Hamburg, Sodom und Gomorrha

„Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha …“ (Gen. 19,24)

Hamburg brennt! Und ich behaupte, daß auch das ein fernes Ergebnis jener fatalen Fehlentscheidungen des Sommers 2015 ist.

Von oben gleicht die deutsche Stadt Mossul oder Aleppo. Schwere Rauchfahnen steigen in den Himmel, Hubschrauber kreisen, durch die Straßen ziehen zuletzt schwerbewaffnete Spezialkräfte im Häuserkampfmodus und befreien ein Haus nach dem anderen vom Feind, stets der Gefahr eines Snipers, eines Brandsatzwerfers oder fallender Gullydeckel gewärtig. Es geht seit Stunden schon um Leben und Tod und nicht um Proteste.

Fassungslos sieht die Weltöffentlichkeit zu, wie Vermummte durch ungeschützte Straßen, durch No-Go-Areas ziehen, dutzende, wenn nicht hunderte Autos in Brand setzen, Schaufenster zerschlagen, plündern, Barrikaden errichten und eine unglaubliche Spur der Verwüstung nach sich ziehen.

Für ältere Hamburger muß das ein Trauma sein, denn zum letzten Mal sahen sie ihre Stadt derart durch Menschenhand verwüstet, als der Feuersturm der Alliierten unter dem Codenamen „Gomorrha“ in mehreren Wellen die Stadt im Sommer ´43 verwüstete.

Wir schreiben das Jahr 2017!

Müßig sind die Diskussionen über die idiotische politische Entscheidung, einen G-20-Gipfel mitten in „alternative“ Szeneviertel einer Millionenstadt zu verlegen – als hätte man nichts aus Genua 2001 gelernt –, oder über die Frage: Wer hat angefangen? Dazu gibt es im Grunde nur so viel zu sagen: Ganz gleich, ob die Polizei hart oder deeskalierend vorging – wenn die polizeiliche Aufforderung erfolgt, eine Straße frei zu geben, dann hat man das zu tun oder aber mit den Konsequenzen zu rechnen. Basta!

Es geht mir nicht um berechtigte oder unberechtigte Forderungen, es geht mir darum, zu zeigen, daß auch Hamburg 2017 mit Budapest 2015 zusammenhängt, selbst wenn die direkten Fäden schwer zu sehen sind.

Sicher, Ausschreitungen bei derartigen Anlässen sind längst Usus und sicher, es gibt einen Terrortourismus linker Chaoten, „Autonomer“ und „Anarchisten“. Aber Hamburg war mehr. Hamburg war ein Ausläufer jener gesamtgesellschaftlichen Spaltung der westlichen und insbesondere der deutschen Gesellschaft, die im Sommer 2015 ihren tiefsten Riß bekommen hat. Was bis dahin latent unter der Oberfläche lag, kommt nun zum Vorschein. Ein Riß, der schmerzhaft durch alle sozialen Schichten des gesellschaftlichen Gefüges ging, von der Bevölkerungsgruppe, der Klasse, wenn man so will, den Regionen … über die Parteien und Organisationen bis hin zu den Kernzellen, den Familien und Freundschaften. Nichts ist seither mehr, wie es war!

Grob geschnitzt konnte man das Volk in Befürworter der Massenimmigration, inklusive Schlafende und Träumer, und Kritiker, inklusive habituelle, aber nicht handelnde Konservative, unterteilen. An den politischen Rändern dieser Unterteilung mußte es zu Radikalisierungen kommen. Mußte! Gesetzmäßig!

Niemand konnte und kann vorhersagen, was sich wann, wo und wie Bahn bricht, aber daß die gesellschaftliche Spaltung zu allen möglichen Formen der Desintegration und der Gewalt führen muß, das gehört zum Einmaleins der politischen Arithmetik. Wenn Frau Merkel und ihr Clan das nicht sehen konnten oder wollten, dann zeugt das nur von ihrer politischen Minderbemitteltheit – oder aber man nahm es in Kauf.

