Sprachkompetenz

Zweisprachig aufzuwachsen ist ein Glücksfall. Kinder, die in fremden Landen heranwachsen und im elterlichen Heim einen festen und sicheren Stützpunkt haben, der sie ungezwungen auch mit der Muttersprache vertraut macht, haben enorme Vorteile für das ganze Leben. Ich kenne Familien, die sogar drei- oder viersprachig (ein Elternteil als Katalane zweisprachig) aufwuchsen und diese Herausforderung, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, meisterten. Oft lernen diese Kinder dann noch ein oder zwei Fremdsprachen in der Schule und können mit 18 auf ganz natürliche Art und Weise in fünf verschiedenen Idiomen parlieren.

(Freilich, ein Problem haben diese jungen Menschen meist: sie haben keine nationale Identität, sie verstehen das eine Wort „Heimat“ nicht, sie sind in einen seelenleeren Kosmopolitismus hineingewachsen.)

Aber es bedarf des ganzen Einsatzes der Eltern, die in der Regel selber sprachaffin sind.

Die Ergebnisse einer Untersuchung in Kopenhagen aus dem Jahre 2015 wurden nun öffentlich gemacht und zeigen ernüchternde Zahlen.

11,7% der Kinder mit dänischem oder europäischem Elternhaus haben mangelhafte Dänischkenntnisse. Bei Kindern aus nichtwestlichem Elternhaus steigt diese Rate allerdings um das Vierfache!

Auf einer Skala von 0 bis 100 erreichten 25,6% – also ein Viertel aller Kinder aus vornehmlich islamischen Ländern – weniger als fünf von hundert Punkten und weitere 18,6% bleiben unter bescheidenen 15 Punkten. Das heißt, 44,2% aller nichtwestlichen Einwandererkinder verfügen praktisch über keinerlei Sprachkompetenz in der Landessprache!

Im politisch korrekten Dänisch heißt das, sie haben „Bedarf für einen umfassenden sprachstimulierenden Einsatz“ bzw. „Bedarf für eine extra Sprachstimulierung“. Diese Sprachregelung ist vielsagend, denn sie schiebt die Verantwortung nicht den Eltern und den Migrantenkommunen innerhalb der Parallelgesellschaften zu, sondern bezichtigt die dänische Gesellschaft selbst des Versagens. Diese also müsse sich strecken, die Lehrer mehr Einsatz zeigen, die Bedingungen verbessert werden …

Folglich fragt die „Berlingske Tidende“ die Kopenhagener Jugendbürgermeisterin:

„Weshalb wurde bisher nicht mehr Einsatz gezeigt?“, worauf sie antwortet:

„Vielleicht gab es da eine Angst, eine bestimmte Gruppe von Kindern zu diskriminieren. Vielleicht sind wir Politiker einfach nicht gut genug, von den Lehrern zu verlangen, daß sie die Kinder testen und einschätzen, selbst wenn es zu Konflikten mit deren fachlichem Selbstverständnis kommt.“

Das ist linkes Denken in einer Nußschale!

Und wie sieht es in Deutschland aus, in jenem Land, in dem laut Kanzlerinnendefinition und bei mangelnder Sprachkompetenz, „jeder das Volk ist, der in diesem Lande lebt“? Da tischt die „Welt“ am gleichen Tage in einem bedenklichen Beitrag „Neuigkeiten“ auf, die in Kreisen der Vernunft von Tag 1 an angekündigt wurden, die seinerzeit aber als „rassistisch“ und „generalisierend“ bezeichnet worden waren.

