Zur Ökonomie des Faschismus

Was haben Diamanten, Seltene Erden und Faschismus gemeinsam? Sie sind knappe Ressourcen, sie erzielen hohe Preise, man muß viel investieren, um sie zu finden und zu fördern.

Faschismus ist unserer Tage nicht mit Gold aufzuwiegen!

Wenn man jemanden einen Nazi nennen kann, dann ist er erledigt – der perfekte Mord, Mord ohne Opfer, denn der Betroffene hat es verdient. Und Täter! Denn der Täter ist gar keiner, kein Verbrecher, sondern ein Held! Er hat etwas entlarvt, hat einem Wolf den Schafspelz abgezogen, hat uns auf unseren kranken, seit Urzeiten verseuchten Gesellschaftskörper hingewiesen und damit der Heilung – die in weiter Ferne vielleicht winkt – gedient.

Wenn man einen Nazi findet, dann stockt das Karussell für einen Moment, dann verschwinden alle anderen Probleme hinter der ersten Dringlichkeit, dann kann man wunderbar die Aufmerksamkeit lenken.

Wenn man einen Nazi findet – oder einen „Rechten“, „Islamophoben“, „Islamkritiker“, einen „Hater“ … all das sind nur Synonyme – dann kann man das Sekundärphänomen bekämpfen und das Primärphänomen verleugnen, nach dem Motto: Nicht dasjenige, was die Menschen beunruhigt, muß bekämpft werden, sondern die beunruhigten Menschen[1] – wie es etwa bei Pegida oder der AfD geschieht.

Wenn man einen Nazi findet, dann lassen sich die Begriffe so herrlich leicht verdrehen, die Probleme so locker leugnen. Der islamistische Anschlag verliert seine Bedeutung, wenn er „rechte Hetzer“ aus den Löchern hervorruft, die „das eigentliche Übel“ sind. Die Kriminalität verliert ebenso ihren Schrecken wie das Platzen der Integrationsblase, wenn man sie einer mangelnden Integrationsbereitschaft der deutschen Bevölkerung, einer latenten Ausländerfeindlichkeit unterjubeln kann.

Wenn man einen Nazi findet, dann steht man immer auf der richtigen Seite. Selbst wenn man irrt und jemanden einen Faschisten schimpft, der keiner ist, ist man moralisch gerechtfertigt, denn das ehrenwerte Motiv entschuldigt alles.

Wenn man einen Nazi sucht, dann geschieht dies gänzlich ohne Risiko. Auf der antifaschistischen Seite zu stehen, ist ein gefahrloser, kostenloser und hochgradig befriedigender Versuch, ein a priori guter, sittlich integrer und achtbarer Mensch zu sein.

Faschismus ist eine gefragte Ressource geworden, die Nachfrage ist deutlich höher als das Angebot, ganze Armeen an Faschismusglücksjägern haben sich auf den Weg gemacht – wie einst die Goldgräber mit Hacke und Schaufel am Klondike –, um den wachsenden Bedarf – meist mit großem persönlichem Gewinn – zu befriedigen.

Deshalb hat die Bundeswehr ein Rechtsradikalenproblem. Zwischen 41 und  400 Wehrmachtsdevotionalien wurden bei einer 180 000 Mann starken Truppe nach systematischer und von oberster Stelle befohlener Suche gefunden und dienen als Beweis.

Deshalb muß ein Oberleutnant, der sich als syrischer Flüchtling ausgeben konnte und sich eine historische Waffe illegal beschafft hat, für „ein rechtsradikales Netzwerk“ herhalten, das eine „schwere staatsgefährdende Straftat“ geplant haben soll[2].

Deshalb werden zwei Bundeswehrstudenten entlassen, weil sie „Kontakte zur Identitären Bewegung“ hatten.

Deshalb werden bei einem Bevölkerungsverhältnis von 75 zu fünf Millionen „200 Straftaten mit islamfeindlichem Hintergrund“ pro Quartal als große Nummer präsentiert[3] und kein Bundestagsabgeordneter kommt (bisher) auf die Idee, nach antideutschen Straftaten bei umgekehrtem Verhältnis zu fragen.

