslose Vergewaltigung einer polnischen Frau am nächtlichen Strand von Rimini. Die Polizei spricht von „disumana violenza” – das muß man nicht übersetzen. Täter waren „vier Männer“. Zuvor hatten sie den Freund der Frau bewußtlos geschlagen und ausgeraubt. Wer die Männer waren, bleibt ungenannt – dabei hätte man es benennen können!

Der Verweis auf die „italienischen Medien“ dürfte nicht zufällig zum „Corriere della Sera“ führen, denn im gemäßigt linken Blatt wird in etwa die Politik verfolgt, die auch die „konservative“ „Welt“ seit zwei Jahren vertritt, die Politik des Schönredens. Man schildert die Tat, will aber die Täter nicht benennen, weiß wiederum jedoch, daß diese unter Drogen- und Alkoholeinfluß standen und spricht dann über die allgemeine Gefahrenlage in Rimini, wo Diebstähle, Gewalt und Vergewaltigungen seit Jahren „dazugehören“. So sehr, daß es kaum überrascht zu lesen, daß die vier Männer kurze Zeit nach dieser Tat eine peruanische Transsexuelle vergewaltigten und auch diese Person hilflos zurückließen. (Was sind das eigentlich für Menschen?)

Besonders perfide und zynisch ist die optische Nachstellung der Szene. Dort sieht man vier mitteleuropäische Typen das Paar umzingeln.

Immerhin nutzt man den Vorfall sogleich – und das ist gängige linke Zeitungspolitik –, um das „eigentliche Problem“ zu benennen: die Rechten. Anders ist der Schluß des Artikels, in dem man die Forderung eines LEGA-Politikers nach chemischer Kastration zitiert, nicht zu verstehen.

Dabei ist alles bekannt und es ist derselbe „Corriere“, der das große Bild in einem anderen Artikel entwirft: Rimini hat ein enormes Gewalt- und Kriminalitätsproblem und in den meisten Fällen hat es mit Männern aus Afrika, besonders aus dem Maghreb zu tun. Statistisch gesehen – wie „il Giornale“ schreibt, gehen vier von zehn Vergewaltigungen in Italien auf Nichtitaliener, die allerdings nur 8 Prozent der Bevölkerung ausmachen – ein erwartbares massives Ungleichgewicht, hervorgerufen durch ein demographisches und kulturelles Ungleichgewicht. Auf gut Deutsch: ohne Einwanderung gäbe es nahezu die Hälfte aller Vergewaltigungen nicht.

Man muß die Regionalseiten oder die „Cronaca“ lesen – der tägliche Verbrechens- und Unfallbericht, den die Italiener so lieben –, um bestätigt zu bekommen, was man ohnehin schon weiß. Dort steht dann auch in linken Blättern, wie hier in „La Repubblica“ gleich im ersten Satz die ganze Wahrheit: die vier Männer sind dort keine Männer, sondern Nordafrikaner.

Warum verschweigt die „Welt“ das? Und der „Focus“ gleich hinterdrein? Ist ihnen nicht klar, daß dieses Verschweigen allen nur schadet? Auch und vor allem ihnen!

Den Vogel aber schießt die „Kronen-Zeitung“ ab. Eigentlich ein „Bild“-Format und prädestiniert für Sensationalismus. Dort jedoch arbeitet man gegen alle revolverjournalistischen Prinzipien an einer unsäglichen politischen Korrektheit. Die Nationalität des Opfers wird auffällig ins Licht gerückt, die der Täter verheimlicht. Mehr noch verweist man darauf, daß vor einem Jahr am gleichen Strand eine Britin vergewaltigt wurde, und zwar von einem – Schweizer! Diese Vergewaltigung wurde später sogar als erfunden eingestuft.

Polin (26) von vier Männern vergewaltigt

Mehr perverse Insinuation geht wirklich nicht.

Ein Gedanke zu “Am Strand von Rimini …

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Was für ein Glück wir doch haben – eine gedankenvolle und brilliant analysierende und formulierende Anführerin, die uns goldenen Zeiten entgegenführt, und viele kleine beflissene und sorgsame Gedankenführer aus dem journalistischen und dem übrigen Pfaffenstande, für jeden Häuserblock wenigstens einer. Da braucht dann endlich kein mündiger Bürger mehr selbst nachzudenken, das fällt ja schließlich auch so schwer und ist nun gar nicht mehr nötig. Mir geht es durchaus auch so, zu manchen Dingen muss ich mir heutzutage gar keine tieferen Gedanken mehr machen, sie sind dank der lobenswerten Anstrengungen meiner Vormünder inzwischen so offensichtlich.

    Zufallsfund auf einem französischen Blog: « Un journaliste, c’est une pute ou un chômeur. » Das könnte manches erklären. Letztlich nur eine plakativere Formulierung eines Gedankens, den man zuweilen schon bei Karl Kraus findet.

    Nachtrag. Medienanalyse am Beispiel des Attentats von Barcelona von Ingrid Riocreux:

    http://blog.causeur.fr/lavoixdenosmaitres/un-journaliste-doit-il-prendre-des-precautions-avec-la-verite-00576.html#more-576

    Von ihr gibt es übrigens das empfehlenswerte Buch:

    La Langue des médias
    Destruction du langage et fabrication du consentement

    Éditions de l’Artilleur, 2016

    Liken

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