Zweierlei Maß

Plötzlich kennen alle Charlottesville, ein kleines Städtchen mit 40000 Einwohnern irgendwo in Virginia. Glaubt man bundesdeutschen Medien, dann ist das gerade die Hauptstadt der Empörung. Ein paar Rechte und Linke haben sich geprügelt, irgendein Typ ist ausgerastet und fuhr in eine Menschengruppe, eine Frau tot, andere verletzt, zurücklassend.

Erste Frage: Warum ist das überhaupt eine Meldung in Deutschland? Und noch dazu die Spitzenmeldung, schon den zweiten Tag?

Die Antwort ist einfach. Man meint, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Zum einen kann man in Zeiten der migrantischen Überrennung und dem gesellschaftlichen Zerfall den Popanz einer rechten Gefahr, die Vision eines kommenden Faschismus, die Naziapokalypse an die Wand malen und zum zweiten meint man, diesen Irrsinn – daß da einer Leute umfährt – dem Präsidenten Trump anhängen zu können. Der habe schließlich die Stimmung kippen lassen, nun ernte man den Sturm, den sein frischer Wind gesät habe. Und damit es nicht aussieht, als geile man sich nicht selbst auf, zitiert man genüßlich „die amerikanischen Medien“.

„Entsetzt“ zeigt man sich über Trumps Reaktion. Der hatte ganz rollenkonform die Gewalt auf seinem Lieblingskommunikationskanal Twitter verurteilt, aber das genügt den Redaktionslinken nicht: er hätte Roß und Reiter beim Namen nennen sollen, er hätte mit dem Finger auf „die Rechten“ zeigen, ja, er hätte sogar von Terror reden müssen. Wenn das Terror war, dann ist der Begriff des Terrors leer und sinnlos geworden.

Was tun unsere Medien? Sie gießen Öl in dieses Feuer! Sie beschäftigen ihre Leserschaft tagelang mit Nebenschauplätzen des globalen Krieges, der gerade auch hier im Lande ausgefochten wird.

Sie scheuen nicht davor zurück, Tatsachen zu entstellen und zu lügen.

So schreibt der „Spiegel“ von drei Toten und plaziert die Meldung so, daß man annehmen müsse, die Toten habe es bei diesem Amoklauf gegeben. Tatsächlich aber sind zwei der drei einem Hubschrauberabsturz zuzuordnen.

Focus

Noch bevor man etwas über den Täter weiß,

rechnet man ihn den „Rassisten“ zu.

Gerade dieses Verfahren wurde in Deutschland immer wieder medial verurteilt, selbst wenn es sich um glasklare islamistische Anschläge handelte: solange die Polizei nichts Offizielles bekannt gegeben hatte, wurden Namen und Identitäten verschwiegen, Kommentare, die Vermutungen aussprachen oder sogar Fakten präsentierten, aus schnelleren ausländischen Medien generiert, gelöscht. Nun, da man die Chance hat, eine Tote einem Rechten anzuhängen, stürzt man sich gierig wie Geier auf das blutende Fleisch.

Und das alles vor dem Hintergrund der G20-Ausschreitungen, deren Ausmaß um ein Vielfaches größer war. Pures Glück war es, daß es dort keine Toten gab. Nach einer Woche Kiezkrieg hätte man sich ein klares Wort der Kanzlerin oder irgendeines relevanten Politikers gewünscht. Es kamen, spät, die gewöhnlichen Phrasen und im relaxten Sommerinterview dann ein wahlpsychologisch wirksames „Eingeständnis“ von Schuld ohne Folgen. Wo waren da die fordernden Stimmen, die wußten, was gut und richtig ist?

Unseren Hauptblättern fiel es sichtbar schwer, nach links auszuholen – einige taten es dann folgenlos unter Sachzwang. Stattdessen maßt man sich aus erhöhter Position an, den US-Präsidenten moralisch zu belehren.

Wir sehen einmal mehr: unsere Medien – selbst wenn sie sich so nennen – spiegeln schon längst nicht mehr Realität. Sie schaffen eine – ihre eigene.

siehe auch: Zur Ökonomie des Faschismus

Stand 13.8.2017 10 Uhr

PS: Mittlerweile (12 Uhr) ist die Identität des Täters geklärt – es handelt sich um einen Rechtsextremen.

PSS (14.8, 15 Uhr): Nun verurteilt auch Frau Merkel – ich habe die Stoppuhr nicht dabei, aber es fühlt sich schneller an, als nach Köln, Berlin und Hamburg

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4 Gedanken zu “Zweierlei Maß

  1. Kurt Droffe schreibt:

    Statt eines Kommentars:

    Und natürlich, so sicher wie das Amen in der Kirche:

    Ich werde sowas nicht oft mitteilen, denn es ist unbefriedigend. In diesem Fall aber einfach. Und über Twitter ist man an der (sozial)medialen Erregung am besten dran..
    Schön, daß Sie wieder online sind!

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  2. Gerade entdeckt: der KURIER bringt „aus aktuellem Anlaß“ einen völlig kontextbefreiten Beitrag über den Ku-Klux-Klan. https://kurier.at/politik/ausland/ku-klux-klan-rassismus-unter-weissen-kapuzen/280.374.624 Botschaft: wir haben hier keine echten bösen Rechten mehr, aber schaut’s alle mal her, da, es gibt sie wirklich! Und dann kommen im Gegen-rechts-Ablenk-Narrativ dezent Zusammenhänge ins Spiel, daß der Ku-Klux-Klan die „DefendEurope“-Aktion begrüße, wie auf tagesschau.de zu lesen stand.

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  3. Die „Realität der Massenmedien“ ist so eine Sache … als Niklas Luhmann in den 90ern mit der damals bahnbrechenden Beobachtung herausrückte, alles was wir wirklich wüßten, wüßten wir aus den Massenmedien, deren „Realität“ eben (genitivus obiectivus) eine Systemoperation, und nicht „die Wirklichkeit“ wäre. Das ist angekommen, wir haben verstanden. Nur passiert seit geraumer Zeit etwas, das diesen Konstruktivismus Lügen strafen muß: es gibt von einem Ereignis „in der Welt“ zwei diametral gegensätzliche Beobachtungen, sodaß das konsumierende (und gelegentlich auch an den Orten des Geschehens körperlich anwesende) Medienpublikum entweder (konstruktivistische Interpretation) einem neuartigen „Realismuseffekt“ ausgesetzt ist, der Beobachtungen als Realitätsbeobachtungen markiert, weil sie mit „wahr/falsch“ übercodiert sind. Oder das konsumierende Medienpublikum (realistische Lesart) ist gezwungen, gerade weil von zwei widersprüchlichen Darstellungen eine objektiv falsch sein muß, den kompletten Konstruktivismus in den Wind zu schießen, weil es belogen wird.
    Ich verfolge (natürlich medial vermittelt) selber derzeit die Mission „DefendEurope“ und korrigiere (auf der Seite http://www.unzensuriert.at) jede einzelne neue fake-news-Botschaft der etablierten Medien mit Rückgriff auf das, was „wirklich“ im Mittelmeer passiert. Der Bias der Mainstreammedien verrät ihre „Realität“ als konstruiert, weil alle Vorwürfe, alle Behauptungen, alles voreilige Triumphgeheul über die Niederlage der Mission sich jedes Mal aufs Neue als falsch erwiesen haben – der Beweis: sie sind immer noch da und vermitteln (natürlich medial) täglich, was sie beobachten.

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