Mehr Heimatsplitter

Schwangere Frau geht in Wien in eine Geburtsabteilung um einen Termin zu vereinbaren. Im Warteraum sitzen drei Frauen europäischen Aussehens und circa 15 Kopftuchfrauen mit dicken Bäuchen. Sie wählt danach eine katholische Einrichtung. „Dort hängen überall Kreuze – die wirken, wie bei Dracula“.

Bekannte berichtet, daß ihr Sohn in Jena brutal und ohne zu wissen warum und von wem, zusammengeschlagen wurde. Bekam eine Flasche auf den Kopf und mußte mehrere Tage im Krankenhaus verbringen.

Bekannte aus Dresden erzählt: Gemeinsam mit einer Freundin durchqueren sie abends die Kunsthof-Passage in Dresden-Neustadt, als sie plötzlich hinter sich arabische Stimmen hören. Drei junge Männer folgen ihnen. Sie fassen sich unter und gehen straffen Schrittes weiter, erreichen schließlich die Hauptstraße. Nichts passiert – nur zwei junge Frauen hatten für einen Moment große Angst. „So etwas wäre vor zwei Jahren undenkbar gewesen“, sagt sie mir.

In der Heimatstadt Plauen gab es das alljährliche Stadtfest – diesmal ein ganz besonderes Event. Manuela Müller, die vor anderthalb Jahren noch sehr willkommenskulturell, flüchtlingsfreundlich und gegenwutbürgerisch berichtet hatte, führt nun scheinbar beeindruckt eine stattliche Reihe an neuartigen Ereignissen vor: Polizei-Protokoll zum Stadtfest: So brutal ging es nachts zu.

Lehrerin erzählt: sie wurde hospitiert. Eine Tante aus einer übergeordneten Behörde sieht sich die Stunde zur Weimarer Republik an. Thema: Warum gab es demokratiefeindliche Tendenzen und wo liegen die Parallelen zur Jetztzeit? In der Auswertung lobt die Inspekteurin den „Mut“ der Lehrerin, solch brisante Themen anzusprechen, gerade in solch schwierigen Zeiten, wo die Rechten wieder stark werden etc. Die Lehrerin bekennt, sich Sorgen zu machen und der Einwanderungspolitik kritisch gegenüber zu stehen. Die Dame stutzt einen Moment, schaut fragend – dann bricht es aus ihr heraus: Ja, anfangs habe sie ja auch gedacht, das sei alles richtig und gut, aber jetzt wird es ihr Himmelangst, wenn sie das sieht, und sie wisse überhaupt nicht mehr, was sie denken solle … Wie ein Wasserfall bricht es aus ihr hervor. Man spürte regelrecht – versicherte mir die Lehrerin – daß sie zum ersten Mal offen darüber sprechen konnte und daß eine große Last von ihrer Seele fiel, sich endlich für einen Moment zu befreien.

So diktiert die Angst viele Menschen. So hauen sie sich gegenseitig die Taschen voll. So produziert die eine Unwahrheit die nächste und so weiter. So leben wir in der großen Lüge.

siehe auch: Heimatsplitter, nicht verifiziert

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3 Gedanken zu “Mehr Heimatsplitter

  1. Solche Erlebnisse wie mit der Lehrerin werden mir öfter berichtet, wenn ich in der alten Heimat im Osten bin. Ich find das absurd und beinahe nicht glaubhaft. Im Westen, wo ich seit vielen Jahren wohne, sprechen – jedenfalls um mich herum – sehr viele Leute ihre Kritik sehr offen aus. Woran mag das liegen?
    Gibt es immer noch eine alte Ostementalität, die jede Verlautbahrung der Bundespressekonferenz für eine Anordnung des ZK hält? Oder – auch das halte ich für möglich – haben die Leute im Osten mehr Grund, Angst zu haben, und sind daher überängstlich gegenüber der Obrigkeit?

    Seidwalk: Interessant. Mein Eindruck ist eher gegenteilig: die Ostdeutschen kommen mir offener vor, direkter, vor allem problembewußter. Jedenfalls dürfte die Bundespressekonferenz das Gegenteil der ZK-Beschlüsse hervorrufen: offene Abneigung.

    Viele Westdeutsche – so mein Eindruck – meiden die brisanten Themen, sei es aus Resignation, Überdruß, Verleugnung, Saturiertheit oder eben „Angst“…

    Vielleicht zeigen die differierenden Erfahrungen, daß man mit solchen Verallgemeinerungen vorsichtig sein muß.

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  2. Kurt Droffe schreibt:

    Man muß wirklich mal drei Schritte zurück tun, um sich den Vorgang nochmal in seinem ganzen Irrsinn vor Augen zu führen: Völlig unvorbereitet läßt eine der doch wohl bestinformierten Regierungen der Welt 1-2 Millionen fremde Menschen in das eigene Staatsgebiet einreisen; hat keinen Begriff davon, wer einreist, und auch keine Kriterien dafür. Das bedeutet ein bis zwei Millionen Menschen (und es werden immer mehr), die auf unabsehbare Zeit durch anderer Leute Arbeit ernährt und unterhalten werden müssen, denen zudem größtenteils die kulturellen Standards des Landes fremd sind; für die dieses Land, mit seiner Toleranz, seiner Vollversorgungskultur und seinen freundlichen Bewährungsstrafen wie ein Paradies vorkommen muß. Das ganze wird bejubelt von Menschen, die sich für sozial halten, aber von den daraus folgenden Problemen überhaupt nicht tangiert werden (je höher, desto weniger), von Menschen, die zwar „links“ sind, aber nicht begreifen wollen, daß die „einfachen Leute“, für die sie angeblich immer eintreten, am schnellsten und härtesten unter dieser Änderung leiden werden.
    Und die CDU steht bei 38%; man faßt es nicht.
    Je weiter man zurücktritt, desto irrer scheint einem das Ganze. So muß sich jemand nach 1933 gefühlt haben, der absah, wohin das alles führen würde, und nur den Kopf schütteln konnte angesichts der allgemeinen Massenverblödung..

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Je zuverlässiger kulturelle Merkmale tradiert werden, desto besser greift auch auf dem Felde die Evolution. Ein Volk, das nach dem Darwin Award und ähnlichen Preisen strebt, sollte sie wohl mit Recht auch bekommen.

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