Heidi Hetzer

Man sollte öfter mit normalen Menschen zusammen sitzen. So wie gestern bei einer Geburtstagsfeier. Da saß die Verkäuferin und erzählt aus dem Leben. Wie sie alle Angst haben um ihren Job. Wie ihnen gesagt wurde, daß sie entlassen würden, wenn sie an Pegida oder WsD-Demonstrationen teilnähmen …

Oder was die Medien ihnen erzählen. Die AfD wolle die „Frau an den Herd“ und sei „gegen Schwule“. Und dauernd werde einem ein schlechtes Gewissen gemacht, schon, wenn man nur die Realität wahrnimmt oder darüber spricht.

Und dann klicke ich am Abend den „Focus“ an und sehe solch ein Beispiel. Heidi Hetzer hat die Welt umrundet. Und ist in Südafrika bestohlen worden. Von Schwarzen. Eigentlich das zu Erwartende – in Afrika. Und sie sagt diesen Satz, sie sagt, was sie erlebt hat: „Die Schwarzen sind nur, nur wenn sie eine olle Jacke im Auto liegen lassen, klauen sie die …“

Für den „Focus“ ist das eine „rassistische Aussage“, ein „Rassismus-Eklat“. Erlebnis ist Rassismus. Ein Erlebnis, das offenbar viele Menschen in Südafrika hatten. Eine gute Freundin unserer Familie, eine aschkenasische Jüdin, Südafrikanerin, glühende Apartheidgegnerin,  heute in England lebend, beschrieb die Unmöglichkeit, als weiße Frau oder als weißer Mann bestimmte Viertel und Straßenzüge zu betreten, ohne mit hoher Wahrscheinlichkeit bestohlen, bedroht, ausgeraubt oder getötet zu werden, erzählte uns, wie die (weißen) Leute sich einmauern hinter Gittern und Schutzanlagen …

Auch sie ein Rassist – oder sogar eine Rassistin?

Wollte man dieses Verbot durchgehen lassen, dann müßte die abstrahierende Satzkonstruktion „X klaut alles“ aus der deutschen Sprache gestrichen werden, denn selbst wenn ich „die Südafrikaner“ oder „die Menschen“ einsetzte, würde ich „diskriminieren“. Wir könnten nur noch passivisch reden: „Es wird einem alles geklaut“.

Das ist die innere Konsequenz der Aussagen: „Es gibt nicht den/die/das  …“ – Immerhin: dann wären auch „die Deutschen“ endlich exkulpiert …

Die normalen Leute, die keine Zeit haben, zu reflektieren, Strategien zu durchschauen, lernen hier nur eines: Du darfst so was nicht sagen. Ganz gleich, ob es wahr ist oder nicht: Du darfst so etwas nicht sagen! Es ist böse, es ist verkehrt, es ist rassistisch – und ich bin nicht rassistisch.

Aber das ist nicht die Realität!

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5 Gedanken zu “Heidi Hetzer

  1. Kurt Droffe schreibt:

    Ich habe das auch gesehen bzw. nur den Dialog gelesen, und mich erst einmal amüsiert; wie es mich immer amüsiert, wenn jemand sich überhaupt nicht um Sprach- und Sprechregeln schert. Trotzdem ist das Reden von Frau Hetzer (auch noch dieser Name, herrlich!) Unsinn und in dieser Form: ja, rassistisch (und ich werfe mit dem Wort wahrlich nicht um mich). Die Dame war in Afrika und ist dort von Schwarzen beklaut worden; das darf sie dagen, und das zu sagen ist noch kein Rassismus. Aber aus: „Ich bin in Südafrika von Schwarzen beklaut worden“, zu folgern: „Die Schwarzen klauen“ ist eine unzulässige, logisch schlicht falsche Folgerung. Werde ich in China bestohlen, wird es höchstwahrscheinlich ein Chinese (oder, sorry, gerade war ja Frauentag: eine Chinesin) gewesen sein; daraus zu folgern „Die Chinesen klauen“ ist Quatsch. Das kann man nun für jede Nation oder Rasse der Welt durchexerzieren, bleibt, logisch, immer Unsinn. Genau aus diesem Grund hatte die Moderatorin auch Recht, konsterniert zu sein. Auch in Südafrika dürfte die Mehrzahl der Schwarzen eben nicht klauen (vom Präsidenten hier mal abgesehen..).
    Damit haben wir noch nicht geredet über soziokulturelle Faktoren bei der Devianz bestimmter Bevölkerungsgruppen, von den Gründen für unterschiedliche Kriminalitätsraten bei heterogenen Bevölkerungen und und. Zuschreibungen aufgrund „rassischer“, ethnischer etc. Merkmale sind nicht per se illegitim, man muß aber sehr genau die Bedingungen im Blick behalten, unter denen sie erfolgen, und ihre Reichweite und Grenzen mitbedenken. Sonst wird es eben reiner Rassismus.
    Daß das Ganze nun aber auch nicht zur Aufregung taugt, bedarf keiner langen Ausführungen; da kommt natürlich dann sofort die komplette Empörungsmaschine auf Touren…

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    • @ Kurt Droffe
      Man muß schon die Logik bemühen, um in diesem Allerweltssatz Rassismus zu erkennen. Damit wird die Ebene verschoben: in einem Alltagsgespräch wird logische Stringenz verlangt und damit der Rahmen gesprengt. Jeder dialektisch oder sophistisch geschulte könnte dann in fast jedem Gespräch innere Widersprüche bis hin zu Moral-Defizienzen nachweisen. Problematisch scheint also nicht die Aussage zu sein – die man im Stillen ja durchaus diskutieren und berichtigen mag -, sondern sie als nationalen Stressoren zu nutzen und daraus eine verkappten Maulkorb zu basteln.

