Das rechte Narrativ

Wenn es noch eines Beweises bedarf, daß in unserer linksverdrehten Öffentlichkeit ein rechtsverdrehtes Narrativ – also eine erklärende, sinnstiftende Erzählung – installiert werden soll, ob nun konzertiert oder durch individuellen Idealismus, dann lese man den heutigen Beitrag in der „Zeit“, die sich am Tag der Aufarbeitung der beängstigenden Ereignisse in Barcelona, Cambrils und Alcanar – mit allein drei toten und 13 verletzten Deutschen – veranlaßt sah, uns über in Deutschland steigende Gewalt gegen Muslime, über zunehmende Islamfeindlichkeit zu informieren.

Die Schlagzeile sitzt – wie viele Menschen lesen dann noch den Artikel und machen sich mit den konkreten Zahlen vertraut?

Dabei muß man zuvor konstatieren: Wen wundert es? Wäre das nicht der zu erwartende Effekt? Je mehr von einer Größe A vorhanden ist, desto mehr Ereignisse, die diese Größe A betreffen, wird es geben. Feindlichkeiten gegen nicht Vorhandenes oder Seltenes sind eben – nicht vorhanden oder doch selten.

Wen wundert es zudem in einer Zeit, in der auf einem ganzen Kontinent das demographische Gleichgewicht in historisch unbekannter Rasanz aus dem Gleichgewicht gebracht wird? Wen wundert es des weiteren, in Tagen, Wochen und Monaten, in denen auch die linken Medien dazu gezwungen werden, beinahe stündlich über islamistischen Terror, über Massenschlägereien und organisiertes und unorganisiertes Verbrechen, über Integrationsirrläufe und dergleichen zu berichten und noch mehr zu verschweigen?

Dies beiseite, so lesen wir in der „Zeit“: „Die Anzahl der Übergriffe auf Muslime in Deutschland ist im zweiten Quartal deutlich gestiegen. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken. Demnach seien im ersten Quartal 16 Personen verletzt worden – deutlich mehr als im ersten Quartal (sic!), in dem zwei Personen verletzt wurden.“

Abgesehen davon, daß der Satz vollkommen sinnlos ist – sowohl grammatikalisch als auch statistisch (denn aus kleinen Zahlen kann man keine Schlußfolgerungen ziehen), entnehmen wir ihm, daß es sechzehn – in Zahlen: 16 – gewaltsame Vorfälle in einem Quartal – egal in welchem – gegeben hat. Das macht Fünfkommanochwas pro Monat in einem Land mit 82 Millionen Einwohnern und vier, fünf, sechs, sieben, acht – keiner weiß es – Millionen Muslimen. Die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen ist höher.

Das sind äußerst erfreuliche Zahlen: Das Problem ist scheinbar so gut wie inexistent! Eine einzige Massenschlägerei zwischen Gruppen migrantischen Ursprungs produziert derartige Mengen in fünf Minuten.

Geht es um die Gesamtzahlen, so muß die „Zeit“ berichten: „Insgesamt erfaßten Polizei und Verfassungsschutz 192 islamfeindliche Straftaten auf muslimische Einrichtungen oder Muslime. Diese Zahl blieb etwa auf dem gleichen Niveau, im ersten Vierteljahr waren es 200 Fälle gewesen.“

Es liegt also de facto ein Rückgang vor. Hier hätte sich die Statistik angeboten, die man doch so gerne nutzt, auch wenn die Größen noch immer gering sind, womit statistische Berechnungen nahezu sinnlos werden. Doch eine Schlagzeile wie: „Islamfeindliche Straftaten sinken im zweiten Quartal um vier Prozent“ paßt nun mal nicht ins Narrativ.

Gänzlich absurd – angesichts des dramatischen Headers – wird die Meldung, wenn man bedenkt: „Zu den erfaßten Straftaten zählen Hetze gegen Muslime oder muslimische Flüchtlinge im Netz, Drohbriefe, Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen oder muslimische Männer auf der Straße, aber auch Sachbeschädigungen, etwa in Form von rassistischen Schmierereien an Häusern.“ Einiges davon gehört eher zur Folklore – wollte man etwa „Schmierereien an Häusern“ in Dresden Neustadt oder Halle kriminalisieren, dann wären die Hamburger Kriegsszenen vernachlässigbar.

Zurück nach Spanien. Auch hier gibt es einiges zu beobachten.

Zum einen warten wir noch immer (10.35 Uhr) auf die empörte, Roß und Reiter benennende, Meldung der deutschen Kanzlerin, die sich nicht entblödete, gegen einen amoklaufenden rechtsextremen Spinner in Charlottesville (USA) Stellung zu beziehen, zuvor aber schon Schwierigkeiten mit ähnlichen Wortmeldungen nach Berlin oder Köln hatte.

Zum anderen liest man besser die spanische oder englische Presse, um den ganzen Komplex dieses Anschlages zu überblicken, der mit einem in die Luft gesprengten Haus in Alcanar begann, mit einem Toten, sich in Barcelona fortsetzte, mit 14 Toten – 13 Passanten plus ein Attentäter – und in Cambrils sein bisheriges Ende fand – fünf Tote und mehrere Verletzte, da auch dort das Auto in Menschen fuhr. Macht nach Adam Ries, zwanzig und nicht dreizehn Tote, wie in deutschen Organen berichtet.

siehe auch: Zweierlei Maß

Ein Gedanke zu “Das rechte Narrativ

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Ich hätte anders als Sie geschrieben „[…] und in Cambrils sein bisheriges Ende fand – fünf Tote und mehrere Verletzte, da auch dort das Auto in Menschen fuhr“, um nämlich im Satz zu entklammern. Eine Petitesse, sonst nämlich keinerlei Einwand.

    Aber ich würde lieber noch unsere dank medialer Emotionalisierung im moralistischen Schraubstock eingeklemmten Landleute entklammern. Doch wie schafft man das nur? Das Herz wurde gerührt, der Stolz sorgt danach dafür, dass man nicht Unrecht gehabt haben will.  – Wohl also nicht mit der Vernunft.

    Nicolas Chamfort schreibt: « En vivant et en voyant les hommes, il faut que le coeur se brise ou se bronze. » Ich bin da für die Verhärtung. Oder mit den ungefähren Worten eines anderen Herrn: „Staub soll’n sie fressen, und mit Lust!“ Mitleid nur noch für die Abstinenzler inmitten der allgemeinen Besoffenheit und die Warner unter den Leichtfertigen.

    Seidwalk: Asumido. ¡Muchas gracias!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.