Auf dem Teppich bleiben

Politically Incorrect“ präsentierte am 3.2. ein Video der Islamaufklärungsseite “Al Hayat TV”, in welchem ein ehemaliger Al-Qaida-Kämpfer und späterer christlicher Konvertit einige Fragen beantwortet.

Al Hayat TV ist ein kritischer Aufklärungskanal orientalischer Christen und ist in vielen Fällen zu empfehlen, da die Beitragenden ausgewiesene Kenner der Theologie, der Kultur und der Sprache des Islam sind.

In besagtem Beitrag wird Hassan Abu Hamza, der wie unser Freund Hussain aus Idlib stammt, befragt: Wie denkt der normale nicht radikale Muslim über die deutsche Gesellschaft? (6.40 min)

Die Antwort ist verstörend: „Ich habe in Deutschland viele Muslime getroffen, die offenbar nicht religiös sind … Diese z.B. begehen Steuerhinterziehung oder weigern sich für das U-Bahn-Ticket zu bezahlen. … Sie argumentieren, daß sie in einem ungläubigen Land leben. Das ist das Verhalten vieler sogenannter gemäßigter und integrierter Muslime. Sie betrachten diese Gesellschaft als eine ungläubige Gesellschaft der Kreuzzügler. Daher erlauben sie sich, den Staat zu bestehlen.“ Danach gibt er eine kurze theologische Erklärung und faßt noch einmal zusammen: „Das grundlegende Verständnis dieser Ideologie ist es, den Ungläubigen gegenüber nicht loyal zu sein oder sie zu lieben.“

Ich fand diese Aussage schockierend. Sollte sie tatsächlich auf einen Großteil der Muslime zutreffen, wie im Beitrag unterstellt wird, dann wären die gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen katastrophal. Andererseits konnte ich diese Aussage nicht mit meinen persönlichen Erfahrungen mit Muslimen in Übereinstimmung bringen. Also habe ich Hussain gefragt – hier der kurze Briefwechsel:

Hallo Hussain,
habe gerade einen kurzen Film gesehen. Darin erklärt ein syrischer ehemaliger Al-Qaida-Kämpfer unter anderem, wie einige Muslime das Leben in Deutschland bewerten. Ich wäre dir dankbar, wenn du dir die anderthalb Minuten mal anschaust und mir sagst, ob das stimmt oder nicht. Ist das ein Gedanke, der verbreitet ist?
Grüße
SW

Lieber,
Ich habe gerade das Video angeschaut. Er redet nur über seine Umgebung. Die normale Muslime reden nicht vom Kalifat und wissen nicht viel darüber. Außerdem hassen sie den, der etwas stiehlt unabhängig davon, ob man gläubig oder ungläubig ist. Es gibt solche Gedanken und solche Leute unter Muslimen, aber sie sind nicht verbreitet und die meisten wollen nur ein gutes Leben, ohne tiefer als das zu gehen und ohne den Glauben zu verlieren.
Mit freundlichen Grüßen
Hussain

Lieber Hussain,
danke für deine Antwort. Ich frage trotzdem noch einmal nach: Mir ging es vor allem um den Gedanken, bestimmte Leistungen nicht zu erbringen – z.B. Fahrkarte kaufen -, weil man sich in einem Land der „Ungläubigen“ befindet und weil der Islam (oder bestimmte Auslegungen) es erlaubt oder sogar fordert, die Ungläubigen nicht zu unterstützen bzw. ihnen sogar zu schaden. Man muß dazu nicht religiös sein, es genügte bereits ein allgemein verbreitetes Bewußtsein, ein nationales oder kulturelles Vorurteil. Grüße

