Frauenmangel

Im zentralen Einkaufstempel in Plauen werde ich plötzlich an alte Zeiten erinnert – an meine Armeezeit.

Die ersten sechs Wochen waren die härtesten. In einem großen Militärkomplex irgendwo im Wald wurden 120 junge Männer – alle soeben unsanft aus ihrem Alltagsleben gerissen (ich besonders, denn arbeitete gerade in der Wernesgrüner Brauerei) – sechs Wochen lang gedrillt, schikaniert und auch körperlich ertüchtigt. Es gab dutzende solcher Kompaniegebäude. Man durfte mit den anderen nicht reden, aber man sah auch sie, wie sie 5.30 Uhr im Herbstwetter in kurzer Sportbekleidung verschlafen und mit roten Ringen unter den Augen zum Frühsport heraustraten.

Auch Russen gab es dort. Halbe Kinder, kahl geschoren und abgemagert kamen sie gerade verschwitzt und schwer atmend zurück – Oberkörper frei, aber in dicken Filzstiefeln –, als wir aufbrachen. Sie dampften wie Kriegspferde nach der Schlacht.

Man sah die menschliche Vielfalt. Groß, klein, dick, dünn, hübsch, häßlich, hell, dunkel, dumm und klug in allen möglichen Variationen. Alle zwei Wochen wurden wir nachts um drei aufgeschreckt, mussten uns nackt auf einen Hocker stellen und auf den Feldscher warten, der dann sagte: „Vorhaut zurück“ und sich mit einer Taschenlampe hunderte männliche „Gehänge“ ansah. Er suchte angeblich nach Geschlechtskrankheiten, obwohl seit Wochen gar keine Möglichkeit zur Ansteckung bestand. In Wirklichkeit ging es um Erniedrigung und Herrschaft.

Alles, vom Essen bis zum Befehl „Vollschutz“, war in Männerhand. Neben dir, hinter dir, vor dir ein Mann und im Doppelstockbett auch über oder unter dir.

Irgendwann war es vorbei – übrigens die einzige Zeit in meinem Leben, wo ich wirklich gehasst habe, Mordphantasien hatte: den schikanierenden Spieß, eine komplette Nullität mit Macht –, irgendwann war es vorbei, wir wurden in einen Bus verfrachtet und an unseren eigentlichen Bestimmungsort gefahren.

Es war früher Morgen. Im Dämmerlicht fuhren wir durch ein Dorf oder eine kleine Stadt, mußten an einer Kreuzung halten. Die meisten dösten vor sich hin, der Schlafmangel der letzten Wochen wollte kompensiert werden – wir ahnten noch nicht, daß in den nächsten drei Jahren 300 durchwachte Nächte auf uns warteten. Plötzlich wurde es unruhig im Bus. Stimmen, Bewegung. Wie auf einem Schiff, auf dem man seit Monaten zum ersten Mal Land sieht, wie bei Kolumbus‘ Amerikaentdeckung, wechselten alle auf eine Seite, drückten die Nasen an den Scheiben platt, die vor Ausdünstungen und Schweiß anliefen und immer wieder abgewischt werden mußten.

An der Kreuzung stand eine Frau. Nicht hübsch, nicht jung, aber eine Frau. Kurven, Brüste, Hintern, offenes Haar, Rock, Farben. Die erste Frau nach sechs Wochen, nach nur sechs Wochen. Nun wurde sie von hundert jungen Männern gierig angestarrt. Was mag sie gedacht haben in diesem Moment? Sie trug es stoisch und versuchte wegzuschauen. Im Bus roch es nach Schweiß und Moschus. Unruhige Griffe in den Schritt, Erektionen … Was wäre passiert, wenn der Busfahrer die Tür geöffnet hätte? …

Daran muß ich unerwartet in einem kurzen Flash denken, als ich im Einkaufszentrum mitten in der Stadt stehe, auf der obersten Balustrade dieses postmodernen Konsumtempels, und mir die Wasserspiele, vor allem aber die Menschen anschaue.

© action press / G. Gajanin Stadt-Galerie Plauen

Die meisten Sitzplätze sind besetzt von jungen Migranten. Syrern, Afghanen, Eritreern, Nordafrikanern. Sichtbare, spürbare Fremdkörper. Sie mögen um die 20 Jahre sein. Einige schauen auf ihre Handys. Andere unterhalten sich lautstark, kichern. Und dann gibt es welche, die schauen den Frauen nach. Einer, gut gepflegt, rabenschwarzes Haar, frisch rasiert und dennoch wirkt sein Kinn dunkel umschattet, blauer moderner Anorak, läuft unruhig das große Rondell ab und schaut jeder Frau, die ihm entgegen kommt, in die Augen, auf ein ermutigendes Signal hoffend. Eine junge Verkäuferin, die lasziv an einem Tresen lehnt – auch meine Blicke glitten ganz unwillkürlich an ihrem wohlgerundeten Körper in paßgenauer Jeans ab – scannt er aufmerksam, schaut ihr gierig auf den Hintern (der es wert war!), geht an ihr vorbei, schaut sie lange an, verdreht den Kopf … aber sie ignoriert ihn ganz bewußt und er beginnt seine Runde, wie ein Tiger im Käfig, von vorn.