      Aber läßt sich logisch aus der Aussage: „Die Schwarzen sind nur, nur wenn sie eine olle Jacke im Auto liegen lassen, klauen sie die …“ tatsächlich Rassismus filtern?

      M.E. besagt diese ja ohnehin unsaubere Aussageform gerade nicht, daß alle Schwarzen klauen, sondern daß alle Jacken von Schwarzen geklaut werden. Wer eine Jacke in SA offen herumliegen läßt, hat beste Chancen, daß sie a) geklaut wird und b) von einem Schwarzen. Zuvor können durchaus tausend Schwarze daran vorbei gegangen sein, ohne auch nur auf die Idee gekommen zu sein, die Jacke zu klauen.

      Und das ist nun mal ein Erfahrungswert, der sich aus der demographischen Wahrscheinlichkeit plus sozialer Komponenten plus Kriminalitätsstatistiken nährt, und ein typischer Fall des „schwarzen Schwans„, also ein Fall für die Falsifikation.

      Daher gebe ich Ihnen z.T. recht: der Satz hat, wenn man ihn auf die Goldwaage legt und dem Kontext entreißt – er wäre signifikant gewesen, wenn Höcke ihn in einer Rede zu den gerade stattfindenden „Wochen gegen den Rassismus“ gesagt hätte -, rassistische Implikationen aber er ist m.E. nicht rassistisch.

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    • Pérégrinateur schreibt:

      Sie wurde in Südafrika mehrfach bestohlen und anderswo unter vergleichbaren Umständen wohl nicht. Wie sie spricht, zeigt doch schon, dass bei ihr mit Wohldurchdachtem nicht zu rechnen ist. Wenn man ihr nun deswegen mit bösem Vorwurf kommt, wird sie angesichts ihres merkeloiden Formulierungsvermögens sicherheitshalber gar nichts mehr sagen, wenn sie befürchtet, bei einem Thema Tabus auch nur nahe zu kommen. Schon wieder ein Flitterchen Wirklichkeit ausgeblendet und keine solche Reisewarnung für Südafrika mehr. Während man bei anderen Themen und Sprechern nichts auf die Goldwaage legt und großmütigste Toleranz walten lässt. Mit Drohung der sozialen Ächtung bewehrter Erziehungswille ist immer heikel, und wenn man zweierlei Maß dabei anlegt, sogar ausgesprochen misslich.

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  2. Pérégrinateur schreibt:

    Vor Jahren nahm ich eine Zeit lang an einem Tandem-Programm zur wechselseitigen Sprachbelehrung teil und wurde dabei einmal mit einem Schwarzafrikaner verpartnert, der schon etwa ein Jahrzehnt lang als katholischer Priester in einer Gemeinde hierzulande tätig war, aber noch etwas Sprachhebung brauchte. Natürlich wollte ich dem Gast etwas die Umgebung seines Sprachstudienorts zeigen und dachte dabei, im Hinblick auf seinen erfahrenen Interessenschwerpunkt, insbesondere an die alten Kirchen der Gegend. Einer der Ausflüge ging dann zu einer Urkirche, von der heute nur noch die Krypta existiert. Wie wir uns dem Ort näherten, wurde das meinem Gast erst klar, er fiel zurück und sagte beklommen, es wäre vielleicht doch besser, dort nicht hinzugehen, ich könne das ja ein anderes Mal tun. Wie ich ihn anschaute, war er fahl im Gesicht und stand in kaltem Schweiß. Natürlich sind wir dann einvernehmlich „geflüchtet“.

    Aber wenn ich jetzt sagte, dass viele Schwarzafrikaner an Geister, Untote und Hexen glauben, dann wäre das bestimmt auch „rassistisch“. Und wenn ich zu bedenken gäbe, dass mancher diese Superstition offenbar auch in zehn Jahren Deutschland noch nicht abgelegt haben mag, und das obwohl er zugleich Funktionär einer Weltanschauungsgemeinschaft mit einer davon recht verschiedenen „Geisterordnung“ ist, dann könnte ich meinen Fall sicher nur verschlimmern.

    Alle Menschen sind gleich, aufgeschlossen, tolerant, zumal wenn wir in Stellvertretung für sie reden dürfen. Und wenn sie erst einmal den deutschen Pass bekommen haben, dann sowieso. Das ist unser Dogma, und wehe, einer von den Einheimischen bezweifelt es! Bei den Zuwanderern lassen wir da etwas mehr Spiel, aber das gibt sich ganz bestimmt bald, anders als bei den so merkwürdig halsstarrigen Nazi-Sachsen.

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