Jeder, der ein bißchen politischen Verstand hatte, konnte diese Konflikte voraussagen.

Bürgerkriegsähnliche Zustände waren am Horizont sichtbar – und die Warner wurden laut verlacht. Aber die Lacher haben folgendes nicht verstanden und viele intelligente Leute haben sich sogar selber nicht mehr verstanden. So war ein Herfried Münkler blind gegen seine eigenen Beschreibungen und wurde zum dumpfen Merkelgroupie, ohne seine eigene Ankündigung – in „Die neuen Kriege“ von 2002 niedergelegt – zu verstehen. Darin beschreibt er – die Gedanken Mary Kaldors aufnehmend – die Parzellierung des Krieges, der keine zwei Fronten und keine zwei Gegner, die sich in einer Entscheidungsschlacht treffen um danach einen „Friedensvertrag“ zu zeichnen, mehr kennen wird. Wenn von „Bürgerkrieg“ die Rede war, dann wurde nicht an den Typus Sezessionskrieg gedacht, sondern an die kleinen lokalen Schlachten.

2015 ist der ideelle Beginn des Ausbruchs dieser Kriege. Die Kombattanten sind: Deutsche, Migranten und der Staat. Sie werden an sozialen, politischen, religiösen, ethnischen oder kriminellen Fronten ausgefochten werden. Deutsche werden in allen möglichen Permutationen gegen Deutsche kämpfen, Deutsche gegen Migranten, Migranten gegen Migranten und alle gegen den Staat … und tun es bereits. Ob linke Chaoten die Ordnungsmacht bekriegen oder arabische Clans die Polizei oder andere Clans, ob Pakistanis sich mit Syrern schlagen oder Linke auf AfD-Leute eindreschen, ob Reichsbürger gegen die Verfassung vorgehen oder in irgendeinem Keller ein Desperado, ein Anders-Breivik-Verschnitt, an der Bombe bastelt, ob Glatzen in den Untergrund gehen und einen neuen NSU planen, ob Islamisten in LKWs steigen oder Reformmoscheen bedrohen, ob Türken gegen Kurden marschieren oder die Antifa gegen den „Dritten Weg“ oder umgekehrt oder ob ganz einfach dem Proleten X irgendwann der Geduldsfaden reißt … das alles wird in dieser oder jener Form geschehen. Und geschieht bereits. Man muß nur die Lokalmedien verfolgen, um die blitzartig aufflammenden Frontlinien zu sehen.

Es gibt ein allgemein verbreitetes Ohnmachtsgefühl. Seit 2015 fühlen sich alle politischen Lager in die Enge getrieben, niemand fühlt sich mehr politisch oder medial repräsentiert. Die Linken klagen über die Rechtslastigkeit der Medien, die Rechten über deren Linkslastigkeit. Affirmativ wählbare Parteien gibt es nicht mehr. Am Ende wird zwar die Trägheit und Dummheit wahltechnisch gewinnen – aber auch das wird die Ränder nur noch mehr anheizen.

Merkel hat mit den Entscheidungen des Jahres 2015 irreversibel – da hilft auch das taktische Zurückrudern nichts – die Lunte an ein Pulverfaß gelegt, mehr noch, sie hat ein weitestgehend eingehegtes Deutschland und Europa zum Pulverfaß gemacht. Heute gilt mehr denn je – gerade weil es aussichtslos erscheint: Merkel muß weg! Und mehr als das!

Sonst macht Hamburg Schule! „… und kehrte die Städte um und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war.“ (Gen. 19,25)

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2 Gedanken zu “Hamburg, Sodom und Gomorrha