Eines allerdings werden diese Kinder, wenn sie bald keine oder nur noch halbe Kinder sein werden, sehr gut können: Kinder kriegen.

spalt

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2 Gedanken zu “Sprachkompetenz

  1. Kurt Droffe schreibt:

    Ein paar schnelle Gedanken dazu:
    1. Ich denke nicht, daß Zweisprachigkeit zu „seelenleeren Kosmopolitismus“ führt oder führen muß; man kann auch zwei, vielleicht sogar drei Heimaten (jetzt drehen Sie mir aus dem fehlenden Plural keinen Strick..) haben. Es kommt hier wie bei den ja von Ihnen einmal angesprochenen Auslandsaufenthalten auf die dahinter stehende Haltung an: Mit welchen Vor- und Mitgaben entlasse ich die Kinder in die Fremde (Sprache)?
    2. Daß in Europa eine semiliterate Unterschicht heranwächst, die weder die Sprache ihrer neuen Heimat (?), zum Teil aber auch nicht mehr die Sprache ihrer alten beherrschen wird, steht außer Frage. Wie damit umgehen? In Berlin sind mehrsprachige Hinweisschilder und -blätter in öffentlichen Einrichtungen bereits Alltag (in der Schweiz übrigens auch). Wie weit will man hier gehen? Wann wird die Forderung auftauchen, türkisch- und arabischsprachige Grundschulen einzurichten? Das müßte man vielleicht gar nicht perhorreszieren; es mag für manchen Schüler besser sein, den Lernstoff in seiner Muttersprache gut als in der deutschen kaum zu verstehen. Ist dann das Deutsche als erste Fremdsprache das Ziel?
    3. Dem könnte man vielleicht entspannter entgegensehen würde nicht absehbar die gesamte Bringschuld vor den Füßen des bösen weißen Mannes abgelegt werden: Die Deutschen (Dänen etc.) hätten zu wenig „Angebote“ gemacht, sich nicht um Inklusion bemüht, ihre eigenen Standards absolutiert statt relativiert, und und. Wird zwar widerlegt von jeder einzelnen migrantischen Erfolgsgeschichte, von jeder Familie, die ich in Kita und Schule sich um Mit- und Fortkommen bemühen sehe, doch was soll‘s. Was auch wieder unterstreicht, daß sich mit allem Geld der Welt häusliche Bildungsanstrengungen nicht ersetzen und -defizite nicht ausgleichen lassen. Wenn also die sprachlichen Mängel sich in geringeren Chancen und Erfolgen widerspiegeln, dann heißt es nicht „selbst schuld“ sondern „die sind schuld“.
    4. Passend zu Ihrem Beitrag schlägt nun gerade heute Herr Özdemir einen öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland vor. Was draus machen? Nun würde ich sowohl den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in dieser Form wie auch die Grünen in jeder Form lieber heute als morgen abgeschafft sehen, dennoch – hier hat der Mann irgendwie Recht: Türken, die in Deutschland einen Sender mit türkischen Inhalten sehen wollen, müssen ihre Schüsseln (tausendfach) Richtung Türkei wenden. Das sind aber alles Beitragszahler, die eigentlich ein Recht darauf haben, daß mit ihrem Geld auch ein Programm gestaltet wird, welches auch ihre Interessen bedient. Nun belegt Herr Özdemirs Statement zwar auch nur, daß man mit dem Rundfunk politisch „was will“; aber hier könnte sich der eigentliche Sinn eines ö.-r. Rundfunks tatsächlich mal beweisen – und nicht in Traumschiff, Musikantenstadel und Tagesthemen.

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    • Nur zu Punkt 1 ein paar Worte: Mag sein, daß meine Formulierung ein wenig zu kategorisch ist – da haben sie ein feines Gespür. Es kommt in der Tat “ auf die dahinter stehende Haltung an“ – aber wir müssen der Realität nun mal ins Auge schauen: da ist meist nichts, nicht viel Haltung; die gelegentliche Ausnahme nicht übersehend. Dazu – zu den zwei,drei Heimaten – folgt demnächst ein kleiner Artikel aus der Reihe „DIY“. Wie gesagt, prinzipiell ist Mehrsprachigkeit ein (selbstgebasteltes) Geschenk, aber eben oft auch ein Weg in die Heimatlosigkeit. Wie anders noch die Alten, die mit sicherer Wurzel in den geistigen Welten anderer Kulturen ebenso zu Hause waren. Dann kann man auch – wie Goethe – „Weltbürger“ sein, beseelter Weltbürger.

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