In Deutschland unmöglich

Drei Szenen der letzten Tage – in Deutschland vermutlich alle undenkbar.

  1. Großer Schwabenball. Die Ungarndeutschen und Ungarn feiern ihn jedes Jahr. Es wird gegessen, getrunken, getanzt bis weit nach Mitternacht. Zu Beginn stellen sich die traditionellen Tanzgruppen vor. Zuerst die ganz Kleinen aus dem Kindergarten. Händehaltend bilden sie einen Kreis. Die Mädchen in Trachtenkleidern, die Jungen in Anzug und schwarzer Weste.

Die Mädchen singen und spielen einen Muttertanz. Im Rhythmus nehmen sie die Arme vor die Brust und wiegen ein gestilltes imaginäres Baby, dem sie zärtlich zusingen.

Dann kommen die Burschen auf einem Steckenpferd angaloppiert, halten vor den Mädchen, beugen die Knie und deuten Verehrung an.

Das Regionalfernsehen berichtete (11:00 – 13:25 min., der Kindertanz ab 12:25 min.)

Mehrere hundert Menschen schauen gebannt zu und bejubeln die Kleinen.

Eine Kindergärtnerin, die in Deutschland den Kindern derart geschlechterspezifische Rollen (Konstrukte) spielerisch beibringen (aufoktroyieren) wollte, hätte wohl mit Problemen zu rechnen.

  1. Der Lehrer behandelt das Thema „Nationalismus“ in einer ungarischen Schule. Es werden die üblichen Definitionen und Gefahren theoretisch abgehandelt. Eine Schülerin hält einen Vortrag darüber und stellt am Ende die Frage: Wie findet ihr das? Es wird geheim abgestimmt. Das Ergebnis: Alle Schüler der Klasse finden Nationalismus gut und richtig. Auch die Schülerin, die gerade vorgetragen hatte. Warum? Sie glauben, jedes Volk habe das Recht auf Bestand, seine Identität zu schützen, seine Traditionen zu bewahren.

Ein Lehrer in Deutschland, der zu solchen Lernergebnissen käme, hätte kaum Aussicht auf eine längere Anstellung.

  1. Ich sitze in meiner Englischklasse und lasse über Reiseerlebnisse sprechen. Enikö, eine vierzigjährige dreifache Mutter und Lehrerin an der Grundschule, berichtet von ihren Erlebnissen in Italien. Sie liebt Italien, aber seit 2015 fahren sie da nicht mehr hin. Warum?, hake ich nach. Wegen der Migranten: „I don‘t want to see them.“ Ich antworte: “You should go to Italy because of the migrants”, um zu sehen, wie es ist und ob es so ist, wie du glaubst. Entsetzt schaut sie mich an: „Nee, in meinen zwei Wochen Urlaub will ich meine Ruhe haben und entspannen und nicht dauernd um mich schauen. Wir fahren jetzt nach Kroatien“.

Die drei anderen Damen nicken ganz selbstverständlich mit dem Kopf.

In Deutschland wäre solch eine Antwort nie und nimmer einfach hingenommen, ja sogar bejaht worden. Hier ist es das, was man eben sagt und denkt.

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