Man kann diese jungen Männer verstehen. Sie leben in ihren Männerwohnungen, sie pflegen nur Kontakt zu anderen Männern, sie haben kaum eine Chance, mit einer deutschen Frau in Kontakt zu kommen und die wenigen eigenen sind tabu, sie sind jung, sie stehen im Saft, der ganze Körper drängt nach Vereinigung, er ist dafür gemacht, es ist sein Sinn, sich jetzt, in jungen Jahren, zu paaren … aber sie haben keine Möglichkeit.

Entweder sie machen es wie jener spindeldürre Eritreer, der gerade an der Seite einer klatschfetten, unsauberen Person daherkommt, für die er keinen Respekt hat, die er gestikulierend beschimpft, während sie stumpf vor sich her schaut – die er aber wohl ins Bett bekommt – oder vielleicht reicht das Geld auch für ein paar bezahlte Dienste, aber auf eine normale Beziehung werden die allermeisten vergebens warten.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, was dieser Energiestau mit Männern machen kann.

Siehe auch: Islam und dicke Eier

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3 Gedanken zu “Frauenmangel

  1. Robert schreibt:

    Die Frage die sich mir stellt: was würden die jungen Männer denn zu Hause machen? Dort gibt es den Austausch mit den Frauen doch auch nicht, auch dort ist es eine reine Männerkultur. Das Problem besteht doch nicht darin, dass die Jungs wochenlang keine Frau aus der Nähe gesehen haben (um nicht zu sagen: nicht ins Bett bekommen haben) – so wie seinerzeit bei der Armee. Denn das hätten sie zu Hause auch nicht. Das Problem entsteht doch erst durch die in deren Augen geradezu obszöne Freizügigkeit hier (die auch fast schon folgerichtig nicht dazu führt, dass den Frauen besonders viel Achtung entgegengebracht wird). Es ist ein Aufeinanderprallen von Kulturen, auch in diesem Punkt.

    Gefällt 1 Person

    • Daß der Islam ein massives Sex-Problem hat, ist keine Frage und wurde hier verschiedentlich thematisiert.

      Blick senken!
      Frauen im Schutze des Islam
      Sex and the Cities u.a.

      Es ist kein Zufall, daß einige islamische Länder deutlich höhere Vergewaltigungsraten aufweisen oder daß in Ägypten 99% aller Frauen behaupten, schon mindestens ein Mal sexuell belästigt worden zu sein. Religion und Kultur liegen am Grunde dieses Komplexes. Immerhin regelt und deckelt das aus der Religion herauswachsende Rechts- und Wertesystem den Trieb scheinbar. Dieses Korsett entfällt in Europa.

      Soweit ich erfahren konnte, muß man hier stark differenzieren. Gerade in Syrien gab es eine ausgeprägte säkulare Gesellschaft mit den bekannten typischen Exzessen. Noch heute sollen in Damaskus wilde Sex- und Drogenorgien stattfinden. Es hat vor dem Krieg auch eine ausgeprägte Prostitution gegeben, die vor allem junge unverheiratete Männer genutzt haben dürften. Die nahm im Zuge des Krieges sogar zu. Heute werden – so berichteten Hussain und Khaled – die Soldaten Assads freizügig mit Sex bezahlt, ein Mittel, die Armee attraktiv zu machen. … Kurz und gut, für viele gibt es Wege …

      Dabei ist das Geschlechtsorgan gar nicht das Entscheidende. Mir scheint, die bloße Anwesenheit von Frauen, der Kontakt, die Stimme, der Duft, die Sorge, die ordnende Hand … das Ziel, macht Männer sanft, wirkt befriedend, ganz unabhängig davon, ob es zum sexuellen Kontakt kommt. Allein schon die theoretische Möglichkeit, daß da eine für mich dabei sein könnte, verändert viel. Auch das ist eine Erfahrung aus der Armeezeit – im Objekt gab es dann einige Frauen und die ließen die Stimmung sofort eine andere werden, weil die männliche Aufmerksamkeit sich anders ausrichten konnte.

      Hier haben die arabischen Männer ja nicht einmal mehr Kontakt mit Mutter oder Schwestern – die andere menschliche Hälfte fällt quasi weg oder ist unerreichbar oder wird nicht anerkannt. Die Freizügigkeit und Sittenlosigkeit tut dann ein Übriges. …

      Gefällt 2 Personen

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