Deshalb wird die Identitäre Bewegung – eine Truppe von 400 Leuten – zu einem riesigen rechtsextremen Popanz aufgeblasen, der vom Verfassungsschutz bewacht werden müsse. Deshalb wird diesen jungen patriotischen Enthusiasten immer wieder Gewalt unterstellt, obwohl jedes Bild und jedes programmatische Wort das Gegenteil beweist. Deshalb bezeichnet die Presse diese Bewegung in einem logischen circulus vitiosus als „rechtsextrem“, eben weil der Verfassungsschutz sie beobachtet und der Verfassungsschutz beobachtet sie, weil sie permanent als „rechtsextrem“ bezeichnet wird.

Deshalb versucht man, sich mit allen Tricks und Kniffen das Vertrauen der „rechten Vordenker“ zu erschleichen, täuscht ein genuines Interesse, ja sogar Konsens vor, um dann aus stundenlangem Material diese eine scheinbar inkriminierende Äußerung – aus dem Kontext herausgerissen – zu präsentieren (wie Martin Sellner und Martin Lichtmesz gerade überzeugend darlegt haben).

Deshalb bedient man sich mit Vorliebe der unwiderlegbaren, selbstparadoxen Mimikry-Technik, die in Abhängigkeit von der „Verstellung“, also der scheinbaren Abwesenheit von Faschismus, die hochgradige faschistische Verseuchung diagnostizieren kann. Je mehr einer sich vom Faschismus distanziert, umso faschistischer und hinterfotziger muß er sein und sollte er sich nicht distanzieren, so ist er es sowieso.

Deshalb gewinnen im Wissenschaftsgestus vorgetragene Entlarvungsbücher – wie etwa Volker Weiß` „Die autoritäre Revolte“ – hochdotierte Preise und werden frenetisch in der Presse als Grundsatzdemaskierungen gefeiert.

Deshalb verbreitet „Gegen Nazis Glanz“, in dem man sich wohlfeil sonnen kann, ohne ein einziges Problem gelöst zu haben.

Deshalb riskiert Kritik an der Massenimmigration, an Ausländerkriminalität, an sexuellen Übergriffen ungeahnten Ausmaßes (Köln etc.), an der Willkommenskultur, selbst Kritik an islamistischem Terror oder die Verknüpfung von Islam und Terror, die Demonstration gegen die Islamisierung oder auch nur die Nennung der Hautfarbe oder des Herkommens … noch immer als xenophob, radikal, unmenschlich, rechts und faschistisch denunziert zu werden.

Deshalb müssen harmlose und sprachlose einfache Menschen, wie diese 62-jährige Sekretärin, vor Gericht, weil sie einen geschmacklosen ausländerfeindlichen Witz nicht geschrieben, sondern nur geliket haben.

Deshalb glaubt der Justizminister ein Buch „gegen Rechts“ und nicht gegen Links, salafistisch, islamistisch … schreiben zu müssen. Deshalb kann er sein Netzwerkdurchsetzungsgesetz im Eilverfahren und ohne breite gesellschaftliche Debatte durchdrücken und damit die Meinungsfreiheit gefährden.

Deshalb forscht man akribisch nach „Antisemitismus“ bei den „Neuen Rechten“ und feiert ihn als große Entdeckung, selbst wenn er nur in Spurenelementen und mit hohem sophistischem Aufwand und dialektischen Verdrehungen nachzuweisen ist, wagt sich aber nicht an den allgegenwärtigen systemisch auftretenden Antisemitismus großer Teile einer Weltreligion.

Die Ökonomie des Faschismus gleicht der spekulativen Ökonomie der Banken: Wertschöpfung aus dem Nichts!

[1] Vgl. Douglas Murray: The strange death of Europe. London 2017. S. 237ff.
[2] Das Dementi muß man hingegen lange suchen.
[3] Zu den Vorfällen zählten etwa Hetze gegen Muslime oder muslimische Flüchtlinge im Netz („Hasskommentare“), Drohbriefe, Angriffe auf Kopftuch tragende Frauen oder auf muslimische Männer auf der Straße, aber auch Sachbeschädigung und Nazi-Schmierereien an Häusern. https://www.welt.de/politik/deutschland/article165175810/Hunderte-Angriffe-auf-Muslime-in-nur-drei-Monaten.html

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