Lieber,
zum Beispiel, wenn man etwas nicht bezahlt, dann fragen die anderen, warum hast du das gemacht und er sagt als Begründung, sie sind ungläubig. Ich habe solche Dinge gehört, aber wie gesagt, nicht viele Leute sind so, sondern nur diese Leute, die stehlen oder schlecht handeln, sagen das als eine Begründung. Als Gedanken halten es die meisten, daß diese Taten im Islam schlecht und verboten sind. Er wurde in einer islamistischen Umgebung erzogen, deshalb denkt er, daß der Islam so ist und die Muslime so sind.
Grüße
Hussain

 

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2 Gedanken zu “Auf dem Teppich bleiben

  1. Pérégrinateur schreibt:

    Die ethischen Überzeugungen fallen gewöhnlich so aus, dass sie für ihre Träger förderlich sind, siehe etwa die notorische „soziale Ungerechtigkeit“ der einen gegen die ebenso notorischen „konfiskatorischen Steuern“ der anderen. Das Leben begünstigt die Opportunisten, falls sie es nicht zu offen treiben. Das ist bei den Hiesigen übrigens auch nicht viel anders, die sitzen nur gewöhnlich sowohl höher auf ihrer konkaven Nutzenfunktion wie auch höher in der Maslowschen Bedürfnispyramide.

    Sie mögen einwenden, wieso dann die den eigenen materiellen Interessen langfristig so abträgliche Narretei des „Märchensommers“ unter den Hiesigen? Weil man Achtungspunkte durch moral signaling erringen konnte. Gewöhnlich kann man dieses Spiel als Bürger in politischen Dingen treiben, ohne dass es langfristig Auswirkungen auf die eigene Zukunft hätte, weil die Regierenden standhaft gegen den größten Unfug bleiben. Wir hatten aber Frau Merkel. Und jetzt stehen viele hoch auf der moralischen Leiter und wissen nicht („wissen“ itrifft es vielleicht nicht ganz wegen der beteiligten Hirnregionen), wie sie ohne Verlust der Haltungsnote von dort wieder herunterkommen können. Für gewöhnlich hilft in der Situation ein Sündenbock. Wenn das auch diesmal so sein müsste, wäre es mir lieber, wenn aus Gleichstellungsgründen auch einmal eine Sündengeiß zum Azazel geschickt würde. Das ist aber wohl eine eitle Hoffnung.

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  2. Kurt Droffe schreibt:

    Kompliment an Ihren Freund für sein Deutsch; bewundernswert!
    Meine Vermutung geht auch in die Richtung, die er beschreibt: Daß eher diejenigen, die ohnehin keinen Begriff von Anstand und Eigentum haben, so etwas dann als Begründung nennen, und doch genauso schäbig auch in islamischen Ländern handeln würden. Wishful thinking?
    Daß harte Islamisten so denken, das allerdings glaube ich gern. Und daß unter den neueren Migranten (und nicht nur da) viele sind, die diesen Staat und seine Bürger(innen) nur als Beuteobjekt ansehen, das, denke ich, steht auch außer Zweifel, aber wie gesagt, da dürfte die kriminelle Haltung viel tiefer sitzen. Auch der übelste Charakter wird seinem Tun noch irgendeinen Anstrich von „Richtigkeit“ zu geben suchen, und da kommt der Islam sicher manchen gerade zupass.
    Man mag es mit den Nationalsozialisten vergleichen. Auch die kannten keine Scham, Juden für ihre Sache zu berauben, ganz im Gegenteil. Der harte Kern der Nazis jedoch, der tatsächlich für die Ausrottung des Judentums stand, war allerdings erheblich kleiner als die große Zahl der bereitwilligen Profiteure und Diebe, für die die herrschende Ideologie dann gerade passend kam, wenn es darum ging, einen kleinen schmutzigen Vorteil zu bekommen. Noch größer die Zahl der schweigenden Mehrheit. Womit man bei einem pyramidalen Drei-Schichten-Modell von ideologischen Einpeitschern, kriminellen Existenzen und Exekutoren, und einer zumindest nicht protestierenden Mehrheit ist. Auch keine schöne Perspektive.

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