  1. In Hamburg gab es keine bürgerkriegsähnlichen Zustände, es gab wüst randalierende Gruppen (und eine Polizei, die Demonstranten sofort auseinanderknüppelte, Randalierer aber stundenlang gewähren ließ). Natürlich versuchen diejenigen, die diese Krawalle organisiert. haben, ihr eigenes Handeln zu so einer Art Bürgerlrieg hochzustilisieren. Die Unterstützung nennenswerter Bevölkerungsgruppen hatten und haben sie nicht.
    Und zumindest insofern gibt es schon deutliche Parallen zu islamistischen Tätern und Rechtsradikalen. Auch die versuchen, ihre Gewalttaten durch den Hinweis auf größere Bevölkerungsgruppen zu legitimieren, die angeblich hinter ständen, die aber nie befragt werden. Und auch sie haben – genau wie die militanten Linken – dasselbe Hauptziel: die Zerstörung des friedlichen Zusammenlebens, die Aufweichung der geltenden gesellschaftlichen Regeln. Zu diesem Zwecke schüren sie Ohnmachtsgefühle und versuchen, Kriegsstimmung zu verbreiten.

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Man trifft nach meinem EIndruck immer mehr Mitbürger, denen alle Arten von „Gefühltem“ die Maßstäbe und Kriterien verrücken. Die gefühlte Gerechtigkeit ist ihnen dann wichtiger als das Gesetz und verdeckt es geradezu. Treffen sie auf jemanden, der vielleicht gar nicht einmal anders fühlt als sie, aber jedenfalls anders denkt und anderes befürwortet als sie, dann ist er gefühlt gleich ein Nazi und gefühlt darf man sich ihm gegenüber alles herausnehmen. Ich habe schon Diskutanten über Anzahlen streiten hören, und einer davon glaubte dann seine Zahlvorstellung gewissermaßen doppelt beglaubigen zu müssen mit dem Argument „Aber ich habe sie doch gezählt, es waren gefühlt mindestens hundert“. Zum großen Glück für alle Trottel darf niemand die Authentizität ihrer Gefühle infrage stellen, und es gilt deren Authentizität vielen heute schon als Beweis dafür, dass die sich darin zeigende Weltsicht wahr ist.

    Nun nehmen wir einmal an, die Regierungschefin eines Landes führe beständig öffentlich vor, dass sie auch entgegen allen festgelegten Regeln ihrem vorgeblichen Empfinden nach handelt ( „ein freundliches Gesicht zeigen“ usw.) und diese Regeln damit als unbeachtlich darstellt. Welche Lehre werden die vielen ohnehin schon Maßstabsschwachen daraus ziehen? Wohl dass man sich alles erlauben darf, wenn man nur ein gutes Gefühl dabei hat.

    Herr Seehofer wagte es, früh in der Migrationsaffäre den derzeitigen Zustand so zusammenzufassen: „Es gilt zur Zeit keine Ordnung, es gilt kein Vertrag, es gilt kein Gesetz.“ Mancher mag diesen Zustand ob seiner langfristigen Konsequenzen nicht so sehr schätzen.

    Der Amtseid des Bundeskanzlers lautet übrigens wie folgt:

    „Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

    Also nichts von Eurorettung, Klimarettung, Flüchtlingsrettung und den übrigen überwertigen Ideen, die schon im Umlauf sind oder es bald noch sein werden, vielmehr wird unser Regierungschef auf den blanken nationalen «égoïsme sacré» vereidigt. Doch offensichtlich kennen viele unserer Mitbürger die wirkliche Verfassung gar nicht, umso besser aber ihre und ihre „gefühlte Verfassung“. In der Regel sind es übrigens dieselben, die das Grundgesetz zur heiligen, unbezweifelbaren und metikulös zu beachtenden Norm mit Ewigkeitsgeltung vergötzen. Nun ja, wer das aus dem eigenen Bauch aufsteigende Gefühl für eine unhinterfragliche Offenbarung ansieht, mag auch anderswo das Revelationsprinzip mit Wohlgefallen sehen; das macht das Leben ja schließlich auch einfacher, weil der ach so verstörende Zweifel gebannt bleibt.

    Ob wohl die Juristen einen Begriff haben für solcherlei herzenswarme Nonchalance der Politiker dem Gesetz und dem Amtseid gegenüber? Vermutlich ist aber diese Frage in diesen Kreisen derzeit schlichtweg nicht opportun.

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