Fundstücke XXXV

Drei Grundsatzdebatten bestimmen die Presse der letzten Wochen.

  1. Die Hamburger Ereignisse haben verstärkt, was seit Langem in der Schwebe war: der Begriff „Links“ wankt. Dazu äußern sich mehrere Autoren auf ganz verschiedene Art und Weise. Monika Maron verabschiedet sich von der Linken und weiß nicht, was sie wählen soll und wählt dann doch …

Links bin ich schon lange nicht mehr

Ob Armin Nassehis Nachklapp zum G20-Chaos ein Genie- oder ein Narrenstreich ist, habe ich noch nicht entschieden. Vielleicht können die Leser helfen. Lesenswert ist der Artikel bereits wegen seiner Schlagzeile:

Eine Linke braucht es nicht mehr

Der Münchner Ex-Bürgermeister Christian Ude (SPD) schreibt ein Buch, in dem er ein paar Banalitäten kundtut und sich de facto von Links verabschiedet. Das macht ihn in der linken Szene und Presse sogleich zum Renegaten. Was zu beweisen war.

Der „Bürgerkönig“ der SPD wird in die rechte Ecke gestellt

  1. Die Luft in Deutschland wird langsam dünn für eigene Meinungen.

Heiko Maas hatte ein Buch geschrieben, das außer Häme wenig einbrachte. Mußte man es lesen? Es gibt in der Geschichte Bücher, die wurden nicht gelesen und waren doch wirkmächtig und schicksalsbestimmend. Vielleicht gehört „Aufstehen statt wegducken: Eine Strategie gegen Rechts“ dazu. Dennoch bleibt die Aversionshürde hoch. Wer in Maas` Denken Einblick haben möchte, der kann (und sollte!) sich in zwei aufschlußreiche Interviews vertiefen, die in – surprise, surprise – Huff und FR erschienen:

Heiko Maas: Der Anstieg registrierter Gewalttaten ist erschütternd

Heiko Maas: Wir dürfen nicht länger tatenlos zusehen, wie Menschen mundtot gemacht werden

Heiko Maas‘ Netzwerkdurchsuchungsgesetz löst in den USA nur Kopfschütteln aus. Das muß sogar die linke PI-News, die „Huffington Post“ eingestehen:

„Spinnen die?“: Was IT-Experten und Politiker in den USA über die Netzpolitik in Deutschland denken

Mal wieder eine Hetzjagd eines linken AStA auf einen Professor. Wie die „Welt“ berichtet, hat Evolutionsbiologe Kutschera den Fehler begangen von „instinktiver Inzucht-Abscheu“ bei heterosexuellen Paaren zu reden. Das ist natürlich homophob und sollte genügen die Karriere des Mannes zu beenden. Studenten, Uni, Medien schießen sich ein. Am besten, man liest das corpus delicti – ein Interview – selbst:

Bemitleidenswerter haßerfüllter Mensch

Kutschera: Ehe für alle? Diese widersinnige Entscheidung überrascht mich nicht

  1. Die Luft für die NGOs, die den Migrationswahnsinn wie eine gut geölte Maschine am Laufen halten, wird ebenfalls dünn.

Eine Zeit-Schreiberin wagt sich auf ein Rettungsboot im Mittelmeer und verfaßt einen augenöffnenden Artikel. Darin Sätze wie: „Die Schlepper verfolgen, ob die Sea-Watch in der Nähe ist oder die Golfo Azzurro oder die Iuventa, das Schiff der Organisation Jugend rettet. Alle drei sind größer als die Sea-Eye. Sobald sie auftauchen – wie das ein paar Tage später der Fall ist –, starten plötzlich 20 oder 30 Flüchtlingsboote gleichzeitig.“

Sollen wir sie sterben lassen?

Wie es besser funktionieren könnte, erklärt Soziologieprofessor Ruud Koopmans in der Basler Zeitung:

Wir müssen Migranten auswählen

Einen seltsamen Schlingerkurs scheint die „Welt“ zu fahren, so als gäbe es gerade einen erbitterten Kampf auf der Brücke. Während die einen weiter fleißig moralistisch durchsäuerte Durchhalteparolen ausposaunen, geht einigen anderen dort offenbar die Muffe – sie bombardieren die Leser mit Migrationshorrorgeschichten dieses Schlages:

300000 Flüchtlinge in der Warteschleife

JF-TV hat sich nach Sizilien begeben, um vor Ort zu schauen, wie das Geschäft läuft:

Die Flüchtlingslüge 2017 – Und es wiederholt sich doch

Außerdem:

Navid Kermani versucht die Quadratur des Kreises, sich stellvertretend für alle Migrationshintergründigen auschwitzschuldig zu fühlen. Man muß es gelesen haben, um es zu glauben.

Die Zukunft der Erinnerung: Auschwitz morgen

Außergewöhnliche Denkwege geht Caroline Sommerfeld auf Sezession. Einmal diskutiert sie das Frauenwahlrecht:

Zivilisationsrettung? Phylomasochismus?

Ein andermal warnt sie vor „maximalem Objektivieren“ wie „maximalem Subjektivieren“ in den Argumentationen:

Die Ethnomasokarbonmethode

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Ein Gedanke zu “Fundstücke XXXV

  1. Ulrich Christoph schreibt:

    Ganz kurz zu Nassehis langem Artikel „Eine Linke braucht es nicht mehr“:

    Zitat: „… eine Linke braucht es womöglich nicht mehr. Wir brauchen stattdessen Denkweisen, die zur Kenntnis nehmen, dass man moderne Gesellschaften intelligenter steuern muss, …“

    Wer wird es diesesmal mit Leben erfüllen, dieses ominöse „man“? Wer soll die Gesellschaften „steuern“? – im Klartext: wer wird regulieren? Und nach wessen intelligenterem Plan?

    Einen Geniestreich kann ich nicht erkennen, auch keinen Narrenstreich. Nur die Ablösung des verschlissenen Etiketts „Linke“.

    Als Antidot las ich „Das Paradox der Linken“ auf bazonline.ch.

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